Deathstars - Z7 Pratteln 2023
Do, 23. November 2023

Deathstars, Priest, Liv Sin

Z7 (Pratteln, CH)
21.02.2024
Deathstars - Z7 Pratteln 2023

Langerwartete Tournee mit schwedischem Death Glam

Nach vielen, teilweise pandemiebedingten Hürden schafften es die Deathstars am 23. November endlich zurück in die Schweiz: Mit schwedischen Landsleuten als Warm Up und dem langersehnten neuen Album «Everything Destroys You» im Gepäck sorgten die Industrial Metaller im Z7 für eine riesige Party.

Schon bevor sich die Deathstars 2019 mit einigen Festivalauftritten zurückmeldeten, war es lange ruhig um die Schweden. Die danach geplante Tournee wurde unter anderem wegen eines kleinen Virus mehrfach verschoben. So kann ich auch erst jetzt mein Versprechen vom damaligen Wacken-Bericht, ich würde von der nächsten Tour einen genaueren Bericht liefern, einlösen. Vergangenen Mai erschien dann das neue Album «Everything Destroys You» und im Spätherbst konnte endlich auch eine dazugehörige Tour stattfinden. Pünktlich zum Start in den Konzertabend stehe ich also in Pratteln bereit!

Liv Sin

Sagt dem geneigten Leser Sister Sin etwas? Mir nämlich herzlich wenig, doch ist die Heavy Metal-Truppe aus Göteborg insofern wichtig, als dass deren Sängerin Liv Jagrell nach der vorübergehenden Auflösung ihr neues Projekt Liv Sin gründete. Zwar wurden Sister Sin dann 2019 wieder aktiv und für Liv Sin wiederum stand ein Break bevor, aber heute sind trotzdem Liv Sin für die Eröffnung des Abends verantwortlich.

Wie dem auch sei: Im Fokus der Truppe steht so oder so ganz klar Madame Jagrell – welche dem Projekt ja auch ihren Vornamen leiht. Dies ist auch beim jetzigen Live-Auftritt deutlich spürbar. Die rothaarige und schwarz-rot gekleidete Dame zieht einen Grossteil der Aufmerksamkeit auf sich, während ihre Kumpanen etwas zu sehr in den Hintergrund rücken. Musikalisch liefert das Quintett kurzweiligen, wenn auch nicht sonderlich überdurchschnittlichen Heavy Metal. Auch hier dominiert Livs leicht kratzige Stimme im Mix etwas zu fest, was auf die Dauer ein bisschen zu penetrant rüberkommt.

Alles in allem habe ich schon viel bessere Opener gesehen. Ist jedoch die Voraussetzung lediglich, das Publikum etwas aus der Reserve des Alltags zu locken und musikalische Unterhaltung während dem ersten Bierchen zu bieten, erfüllen Liv Sin diese problemlos.

Priest

Der nächste Act dürfte im Publikum noch einiges umstrittener sein. Das hat nichts mit der Vergangenheit der einzelnen Mitglieder – die waren zuvor teilweise bei Ghost tätig – zu tun, sondern viel mehr mit der Musikrichtung, die die Herren einschlagen. Mit Metal hat diese nämlich rein gar nichts am Hut. Nein, Priest spielen (zugegebenermassen sehr unterhaltsamen) Synthwave. Mercury, Salt und Sulfur, die drei Musiker des Projekts, tragen Masken und geben auf der Bühne kaum etwas über ihre Identität preis. Ob das noch ein Überbleibsel aus Ghost-Zeiten ist? Zudem ist auch hier die Rollenverteilung relativ eindeutig: Abgesehen vom Keytar-Solo des Keyboarders steht nämlich nur der Sänger im Vordergrund. Mehr noch als bei Liv Sin sogar. Zusammen mit dem vielen Nebel, durch welchen das Scheinwerferlicht und auch das an seinem Helm montierte Laserlicht tanzen, ergibt dies eine ganz charakteristische Stimmung.

Vorsichtig ausgedrückt kann ich den zweiten Voract folgendermassen zusammenfassen: Der sehr technoide Stil hat im Vorprogramm einer Metalband eigentlich nicht viel verloren. Trotzdem kommt der Synthwave Marke Priest bei den Deathstars-Fans mehrheitlich gut an. Auch mir gefällts. Und Kritiker wird es sowieso immer geben.

Deathstars

Dann ist es endlich Zeit für den Hauptact. Ready für jede Menge Synthi und die markante Stimme von Whiplasher? Gestartet wird mit dem Titeltrack des dritten Albums «Night Electric Night», das vor seinem Release mal als «Deathglam» angekündigt worden war. Letzterer Begriff fasst gut zusammen, welche Art von Musik das aus dem nördlich von Göteborg gelegenen Städtchen Strömstad stammende Quintett vom Stapel lässt: Musik, die sich strukturell durchaus als Glam Metal charakterisieren lassen würde, aber mit jeder Menge Einflüssen aus dem Industrial und Gothic Metal, minim sogar aus dem Death Metal (wo die Band früher unter dem Namen Swordmaster heimisch war) angereichert wurde.

Mit dem Glam-Gehabe ohne stumpfen 08/15-Glam Metal bedienen Deathstars eine Nische, in der sie nur wenig Konkurrenz haben. Die sauber gespielten Gitarren, die dauerhaft präsenten und doch nie zu prominenten Synthesizer-Klänge, die tiefe Hauptstimme und die unterschiedlich verzogenen weiteren Vocals, das macht den Sound aus! Und mit diesem haben die auf die illustren Namen Whiplasher Bernadotte, Nightmare Industries, Nitro, Skinny Disco und Cat Casino hörenden Musiker das Publikum ab den ersten paar Takten auf ihrer Seite.

Auch im weiteren Verlauf haben die Schweden kein Problem damit, das Publikum bei Laune zu halten. Das bereits erwähnte Glam-Gehabe, das weder zu übertrieben noch oberflächlich wirkt, verleiht der Truppe eine sympathische Art. Die Songs, die querbeet aus den inzwischen fünf veröffentlichten Studioalben zusammengesucht wurden, sorgen für eine zufriedenstellende Spannungskurve. Sogar dem etwas unsauber abgemischten Sound kann man, je nach Auslegung, etwas Positives abgewinnen. Und nicht zuletzt scheinen Deathstars davon zu profitieren, dass zwar nicht allzu viele Besucher da sind, diese jedoch grösstenteils sehr vertraut mit dem Songmaterial sind und entsprechend mitfeiern.

Setlist – Deathstars

  1. Night Electric Night
  2. Between Volumes And Voids
  3. All The Devil’s Toys
  4. Ghost Reviver
  5. Midnight Party
  6. Tongues
  7. Greatest Fight On Earth
  8. Death Dies Hard
  9. This Is
  10. New Dead Nation
  11. Fire Galore
  12. Metal
  13. Synthetic Generation
  14. Everything Destroys You
  15. Blood Stains Blondes
  16. Chertograd
  17. Blitzkrieg
  18. Cyanide

Das Fanzit – Deathstars, Priest, Liv Sin

Das Z7 kam heute Abend in den Genuss eines etwas ungewöhnlichen Bandpakets. Liv Sin, die den ersten Slot nutzen durften, haben einen soliden Anfang gemacht. Priest dürften dann, Musikstil und Auftreten sei Dank, für viel Diskussionsstoff gesorgt haben. Im Vorprogramm eines Metalkonzerts grenzwertig, vor den Deathstars jedoch ganz okay. Die Headliner, für welche wohl beinahe jeder Besucher angereist ist, konnten den Abend dann ohne Probleme ins Trockene bringen. Die Setlist bot einen bunten Querschnitt durch die Schaffensgeschichte der Industrial Glammer, bei dem weder das aktuelle Album «Everything Destroys You» noch die vorherigen Scheiben zu kurz kamen. An meinen ersten Deathstars-Gig vor knapp zehn Jahren, ebenfalls hier im Z7, kam der heutige Auftritt zwar nicht ran. Aber: Das hätte mich auch überrascht.


Wie fandet ihr das Konzert?

21.02.2024
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