Albion – It Was In The Month of May
Folk Rock
Folk-Epik mit britischer Seele
Der von Albion selbst als «Folk Music with Distortion» betitelte Sound bleibt mir als eine der ganz grossen Überraschungen von 2024 in Erinnerung.
Ihr Debutalbum «Lakesongs Of Elbid» ist ein beeindruckender Hybrid aus archaisch traditionellem Folk und Rock bzw. Metal. Mit musikalisch erzählerischem Flair wird der Hörer in die verwunschene Welt der Sagen entführt. Zwei Jahre später melden sich die jungen Briten schier spontan mit dem Nachfolger zurück. Kann das neue Album nochmal jene entrückende Wirkung erzeugen?
Etwas ruhigere Töne
Seit dem Debut hat sich innerhalb der Truppe Essenzielles getan. So ist Songwriter Joe Parrish-James zwischenzeitlich bei Jethro Tull ausgestiegen, während Jack Clark die Gitarrendienste beim Altmeister mit übernahm. Der ideale Tausch, um sich tiefer im eigenen Projekt entfalten zu können. Die Weiterentwicklung lässt sich auf der zweiten Langrille durchaus hören.
Eine musikalische Ausrichtung, die sich bei den einzelnen Songs mit bedeutend ruhigeren und leichteren Tönen bemerkbar macht. «It Was In The Month of May» wirkt auf Anhieb als Gesamtwerk wesentlich kompakter und prägnanter. Dies liegt auch daran, dass die Spielzeit (52 Minuten, 8 Songs) gegenüber dem Debut (70 Minuten, 12 Songs) erheblich heruntergebrochen wurde.
Im Mittelpunkt steht eindeutig das Folkelement. Dadurch wurden die Metalanteile auf das absolute Minimum reduziert. Sind auf dem Debut noch ganze Songs, die per se als Folk Metal durchgehen, ist es hier lediglich als gestreutes Song-Element herauszuhören. Das mag dem Metaller auf Dauer zu wenig Strom haben. Allerdings wäre es töricht, das Album auf dieses Faktum zu reduzieren.
Viel Talent und Gespür
Mit dem Frühlingserwachen im Fokus erwecken Albion im tolkienischen Stil eine blühende Landschaft zum Leben. Joe stellte bereits auf der EP «Pryderi» (2019) sowie «Lakesongs Of Elbid» sein Talent als Songwriter und Multiinstrumentalist diskussionslos unter Beweis. Auf «It Was In The Month of May» bekommt der geneigte Hörer erneut sein unglaubliches Gespür für traditionell rockigen Folk auf mitreissend erzählerische Art serviert. Das erinnert vor allem aufgrund der Querflöte hin und wieder an die Folk-Periode von Jethro Tull, hat aber seinen ganz eigenen Twist.
‹The Green Knight›, ‹Eldest (Tom Bombadil)› und ‹She Is The River (Goldberry)› sind episch folkloristische Glanzstücke – ganz ohne Ablaufdatum. Davon überstrahlt fügen sich ‹Hymm To Elbereth› sowie das walisisch gesungene ‹Mis Mai› und ‹Calan Mai› passend ein. Ganz anders verlässt ‹Down With The Hero› den epischen Pfad und lädt (zumindest imaginär) zum Tanzen ein. Die stille Krönung geht aber an ‹Cherry Hill (Maya II)› – ein unscheinbares, akustisches Juwel, das allein den Kauf der ganzen Platte wert ist. Über sechs Minuten pure Magie … und Hühnerhautgarantie.
Das Fanzit zu Albion – It Was In The Month of May
Mit typisch britischem Flair nehmen Albion den Zuhörer erneut auf eine episch musikalische Reise. Der gereifte Folk Rock überzeugt über die ganze Länge des Albums und weiss gerade auch mit seiner Leichtigkeit zu gefallen.
«It Was In The Month of May» ist für Kenner ein Muss, für Neugierige mehr als ein Ohr wert.
Die Tracklist – Albion – It Was In The Month of May
- Mis Mai
- The Green Knight
- Down With The Hero
- Eldest (Tom Bombadil)
- She Is The River (Goldberry)
- Hymm To Elbereth
- Cherry Hill (Maya II)
- Calan Mai
Das Line-up Albion
- Joe Parrish-James – Vocals, Flute, Guitars
- Rhiannon Parrish-James – Vocals
- Jack Clark – Guitars, Backing Vocals
- Peter Szypulski – Bass
- Ollie Medlow – Drums
Video Albion – Eldest (Tom Bombadil)

