Nidhoeggr, Excelsis - Mahogany Hall Bern 2026
Sa, 18. April 2026

Excelsis, Nidhoeggr

Mahogany Hall (Bern, CH)
23.04.2026
Nidhoeggr, Excelsis - Mahogany Hall Bern 2026

Berner Platte Deluxe

Frühlingssonne, Aare-Idylle – und mittendrin lockt die legendäre Mahogany Hall am Berner Bärenpark mit einer ganz besonderen Dessertkarte. Mit Excelsis und Nidhoeggr werden zwei üppige Portionen regionaler Folk Metal serviert: reichhaltig, mitreissend und garantiert nichts für Diätpläne. Ein Abend, der nicht nur den Gaumen, sondern auch die Nackenmuskeln fordert.

Nachdem wir uns beim ausgedehnten Apéro am Aareufer beim Lido Altenberg die nötige Dosis Frühlings-Entspannung reingezogen und im Mattenquartier noch kulinarisch nachgelegt haben, zieht es uns den Klösterlistutz hoch zur legendären Mahogany Hall – seit 1968 quasi Pflichtprogramm für Musikliebhaber.

Auf dem Balkon stolpern wir direkt in die Jungs von Excelsis, die sich in der ersten Verdauungsphase eines hausgemachten Znachts befinden. Sänger Münggu wird im Verlauf des Abends übrigens noch mehrmals schwärmerisch auf die offenbar göttliche Rösti zurückkommen – man merkt: Die hat Eindruck hinterlassen.

Mit Excelsis durch Raum und Zeit

Es ist fast schon absurd gemütlich: letzte Sonnenstrahlen und gemeinsam mit der Band in Erinnerungen schwelgen. Und wie könnte es anders sein – irgendwann landen wir natürlich wieder beim legendären Trip mit zwei Cars ans Metalcamp 2004 in Tolmin (Slowenien). Für mich bis heute eines der denkwürdigsten Festivalerlebnisse überhaupt, nicht zuletzt, weil wir die Reise zusammen mit der Band machen durften.

Unvergessen der Auftritt auf der Nebenbühne – ursprünglich als Deadliner nach Headliner Slayer geplant. Doch dann: kurzfristige Absage einer anderen Band, Chaos pur, und plötzlich müssen Excelsis gleichzeitig mit Slayer ran – ohne Chance, das den eigenen Fans anzukündigen. Für mich als eher moderater Slayer-Fan kein Problem: Ich bekomme das komplette Excelsis-Spektakel von Sekunde eins mit. Dass dann auch noch die Technik streikt, passt irgendwie ins Bild dieses leicht verfluchten Gigs. Münggu reichts irgendwann komplett – kurzerhand bekommt sein Arbeitsgerät eine spontane «Design-Anpassung». Alles läuft schief, was schieflaufen kann. Aber immerhin: Der Veranstalter zeigt sich erkenntlich für die mitgereiste Fanmeute und belohnt die Truppe mit einem Slot auf der Hauptbühne im Folgejahr.

Und dort passiert dann einer dieser Momente, die man nicht vergisst: Zwei der mitgereisten Fans schwingen eine riesige Schweizer Fahne auf dem leicht erhöhten Damm seitlich der Bühne, die Sonne im Rücken, die Musik im Herzen – Hühnerhaut bei allen Anwesenden inklusive der Protagonisten auf der Bühne garantiert.

Mit dabei als Fan übrigens auch ein gewisser «Mäk», leidenschaftlicher Bassist. Da Excelsis gerade Bedarf haben, wird er kurzerhand so lange bearbeitet, bis er einsteigt – und bis heute dabei bleibt.

Wahnsinn, was da jeweils alles zusammenkommt. Aber genug Nostalgie – wir sind bereit für neue Geschichten.

Nidhoeggr

Obwohl die Thuner Folk-Death-Metaller Nidhoeggr schon mehrfach mit Excelsis die Bühne geteilt haben, ist das heute tatsächlich meine Live-Premiere. Und schon nach dem ersten Song frage ich mich ernsthaft: Wieso eigentlich erst jetzt? Die Mischung passt perfekt in mein persönliches Metal-Beuteschema: eine Prise Finntroll mit hartem Melodic Death Metal und tanzbaren Folk-Elementen (etwas weniger Polka-Zirkus), kombiniert mit den epischen Melodien à la Ensiferum – inklusive Keyboard-Teppichen und starkem Background-Gesang. Genau mein Ding!

Dazu kommt ein für diese kleine Location fast schon unverschämt guter, druckvoller Sound. Das E-Drum macht sich bezahlt: Kein übermächtiges Geballer, sondern schön ausgewogen – jedes Instrument bekommt seinen Platz. Klanglich also heiss, und temperaturtechnisch zieht der Raum gleich mit.

Von den insgesamt elf Tracks stammen gleich sieben vom aktuellen Album – das zwar schon fast fünf Jahre auf dem Buckel hat, aber live absolut frisch wirkt. Growler Janos teasert mit «Changeling» bereits neues Material an – hoffentlich dauerts nicht mehr allzu lange, bis da Nachschub kommt.

Zum Abschluss des stündigen Sets wird dann noch die Party-Keule ausgepackt: ein paar richtig eingängige Mitgröler, die selbst die etwas überschaubare Crowd problemlos in Bewegung bringen. Ein rundum überzeugender Auftritt – Nidhoeggr bleiben definitiv auf meinem Radar!

Die Setlist – Nidhoeggr

  1. The Journey
  2. Mighty Willow
  3. Desolation
  4. God Of Lies
  5. Changeling
  6. Onwards
  7. Arise
  8. Twilight Zone
  9. Jägermeister
  10. Sauflied
  11. Pomppufilis

Excelsis

Eine halbe Stunde Umbaupause gibt uns genügend Zeit, den Flüssigkeitshaushalt erneut den tropischen Raumtemperaturen anzupassen. Ich bin gespannt, ob uns Excelsis wie beim dreissigjährigen Jubiläum in Burgdorf nochmals auf eine Zeitreise durch ihre Schaffensphasen mitnehmen – damals gabs ja aus jedem Album mindestens einen Song (hierzu sehr empfehlenswert: die Excel-siscography von Kollege Raphi).

Pünktlich um 22:30 betreten die Emmentaler Drachentöter die kleine Bühne. Nach dem Intro gehts tatsächlich mit einer schweizerdeutschen Version vom 96er-Album «Anduin the River» los: «Zrügg i die töifschti Nacht». Soundtechnisch knüpft man nahtlos an Nidhoeggr an: glasklar, druckvoll und so fein ausbalanciert, dass jedes einzelne Instrument seinen Platz hat und glänzen kann. Der Funke springt sofort über – das Publikum feiert, singt textsicher mit und sorgt für ordentlich Stimmung.

Auch heute ist die Setlist chronologisch aufgebaut (mit der einzigen Ausnahme «Chrieger» als Zugabe). Spannend: «Tod und Ehr» – besser bekannt als „Death And Glory» vom «Standing Stone»-Album – soll bereits 1994 auf einem Demo-Tape aufgetaucht sein. Aufgrund der etwas knapperen Spielzeit von rund einer Stunde schafft es zwar nicht jedes Album ins Programm, dafür bekommt mein persönlicher Favorit «Vo Chrieger u Drache» gleich vier Songs spendiert. Das aktuelle Album «Bluetmond» setzt mit «Münnebärg» und «Brueder Tod» den Schlusspunkt des regulären Sets.

Feierabend? Natürlich nicht. Als Zugabe darf der Überklassiker «Chrieger» nicht fehlen – inklusive Dudelsack von Münggu und stilechtem Besenklopfen von Drummer Küsu. Ganz grosses Kino. Trotz frenetischem Applaus bleibt es leider bei dieser einen Zugabe – obwohl die Rösti-Energie doch sicher noch für einen Nachschlag gereicht hätte.

So endet ein weiteres starkes Kapitel Excelsis. Einziger Wermutstropfen: Mit geschätzten achtzig bis hundert Leuten bleibt die Hütte selbst für diese kleine Location etwas gar überschaubar gefüllt. Und das, obwohl sogar Vorzeigefan Sonny extra aus Aschaffenburg angereist ist. Verdient hätten beide Bands deutlich mehr Publikum – das Niveau auf der Bühne war schlicht überragend.

Die Setlist – Excelsis

  1. Zrügg i die töifschti Nacht
  2. Baphomets Fluech
  3. Tod und Ehr
  4. Uechtland
  5. Die wisse Bärge
  6. The Chapel
  7. Maimond
  8. Münnebärg
  9. Brueder Tod
  10. Chrieger *

*Zugabe

Das Fanzit – Excelsis, Nidhoeggr

Was gibts Besseres, als nach einem sonnigen Frühlingstag in der Hauptstadt noch kurz ins Club-Bijou Mahogany Hall abzutauchen und sich einen musikalischen Coupe à deux mit lokalen Spezialitäten zu gönnen?!

Eine echte Folk-Metal-Kalorienbombe: Nidhoeggr liefern die dunkle, bissige Grundschicht – danach setzen Excelsis mit doppelter Schlagrahm-Portion den epischen Zuckerguss obendrauf. Mit «Chrieger» wird am Schluss natürlich noch stilecht die Kirsche draufgesetzt.

Der Sound? Glasklar und mit genug Wumms, um die Aare kurz in den Rückwärtsgang zu schicken. Fast schon unverschämt gut für solch eine kleine, feine Location. Einziger Wermutstropfen: etwas wenig Publikum – dabei hätten die Auftritte qualitativ locker jedem internationalen Vergleich die Stirn geboten.


Wie fandet ihr das Konzert?

23.04.2026
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