Metalinside.ch - Demons & Wizards - Z7 Pratteln 2019 - Foto Kaufi
Sa, 1. Juni 2019

Demons & Wizards, Asylum Pyre

Z7 (Pratteln, CH)
17.06.2019

Prädikat: Weltklasse

Die Namen Jon Schaffer und Hansi Kürsch bürgen jeder für sich bereits für höchste Musikqualität. Doch wenn sie sich wieder unter dem Namen Demons & Wizards zusammen tun, dann wird’s schlicht und einfach grossartig!

Rückblick

20 Jahre ist es her, seit Hansi Kürsch, seines Zeichen Sänger der Krefelder Institution Blind Guardian, und Jon Schaffer, Mastermind der Florida Metaller Iced Earth, unter dem Namen Demons & Wizards ihr Debütalbum veröffentlichten. Es folgten einige Konzerte und 2005 mit „Touch Of The Crimson King“ der zweite Silberling. Beide Scheiben bieten hochklassigen Power-/Speedmetal – und natürlich kann man sagen, dass es stellenweise wie Iced Earth mit Guardian-Gesang tönt. Irgendwie ja logisch!

Dann wurde es ruhig. Zwar wurden sowohl Jon wie auch Hansi von Fans und Presse immer wieder gefragt, ob und wann es wieder etwas mit Demons & Wizards gibt. Doch die unterschiedlichen Terminkalender liessen jahrelang nichts Konkretes zu. Umso überraschender dann die Ankündigung, dass es 2019 endlich wieder Live-Aktivitäten geben soll! Auch ein Termin im Z7 wird angekündigt – kein Thema, das darf man sich nicht entgehen lassen!

Vorschau

Schönstes Wetter, eine legendäre Band (das darf man in diesem Zusammenhang wohl durchaus so sagen), Samstagabend – beste Voraussetzungen also für eine Fahrt ins Z7. Dort müssen die Zuschauer zwar etwas Umweg in Kauf nehmen, da bereits die Open Air Bühne aufgebaut wird. Am Eingang dann die Ernüchterung: Bei Türöffnung sind kaum hundert Leute da! Zugegeben – mit „ausverkauft“ rechne ich sicher nicht, aber so wie sich das hier eine Stunde vor Beginn präsentiert, kriegt man schon etwas Schiss, dass es zuschauermässig ein Flop werden könnte…

Asylum Pyre

Als pünktlich um 20 Uhr der Support Act beginnt, ist die Situation in der Halle immer noch recht trist. Immerhin haben sich draussen auf dem Vorplatz nun doch eine rechte Menge Fans eingefunden. Viele geniessen augenscheinlich jedoch lieber den herrlichen Sommerabend, anstatt der jungen und unbekannten Truppe zu lauschen.

Diese Truppe nennt sich Asylum Pyre und stammt aus Frankreich. Während die Gitarristen Johann Cadot und Pierre-Emmanuel Pélisson sowie Basser Fabien Mira mit Twilight Force-ähnlichen Gesichtsmasken zur Arbeit erscheinen, würde solch ein Utensil bei der Sängerin Ombeline Duprat wohl eher stören. Das denkt sich früher oder später auch die Saitenfraktion und bereits nach dem ersten Song ist dieses Gimmick entfernt.

Musikalisch gibt’s „Modern Power Metal“ (so betitelt es die Band) auf die Lauscher. Während der Gesang von Duprat immer mal wieder mit Growls von Cadot ergänzt wird, so ist es sonst oftmals etwas ein Wirrwarr an verschiedenen Stilen. Hörbaren Melodien folgt plötzlich ein schräger Gesang, dann spielt die Band wieder irgendwie Metalcore-mässig und dann wird auch Sprechgesang eingeschoben. Mich vermag das nicht wirklich zu packen, da gehöre auch ich rasch zu der Fraktion, die lieber das Wetter geniesst. Asylum Pyre haben wahrlich keinen leichten Stand, denn es ist offensichtlich, dass hier halt schon alle auf den Headliner warten…

Demons & Wizards

Zugegeben: Ich besitze zwar die beiden Alben von Demons & Wizards, aber als „Kenner“ dieser Werke würde ich mich nicht bezeichnen. Obwohl ich natürlich meine Favoriten habe! Gespannt bin ich zudem, wer denn Hansi und Jon hier unterstützen wird – ich habe im Vorfeld nichts recherchiert. Frei nach Rudi Carell: “Lass Dich überraschen!”

Als nun kurz nach 21 Uhr endlich die Lichter ausgehen, sitzt hinter dem Schlagzeug ein alter Bekannter: Frederik Ehmke von Blind Guardian. Das gleiche gilt für den Mann am Bass: Da steht Marcus Siepen – im sonstigen Leben Gitarrist von Guardian. Mit Jake Dreyer ist ein Weggefährte von Jon Schaffer an der Gitarre dabei, dazu ist Joost van den Broek für die Keyboards zuständig. Während Hansi unverkennbar Hansi ist, dauert’s einen Moment, bis ich realisiere, dass da tatsächlich Jon Schaffer auf der Bühne steht! Graue Haare, grauer Bart, Kurzhaarfrisur – der Herr hat sich optisch schon sehr verändert, seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe…

Doch augenscheinliche Alterserscheinungen hin oder her – als Gitarrist ist der US-Amerikaner nach wie vor eine Wucht! Was der schon beim Opener „Heaven Denies“ an Riffs raushaut… Neben ihm zeigt sich auch Hansi in absoluter Topform. Ich habe Blind Guardian nun schon einige Male live erlebt, darunter waren auch wirklich legendäre Shows. Doch so dermassen stark hab ich den Sänger selten gehört. Kürsch wird nie die ultimative Rampensau sein, doch das macht er wett mit seinem fantastischen Gesang.

Das Z7 ist nun doch noch anständig gefüllt, die Befürchtungen zu Beginn haben sich zumindest nicht ganz bewahrheitet. Es herrscht auch sofort richtig gute Stimmung, die mit dem fantastischen „Poor Man’s Crusade“ angeheizt wird. Und vor dem überragenden „Crimson King“ macht Hansi seine erste längere Ansage. Er will wissen, wer denn schon beim ersten Konzert der Band vor fast auf den Tag genau 19 Jahren schon dabei war – und wundert sich, dass diese Leute heute wieder kommen! Denn offenbar sind sie damals schlecht gewesen, also richtig schlecht… Was man sich allerdings kaum vorstellen kann! Der Fronter ist jedoch davon überzeugt, dass es heute massiv besser laufen wird – und daran zweifelt eigentlich auch niemand…

Wenn sich Musiker zweier grossen Metal Bands in einem Projekt zusammenschliessen und dann auch noch live auftreten, dann ist es nicht sonderlich überraschend, dass auch Songs der „eigenen“ Bands den Weg in das Programm finden. Nicht nur ich freue mich riesig über „Burning Times“ – in meinen Ohren ein Track aus den Top 3 von Iced Earth. Das schnelle „Welcome To Dying“ wird natürlich ebenfalls abgefeiert.

Es folgt ein Packet von vier Songs vom Zweitling. Wer will findet hierzu sicher etwas im Internet – ausser der Typ in Reihe zwei, der für mindestens 20 Minuten sein verfluchtes Smartphone ununterbrochen in die Höhe hält, hat zuhause doch noch realisiert, dass niemand seine verwackelten und übersteuerten Filmchen sehen will und hat auf das hochladen verzichtet… Von besagtem Viererpack ist vor allem „The Gunslinger“ der Wahnsinn, aber auch das schnelle „Terror Train“ sorgt für massenhaft Nackenmuskeltraining.

Sprechchöre für Hansi! Die Fans feuern den Fronter lautstark an, der lenkt gekonnt mit einem Grinsen den Fokus auf seinen Kompagnon – und schon schreien die Fans begeistert Jons Namen… Passend dazu werden mit „I Died For You“ und dem absoluten Gassenhauer „Valhalla“ nochmals zwei „Cover“ ausgepackt. Wenig erstaunlich, dass speziell der Guardian-Track heftigst abgefeiert wird. Ich hingegen suche mir einen anderen Platz, ich habe keine Lust, auch hier immer einen Smartphone Bildschirm vor den Augen zu haben. Echt, diesen Leuten wünsche ich langsam die Pest an den Hals!

Nun geht’s nochmals zurück zu den Anfängen von Demons & Wizards. Ein Triple vom Debütalbum soll den Abend (vorerst) beschliessen. Während „Tear Down The Walls“ da ein starker Anfang ist, mausert sich der Stampfer „Gallows Pole“ zum unumstrittenen Höhepunkt – schlicht grossartig! Da vermag „My Last Sunrise“ dann nicht mehr ganz mitzuhalten…

Es folgen – natürlich! – noch Zugaben. „Blood On My Hands“ macht hier den Beginn, bevor Hansi einen Song über den Sensenmann ankündigt und sich Jon an der Akustikgitarre zeigt. Mit dem eher sanften „Fiddler On The Green“ beschliessen Demons & Wizards auf eine eher ungewöhnliche und doch passende Art ihren Arbeitstag nach gut 90 Minuten.

Das Fanzit

Gemäss Hansi hält das Z7 den „Weltrekord an Demons & Wizards Konzerten“! Heute war der zweite Besuch hier, und wenn man dem Sänger glauben darf, dann hat die Truppe bislang noch nie zwei Mal am gleichen Ort gespielt… Nun ja – es ist jedenfalls zu hoffen, dass es in absehbarer Zeit auch eine dritte Show hier geben wird. Denn was diese „Supergroup“ (eigentlich ein ganz doofes Wort…) hier zeigt, ist schlicht und einfach Weltklasse! Eine grossartige Performance aller Musiker, die auch extrem viel Spass haben. Neues Material resp. ein neues Album soll demnächst auch auf den Markt kommen. Und somit hoffen wir, dass es nicht mehr 19 Jahre bis zum nächsten Besuch dauern wird…

Setliste Demons & Wizards

  1. Rites of Passage
  2. Heaven Denies
  3. Poor Man’s Crusade
  4. Crimson King
  5. Love’s Tragedy Asunder
  6. Burning Times
  7. Welcome to Dying
  8. Wicked Witch
  9. Beneath These Waves
  10. The Gunslinger
  11. Terror Train
  12. I Died for You
  13. Valhalla
  14. Tear Down The Walls
  15. Gallows Pole
  16. My Last Sunrise
  17. Blood On My Hands*
  18. Fiddler On The Green*

*Zugaben

Fotos Demons & Wizards, Asylum Pyre – Z7 Pratteln 2019 (Kaufi)


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17.06.2019
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