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Fr, 11. September 2026

Broilers, Grade 2

Volkshaus (Zürich, CH)
/ 03.10.2026

War da jemand im Volkshaus?

Ui ja. Nebst zwei Mal rund 1’400 Fans auch eine gut gelaunte Band während ihrem letzten Konzert-Wochenende anlässlich der Summer Open Air (sic!) Tour.

pam: Kennt ihr das auch? Es gibt so Bands, die man einmal live gesehen hat und einfach vom ersten Ton an in sein Herz schliesst. Doch zu Hause ab Konserve funkt es dann nicht mehr ganz so intensiv – der klassische Ferienflirt. Für mich sind Broilers die Speerspitze dieser Bands. Die sympathischen Düsseldorfer angeführt von Sammy Amara zaubern mir einfach immer ein Lächeln auf mein Gesicht – sie sind sowas wie die ewigen Sommerferien. So freu ich mich auch seit Monaten auf dieses Konzert und das endlich wieder Mal im Volkshaus. Ach, wie schön wärs, wenn wieder mehr Metal-Konzerte in dieser doch eigentlich sehr coolen Location stattfinden würden.

Was ich übrigens ebenfalls sehr cool finde: Mehrwegbecher. Bevor Röhrli und ähnliches verboten werden, könnte man endlich da mal ansetzen. Ich versteh nicht, warum bei fixen Konzerthallen nicht Mehrwegglas (wie zum Beispiel in der Schüür) oder zumindest eben Mehrwegplastikbecher eingesetzt werden (müssen). Die könnte man ja dann auch branden und wohl so zusätzlich noch das Sammelfieber der Metalheads ansprechen.

Also, Daumen hoch fürs Volkshaus. Dynamo, Komplex und Konsorten bitte nachziehen.

Da ich länger arbeiten muss, verpasse ich leider die Vorband. Aber ein Metalinsider ist selten alleine und so übernimmt Metalmitinsiderin Larry den Bericht für Grade 2.

Grade 2

Larry: Da ich Broilers anschliessend von ganz vorne sehen will, positioniert sich unsere Gruppe bereits nach dem Einlass vorne links in der ersten Reihe. Mit perfekter Sicht auf die Bühne.

Um bei der Vorband nicht völlig ahnungslos zu sein, habe ich mich ein paar Tage vorher reingehört. Der Sound klingt sehr optimistisch, punkig und scheint auf das erste Hören gut zu Broilers zu passen.

Als es Zeit ist, stürmen drei junge Männer die Bühne: Der Sänger und Bassist, der Gitarrist sowie der Drummer. Der Eindruck des ersten Hörens bestätigt sich sehr bald: jung, frisch und energetisch.

Der Sänger begrüsst uns sogleich und der Dialekt verrät, dass das Trio aus England stammt. Von der Isle of Wight, um genau zu sein. Er führt dann auch durch die Show: Er kündigt an, wann er mehr Bewegung sehen will, und sagt das eine oder andere zu einem Lied.

Vor dem letzten Song verrät er uns dann, dass er mit Broilers-Sänger Sammy gewettet hat, dass sie einen Circle Pit während ihres Sets schaffen. Aber wenn, dann wette er richtig und er habe den Wetteinsatz von den anfänglichen hundert auf zweihundert erhöht (ob es sich dabei um Euros, Britische Pfund oder Schweizer Franken handelt, weiss die Autorin nicht). Da das Publikum bereits während des ganzen Sets sehr bewegungsfreudig ist, ist es ein Leichtes, einen Circle Pit zu starten und auch den Grossteils des Liedes zu halten.

Bei Grade 2 ist zudem Mitmachen angesagt: Beim Lied «Hanging Onto You» sollen wir mitjohlen und bei einem anderen passiert es automatisch, ohne, dass der Sänger etwas sagen muss.

Zusammengefasst habe ich mich bei dem Opener richtig gut aufgewärmt gefühlt. Schon lange nicht mehr hat eine Band diesen Job so erfolgreich umgesetzt, dass man sich anschliessend noch mehr auf den Headliner freut. Es wurde viel getanzt, gelacht und das Publikum hatte eine gute Zeit.

Und für den Headliner muss man gut aufgewärmt sein. Kleiner Spoiler: Die Show wird über zwei Stunden dauern und 25 Lieder sowie drei teilweise ganz gespielte Cover umfassen.

Broilers

pam: Danke Larry für die Worte zur Vorband. Da scheine ich doch tatsächlich eine gute Show verpasst zu haben. Bei den Broilers bin ich aber definitiv früh genug am Start beziehungsweise im Fotograben. Routiniert fotografiere ich die Setliste für die anschliessende Review. Doch gefühlt keine zwei Sekunden später werde ich vom Tourmanager (?) angeschnauzt: «Das Foto löscht du sofort wieder!» Hoppla, da scheint nicht grad ein Charmebolzen am Start zu sein. Normalerweise würde ich da drüber hinweghören, aber wenn die Band so sympathisch, bleibt das irgendwie negativ haften.

Nun, ich möchte aber doch noch wissen, was das Problem ist. «Du postest das dann im Internet …». Ähm, meine Frage zurück: «Warum sollte ich das tun? Ich brauch das für die Review. Aber die kann ich sonst gerne auch sein lassen.» Nachdem ich ihm beantwortet haben, für wen ich schreibe, scheint er sich damit abzufinden und läuft wieder an seinen Platz neben der Bühne.

Also wie gesagt keine Rede wert, aber ein Tolggen im Reinheft sticht halt einfach ins Auge. Wirklich schade. Ich hoffe, der Gute hatte einfach einen schlechten Tag oder Moment. Dann seih ihm verziehen. Wenn nicht, sollte er sich überlegen, ob es so schlau ist, mit Medien, die immer wieder sehr positiv über seinen Arbeitgeber schreiben, derart umzugehen. Grad im Zeitalter des Internets, wo eh jede Setliste online ist. Wenngleich die bei der Tour von Broilers sich jeweils leicht ändert. Doch wie sich herausstellt, sogar während dem Konzert selbst. Wenn man also als Band etwas spontan unterwegs ist, kann man doch sehr relaxed sein, wenn jemand was leakt. Ich würde das sogar entsprechend forcieren.

Weg vom Nebenbühnenschauplatz auf die Bühne. Denn da erscheinen die Broilers aus Düsseldorf. Der Teppich ist ausgelegt für Sammy, einen Riser für die Bläser und einen für den Drummer. Und schon gehts los mit mehrheitlich unbeschwerten und sich-gut-fühlendem Ska-Rockabilly-Punkrock. Ernste Themen werden dabei zwar nicht ausgelassen, doch der Stimmung tut das selten einen Abbruch – mit einer grossen Ausnahme. Dazu später mehr.

Ich weiss nicht, ob man bei den Broilers von Aktivposten reden kann, denn die ganze Band zusammen ist ein Aktivposten. Klar, Sammy überstrahlt mit seiner Präsenz alle. Er ist wie immer gut drauf, sehr sympathisch in seinen Ansagen und … ein bisschen angeheitert? Er lässt uns zumindest teilhaben, was er jeweils grad an alkoholischen Getränken zu sich führt und Abwechslung ist dabei der König. Später dazu mehr.

Auch wenn man im Fotograben kurz zuvor etwas harsch angegangen wurde, reicht ein Lächeln von Bassistin Ines und alles ist vergessen. Sie überstrahlt ihre männlichen Kollegen diesbezüglich und man kann einfach nicht anders, alszurück zu lächeln. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich die Bassisten meist besonders cool finde? Und vor allem: Gibt es etwas Cooleres als eine Frau an der richtig fetten und grossen «Gitarre»? Definitiv nichts für Zartbesaitete.

Wenn wir schon bei der Gitarre sind, erwähnen wir doch auch den Quotenpunk der Band Ron an einer solchen. Wie immer mit schönem Irokesen am Start flankiert er die linke Seite zu Sammy und füllt dies souverän aus. Dann haben wir noch die Jungs auf den erwähnten Risern. Einerseits Andi hinter der Schiessbude und andererseits die vier Jungs von der Bläserecke mit Saxofon, Posaune und Trompete. Sie sorgen für den Ska im Punkrock der Broilers. Und ja, nicht vergessen, da gibt es darüber hinaus noch einen Tastenmann namens Chris, der später unter anderem die Keyboard-Melodie von «Jump» zum Besten gibt. Er steht übrigens ebenfalls erhöht auf einem Riser. Damit wäre auch das berichtigt und geklärt.

Alles zusammen ergibt einfach gute Laune, sorgt für einen erwähnenswerten Moshpit und nicht zuletzt guten Sound. Die Broilers hört man einfach gerne – wie schon geschrieben vor allem live. In diesem Gewand können die Songs wie der glitzernde Bass von Ines am besten scheinen. Eine feuchtfröhliche Party nimmt im Volkshaus ihren Lauf – als wäre man draussen an einem Open Air in diesem heissen Sommer. Somit passt der Tour-Titel doch ganz gut. Das Dach über unserem Kopf blenden wir einfach mal aus, denn geblendet werden wir vom Schein der Truppe auf der Bühne. Die Sonne ist somit omnipräsent. Und das ist in diesem Kontext durchaus positiv gemeint. Heiss ist es heute im Volkshaus zudem auch – es geht nicht nur so zu und her, es verhält sich genauso mit der Temperatur.

Nach meinen drei Songs im Fotograben, bringe ich meine Kameraausrüstung zur Garderobe. Da kann ich dem Merch nicht widerstehen. Vor allem ein hammergeiler Hoodie hat es mir angetan. Schon beim Kauf war mir klar, Metalmitinsider Roman wird morgen am zweiten Auftritt der Broilers im Volkshaus den gleichen kaufen … Das gibt dann wohl wieder den einen oder anderen ungeplanten Partnerlook. Unvermeidbar, wenn man viele bevorzugte Bands teilt und die häufig  zusammen besucht.

Ein Hoodie kommt selten allein und so soll es auch noch ein T-Shirt sein. Nur schon, weil da hinten drauf bei den Tourdaten «Sommer Tour» steht und zuunterst zwei Mal Volkshaus. Da kommt mir doch grad die Diskussion mit einem Klassenkameraden in der Sek in den Sinn. Der hatte damals ein Bild gemalt mit diversen Bandnamen und dem Titel «Open Air Hallenstadion Zürich». Er wollte mir partout nicht glauben, dass das im Hallenstadion schwierig wird. Für ihn war Open Air gleich grosses Konzert. Nun, dann passt das heute mit den Broilers – die ganz gross aufspielen – im Volkshaus doch wunderbar.

Zurück in der Halle kommt schon unerwartet früh (lieber Tourmanager, ich hab die Setliste nach dem Fotografieren kaum mehr angeschaut) «Ihr da oben». Ui, was hatten wir damals am Open Air Gampel bei diesem Song über Verstorbene in Gedenken an solche Gruppen geweint. Einer meiner emotionalsten Konzertmomente ever. Auch heute sieht man einige feuchte Augen im Publikum. Vielleicht mein Lieblingssong der Broilers. Und da ist die angekündigte Ausnahme, wo mal nicht gehüpft, gemoshed, gelacht, gepogt wird. Viele hören einfach zu, schauen nach oben, halten sich in den Armen und denken an die, die viel zu früh oder überhaupt von uns gegangen sind. «Habt ihr da oben irgendwas vor? Ihr sollt wissen, hier unten war es besser mit euch.»

Ui, Tage später beim Schreiben dieser Zeilen generiert das immer noch Hühnerhaut en masse auf kleinster Fläche, da steht praktisch schon der Tierschutz vor der Tür.

En masse Leute hat es heute gemäss Sammy auch in einer Kellerbar beim Helvetiaplatz vor dem Volkshaus. 1’700 Nasen waren schon drin, dann kamen noch die neun solchen von der Band dazu mit einem laut eigener Aussage besoffenen Sänger. So schön der Gedanke an eine Kellerbar in Zürich ist, am Helvetiaplatz lässt die sich kaum finden. Wenn dann schon eher im Niederdorf. Doch in einem bin ich mit Sammy einig, Kellerbars haben ihren ganz eigenen Charme. Die Geschichte von ihm geht so weiter, dass sich der besoffene Sänger an Karaoke wagt. Der macht mit einem Bruce Springsteen-Cover von «Dancing In The Dark» eine ganz gute Figur. Das vor 1’708 Leuten in der imaginären Kellerbar.

Etwas früher, vor «Ihr da oben», wäre gemäss Setliste noch ein Medley geplant gewesen. Aber für einen weit gereisten Fan gibt es heute die ganze Version von «Blaue Auster», während die anderen Songs weggelassen werden. Es folgte von Sammy der Kommentar, dass die Dramaturgie noch nie so wild gewesen sei: «Das traurigste Lied von uns gleich nach Blaue Auster.»

Den Abschluss als letztes Lied macht gemäss Sammy ihr erstes überhaupt: «Blume». Mit einem Schlussfeuerwerk, den freilaufenden Bläsern bis ganz nach vorne der Bühne, wird nochmals alles rausgehauen und das letzte Lächeln in meinem Gesicht hält beim Gedanken daran noch viele Tage an. Danke Broilers für die Verlängerung des Sommers. Das war wie gewohnt stark. Zu Hause zieh ich mir wieder mal die CDs von ihnen rein – ich will den Ferienflirt auch dort geniessen können.

Das Fanzit – Broilers

Die Gute-Laune-Band mit Gute-Laune-Musik hat wieder einmal live geliefert. Der ewige Sommerferienflirt enttäuscht einfach nie.

Die Setlist – Grade 2

  1. Downpour
  2. Pubwatch
  3. Tired Of It
  4. Cut Throat
  5. Fast Pace
  6. Brassic
  7. Talk About It
  8. Turning The Tide
  9. Do You Wanna Dance?
  10. Hanging On To You
  11. Under The Streetlight

Die Setliste – Broilers

  1. Zurück zum Beton
  2. Wo es hingeht
  3. Schwer verliebter Hooligan
  4. Meine Familie
  5. Gib das Schiff nicht auf!
  6. Paul der Hooligan
  7. (Ich bin) bei Dir
  8. Wie weit wir gehen
  9. Alice und Sarah
  10. Die Beste aller Zeiten
  11. Blaue Auster
  12. Ihr da oben
  13. In ein paar Jahren…
  14. Die Letzten (an der Bar)
  15. Dancing In The Dark (Bruce Springsteen-Cover)
  16. I’m So Excited (The Pointer Sisters-Cover)
  17. In 80 Tagen um die Welt
  18. Held in unserer Mitte
  19. 33 rpm
  20. Ist da jemand?
  21. Singe, seufze & saufe*
  22. Ruby Light & Dark*
  23. Nicht alles endet irgendwann*
  24. Nur nach vorne gehen*
  25. Tanzt du noch einmal mit mir?*
  26. Jump (Van Halen-Cover)*
  27. Meine Sache*
  28. Blume*
  29. Don’t Stop Believin‘ (Journey – Outro ab Band)

*Zugaben

Die Fotos – Broilers


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 03.10.2026
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