Edenbridge – Set The Dark On Fire
Symphonic Metal
Zwischen Sternenlicht und Sturmgewalt
Mit „Set The Dark On Fire“ präsentieren sich Edenbridge härter, fokussierter und zugleich reifer denn je. Das zwölfte Studioalbum verbindet metallische Wucht mit orchestraler Grösse und tiefgehenden Texten zu einem eindrucksvollen Symphonic-Metal-Statement. Eine klangliche Neujustierung, die auf der ganzen Linie überzeugt.
Was beim ersten Durchhören des neuesten Opus unserer östlichen Nachbarn zuerst auffällt, ist ein deutlich markanterer Grundsound, der das Werk zum bisher energiegeladensten der Bandgeschichte macht. Dank des Mixings/Masterings durch Karl Groom (Threshold) bleibt diese neue Härte stets transparent; der Mix ist kristallklar und lässt sowohl die fräsenden Riffs als auch die opulente Orchestrierung detailreich zur Geltung kommen.
Inhaltlich erzählt „Set The Dark On Fire“ von Veränderung, Selbstfindung und der Kraft, aus der eigenen Mitte heraus zu wachsen. Das Feuer fungiert dabei als Sinnbild für Transformation – energisch, aber kontrolliert. Musikalisch schöpfen Edenbridge aus dem vollen Fundus ihres Genres und veredeln diesen zusätzlich mit ungewöhnlichen, teils orientalischen Saiteninstrumenten wie Hackbrett und elektrischer Sitar, die dem Album eine exotische Färbung verleihen.
Hymnische Schwärze und zerklüftete Klippen
Doch nicht nur das künstlerische Rahmenwerk vermag zu gefallen, auch die kreative Vielfalt der Kompositionen ist beeindruckend. So gelingt der Auftakt mit „The Ghostship Diaries“ denkbar druckvoll: Ein treibender Opener, der den Hörer mit seinem abwechslungsreich gestalteten Refrain sowie seinem doomigen Ende unverzüglich in eine dunkle, hymnische Atmosphäre eintauchen lässt. Aus dieser Schwärze erhebt sich „Cosmic Embrace“ mit einer packenden Melodie, die direkt ins Ohr geht. Sabines stimmliche Erhabenheit wird von einem Arrangement getragen, das ebenso eingängig wie intensiv ist. Für mich gehört dieser Song – zusammen mit dem folgenden – zu den stärksten Momenten des Silberlings.
„Where The Wild Things Are“ führt uns an zerklüftete Klippen, die man regelrecht zu riechen und zu spüren glaubt, während die Wellen an ihnen zerschellen. Die zugrunde liegende Stimmung wird meisterhaft transportiert, unterstützt durch folkige Einschübe, die dem Stück einen leichten, beinahe mystischen Schleier verleihen. Wer das Video kennt, wird sich augenblicklich an die imposanten Naturbilder erinnert fühlen, die hier harmonisch eingefangen wurden.
Das ruhige, lieblich-instrumentale Zwischenspiel „Tears Of The Prophets“ bietet Raum für ein sanftes Durchatmen, bevor sich „Our Place Among The Stars“ vehement in die Gehörgänge wuchtet und trotz einer stellenweise stilistischen Schwere die Dynamik voranzutreiben versteht. Interessanterweise benötigt der Titeltrack „Set The Dark On Fire“ ungeachtet seiner abwechslungsreichen Struktur und des schmissigen Refrains zumindest bei mir etwas mehr Anlaufzeit, um vollends zu zünden.
Lizenz zum Glänzen
Ganz im Gegensatz zu „Bonded By The Light“: Selten vibrierte ein Bond-Soundtrack so überzeugend in einer Metal Ballade wie in diesem Lied. Ein Moment, in dem Sabines Organ vollends glänzen darf. Nach dem zarten Intermezzo „Divine Dawn Reveal“ folgt mit „Lighthouse“ ein spannendes Experiment, das orientalische Klänge mit überraschend heftigen, dynamischen Passagen verwebt – ein Kontrast, der Puristen durchaus herausfordern könnte.
Das Herzstück und zugleich den krönenden Abschluss bildet das vierteilige Epos „Spark Of The Everflame“, bei dem Edenbridge noch einmal alle Register ziehen: Von den verspielten Weisen in „Let Time Begin“ über die dramatische Wucht von „The Winding Road To Evermore“ bis hin zum sphärisch-astralen „Per Aspera Ad Astra“ entfaltet sich ein musikalisches Panorama, das im majestätischen Finale „Where It Ends, Is Where It Starts“ seine Vollendung findet.
Insgesamt wirkt „Set The Dark On Fire“ wie eine sorgfältig komponierte Reise durch Licht und Dunkel, Sturm und Stille. Die opulenten Orchesterarrangements, kombiniert mit den bereits erwähnten ungewöhnlichen Saiteninstrumenten, verleihen dem Longplayer eine ganz besondere Note. Auch wenn die Inszenierung stellenweise an Nightwish oder Epica erinnern mag, bewahrt sich das Quintett durch seine feinfühlige Art und die starke emotionale Tiefe seine ganz eigene Identität. Das von Schlagzeuger Johannes Gral entworfene Artwork besticht dabei ebenso wie die exzellent umgesetzte Produktion.
Identität und Evolution
Während Edenbridge mit ihrer aktuellen Veröffentlichung zusätzliche Facetten erschliessen, bleibt eine Konstante doch unverändert: die Fähigkeit, Brücken zu bauen – zwischen orchestraler Erhabenheit und metallischer Wucht, Emotionalität und technischer Präzision sowie äusseren Bildern und inneren Erfahrungen. Wer sich auf das Album einlässt, entdeckt nicht nur schöpferische Vielfalt, sondern möglicherweise Impulse, die über das reine Hören hinaus wirken. Weiterführende Einblicke bietet hierzu unser grosses Interview, das wir mit Sabine und Lanvall führen durften.
Das Fanzit zu Edenbridge – Set The Dark On Fire
„Set The Dark On Fire“ zeigt Edenbridge an einem Punkt, an dem sich musikalische Weiterentwicklung und persönliche Reflexion auf bemerkenswerte Weise treffen. Das Werk vereint Heavyness mit lyrischer Tiefe und formt daraus ein Klangbild, das mitreisst und berührt. Ein starkes Stück Symphonic Metal, das sich nicht hinter den bekannteren Grössen der Szene zu verstecken braucht.
Wer sich von den unbestreitbar erstklassigen Live-Momenten der Österreicher verzaubern lassen möchte, erhält am 7. März 2026 in der Met-Bar Lenzburg die einmalige Gelegenheit, die Ikonen in familiärer Atmosphäre erleben zu können.
Anspieltipps: Cosmic Embrace, Where The Wild Things Are, Bonded By The Light, Spark Of The Everflame – The Winding Road To Evermore
Die Tracklist Edenbridge – Set The Dark On Fire
- The Ghosthip Diarues
- Cosmic Embrace
- Where The Wild Things Are
- Tears Of The Prophets
- Our Place Among The Stars
- Set The Dark On Fire
- Bonded By The Light
- Divine Dawn Reveal
- Lighthouse
- Spark Of The Everflame – Let Time Begin
- Spark Of The Everflame – The Winding Road To Evermore
- Spark Of The Everflame – Per Aspera Ad Astra
- Spark Of The Everflame – Where It Ends, Is Where It Starts
Das Line-up – Edenbridge
- Sabine Edelsbacher – Vocals
- Lanvall – Lead & Rhythm Guitar, 6 & 12 String Acoustic Guitar, Piano & Keyboards, Hammered Dulcimer, Electric Sitar, Bouzouki, Ukulele, Swarmandal, Mandolin, Monochord, Tampura
- Johannes Gral – Drums
- Steve Hall – Bass
- Sven Sevens – Lead Guitar
Video Edenbridge – Where The Wild Things Are

