Durstige Männer (und Frauen)
Mein Herbst war vollgepackt mit zig Konzert-Highlights. Auf eines freu ich mich ganz besonders; gefühlt seit über einem Jahr. Tankard zusammen mit Pertness in meiner Heimat. Mit vielen Freunden aus meinem Dorf und Umgebung ist mit der Kombi ein durstiger Abend vorprogrammiert. So soll es dann auch sein …
Vorgeglüht wird bei mir zu Hause im «Buebe-Turmzimmer». Was und wo das genau ist? Fragt mich mal persönlich 😉. Auf jeden Fall versuchen Roman, Ivan, Jacky und ich dem Durst Herr beziehungsweise Dame zu werden. Das klappt nicht ganz wie gewünscht, denn mit jedem Schluck wird der Durst nur noch grösser. Wir sind von unserer Mission Durstlöschen so stark absorbiert, dass wir fast den Bus nach Schwyz verpassen … Aber hey, wer mit pam unterwegs ist, erwischt doch jeden Bus oder Zug. Hüstel.
Im Gaswerk angekommen, bin ich überrascht, dass es nicht schon voller ist. Gut, es sollten noch so zwei Dutzend Zeigerumdrehungen stattfinden, bevor Pertness die Bühne entern. So bleibt noch etwas Zeit, Freunde zu begrüssen, Vorfreude auszutauschen und ja, wir kämpfen nach wie vor gemeinsam gegen den Durst an. Bier soll bekanntlich helfen. Gut, das mit dem Bier probieren wir ja schon seit dem Vorglühen. Bevor es aber mit bierseligem Thrash aus Tschörmäni losgeht, machen wir einen Abstecher ins Berner Oberland …
Pertness
Denn als Vorband stehen die Swiss Highland-Metaller Pertness am Start. Eine meiner Lieblingsbands. Soundmässig und einfach, weil sie mir supersympathisch sind. Mit «Metamorphosis» haben sie ein zwar nicht mehr ganz aktuelles, aber immer noch eines der für mich besten Alben made in Switzerland rausgebracht. Nun, beim letzten Aufeinandertreffen am Drachentöter Jubiläums-Festival von und mit Excelsis vor ein, zwei Monaten hatten sie uns verraten, dass ein neues Album «in the making» ist. Nach bald acht Jahren wäre das ja schon cool und mehr als ob. Vor allem, wenn es so stark wie sein Vorgänger sein wird.
Zurück zum Hier und Jetzt. Die Berner Oberländer legen pünktlich und wie gewohnt sackstark los. Das Gaswerk ist inzwischen wohl so zu zwei Dritteln gefüllt. Ich bin gespannt, wie es dann bei Tankard sein wird. Eigentlich hätte ich ja schon ein «Ausverkauft-Schild» erwartet, wenn sich eine Big 4 Teutonic Thrash Metal-Band ankündigt.
Egal. Heute zieht mich der Moshpit wieder mal magisch an. Zwar nicht ganz so ideal, wenn an einem noch zwei Kameras angehängt sind. Aber einerseits ist der Respektabstand der anderen Besucher zur Bühne überirdisch gross und den will ich ein bisschen befüllen und andererseits bin ich heute mit dem Durst-Löschwasser im Körper und entsprechender Musik wieder mal so richtig bangig.
Dass Pertness heute Vorband von Tankard sind, ist nicht ganz überraschend. Denn die Deutschen haben ein bisschen den Narren an Pertness gefressen. So waren Pertness schon in Deutschland das eine oder andere Mal als Support der Frankfurter eingeladen worden und sind dies das nächste Mal dann auch bereits wieder Anfang Januar. Und Tankard-Fronter Gerre lief auf der 70’000 Tons of Metal Cruise 2025 mit einem Pertness-Shirt rum.
Pertness wissen das zu schätzen und zocken ein starkes Set mit dem für mich wie immer maximalen Highlight «Metamorphosis». Oh Mann, ich kann von diesem sackgeilen Riff einfach nicht genug erhalten. Den Song könnte man von mir aus live gerne auf zehn Minuten ausbauen. So sind dann sowohl Song als auch der ganze Auftritt von Pertness viel zu schnell vorbei.
Nebendarsteller – das Gaswerk
Noch nicht vorbei ist es mit unserem Durst. Hab ich schon erwähnt, dass ich beim Sortieren der Fotos und schreiben dieser Zeilen ein Bier öffnen musste? Liegt das am Bandnamen oder einfach am Image der Headliner?
Bevor die «Bierkrüge» die Bühne stürmen und sich ein, zwei Bierchen mit uns genehmigen, werden diese (also Biere) in einem vollen Harass noch fleissig geöffnet (siehe Foto). Nicht dass jemand auf der Bühne verdurstet. Apropos praktisch: Oberhalb der Pissoirs hat es eine schöne Plattform, auf die man wunderbar sein Bier stellen kann, wenn man dann mal muss (siehe auch hier das Beweisfoto).
Dass ich das Gaswerk im schwyzerischen Seewen nicht nur als Lokalpatriot gut finde, hat auch damit zu tun, dass es einfach eine ideale Grösse inklusive Galerie hat, Getränke mehrheitlich im Glas oder zumindest Mehrwegbecher rausgibt und sympathisches Personal hat. Nicht ganz ideal ist es mit dem Licht, um anständige Fotos zu machen. Von nicht vorhanden bis zu einfach nur rot ist die Bandbreite des Lichtspektrums nicht sehr gross. Drum gibt es jetzt auch nicht grad die grosse Auswahl an tollen Bandfotos.
Okay, so viel zur Lokalität. Jetzt kommen mal die Frankfurter zum Zug.
Tankard
Ich hab Tankard zuletzt auf der schon oben erwähnten 70’000 Tons of Metal Cruise Anfang Februar 2025 live erlebt. Und es war ein Fest. Da vermisse ich heute Luke als Tankard-Kenner und damaliger Konzert-Buddy schon. Dass er gerade was verpasst, ist ihm ja glaub durchaus bewusst. Da müssen wir es Luke jetzt nicht noch unter die Nase reiben. Aber hey Luke, es ist heute wirklich verdammt geil …
Die Band ist wie immer gut drauf, und dass sie das Ganze auch ernst nehmen, beweist das T-Shirt vom Drummer Gerd. Es teilt uns mit, dass er sich für heute extra die Eier rasiert habe. Das nenn ich jetzt mal Commitment. Da wollen wir mit ein wenig Mosh und Gebange was zurückgeben. Nur ein bisschen doof, dass dabei meine Kamera immer wieder mal mit Bier geduscht wird – später gar noch mit Coci vom Lemmy … Das macht dann die Fotos auch nicht zwingend besser. Natürlich nur das Bier, das danebengeschüttet wird.
Dass Tankard aber nicht nur Bier trinken und auf Lustig machen können, beweisen sie heute abermals mit einem starken Thrash-Metal-Set. Es stimmt jedoch nicht ganz, wenn Gerre sagt, dass sie heute nur zwei Songs spielen würden, in denen das Wort «Bier» vorkäme (das Image mit dem Bier käme von früher …). Gibt es denn überhaupt einen von ihnen, in dem Bier nicht vorkommt? Luke wüsste das jetzt bestimmt. Ohne ihn bleibt das gerade reine Spekulation.
Gerre meint dann auch, dass sie eigentlich immer mit Thrash unterwegs gewesen seien, obwohl die 90er für diese Art von Musik nicht grad das beste Jahrzehnt waren. Da darf man ihm gerne beipflichten. Tankard blieben sich und dem Genre immer treu. Soweit ich weiss. Luke? Ach, der ist ja nicht da.
Das Gaswerk ist inzwischen gut gefüllt. Der Respektgraben praktisch zugeschüttet. Drum steht man auch nur mit einem Bein im Grab. Okay, den Songtitel hätte man da jetzt besser verpacken können. Aber vergesst nicht, wir sind ja fleissig am Durstlöschen, da steigt jetzt das Niveau nicht zwingend.
Dafür die Aktivitäten im Pit. Jacky und ich sind nicht mehr ganz die Einzigen, die ihren Nacken trainieren. Es ist, was man erwarten durfte. Eine einzig wahre Old-Skul-Thrash-Metal-Party mit Freunden. Die Vorfreude über Monate war absolut gerechtfertigt. Luke, hab ich schon erwähnt, dass du grad ziemlich was verpasst?
Am Ende ist der Tankard wie gewohnt leer und das mit dem Freibier hat wieder Mal nicht geklappt. Trotz entsprechender Hymne. Doch der Weg zur Bar ist hier nicht weit und ab und zu füllen Gerre und Basser Frank die halbleeren Bierbecher der ersten Reihe höchstpersönlich auf. Das nenn ich jetzt mal eine fan- und durstfreundliche Band.
Der Abend soll sich dann auch nach dem Abschluss von Tankard noch in die Länge ziehen. Auf jeden Fall Danke an alle, die dies zu einem richtig, richtig geilen Abend gemacht haben. Einzig Luke und Yvonne haben gefehlt.
Das Fanzit – Tankard, Pertness
Monatelang hab ich mich auf diese Thrash-Metal-Sause in der Heimat gefreut. Und sowohl Tankard als auch Pertness haben wie erwartet geliefert und der Durst war irgendwann in den frühen Morgenstunden ebenfalls verschwunden.
Die Setlist – Tankard
- One Foot In The Grave
- The Morning After
- Rapid Fire (A Tyrant’s Elegy)
- Ex-Fluencer
- Need Money For Beer
- Rectifier
- Rules For Fools
- Time Warp
- Beerbarians
- Die With A Beer In Your Hand
- Octane Warriors
- Chemical Invasion
- A Girl Called Cerveza
- Freibier
- R.I.B. (Rest In Beer)*
- Zombie Attack*
- (Empty) Tankard*
*Zugabe
Die Fotos – Tankard, Pertness

