Crusade Of Bards - Met-Bar Lenzburg 2026
Sa, 28. März 2026

Crusade Of Bards, Collective Decay, My Sweet Undivine

Met-Bar (Lenzburg, CH)
08.04.2026
Crusade Of Bards - Met-Bar Lenzburg 2026

Barden, verfallende Sirenen und Elektro-Rocker

Die Lenzburger Met-Bar wurde am Samstagabend von drei Bands besucht, in welchen meistens die Frauen den Takt (und den Ton) vorgegeben haben. Soundtechnisch wurde dabei eine breite Palette abgedeckt. Teilweise sehr angenehm, aber phasenweise auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Mehr zu Crusade Of Bards, Collective Decay und My Sweet Undivine entnehmt ihr den nachfolgenden Zeilen.

Für euren unermüdlichen (und unersättlichen) Metal-Dutti steht ein reiner Abend der Weiterbildung auf dem Programm. Ausnahmsweise ist mir keine der heute in der Honigwein-Schenke auftretenden Equipen ein Begriff. Unvoreingenommen und mit Lust auf Horizonterweiterungen pilgere ich somit gespannt zu einem meiner bevorzugten Konzertlokale auf helvetischem Grund. Was werden uns Crusade Of Bards, Collective Decay und My Sweet Undivine so alles zu bieten haben?

My Sweet Undivine

Die ersten Biertropfen sind kaum die Kehle heruntergeronnen, als auch schon das Licht verdunkelt wird und der aus den Boxen ertönende Lärmpegel stark zunimmt. Meine Augenbrauen heben sich jedoch leicht argwöhnisch in die Höhe. Wo zur Hölle sind wir denn bitteschön hier genau gelandet? An einer Street Parade mit orientalischem Einschlag? Mangelnden Einsatz kann man dem Dreiergespann jedenfalls nicht vorwerfen. Insbesondere der oftmals herumhüpfende, strahlende Sänger Anter ist bemüht, die Party so richtig ins Rollen zu bringen. Eine Prise Humor hat er ebenfalls mitgebracht. Sie hätten sich von St. Gallen glücklicherweise nur dreimal verfahren, ehe sie in Lenzburg angekommen sind. Übrigens wird auch für die Optik Einiges geboten. Sei es aufgrund der knallbunten Hemden der Akteure oder des dekorativen Grünzeugs, welches die Bühne schmückt.

Es bleibt eine spezielle, teilweise überfordernde Angelegenheit – und ich sehe um mich herum doch das eine oder andere Fragezeichen in den Gesichtern der Besucher. Ungeachtet dessen feiert eine kleine Meute an vorderster Front lautstark und energisch mit. Man serviert uns elektronische Passagen, ruhigere Abschnitte, dann wieder knallharte Rammstein-Riffs von Saitenhexerin Nathi und selbst eine Flöte (gespielt von Steffi, welche obendrein mit einer tollen, kräftigen Stimme gesegnet ist) und kurdisch gesungene Texte kommen zum Handkuss. Alles Material, welches auf der letztjährigen Debüt-EP «Red» zu finden ist. Zum Abschluss erlernen wir noch einen kurdischen Volkstanz, welcher meine koordinativen Fähigkeiten gänzlich übersteigt. Dies liegt aber nicht an My Sweet Undivine, sondern meinem inneren Bewegungslegastheniker.

Collective Decay

Kaum ist das eine Trio finito, steht das nächste schon in den Startlöchern. Aber hey, die Dame am Mikrofon kenne ich doch von irgendwoher. Stimmt, das ist ja Melissa von Ascéal! Ihr sollte diese Umgebung durchaus vertraut sein (zumindest taucht sie in einer Review meinerseits aus dem Jahr 2022 auf). Gekleidet in ein glitzerndes Sternenoutfit trällert sie sich durch das Set. Einlullend und fraglos angenehm. Unterstützt wird sie dabei von Malte an der Schiessbude und Bassist Nano. Letztgenannter scheint nicht nur beruflich, sondern auch im Rahmen seines Musiker-Engagements als Ingenieur unterwegs zu sein. Schliesslich spielt er seinen Tieftöner über einen Gitarren-Amp. Angeblich habe er in bester MacGyver-Manier ein entsprechendes Konstrukt zusammengebastelt. Grinsend spult er seine Kilometer ab (so gut dies auf der kleinen Met-Bar «Spielwiese» möglich ist).

Collective Decay zeigen eine solide Leistung und können mich damit überzeugen. Gerade der Wechsel zwischen klarem Gesang und den Growls ist beeindruckend. Melissa vollzieht diesen jeweils ohne Stolperfallen. Mit diesem Projekt gefällt sie mir definitiv noch etwas besser als mit Ascéal. Das Publikum scheint das Ganze ebenfalls zu goutieren, verharrt allerdings im typisch-schweizerischen Sicherheitsabstand zur Bühne. Nach rund 35 Minuten darf die metallisch vielschichtige Truppe den Feierabend in Angriff nehmen.

Crusade Of Bards

Die letzten Wörter sind noch nicht gesprochen (respektive gesungen). Dies übernehmen nun die etwas weiter angereisten Gäste aus der spanischen Hauptstadt Madrid. Aber gehen Barden eigentlich auf Kreuzzüge? Sie entern die Szenerie als Sextett. Mir sticht sogleich die «Key-tar» von Paolo Andreotti ins Auge (Alestorm-Mastermind Christopher Bowes wäre sicherlich stolz auf ihn). Captain Eleanor Tenebre und Eduardo Guilló teilen sich die Gesangsarbeit. Der Herr ist primär für die kehligen Laute zuständig. Blöderweise ist sein Mikrofon zu Beginn noch nicht richtig eingestellt, weshalb die mächtigen männlichen «Balzrufe» leider ein wenig untergehen. Der Mix wird jedoch nach und nach besser (wenn auch nicht perfekt). Ausserdem muss ein kurzes Drum-Problem gefixt werden, aber dabei erhalten die Protagonisten Unterstützung von Collective Decay-Trommler Malte.

Crusade Of Bards zeigen sich dankbar, dass wir uns heute Abend für ihre Darbietung entschieden haben. Schliesslich spielt parallel im circa 30 Kilometer entfernten Olten eine gewisse Band namens Xandria (welche man durchaus als krasse Konkurrenz betrachten darf). Tastenmensch Paolo verrät uns dann noch im Schnelldurchlauf die Entstehungsgeschichte seiner Gruppe. Zuerst waren sie eine Piraten-Band, danach wurden sie traurig und dies führte automatisch zu mehr Gothic-Elementen in ihren Kompositionen. Ich persönlich würde ihr Schaffen idealerweise mit älteren Werken von Tristania oder Sirenia vergleichen. Als Anhänger von Videospielen feiere ich speziell den Song «Curator’s Lair», welcher als Hommage an die «The Dark Pictures Anthology»-Reihe zu verstehen ist. Dieses Stück wird übrigens auf dem neuen Album zu finden sein, welches im Juli dieses Jahres erscheinen soll. Eventuell statten die Barden der Schweiz dann abermals einen Besuch ab. Mir wären sie jedenfalls willkommen.

Das Fanzit – Crusade Of Bards, Collective Decay, My Sweet Undivine

Bedauerlicherweise fiel der Publikumsaufmarsch am heutigen Abend her dürftig aus. Alle Anwesenden (inklusive der Schreiberling dieser Zeilen) konnten sich allerdings über massenhaft Horizonterweiterungen freuen. Für Crusade Of Bards und Collective Decay hat sich der Abstecher nach Lenzburg freilich gelohnt. My Sweet Undivine waren mir dagegen mehrheitlich etwas zu sonderbar.


Wie fandet ihr das Konzert?

08.04.2026
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