Metalinside.ch - Möped Lads - Bullhead Festival 2026 - Foto Sandro 16
Fr–Sa, 13.–14. März 2026

Bullhead Festival 2026 – Gutalax, Hiraes, Asenblut Lotrify u.v.m.

Konzerthaus Schüür (Luzern, CH)
/ 12.04.2026

Der dritte Bullenritt

Mitte März 2026 fand abermals das Bullhead Festival statt. Austragungsort war erneut das Konzerthaus Schüür in Luzern. Während zweier Tage rockten Bands wie Lotrify, Hiraes oder Asenblut die Bude. Kollege Sandro, der jedoch erst am zweiten Tag mit von der Partie war, und meine Wenigkeit (Dutti) figurierten an diesem wohltätigen Event für euch als Zeitzeugen.

Freitag, 13.03.2026 – Tag 1

Dutti: «Aller guten Dinge sind drei!», obschon wir im Fall des Bullhead Festivals selbstverständlich hoffen, dass noch zahlreiche, weitere Durchführungen folgen werden. Darf es zur Einstimmung vielleicht ein kleiner Rückblick sein? Dann klickt gerne auf diesen Link. Auch 2026 darf die Mähne wieder für den guten Zweck geschüttelt werden, denn das Motto der Veranstaltung lautet unverändert «We rock for kids!». Ich drücke die Daumen, dass erneut ein fetter Spendenbeitrag für das Kinderhospiz Schweiz gesammelt werden kann.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden gewisse Änderungen implementiert. Die Party dauert neu nur noch zwei Tage (aber «kompakter» muss ja keinesfalls «schlechter» heissen). Zudem entpuppte sich der Besucheraufmarsch am Sonntag fürwahr als bescheiden. Anhänger von permanentem «Tintenschmuck» können ihre Haut derweil direkt vor Ort bei «Joko Tattoo» stechen lassen und bleibende Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen. Am Samstag findet ausserdem schon zur Mittagsstunde das «Kids Bully Festival» statt. Freier Eintritt und etliche Attraktionen (wie beispielsweise ein Wotan-Malwettbewerb oder Büchsenwerfen) für den Rockernachwuchs! Die innovativen Ideen wollen den Organisatoren augenscheinlich einfach nicht ausgehen. Ich selbst freue mich natürlich ganz klassisch auf das Band-Programm und richte meinen Fokus hauptsächlich darauf. Die erste Kapelle wird nämlich demnächst loslegen.

Mind Patrol

Dutti: Metal-Cervelat-Schnorri Brian und Knirps Henrik (der Sprössling von Bullhead-«Tätschmeischter» Sebi) übernehmen die herzige Anmoderation. Danach haben die Thrasher Mind Patrol, welche nach eigenen Angaben lediglich eine achtminütige Anreise hatten, die Ehre, die «stierige» Sause zu eröffnen. Fronter Steve ist für einmal ohne seine futuristische Rüstung unterwegs. Oha, das Stück «Liars To Impale» brettert ordentlich aus den Boxen! Des Weiteren haben die Musiker mit «Bridge Of Corpses» eine nagelneue Hymne am Start, die hier gerade ihr Live-Debüt feiert. Huch, sehe ich da einen ersten Mini-Circle Pit? Coole Sache! Die Bass-Linien von Fabian klingen auffällig dominant. Etwa in der Mitte des Sets wird bekannt, dass Axtmann Christian seine alte Jackson-Gitarre für den guten Zweck versteigern wird – chapeau! Anschliessend wird unter anderem mit «Warfare» furios weiter geballert, ehe «Till We Die» den erwartungsgemässen Abschluss bildet und die Stimmbänder der anwesenden Besucherschar erstmalig ausgiebig testet.

Die Setlist – Mind Patrol

  1. Legality Party From Morality
  2. Liars To Impale
  3. Bridge Of Corpses
  4. Show Me Violence
  5. Disciples Of A Blackened Sea
  6. Warfare
  7. Till We Die

Fight The Enemy

Dutti: Wie gewohnt geht es am Bullhead Festival jeweils Schlag auf Schlag. Hier kann keiner behaupten, dass er zu wenig zum Treppensteigen kommt (pam: Komm mal auf die 70’000 Tons of Metal … da sind es ein paar Konzerte und Stockwerke mehr … ;-)). Immerhin reichen die eingeplanten Pausen mittlerweile problemlos für einen kurzen Abstecher an die frische Luft oder zum Auffüllen des eigenen Gerstensaft-Vorrats.

Jetzt wird die «Bullstage» im Erdgeschoss geöffnet. Auf dem akustischen Speiseplan steht Metalcore aus Zofingen, welchen uns Fight The Enemy servieren. Nach und nach wird das Publikum näher zur Bühne beordert. Saitenhexer Dan Hunziker ist ebenfalls für den Klargesang zuständig. Der Vierer setzt auf mitreissende Nummern (dazu gehört zweifellos auch die neue Single «Nothing Left Of Me») und sorgt damit während der ihm gewährten halben Stunde für gute Unterhaltung.

Die Setlist – Fight The Enemy

  1. Nothing Left Of Me
  2. Uncharted
  3. The Depth Of Mind
  4. Ghost Of Me
  5. NBM
  6. Enemy Inside
  7. Collapsing
  8. Collateral Damage

Gutrectomy

Dutti: Zurück im Obergeschoss übernehmen gleich Gutrectomy das Zepter. Nach zuletzt meist kurzfristigen, unglücklichen Absagen auf helvetischem Grund (unter anderem am letztjährigen Meh Suff! Metal Festival hat es heute endlich geklappt. Die Jungs sind da!

Huch! Aber der Typ mit dem Mikrofon ist doch «unser» Eric Lindegger (bekannt als «Corebound Basel»-Chef, Fotograf «riccomat» oder I, Delusionist-Fronter). Offenbar muss er als Aushilfs-Schreihals ran. Dabei macht er jedoch einen tollen Job. Es knallt und ballert! Slam-Attacken lassen grüssen. Festival-Maskottchen Wotan ist mitten drin in der Pit-Action und lässt sich später sogar obendrein zu einer Stagedive-Aktion hinreissen. Jedes Bandmitglied darf zudem eine kurze Solo-Einlage darbieten. Modisch trumpft eindeutig Bassist Louis Weber mit seiner stabilen Adidas-Trainerhose gross auf. Leider fällt das Set ein bisschen kurz aus und ist bereits um 20.40 Uhr zu Ende. Da die nächste Equipe erst in 35 Minuten ran muss, ist somit definitiv der richtige Moment für einen Abstecher zu den Merchandise-Ständen gekommen.

Die Setlist – Gutrectomy

  1. Trapped In Angst
  2. Shard Throat
  3. Scorched Earth
  4. Carnage In Despair
  5. Abyss
  6. Jackhammer Lobotomy
  7. Throne Of Ashes
  8. Filius Mulieris Meretrics
  9. Rough Justice
  10. Condemned To Suffer

Anonymous Bastards

Dutti: Das muntere Genre-Potpourri wird mit den Anonymous Bastards aus dem oftmals sonnigen Wallis fortgesetzt. Optisch tendieren die Jungs klar zu Mötley Crüe und Steel Panther. Dazu passt auch der Sleaze Rock, den der Fünfer hier darbietet. Sänger Stivie mimt mit seiner maskenartigen Gesichtsbemalung offensichtlich einen «Ninja Turtle». Das stilgerechte Leoprint-Hemd von Tieftöner-Hüter Raoul ist rasch Geschichte. Allerdings schmeisst er es nicht in Richtung Publikum. Diese Flugroute ist dafür einer CD vorbehalten. Diese segelt mit ziemlich Schmackes durch die Luft, weshalb ich bete, dass niemand das Ding mit seiner Visage in Empfang genommen hat (das wäre fraglos schmerzhaft gewesen). Die Akteure geben sich publikumsnah. Gegen 22 Uhr beenden sie ihren Gig mit dem flotten «Live Fast Die Young».

Hiraes

Dutti: Für viele Besucher (mich eingeschlossen) folgt nun das ersehnte Tageshighlight. Britta Görtz und ihre Gefährten von Hiraes geben sich die Ehre! Der temporeiche Melodic Death Metal fliegt uns regelrecht um die Ohren! Songs der Marke «We Owe No One» zünden sofort und erwecken automatisch Gemeinschaftsgefühle und rebellische Adern in der Luzerner Scheune. Meine letzte Begegnung mit der dauergrinsenden Vocal Coach Lady liegt schon ein paar Jährchen zurück. Das war damals 2019 in Wacken mit ihrer alten Formation Critcal Mess. Die Stimmgewalt in Person scheint kein bisschen Energie eingebüsst zu haben. Munter propellert sie ihren Pferdeschwanz durch die Gegend und spult während der gesamten Show eine stattliche Kilometeranzahl ab. Sie könnte locker bei Arch Enemy oder Heaven Shall Burn das Mikrofon hüten (für letztgenannte Gruppe hat Britta dies im vergangenen Jahr aufgrund des temporären Ausfalls von Marcus Bischoff bereits getan). Heute dauert die würdige Headliner-Performance bis circa 23.25 Uhr.

Cevret

Dutti: Verbleiben noch Cevret aus Zürich, die mit ihrem Modern Metal – welcher mit Core und progressiven Elementen verfeinert wird  – für einen gelungenen Abschluss besorgt sein möchten. Der eigentlich gut angelaufene Fluss wird vor der Nummer «Castaway» kurz durch eine Tombola-Verlosung der Festival-Organisatoren unterbrochen. Im Anschluss geht es aber wieder gekonnt in die finalen Etappen. Links auf der Bühne (aus Zuschauerperspektive gesprochen) ist Bandgründer und Namensgeber Cevret zu sehen. Er ist neben der Gitarrenarbeit ebenfalls für den Klargesang zuständig. Ursprünglich wäre die ganze Angelegenheit als Solo-Projekt angedacht gewesen, aber seit 2024 hat er talentierte Musiker-Kollegen um sich geschart und konnte die Sache dadurch in eine Live-Band umwandeln. Deshalb haben wir unter anderem das Vergnügen, von dem ehemaligen Irony Of Fate-Sänger Andy Hunziker (jep, die hatten in den Anfängen effektiv einen Kerl am Mikro) angebrüllt zu werden. Ohne Zweifel ein brauchbarer Schlusspunkt des ersten Festivaltages.

Die Setlist – Cevret

  1. Intro
  2. Paradise
  3. Signs
  4. Castaway
  5. The Razor’s Edge
  6. Battlefield
  7. Ablaze
  8. Blinded
  9. The Razor’s Edge (Wiederholung)

Das Fanzit – Freitag

Dutti: Der Auftakt in das Bullhead Festival 2026 ist wahrlich geglückt. Freudige Gesichter innerhalb der Besucherreihen, engagierte Musiker, literweise Hopfentee und eine ausgelassene gute Stimmung im Zeichen eines wohltätigen Zwecks. Hervorheben müsste ich persönlich nach dem heutigen Abend sicherlich die Auftritte von Mind Patrol, Hiraes und Cevret.

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Samstag, 14.03.2026 – Tag 2

Dutti: Der zweite Tag startet bereits um 12 Uhr mit einer wundervollen Aktion für die Kleinsten unter uns – dem Kids Bully Festival. Gratiseintritt und musikalische Einlagen von Möped Lads und Cello Inferno im Erdgeschoss des Konzerthauses Schüür stehen beispielsweise auf dem Programm. Zum Glück ist jetzt auch mein Metalinside-Kollege Sandro dabei. Zwar amtet er primär als Bilderlieferant, aber der gute Mann kann sicherlich ebenfalls ein paar Worte über dieses kinderfreundliche Mini-Festival verlieren. Meine Wenigkeit ist zu solch „unchristlichen“ Zeiten nämlich noch nicht auf Platz. Somit müsst ihr vorerst ohne mich auskommen.

Kids Bully Festival

Sandro: Kurz vor Mittag stemple nun auch ich offiziell in das turbulente Geschehen des diesjährigen Bullhead Festivals ein. Ein Schmunzeln kann ich mir dabei nicht verkneifen, als mir das Übersetzungstool DeepL als mögliche deutsche Entsprechung für die Sause prompt «Kopfbarsch» serviert. Lieber Seb, wie wäre es, wenn ihr das Event bei der vierten Austragung mal unter diesem Namen lancieren würdet?

Nach dem Besuch der Feuerschwanz-Gala am Vorabend – inklusive der nicht minder überzeugenden Miracle Of Sound im Vorprogramm – bin ich bereits bestens auf das eingestimmt, was mir in den kommenden zwölf Stunden in die Gehörgänge ballern wird. Doch bevor «die Grossen» die Bühne entern, gehört die Bullstage im Erdgeschoss erst einmal den Lütten (plattdeutsch für klein). Ich habe, offen gestanden, keinen Schimmer, worauf ich mich da mal wieder einlasse; aber bekanntlich gehört ja den (Über-)Mutigen die Welt.

Als ich mich kurz vor dem Auftritt des Openers „Möped Lads“ plötzlich von kleinen Wesen eingekesselt sehe, ereilt mich ein kurzes Déjà-vu. Meine Gedanken wandern zurück zur Erstaustragung dieses Anlasses – genauer gesagt zum Auftritt von Shadow’s Far, bei dem ich ebenso misstrauisch von schräg unten beäugt wurde. Kids Bully Festival nennt sich der jüngste Spross des veranstalterischen Ideenguts, der seinen Teil zur musikalischen Früherziehung beitragen möchte. Der Raum ist bereits von Beginn weg gut gefüllt, und so dürfen sich die Luzerner Urgesteine auf viele erwartungsfroh glänzende Augenpaare freuen.

Möped Lads

Sandro: Wobei es keineswegs nur die Seh-Murmeln aus der ersten Etage sind, die sich auf das muntere Treiben auf der ziemlich vollgestellten Bühne richten. Auch den zahlreich erschienenen Eltern scheint die Darbietung der «Töfflibuebe» (mit weiblicher Verstärkung) absolut zuzusagen. So ganz überraschend kommt das freilich nicht, gehören die Möped Lads doch zu den dienstältesten Punkbands der Schweiz und geniessen geradezu Kultstatus. Gut möglich also, dass so einige Väter oder Mütter bereits im legendären Sedel einem Konzert des Quintetts gefrönt haben – und den heutigen Event nun als willkommenen Vorwand nutzen, um selbst wieder einmal Kind sein zu dürfen.

Geboten wird eine konsequent kindgerechte Punk-Vorstellung – quasi eine Art Kasperlitheater der scheppernden Sorte. Passend zum spielerischen Chaos fliegen auch immer mal wieder Luftballons in den Saal, die (sofern sie denn den Geist aufgeben) sogleich vorbildlich in einem Sammelbecken wieder aufgelesen werden. Auch die Interaktion mit dem Publikum kommt nicht zu kurz. Und spätestens, wenn Schimpfwörter abgefragt werden, die man «eigentlich nicht sagen darf» (ausser eben jetzt – Eltern bitte kurz weghören!), ist das Eis endgültig gebrochen.

Titel wie «Back On The Piss» dienen da natürlich als perfekte Steilvorlagen. Sänger Martin Gössi tut sich derweil durch wiederholte Ausflüge direkt in den «Abenteuerspielplatz» vor der Bühne hervor, was der allgemein locker-gespannten Stimmung zusätzlichen Auftrieb verleiht. Nach in der Tat äusserst kurzweiligen 45 Minuten ist der aufbrandende Applaus am Ende mehr als verdient.

Die Setlist – Möped Lads

  1. Intro / Krach / Cretins
  2. Bad Move
  3. Operate My Brain (Brain Vacation)
  4. Gimme More
  5. Burn ‚Em Down
  6. Ely Song
  7. Something’s Going Wrong
  8. Back On The Piss
  9. One Eyed Jack
  10. Complete Riot
  11. Fly In My Car
  12. Alles Toble
  13. Weisst du noch
  14. M.O.P.E.D. L.A.D.S.
  15. Spinner

Die Fotos – Möped Lads

Sandro: Bevor wir in die Umbaupause entlassen werden, stellt Bullhead-Mastermind Sebastian Sigrist noch kurz das zweite Maskottchen des Festivals vor (mehr dazu  dann weiter unten bei «Lasskahl») und meint, dass man es auch fotografieren oder anschubsen dürfe (was bei mir natürlich prompt Assoziationen zum am Vorabend heftigst abgefeierten «Schubsetanz» auslöst). Zudem werde hier unten nun die Spielwiese für den zweiten Kiddies-Act des frühen Nachmittags hergerichtet, derweil oben im Hauptsaal der Soundcheck für Voltage Arc losgehe. Man gebe sich Mühe, nicht allzu viel Krach zu machen, möge aber bitte nicht erschrecken, wenn die Drums mal etwas gar laut dröhnen sollten.

Und natürlich seien alle – Jung wie Alt – herzlich eingeladen, auch über die beiden Konzerte des Kids Bully Festivals hinaus im Konzerthaus Schüür zu verweilen – Tickets würden keine benötigt. Eine sympathische Einladung, der im Verlauf des Nachmittags tatsächlich etliche Familien nachkommen, wie ich später mit Freude feststellen darf.

Cello Inferno

Sandro: Nach einer genügend langen Verschnaufpause, um der Jungmannschaft die versprochenen Zwischen-Aktivitäten zu ermöglichen (Wotan-Malwettbewerb, Aufmal-Tattoo oder Büchsenwerfen, wir erinnern uns), geht es um Punkt 14 Uhr in der Mitte des unteren Saals mit «Cello Inferno» weiter. Wenn wir es zuvor von wilden Töfflibuebe und dem legendären Sedel hatten, dann passen Cello Inferno nun wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge – oder wahlweise wie der Benzinkanister auf die Kaffeemaschine. Wobei der Zusatz «Inferno» zumindest am heutigen Nachmittag fast ein Spur zu düster gewählt scheint.

Lange Zeit war Marcello Palermo, der sich in der Vergangenheit auch gerne mal mit den örtlichen Gesetzeshütern anzulegen wusste, als Solokünstler unterwegs. Mittlerweile hat sich die Bandgrösse mit dem Zuzug von Flink Arbaro und seinem DIY-Washtub-Bass quasi verdoppelt. Überhaupt gibt es bei diesem Auftritt so einige exotische, selbst gezimmerte Instrumente zu bestaunen. Oder habt ihr schon mal jemanden gesehen, der auf einem ausgedienten Rollbrett die Saiten zupft?

Musikalisch bewegen wir uns irgendwo in einem Potpourri zwischen Trash-Blues, Folk, Rock ’n’ Roll und Bluegrass. Wobei ich auch bei diesen beiden Herrschaften stark vermute, dass in Sachen «laut und dreckig» beim heutigen Gig ein paar Register weniger gezogen werden als üblich. Das Prädikat «authentisch» dürfen sie sich aber dennoch dick auf die Fahne schreiben.

Zudem unterstreicht das Duo eindrücklich, dass es für eine unterhaltsame Show nicht zwingend überbordende Bühnenakrobatik braucht. So bildet der Auftritt einen spannenden Kontrapunkt zur verspielten Darbietung der Möped Lads – eine Art Kraft aus der ruhenden Mitte, der andächtig und aufmerksam gelauscht wird.

Die Performance, vorgetragen auf ausgelegten Teppichen mittig zwischen Bühne und Mischpult, ist zwar nicht vollumfänglich meins, aber definitiv mit so viel Groove und Herzblut dargeboten, dass die Sympathiepunkte nur so purzeln. Nach 50 unterhaltsamen Minuten findet das erste Kids Bully Festival so einen absolut würdigen Abschluss.

Die Fotos – Cello Inferno

Das Fanzit – Kids Bully Festival

Sandro: Alles in allem ist das Kids Bully Festival ein cooles Zusatz-Event, das dem einen oder anderen Sprössling sicher einen guten Eindruck davon vermittelt, was Mami und Papi eigentlich so treiben, wenn sie an ein «Konzi» pilgern. Gleichzeitig markiert die Sause einen gelungenen Einstieg in die saitenlastige, härtere Musikwelt. Besonders löblich: Die jungen Kinderohren waren durchgängig mittels Gehörschutz vor nachhaltigen Schäden gesichert – so muss das sein!

Wenn das Ganze wie bei den «Möped Lads» noch mit Spass und einer Prise Klamauk angereichert wird, macht es die Sause zudem greif- respektive erlebbarer, was den positiven Gesamteindruck nochmals steigert. Dass der Zuschaueraufmarsch zudem weit über den Erwartungen der Organisatoren lag, spricht eine deutliche Sprache: Das Interesse an solchen Formaten ist zweifellos vorhanden.

So viel erst einmal zu den ersten drei Stunden des zweiten Bullhead-Tages. Kollege Dutti dürfte unterdessen ebenfalls wieder den Weg nach Luzern gefunden haben, womit ich das virtuelle Mikrofon gerne an ihn weiterreiche.

Zweite Runde für die «Grossen»

Dutti: Sodele, kurz vor 15 Uhr sind wir auch wieder vor Ort und zeigen den «Jungbullen» gerne, wie die älteren Kaliber Feste feiern. Da die erste Equipe im Obergeschoss loslegen darf, bahnen wir uns gerne einen Weg dorthin. Es sind effektiv noch zahlreiche Kinderchen unterwegs und im Saal wimmelt es von Luftballons. Moderator Brian erhält dieses Mal illustre Verstärkung. Einerseits von Kultfigur Evil Jared, der schon im letzten Jahr für ordentlich Furore (und Jägermeister-Exzesse) sorgte. Um ihn herum ist Entertainment stets garantiert. Die andere Labertasche heisst Krogi und macht unter anderem gemeinsam mit dem erstgenannten Herrn Musik. Die Gamer unter euch dürften ihn vielleicht von YouTube (beispielsweise Rocket Beans TV) kennen. Jedenfalls ist sich dieses Trio selbstredend für keinen Worterguss zu schade.

Voltage Arc

Dutti: Für die erste Lärmbeschallung sind hingegen die «Böju»-Jungs von Voltage Arc verantwortlich. Diese nackten Oberkörper kennen keine Kälte. Gewohnt dynamisch und unbekümmert lanciert das Quartett die Party mit seiner erfrischenden Rock ‘N’ Roll-Attitüde. Das Publikum macht brav mit, wird aber sowieso konstant animiert. Wie so oft haben die Protagonisten auch untereinander ein riesiges «Gaudi». Der «Rockin’ Man» macht besonders viel Laune (was unter anderem an dem extrem ansteckenden Mitsing-Part liegen dürfte). Generell kann sich das Schlussfeuerwerk, welches Voltage Arc da zünden, absolut hören lassen. «Sin City» ist ein weiterer Kracher und das abschliessende «Never Forget To Drink» (ich fühle mich jedes Mal sofort in ein Irish Pub zurückversetzt) enttäuscht eh nie. Letztgenannte Nummer wird zudem mit einer Handörgeli-Session von Fronter Toni Hörner eingeleitet. Hopp Schwiiz!

Sandro: Ja, diese wilde Glam-Party mit jeder Menge Action, nackter Haut und einer saugeilen Publikumsinteraktion weiss in der Tat auf ganzer Linie zu gefallen! Für mich persönlich bildet das Geschehen zudem den perfekten Übergang ins offizielle «Erwachsenen-Programm» des heutigen Tages. Dass sich beim schweisstreibenden Auftritt der Aargauer zudem noch erstaunlich viele Kiddies im Saal tummeln – von denen einige sogar schon so richtig mitgehen –, ist natürlich das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i. Einen besseren Brückenschlag zwischen den Generationen hätte man sich für diesen Slot kaum wünschen können.

Die Setlist – Voltage Arc

  1. The Underground
  2. Apple Dream
  3. Waiting To Get Wild
  4. Hardrock Hotspot
  5. For Rock N Roll
  6. Rockin’ Man
  7. Sin City
  8. Never Forget To Drink

Die Fotos – Voltage Arc

Arcaine

Dutti: Eigentlich würden an dieser Stelle Heathen Heretic die EG-Bühne mit ihrem melodiösen Schwarzmetall zum Erzittern bringen, aber leider mussten die Zürcher Oberländer krankheitsbedingt kurzfristig aussetzen. Glücklicherweise haben die Bullhead-Verantwortlichen immer irgendwo einen «Plan B» parat. Aus diesem Grund haben wir nun mit Arcaine das Vergnügen. Die Bündner sind «vo Chur oba abe» in die Zentralschweiz gepilgert und machen keine Gefangenen. Die finsteren Kapuzengesellen lassen es ordentlich krachen. Die in der Mitte tobende Circle Pit-Action spricht diesbezüglich Bände. «Void» ist beispielsweise eine gnadenlose Abrissbirne! Während den ruhigeren Passagen ihres Liedguts verschönern die Zuhörer die Szenerie mit dem Einsatz von Feuerzeugen (die «Oldschool-Raucher» scheinen hier der «Smartphone-Dampfer-Fraktion» zahlenmässig deutlich überlegen zu sein). Chapeau an den einen Gitarristen, denn er habe gemäss Auskunft von Sänger Adrian das Set in gerade einmal zwei Wochen einstudiert.

Sandro: Mit dem Gang hinunter ins Erdgeschoss vollziehen wir den rüden Wechsel von deftigem Hardrock hin zu noch viel deftigerem Death Metal. Entsprechend düster fällt nun auch die Ausleuchtung der Spielfläche aus – erst recht, wenn ich im Geiste an die kunterbunte Szenerie der Möped Lads von vorhin zurückdenke. Doch selbst wenn der von den Bündnern zum Besten gegebene Beschallungsstil definitiv nicht mein bevorzugtes Genre ist, wirkt die pure Energie, die Arcaine dabei entfesseln, durchaus ansteckend. Das Publikum sieht das offensichtlich genauso, denn vor der Bühne herrscht gehörig Bewegung: Moshpits, Circle Pits und Headbanger sind allenthalben auszumachen.

Heute nehme ich diese volle Dröhnung Todesblei gerne mit, wenngleich es mich ab morgen dann sicherlich nach einer extra grossen Portion Symphonic Metal dürsten wird. Apropos Portion: Der feine vegane Burger mit Pommes Frites und Haussauce erweist sich als goldrichtige Wahl und bringt die überlasteten Nervenbahnen recht schnell wieder auf Normalspannung.

Die Setlist – Arcaine

  1. Intro
  2. Harbinger Of Doom
  3. Relentless
  4. Toxic Mankind
  5. Eternal Burden
  6. Rebuild
  7. Void
  8. War Knows No Innocence
  9. Whispers Of The Fallen

Die Fotos – Arcaine

Lotrify

Dutti: Lotrify haben mich erst kürzlich in der Lenzburger Met-Bar als metallische Valentinsengel restlos überzeugt. Welchen Pfad werden sie wohl heute einschlagen? Das als Intro aus den Boxen ertönende «Take Me Home, Country Roads» wird jedenfalls von allen Seiten lautstark mitgeträllert. Und dann betreten die Künstler schliesslich das Rampenlicht. Der Frontmann ist stilecht mit Cowboy-Hut unterwegs, weswegen ich ihn direkt in John Wayne Wacker umtaufe. Seine Kumpels dürfen derweil mit Stierhörnern auf den Schädeln durch die Gegend flitzen. Jep, die Badener scheinen einen Narren an Kostümierungsaktionen gefressen zu haben. Aber ja, dadurch sorgen sie eben einfach für beste Unterhaltung.

Und musikalisch? Da braucht es keine Aufwärmrunde. Von Beginn weg gibt es mit vollem Elan auf das Fressbrett. Trotzdem bin ich überrascht, wie tapfer sich die herumfliegenden Luftballons halten. Nur wenige zerplatzen. Während «Ill-Minded» kommt es gar zu einem Ruder-Pit! Mit je einem Cover von Rage Against The Machine und Limp Bizkit erfolgt zudem ein Gruss an die 90er-Jahre. Kurz darauf eskaliert die Situation aufgrund von einigen Strandbällen und einem aufblasbaren Krokodil, welche in die Massen geschmissen werden. Die Herrschaften zeigen sich erneut in Hochform. Könnte 2026 eventuell eine grossartige Lotrify-Periode werden? Wer weiss? Schade bloss, dass die Klampfe von Yannick Bislin gegen Ende den Geist aufgibt… Doch die finale Polonaise zu «Maria (I Like It Loud)», welche in der gesamten Location herumwuselt, zaubert auch ihm wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Sandro: Jep, der sich da durch das Konzerthaus Schüür schlängelnde Tatzelwurm hat auch mich mit einem breiten Grinsen zurückgelassen. Ebenso wie der Ritt eines jungen Herrn auf dem Aufblas-Kroko – sozusagen Crowdsurfing 2.0 in seiner unterhaltsamsten Form.

Und wenn ich mir die vielen «Galeerenantreiber» in den Publikumsreihen so ansehe, freue ich mich direkt nochmals ein Stück mehr auf die Ruderweltmeisterschaften 2027, die hier in Luzern am Götter- (respektive Rot-)see stattfinden werden. Besonders Larry und Domi The Stick, die übrigens bereits gestern beim Feuerschwanz-Auftritt ordentlich abfeierten, legen sich vorbildlich ins Zeug. Ja, es ist eine richtige kleine Metalinside-Zusammenkunft, die sich hier in der Leuchtenstadt formiert hat.

Die Stimmung ist schlichtweg wunderprächtig. Allein ein kurzer Blick in die Gesichter der Herren auf der Bühne genügt, um zu sehen, mit wie viel Herzblut und Spass sie bei der Sache sind. Ob 2026 tatsächlich das «Year of Lotrify» werden könnte? Die Vorzeichen stehen jedenfalls verdammt gut!

Die Setlist – Lotrify

  1. Xenophobic
  2. Close To Distant
  3. Neuer Song (noch ohne Titel)
  4. Ill-Minded
  5. Left Behind
  6. Bulls On Parade (Rage Against the Machine-Cover)
  7. Break Stuff (Limp Bizkit-Cover)
  8. Clashing Bones
  9. It’s Always There
  10. Something To Nothing
  11. Bleed Alone
  12. Maria (I Like It Loud) (Scooter-Cover)

Die Fotos – Lotrify

Lasskahl

Dutti: Ehe uns die Schweizer Lasskahl ihren progressiven Metalcore um die Lauscher ballern, folgt zuerst ein wenig «Maskottchen-Kunde». Festival-Stier Wotan erhält nämlich ein Upgrade beziehungsweise eine Partnerin. Diese hört auf den Namen Wanda und kommt als schwarz-weiss gemusterte Kuh daher. Also, ja, die Bullhead-Familie wächst und gedeiht wunderprächtig.

Doch zurück zur Musik! Während Michael Tevlac etwas gelangweilt wirkend auf seine Felle eindrischt, ist sein bärtiger Frontmann Stefano Montemari das pure Gegenteil. Der Typ strotzt nur so vor Energie und wagt sich obendrein furchtlos selbst hinein in das bebende Pit-Zentrum. Bei «The Dopamine Fountain» erhält er zudem Unterstützung von Sebastien Poli (seines Zeichens Mikrofonhüter in Diensten der Post-Hardcore-Gruppe Windshelter). Ein Duett, welches ausgezeichnet funktioniert. Gleich anschliessend folgt die Komposition «Until Forever Fades Away» (notabene ein Live-Debüt!), welche einen Vorgeschmack auf das künftige Klangbild der Waadtländer liefern soll. Solide Angelegenheit.

Sandro: Vielleicht lehne ich mich mit dieser Aussage nun etwas gar weit aus dem Fenster, aber könnte es eventuell – also rein zufällig – sein, dass im nächsten Jahr ein weiteres Maskottchen in den Bullhead-Reigen Einzug hält? Eines, das eine Nummer kleiner daherkommt als Wotan und Wanda und primär die Schirmherrschaft für den «Kids Bully»-Teil übernimmt? Mit «Watzmann» (für ein Bullenkalb – benannt nach dem Berg, klingt standfest und massiv) und «Walli» (falls es ein Kuhkalb werden sollte – herzlich und bodenständig) schicke ich hiermit schon mal zwei Namensvorschläge ins Rennen.

Aber ja, da war ja auch noch was mit verzerrten Gitarren und einer wahrlich immersiven Wall of Sound – so eine Art «Komplexität trifft Wucht»-Ding eben. Dabei ist es irgendwie umso erstaunlicher, mit welcher Präzision die Herrschaften dieses komplexe musikalische Geflecht höchst versiert gebacken bekommen.

Und spätestens beim Duett zwischen Stefano und Sebastien stehe ich wohl mit komplett offener Kauluke da und staune Bauklötze – sehr geil, und sehr gerne mehr davon!

Die Setlist – Lasskahl

  1. Hell Is A Loveless Place
  2. Confession, Assassine
  3. Labyrinthe Gates
  4. Faces From The Past
  5. The Dopamine Fountain (feat. Sebastien Poli von Windshelter)
  6. Until Forever Fades Away
  7. Si, Seulement
  8. Eleven

Die Fotos – Lasskahl

Asenblut

Dutti: Die ansehnliche Schilddekoration verrät es schon: Uns steht als Nächstes eine blutige Schlacht bevor! Und was benötigt man dazu? Korrekt, sinnvollerweise einen muskelbepackten, Axt schwingenden Berserker, der problemlos als «Ein-Mann-Armee» durchgehen und Löcher in jegliche, feindliche Linien reissen könnte. Glücklicherweise ist Hüne Tetzel am Start, denn er erfüllt diskussionslos all die zuvor genannten Aspekte. Gemeinsam mit seinen drei Waffenbrüdern bildet er das Gefüge Asenblut. Wer seinen inneren Wikinger entfesseln möchte, sollte seinen Allerwertesten schleunigst vor die Obergeschoss-Bühne bewegen. Songs der Marke «Unbesiegbar», «Seite an Seite» oder «Entfesselt» fördern den Gemeinschaftsgedanken und wecken die Kampfeslust. Dabei stellt die Growl-Bestie klar, dass wir ebenfalls für die Kleinsten unter uns einstehen sollen. Während «Wölfe des Meeres» wird abermals am heutigen Tag gerudert.

Alles in allem ein saustarker Gig, der Lust auf mehr macht. Uns wird ausserdem verraten, dass das neue Asenblut-Eisen «Urgewalt» im September dieses Jahres erscheinen soll. Da passt es ja hervorragend, dass die Herrschaften am 25.09.2026 der Lenzburger Met-Bar einen Besuch abstatten möchten. Sicherlich ein Ereignis, welches sich Anhänger von geschwärztem, thrashigem Pagan Metal dick in ihrer Agenda anstreichen sollten.

Sandro: Asenblut waren mir vor dem heutigen Abend gänzlich unbekannt – umso mehr bin ich von dieser ordentlichen Portion «Berserker-Energie» massiv beeindruckt! Besonders Frontmann Tetzel – der sich auch als Fitness-Influencer und Gewichtheber/Strongman einen Namen gemacht hat – dominiert die Bühne mit einer enormen physischen Präsenz, die einen schlichtweg mitreist. Da wird keine distanzierte Kunst zelebriert, das ist eine gemeinsam ausgetragene Schlachtfeier!

Umso erstaunter bin ich, als sich die Zuhörerschaft vor dem obligaten Nachschlagteil – bei noch immer ausgeschalteter Saalbeleuchtung – munter unterhält, und Tetzel himself aus dem Off nachfragen muss, ob man denn noch an einer Zugabe interessiert sei. Eine in der Tat skurril anmutende Szene. Glücklicherweise findet die Meute rechtzeitig in den richtigen Modus zurück, sodass beim abschliessenden «Asenblut» nochmals mit aller Kraft der Geist von Walhalla beschworen wird.

Die Setlist – Asenblut

  1. Das Ende der Götter
  2. Unbesiegbar
  3. Seite an Seite
  4. Entfesselt
  5. Bruderschaft
  6. Wie ein Berserker
  7. Wölfe des Meeres
  8. 300
  9. Berserkerzorn
  10. Die wilde Jagd
  11. Asenblut

Die Fotos – Asenblut

Sons Of Coherence

Dutti: Weiter geht es mit Sons Of Coherence aus Winterthur (und Umgebung). Diese Groove-Ladung lässt kaum einen Stein auf dem anderen. Lasst euch nicht von Fronter Sanjis Pippi Langstrumpf-Zöpfen täuschen, denn der Kerl verfügt über ein bitterböses Stimmorgan. Holla, die Waldfee! Generell sorgen die Söhne für zahlreiche Publikumseskalationen, was freilich für die Intensität ihrer Performance spricht. Selbst eine kleine Zumba-Session findet Raum in diesem Set. Die Jungspunde nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden 45 Minuten, um sich für weitere Gastspiele dieser Art zu empfehlen.

Sandro: Die Eulachstädter beschallen uns fürwahr mit einer ordentlichen Fuhre Groove-Core. Und so groovt es denn in der Tat ganz gehörig im Gebälk – respektive im eher grausig beleuchteten Erdgeschoss der Austragungsstätte. Rein lichttechnisch stimmen uns die Herren dabei schon mal auf das ein, was in Bälde eine Etage weiter oben als Haupt-Act zu bewundern sein wird.

Die wuchtigen Rhythmen und der kontrastreiche Sound entfalten dabei eine enorme Durchschlagskraft. Da erstaunt es kaum, dass in den Zuschauerreihen kaum mehr Bewegungsfreiheit herrscht – es sei denn, man befindet sich direkt vor der Bühne, wo bereits wieder freudig gemosht und im Circle Pit Meter um Meter abgespult wird. Ein bärenstarker Auftritt, der die Betriebstemperatur im Konzerthaus Schüür konstant hoch hält!

Die Setlist – Sons Of Coherence

  1. Dyke
  2. Hiker / Caged In
  3. Diazepam
  4. Into Black
  5. Sleep
  6. Skizzo
  7. Superstar
  8. Nameless
  9. Peak

Die Setlist – Sons Of Coherence

Cypecore

Dutti: Zurück vor der «Haupt-Spielwiese» bahnen sich irgendwelche Elvis-Klänge den Weg in unsere Gehörgänge. Stammt dieses Liedgut zufälligerweise aus der persönlichen Plattensammlung von Captain America? Wir werden es wohl nie erfahren.

Mit einer minimen Verspätung von fünf Minuten übernimmt nun jedenfalls der heutige Headliner das Kommando. Cypecore sind aus Baden-Württemberg angereist und bringen eine dystopische Aura nach Luzern. Mit ihren Outfits könnten die Herren tatsächlich glatt als Cyborgs durchgehen. Auffallend sind vor allem die orange-gelb leuchtenden Lichter in ihren «Rüstungen». Das Publikum goutiert den Auftritt und es werden erneut Crowdsurfer durch den Raum getragen. Mich persönlich hauen die Akteure nicht komplett aus den Socken. Das Gezeigte ist fraglos solide, aber ihre Landsleute von Asenblut haben die Bude nach meinem Empfinden noch ein bisschen intensiver abgerissen. Oder wie fällt die Einschätzung meines Kollegen Sandro hierzu aus?

Sandro: Definitiv, werter Dutti, aber schön der Reihe nach! Als das Gros der Leute von unten hochströmt, ist der finale Soundcheck gerade durch. Willkommen im Jahre 2133: Die Menschheit hat sich nahezu selbst ausgelöscht, grosse Teile der Erdoberfläche sind radioaktiv verseucht und ein Überleben ohne (poppig leuchtende) Exoskelette ist schlicht unmöglich. Vorhang auf für Cypecore und ihren Sci-Fi-Metal – respektive Melodic Death Metal mit Industrial-Touch, angereichert mit Lyrics über die finstere Welt von übermorgen. Und finster ist es fürwahr; zuweilen gar so dunkel wie in einer Kuh mit Darmverschluss.

Anscheinend ist im Dritten Weltkrieg nämlich auch der Strom verlustig gegangen, weshalb die Szenerie kaum ausgeleuchtet ist und entsprechend etwas gar trist daherkommt. Das passt zwar hervorragend zur dystopischen Gesamtinszenierung, wirkt jedoch mit der Zeit – gerade für Cypecore-Neulinge wie mich – irgendwie ermüdend. Da hilft auch das inflationär eingesetzte Stroboskoplicht nur bedingt weiter. Den Sound selbst kann ich nur schwer einschätzen, doch für mein Empfinden sind die Tiefen zu dominant und etwas gar überschlagend abgemischt.

Sprüche wie «Wisst ihr, was ein Circle Pit ist?» (klar, hatten wir heute ja schon zur Genüge) tragen zwar zur Interaktion bei, doch scheint sich das Publikum bisweilen lieber selbst zu unterhalten. So wird ein herumliegender Ballon von einem hünenhaften Zuschauer wie ein heiliges Symbol in die Höhe gereckt und beinahe rituell nach vorn zu Sänger Dominic «Commander» Christoph getragen (der diesen umgehend zurück in den Saal kickt). Monty-Python-Fans dürfte wohl spontan der Ausruf «Ein Zeichen!» durch den Kopf geschossen sein.

Für eingefleischte Anhänger der Truppe ist der heutige Auftritt sicher ein Fest, meiner-einer steht derweil eher mit einer ratlosen «WTF»-Miene in der Weltgeschichte herum. Um Duttis Frage also abschliessend zu beantworten: Ja, Asenbluts Performance gewinnt da zumindest bei mir im direkten Vergleich «hands down».

Die Setlist – Cypecore

  1. Neoteric Gods
  2. Where The World Makes Sense
  3. Drive
  4. I’ll Be Back
  5. Dreamsmasher
  6. Patient Zero
  7. My Confession
  8. Make Me Real
  9. Saint Of Zion
  10. Hollow Peace
  11. Values Of Death
  12. The Abyss
  13. Drum Solo
  14. The Hills Have Eyes
  15. The Alliance
  16. The Void

Die Fotos – Cypecore

My Last Hour

Dutti: We Awake und das Bullhead Festival – irgendwie ein verhextes Mysterium. Bereits im vergangenen Jahr mussten sie ihren Gig absagen und wollten diesen eigentlich 2026 nachholen. Daraus ist nun abermals nichts geworden. In die Bresche dürfen nun My Last Hour aus Landquart springen. Noch mehr Bündner! Wenn sie ähnlich abliefern, wie ihre «Kantonsbrüder» von Arcaine, sollte das Einsacken des Publikums reine Formsache sein. Und ja, sie enttäuschen freilich nicht. Mir war die Formation nicht bekannt, aber sie dürfen mich fortan gerne zu ihren neuen Anhängern zählen. Screams und Klargesang harmonieren grandios! Der präsentierte Metalcore versetzt einen zurück in die kultigen «American Pie»-Zeiten. Im Pit geht es heftig zur Sache. Und dann hauen sie als ganz besonderes «Schmankerl» noch frech ein «This Is The Life»-Cover raus. Amy Macdonald mit Breakdowns? Wer damit gerechnet hat, muss fürwahr ein anerkannter Prophet sein. Grosses Kino!

Sandro: Man müsste We Awake in der Tat den inoffiziellen Pechvogelpreis des Festivals verleihen. In diesem Jahr grätschten den Dortmundern die aufgrund des Iran-Kriegs exorbitant gestiegenen Benzinpreise brutal hinein. Die Treibstoffkosten hätten der Truppe schlichtweg sämtliche für die Schweizer Reise beiseitegelegten Taler weggefressen. Schweren Herzens entschied man sich daher für eine erneute Absage, beweist dabei aber wahre Grösse: Die gesparten 600 Euro werden kurzerhand dem Bullhead Festival respektive der Stiftung Kinderhospiz Schweiz gespendet. Eine fantastische Geste, die vom Publikum mit entsprechend viel Applaus honoriert wird!

Dass My Last Hour «nur» als Ersatz in die Bresche springen, merkt man indes zu keiner Sekunde. Was allerdings auch kaum überrascht, handelt es sich bei den vor über zehn Jahren gegründeten «Steinböckchen» doch um eine absolut eingespielte Einheit. Entsprechend authentisch und nackenbelastend kommt ihr «In Your Face»-Metal denn auch rüber. Dass zu so vorgerückter Stunde noch immer derart viel Bewegung im Kessel vorherrscht, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit!

Ich für meinen Teil streiche nun die Segel und überlasse die Berichterstattung über den finalen Abriss des Abends meinem Kollegen Dutti. Schicht im Schacht, wie unser geschätzter Alleshörer doch jeweils zu sagen pflegt. Man darf gespannt sein, wie sich das «tschechische Abführmittel» (Gutalax) zum Abschluss schlagen wird!

Die Setlist – My Last Hour

  1. Is This The Future
  2. A.M.O.S.
  3. On The Edge (Of How It Used To Be)
  4. Times Fly By
  5. This Is The Life (Amy Macdonald-Cover)
  6. Blinded
  7. Black Hole
  8. Judgment Day
  9. Breaking Point
  10. Deadlock

Die Fotos – My Last Hour

Gutalax

Dutti: Ehe alle Lauchstängel- und Klopapier-Fanatiker auf ihre Kosten kommen, wird noch die grosse Tombola aufgelöst. Unsere Kollegin Lynne räumt gleich mehrfach ab, weshalb wir an dieser Stelle bloss anerkennend applaudieren können. Ein eingerahmtes Bullhead-Line-up mit Unterschriften aller Bands macht sich in den heimischen Wänden garantiert gut.

Doch genug um den heissen Brei herumgeredet. Die tschechischen Ganzkörper-Kondome stehen schon in den Startlöchern! Das «Baywatch»-Intro ist ein gekonntes Täuschungsmanöver. Romantische Schwimmsequenzen bleiben aus (ausser ihr möchtet ein ausgiebiges Bad in einer vollgekackten Kloschüssel nehmen). Die Musik – wenn man sie denn so nennen möchte – dürfte exakt dem Geschmack von Moderator Brian entsprechen. Er ist bekanntermassen brennender Befürworter der sogenannten «Bissi-Gaggi-Musig». Ich amüsiere mich ebenfalls prächtig über die Gutalax-Darbietung und bin – wie so oft fasziniert – welche Geräusche Fronter Maty locker flockig von sich geben kann. Aussenstehenden kann man dieses Phänomen kaum sinnvoll erklären. Diese Goregrind-Party (ja, etliche Leute schwingen gerade munter das Tanzbein) muss man einfach live erlebt haben!

Evil Jared x Krogi

Dutti: Offiziell wäre das diesjährige Bullhead Festival damit beendet. Aber im Erdgeschoss läuft jetzt noch die Rausschmeisser-Fete mit Evil Jared und Krogi. Sieht aber eher nach einer DJ- respektive Jukebox-Einlage aus. Selbstverständlich ist zudem wieder Jägermeister im Umlauf. Wir verweilen lediglich kurz. Körper und Energiereserven liebäugeln dann doch eher mit dem Heimweg. Diesen werden wir allerdings mit wunderbaren Erinnerungen an zwei fantastische Tage antreten.

Das Fanzit – Samstag

Dutti: Meine heutigen Highlights hiessen Lotrify, Asenblut und My Last Hour. Ich kann das Bullhead Festival effektiv nur jedem stark ans Herz legen. Wo sonst trifft unsere Lieblingsmusik in diesem Stil auf den guten Zweck? Des Weiteren ist die Veranstaltung kompetent organisiert und die Abläufe funktionieren grundsätzlich reibungslos. Meine Ohren haben einzig aufgeschnappt, dass es bei der Essensausgabe ab und zu ein wenig chaotisch zu und her gegangen sein muss. Dies kann ich allerdings nicht beurteilen, da meine Wenigkeit eher auf flüssige Nahrung gesetzt hat. Die Reduktion auf zwei Tage war aus meiner Sicht ebenfalls ein gelungener Schachzug. Zum Abschluss soll wie so oft ein kleiner Ausblick gestattet sein, denn das nächste Bullhead Festival wird am 19. und 20. März 2027 stattfinden. Ausreden, um nicht nach Luzern pilgern zu müssen, werden per se abgelehnt.

Sandro: Auch wenn ich in diesem Jahr nur an Tag zwei zugegen war, hat sich der Besuch im Luzerner Konzerthaus Schüür gelohnt. Allein schon deshalb, weil ich bei Cypecore – der massiven Strobo-Orgie sei Dank – endlich einmal die Gelegenheit erhielt, «reinstes Weiss» abzulichten.

Das neu hinzugefügte Puzzleteil Kids Bully Festival werte ich als absolut gelungene Bereicherung des wilden Treibens. Insbesondere der Auftritt der einheimischen «Möped Lads» war ein echtes Highlight und wird mir in allerbester Erinnerung bleiben. Es ist schön zu sehen, wie der Nachwuchs hier so spielerisch an die laute Materie herangeführt wird.

Bei den «Grossen» konnten mich Voltage Arc, Lotrify und ganz speziell Asenblut vollends abholen. Im Gegensatz dazu soff der Auftritt des offiziellen Headliners Cypecore für mein Empfinden leider irgendwo zwischen «Nicht-Licht» und einem spürbaren Konzentrationsabriss seitens der Zuhörerschaft ab.

Die bereits von Kollege Dutti angesprochene Reduktion des Festivals auf zwei Tage hat sich definitiv ausgezahlt. Für die Zukunft würde ich mir allenfalls eine (erneute) Ausweitung auf weitere, nicht ganz so «eng anliegende» Genres wünschen. Ich denke da etwa an eine Prise Symphonic Metal, mit der allenfalls ein noch breiteres Publikum angezogen werden könnte. Alles in allem aber ein bärenstarker Abriss in der Leuchtenstadt!


Wie fandet ihr das Festival?

/ 12.04.2026
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