Metalinside.ch - Narnia - Elements Of Rock 2026 - Foto Friedemann 15
Fr–So, 13.–15. März 2026

Elements of Rock 2026 – mit Narnia, Extol u.v.m.

Stadthofsaal Uster (Uster, CH)
/ 05.04.2026

Klanggewitter und Begegnungen auf Augenhöhe

Nachdem das Elements of Rock (EOR) letztes Jahr die 20-jährige Jubiläumsausgabe erfolgreich über die Bühne brachte, scheint eine Sabbatruhe noch in weiter Ferne zu sein.

Erneut verspricht das Indoor-Festival während zwei Abenden mit einem abwechslungsreichen Line-up zu trumpfen. «Kein einfaches Unterfangen», wie Präsident Mike Hauser beteuert. Schliesslich bildet das EOR-Publikum eine grosse Schnittmenge verschiedener Genres wie auch alternativer Szenen. Klar, dass Rocker und Metaller den Hauptanteil ausmachen. Aber auch Punks und Goths sowie so ziemlich jeder christliche Grenzgänger haben hier seit den Anfängen ein subkulturelles Zuhause gefunden. Extreme Musik und Glauben gehen Hand in Hand.

Elements of Rock 2026 (Tag 1) – Freitag, 13. März 2026

Während zehn Jahren war ich selbst aktiv am Festivalmerchstand dabei. Eine sehr spannende und vor allem bereichernde Zeit mit vielen tollen Begegnungen, die mir einen beeindruckenden Einblick hinter die Künstlerkulisse gewährte. Für dieses Jahr habe ich beschlossen, den Stab an die jüngere Generation weiterzugeben und mich wieder als Besucher unters Volk zu mischen. Somit kann ich mich ganz auf das Festival per se und vor allem die Musik einlassen.

Entspannt treffe ich zur Türöffnung beim Stadthofsaal ein und nehme den Presse-Badge für Metalinside entgegen. Wie immer begegne ich vielen bekannten Gesichtern – Wiedersehen, die einfach Freude machen. Auch Kollege und Lichtmaler Friedemann ist mit Sack und Pack eingetroffen. Wir stellen uns der Aufgabe, die nächsten zwei Abende in Bild und Wort festzuhalten.

Das Foyer im Stadthofsaal füllt sich rasant. Sowohl an Bartheke wie auch an Merchtischen herrscht bereits Vollbetrieb. Der Ansturm ist unerwartet gross, sodass die Warteschlange bei der Abendkasse zur Geduldsprobe wird. Vor allem für jene, die erst jetzt, knapp vor Konzertbeginn eingetroffen und eigentlich extra wegen dem Festival-Opener hergereist sind. Irgendwo verständlich, wenn einem das Band-Kaliber bewusst ist …

Mud Slick

Mud Slick sind eine jener Bands, die dem aufkeimenden Grunge der Früh-90er zum Opfer fielen. Trotz Bandauflösung um die Jahrtausendwende ist mit «Keep Crawlin’ In The Mud» ein Werk zurückgeblieben, das nicht selten als eines der besten Hardrockalben der Schweizer Rockgeschichte angesehen wird. Zu hoch gegriffen? Nicht mal vielleicht …

25 Jahre nach der Auflösung haben sich Urgestein Serge (Gitarre) und Heinz (Drums) mit Dänu (Bass) und Fäbu (Gesang) neuformiert und machen seither wieder die Konzertbühnen unsicher. Heute sind aber nicht nur Fans der ersten Stunde anwesend. Durch Insider gwundrig gemacht, möchten auch die restlichen angereisten Rock-Maniacs auf ihre Kosten kommen.

Heinz haut schonmal paukend und taktgebend auf die Felle, während Dänu die Rhythmik mit seinen tiefen Frequenzen hineinpumpt. Serge tritt lässig mit Hut und seinem Lieblingsspielzeug in Szene und lässt von da an die Gitarre sprechen. Mit dem Übergang ins Hauptriff von ‹License To Touch› ist jedem im Stadthofsaal klar: hier ist ein Meister am Werk! Spätestens mit dem Erscheinen und Einsatz von Fäbu bleibt niemand mehr regungslos – die Köpfe nicken mit, angestaubte Luftgitarren werden hervorgeholt und die Kehlen der Kenner warmgesungen.

Ein kurzer Blick in die Runde und ich staune, wie viel Publikum zum Auftakt aufgekreuzt ist. Die bluesige Kick-ass-Mucke trifft voll ins Schwarze. Aus oftmals «aufs Minimum reduziert und eingeschränkt» belächeltem Hardrock wird das absolute Maximum herausgeholt. Das reisst bei ‹Girls Are On Fire› mit und haut bei ‹Manhunt› voll rein. Die Höhepunkte bilden die Stampfer ‹Slow Down› und ‹Money› – elektrisierend bis ins Knochenmark! Das löst auf der Bühne jede Brettschraube und stellt dem Publikum die Haare, selbst nicht mehr vorhandene. Gekrönt wird das Ganze mit Serges Ausflügen durchs Publikum – das ist Rock’n’Roll hautnah im wahrsten Sinne des Wortes.

Unwiderstehlich knackig, schmissig und dennoch unaufdringlich, vervollständigt durch Spielfreude auf Headlinerniveau – das sind Mud Slick aus dem Kanton Bern. Für mich ist das seit meinem ersten EOR im Jahr 2010 unbestritten der beste Festivalopener!

Die Fotos – Mud Slick

Detritus

Nachdem Mud Slick gehörig vorgelegt haben, dürfte das EOR lanciert sein. Detritus aus England künden mit ihrem Thrash Metal eine komplette Richtungsänderung an. Mit etwas Verspätung aufgrund technischer Probleme legt das Quintett aus Bristol los. Bei drei Gitarristen auf der Bühne hat der Mischer alle Hände voll zu tun, bis die Regler richtig platziert sind. Das klingt bei den ersten beiden Songs noch etwas matschig, wird aber vom Techniker wie immer souverän gelöst. An dieser Stelle schon mal ein grosses Kompliment!

Detritus Mucke ist weit entfernt vom gewohnten Hauruck-Gebolze ihres Genres. Mit Anleihen früher Testament-Werke versehen, fahren die Herren eine ziemlich progressive Schiene. Für Technical Freaks ein Leckerbissen mit drei Gitarristen, die sich perfekt aufeinander abgestimmt ein Battle par excellence liefern. Grosses Kino!

Dass sich der Saal zunehmend leert, liegt nicht an der Qualität, sondern eindeutig am mangelnden Zielpublikum. Ein treuer Kern bleibt und wird mit spannend aufgebauten Songstrukturen, die auch mal in experimentelle Gefilde abdriften, beschenkt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem gefeierten Debut «Perpetual Defiance» und dessen Nachfolger «If But For One». Die mir bis dato komplett unbekannte Truppe weiss mich jedenfalls mitzureissen und zu überzeugen.

Die Fotos – Detritus

Narnia

Mit der nächsten Band steht bereits die Hauptattraktion des Abends auf der Bühne. Narnia zählen neben der amerikanischen Fraktion wie Stryper oder Whitecross zur Elite der christlichen Rock- und Metal-Szene. Da erklärt sich von selbst, dass die Schweden über das gesamte Festival als Headliner die längste Spielzeit haben. Mit neun Alben im Gepäck haben sie mehr als genug Songmaterial, das sich nun in Form von Melodic Metal mitreissend manifestiert.

Die Bühnenpräsenz ist beeindruckend. Sänger Christian Liljegren hat das Publikum mit seiner charismatischen Art im Handumdrehen auf seiner Seite. Der Sound kommt glasklar und wohltuend dynamisch rüber, was die erbauenden Songs perfekt einfängt. Da mutiert der eigentliche Kopf der Band, CJ Grimmark, nahezu zur Nebenfigur. Aber genau das macht den begnadeten Gitarristen (u.a. Rob Rock und Jerusalem sowie Ex-Saviour Machine und Ex-Tourniquet) aus: Solos Deluxe, nie ein verschwendeter Ton und immer haargenau auf den Punkt – und zwar so gespielt, als wäre es das Normalste auf der Welt. Krass.

Aus der christlichen Message haben Narnia noch nie ein Geheimnis gemacht, was heute Abend ausgereizt und hemmungslos zelebriert wird. Ist die christliche Botschaft anfangs als erbauender Teil in die Musik integriert, nimmt das Ganze irgendwann liturgische Formen an. Die extrovertierten Ansagen dürften bei der Qualität der Musik eher ein nebensächlicher Störfaktor sein. Allerdings wird bei der Kurzpredigt und einem endlos wiederholenden Refrain in ekstatischer Zelebration der Bogen überspannt. Einen Metal-Gottesdienst gäbe es jeweils am Samstag- und Sonntagmorgen, im jetzigen Kontext wirkt das eher befremdlich. Eigentlich schade, denn die grossartige Musik allein hätte mehr als genügt!

Am Schluss bleibt ein Auftritt, der zumindest musikalisch komplett überzeugt und eine beachtliche Fanschar mit zufrieden Gesichtern zurücklässt.

Die Fotos – Narnia

Nefesh Core

Die Zeit ist fortgeschritten und der Saal hat sich entsprechend geleert. Für die übriggebliebenen Nachtschwärmer gibt es passend Gothic Metal aus dem geografischen Stiefel. Durch ihre Vorliebe für New bzw. Dark Wave der Marke Depeche Mode, Sisters of Mercy und The Cure haben die beiden Musik-Buddies Davide Bruno und Stefano «Ghigas» Calvagno das Projekt Nefesh Core ins Leben gerufen. Vervollständigt durch Andrea Marchese am Drumkit wird man ohne Umschweife in die düster-hypnotischen und gitarrenbetonten Synthie-Klangwelten entrückt.

Der Sound der Sizilianer, getragen von der charakteristisch tiefen Stimme von Davide, geht runter wie Öl und zieht immer mehr Leute zurück in den Saal. Im Gegenzug gibt es ein äusserst gelungenes Cover von The Cures ‹Lullaby› sowie gothische Eigenkompositionen vom Feinsten. Hatte das Trio gerade noch die Ehre, in Rom als Vorband von Blaze Bayley (Ex-Iron Maiden) aufzutreten, werden sie in Uster verdienterweise mit warmem Beifall aufgenommen. Ein atmosphärischer Volltreffer, der einmal mehr das einzigartige, wertschätzende Publikum des EOR widerspiegelt.

Ein kleines Detail ist vielleicht nicht allen aufgefallen: Der Drummer wendet eine spezielle Technik an, indem er die Bassdrum von Hand bedient. Der Schluss klärt auf, als Andrea für ein Bandfoto nach vorne an den Bühnenrand kommt, im Rollstuhl! Der bewegend tosende Applaus gehört gerade auch ihm – was für eine Leistung!

Mit dieser herzerwärmenden Geschichte verlagert sich der erste Festivaltag ins Foyer. Dort kommt es noch zu wunderbaren Begegnungen und nerdig spannenden Unterhaltungen bis in die frühen Morgenstunden.

Die Fotos – Nefesh Core

Elements of Rock 2026 (Tag 2) – Samstag, 14. März 2026

Einen Festivalabend mit dermassen vielen Eindrücken zu verarbeiten, kann zu einer sehr kurzen Nacht führen. Der überraschende Wintereinbruch kommt bei fehlenden und zu regenerierenden Nachtstunden äusserst gelegen. Heute geht es bereits um 16:30 Uhr los. Der Stadthofsaal lädt mit sechs Bands zu einem intensiven Erlebnis ein.

Das Hauptaugenmerk liegt auf Extol, die vor zwei Jahren aufgrund eines Schneesturms am norwegischen Flughafen feststeckten. Der kurzfristig abgesagte Auftritt hinterliess damals einen herben Dämpfer. Umso grösser die Freude, als die Herren diesmal bereits am Freitagabend eingetroffen sind und heute Abend definitiv auf der Bühne stehen werden. Das mitgebrachte und begehrte Merchandise der Norweger wechselt schon mal fleissig seinen Besitzer.

Rainforce

Dass bei diesem kalten und nassen Wetter die Leute die warme Stube dem idyllischen Park vorziehen, spielt dem Festival in die Karten. Die einheimischen Rainforce profitieren als Einheizer von einem bereits angewachsenen Publikum. Gründer Andy hat als Gitarrist und Songschreiber schon so einige Szenegrössen um sich scharen können und steht nun mit der lokalen Liveband zum zweiten Mal im EOR-Rampenlicht. Ein regelrechtes Heimspiel – das merkt man sofort.

Die Leute im Saal empfangen die Jungs jubelnd und mit viel Begeisterung. Auch zur Freude der ganz jungen Generation werden vorne am Bühnenrand strahlend Handshakes vergeben. Passend wird mit Gute-Laune-Rock losgelegt – eingängige Mucke, die man sofort entschlüsselt und die zum Mitnicken und Mitrocken bewegt.

Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf der letzten Langrille «Almost Holy», die mit ehrlich kantigem Hardrock zu punkten weiss. Live kommt das Songmaterial noch etwas direkter rüber und wirkt durch die offensichtliche Spielfreude überaus ansteckend. Das Publikum wird bestens bei Laune gehalten, selbst bei einer Akustikballade allein mit Gitarre und Gesang. Ein durchaus gelungener Einstieg in den zweiten Festivaltag.

Die Fotos – Rainforce

Zebulon

Es ist 18 Uhr, eigentlich Zeit fürs Znacht. Nachdem das musikalische Apero mit Rainforce den Hunger angeregt hat, wird nun mit Zebulon bleischwere Kost aus Norwegen serviert. Unverkennbar erscheint auf der Bühne ein bekanntes Gesicht: Oddmund, der sympathische bärtige Nordmann, dem jeder schon mal am Nordic Mission Stand im Foyer begegnet ist. Heute zupft er im Dienst seiner Band die tiefsten Töne und legt damit das Fundament für klassisch bodenständigen Doom.

Wer, wie ich, auf die ersten Werke von Candlemass und Trouble steht, kommt jetzt voll auf seine Kosten. Kaum zu glauben, dass eine äusserst junge Truppe (erst 2022 gegründet) sich mit derart abgeklärter Substanz und ausgereiftem Songwriting präsentiert. Das Debut «Come Day Of Reckoning» ist gerade mal seit letztem November draussen und zieht nun den geneigten Zuhörer in seinen Bann.

Die Riffs der beiden Gitarristen packen und zusammen mit dem trägen Rhythmus wirkt das Ganze richtiggehend hypnotisch. Obendrauf fällt Kristian Nessa nicht nur wegen seiner überaus passend charakteristischen Stimme auf. Mit entblösstem Oberkörper (in Norwegen ist man halt etwas andere Temperaturen gewohnt) und einer knielangen Mähne sorgt der gute Mann für ordentlich Wind in den ersten Reihen.

Tatsächlich steigen die Temperaturen im Publikum an, was sich vor allem stimmungsmässig ausmachen lässt. Das rund 40-minütige Abtauchen in klangliche Welten ist leider wie im Flug vorbei. Langsam, aber sicher macht sich der Hunger (und Durst) bemerkbar, was draussen an der Bartheke Geduld in der Warteschlange erfordert. Aber wenn Zebulon gerade eines gelehrt hat, dann das: Weile statt Eile.

Die Fotos – Zebulon

Pantokrator

Nach der erforderlichen Umbaupause bleibt die Geschichte weiterhin im Norden, genauer gesagt bei den schwedischen Nachbarn. Pantokrator stehen bereits zum fünften Mal auf einer Bühne des Elements of Rock. Damit sind sie vermutlich (gemäss meiner flüchtigen Recherche) EOR-Rekordhalter. Dass gerade in der Schweiz die gefühlt grösste Fangemeinde ausserhalb ihrer Heimat sein dürfte, bezeugt Sänger Karl umgehend nach dem Eröffnungstrack: «One of our very favorite places to play».

Es erklärt sich von allein, dass sich der Saal ab dem ersten Ton zunehmend füllt. Wer Pantokrator kennt, weiss, was zu erwarten ist – kompromissloser Death Metal mit progressivem Einschlag. Selbst in Zeiten, als ich mich noch schwer mit der extremen Form von Metal tat, faszinierte mich Pantokrator von Anfang an. Was und warum genau, kann ich nicht erklären. Aber auch heute nimmt es mir umgehend den Ärmel rein. Live ist das schlicht eine Wucht, der perfekt abgemischte Sound tut das Seine dazu.

Wie ihre Landsmänner von Narnia führen Pantokrator ebenfalls ein unmissverständlich christliches Textkonzept. Der Unterschied liegt darin, dass es bei Pantokrator komplett in die Musik und die Bühnenästhetik eingebunden ist. Eine persönliche Haltung, die in sich homogen und erzählerisch wirkt, aber niemals auf Konfrontation ausgerichtet ist. Da wird das Prinzip «wer sucht, der findet» vorbildlich umgesetzt.

Die Stimmung im Saal ist auf dem Höhepunkt mit viel Bewegung und herumfliegenden Haaren. Schön anzusehen sind die verschiedenen Generationen, die hier abfeiern. So treffe ich unter anderem als Hauswart auf einen ehemaligen Schüler – beide zuerst baff, aber augenblicklich total erfreut über die Begegnung. Metal verbindet auf einzigartige Weise.

Pantokrator haben mich heute daran erinnert, wie viel sie dazu beigetragen haben, über meinen Tellerrand des klassischen Heavy Metal hinauszuschauen. Unabhängig davon war das heute konzeptuell und audiovisuell ein pures Spektakel – eindeutig ihr bisher bester Auftritt auf Schweizer Bühne!

Die Fotos – Pantokrator

Metatrone

Der Samstagabend ist nun so richtig in Fahrt gekommen. Die Aufgabe, diese grossartige Stimmung aufrechtzuerhalten, liegt nun in den Händen von Sizilianern. Zwei unter ihnen, Davide und Stefano, haben sich bereits am Freitag mit Nefesh Core bestens mit dem Publikum vertraut gemacht. Nun stehen sie zusammen mit Sänger Jo Lombardo sowie Bassist William Signorelli und Drummer Simone Alberti als Metatrone zum dritten Mal auf der EOR-Bühne.

Mit brandneuem Album im Gepäck (im wahrsten Sinne des Wortes!) sind die Herren angereist und legen nun mit einer Livepremiere von ‹Fuori Dal Tempio› aus ihrem heute erschienen Werk «Sangueacqua» los. Wurde der Sound der Süditaliener auch schon augenzwinkernd als Espresso Metal betitelt, trifft es hier voll ins Schwarze. Pure Energie, Leidenschaft und die perfekte Mischung aus Rebellion und Eleganz – dermassen selbstbewusst, gelöst und zugleich punchig hat man Metatrone noch nicht gehört. Da fallen auch die gewöhnungsbedürftigen italienischen Texte nicht ins Gewicht. Kein Wunder, gerät das Publikum aus dem Häuschen!

Der Fokus liegt eindeutig auf dem neuen Album, wobei das Set mit Klassikern wie ‹In Spe Resurrectionis› oder ‹Uomo› veredelt wird. Typisch italienisch ist auch die spielfreudige Performance – selbst die kleinen technischen Pannen zwischen den Stücken nehmen die Herren mit lächelndem Humor hin. Das nimmt auf Dauer dem Ganzen zwar etwas von der Intensität, aber die technische Klasse der Musiker bleibt souverän. Bei den immer wieder technisch groovigen Einlagen in den Songs sticht das besonders heraus.

Während Stefano, der italienische Zwilling von Markus Vanhala (Insomnium, Omnium Gatherum), an den sechs Saiten die Coolness in Person ist, verliert sich William neben ihm komplett in der Musik. Er spielt nicht nur Bass, er IST der Bass! Der gute Mann tanzt dermassen gediegen und akrobatisch auf den Saiten herum, als wäre es das reinste Kinderspielzeug. Der Bass-Oscar des EOR 2026 gehört ihm. Diskussionslos.

Mag sein, dass der Italiener in mir etwas voreingenommen ist, aber der Auftritt von Metatrone ist an Emotionalität und Leidenschaft kaum zu überbieten. Zweifellos ist heute Abend ein Stück des brodelnden Ätnas mit nach Uster gereist – Grazie mille!

Die Fotos – Metatrone

Extol

Heute ist kein Schneesturm am Flughafen von Oslo auszumachen. Ganz ohne Schnee kommen die Norweger aber wohl nicht weg. Der Kälteeinbruch meldet sich in Uster mit Schnee, welch Ironie. Dennoch passt das jetzt hervorragend. Schnupperte man gerade noch mediterranes Ambiente, wechselt das Szenario in den kargen und kühlen Norden. Komplex und vertrackt, schwer, technisch und mechanisch – Extol künden sich mit ihrer avantgardistischen Ausrichtung als kompletter Stilbruch an.

Das lange Warten hat endlich ein Ende. Nicht nur Extol-Jünger sind jetzt gespannt auf das Quintett. Ohne Ankündigung legen die Herren los. Vom ersten Ton an fliegt die Kinnlade nach unten – und bleibt dort. Da stehen fünf Leute auf der Bühne, die in ihrer ganz eigenen Liga spielen. Wahnsinn! Auch wenn man Extols Mucke ab Konserve kennt, das hier ist noch mal ein ganz anderes Level.

Stilistisch lassen sich die Norweger nicht abschliessend einordnen, zumal sie ein breites Spektrum abdecken. Mit einer Mischung aus symphonischem Black Metal, technischem Death Metal und atmosphärischem Prog Rock ist über die Jahre ein ganz eigener Sound entstanden. Im Zentrum steht eindeutig das progressiv technische Element, das nicht auf Anhieb zu decodieren ist. Sieht man den Herren live auf der Bühne zu, bleibt nur noch pure Faszination. Alles fügt sich wie ein Uhrwerk ineinander. Jeder Ton und jeder Takt sitzt – egal, wie komplex. Es entsteht eine abartige Soundwand, der man sich nicht mehr entziehen kann.

Mein Blick wandert durchs Publikum und ich nehme eine überaus glückliche Menge wahr. Ob man dem Takt zu folgen versucht, sich im Groove verliert, fasziniert auf die Interpreten starrt, die Haare kreisen lässt oder einfach gelöst mitschreit – Extol erobern sukzessive den Hintersten und Letzten im Saal. Genau dann, wenn es am schönsten ist, ist das Ganze leider auch schon vorbei und ich erwache aus meiner Trance. Die fünf Techniker bedanken sich für die Einladung und entschuldigen sich dafür, dass es so lange gedauert hatte. – Leute, das war es wert, jede Sekunde davon!

Technisch war das definitiv das obere Ende, was das Elements of Rock je auf der Bühne hatte. Sowas nenne ich pure Machtdemonstration metallischer Kunst.

Die Fotos – Extol

Bloodcrown

Zugabe gab es von Extol keine. Dafür steht jetzt die Abschlussband auf der Bühne. Hat das Publikum denn noch nicht genug nach einem derart deftigen Programm? Äuä! Aufbruchstimmung scheint noch in weiter Ferne zu sein. Wer noch nie was von Bloodcrown gehört hat, der erlebt jetzt einen regelrechten Oha-Effekt. Mit schnörkellos kompromisslosem Death Metal wird nochmals jede Müdigkeit vom Gesicht weggerüttelt.

Wie Zebulon gibt es die Schweden auch erst seit 2022, ebenso mit einem Album im Köcher. Allerdings erspäht der Kenner zwei bekannte Gesichter, die gerade noch für Pantokrator auf der Bühne standen. Zudem ist Sänger Barry Halldan auch kein unbeschriebenes Blatt: Mit The Weakening lieferte er 2023 eine beeindruckende Premiere am EOR ab. Seine Growls dürften noch in bester Erinnerung geblieben sein. Auch heute präsentiert sich der Tattookünstler stimmgewaltig und macht sich die Bühne zu eigen.

Kaum zu glauben, heute ist einer ihrer ersten Live-Auftritte als Band überhaupt. Dabei klingt alles äusserst routiniert, sehr flüssig und top aufeinander abgestimmt – Musikalisches Handwerk auf höchstem Niveau. Der Sound ist auch diesmal grandios abgemischt. Glasklar und wuchtig werden die Songs in die Magengrube gerammt. Der perfekte Abriss zum Schluss, bei dem Karl von Pantokrator zum Finale einen Gastauftritt hat. Was am Freitag mit Mud Slick reisserisch begann, wird nun zu später Nachtstunde mit Bloodcrown brachial vollendet. So muss das sein!

Die Fotos – Bloodcrown

Das Fanzit zum Elements of Rock 2026

Es ist krass, wie schnell zwei Festivalabende vorbei sein können. Gerade noch habe ich meinen Presse-Badge entgegengenommen und nun bin ich bereits wieder auf dem Heimweg. Das Schöne aber ist, dass die Eindrücke als Erinnerung bleiben. Davon gab es dieses Jahr wieder unzählige, darunter sehr bewegende. In besonderer Erinnerung trage ich die Begegnung mit meinen sizilianischen Freunden. Es ist immer wieder speziell, mit den eigenen Wurzeln in Berührung zu kommen.

Musikalisch gab es nebst gewohnter Kost mit wiederkehrenden Gästen erneut faustdicke Überraschungen. Das Elements of Rock bleibt diesbezüglich ein Festival, das den Spagat zwischen grossen Namen und Newcomern sehr gut händelt. Klar, einige haben heuer Black Metal vermisst, andere hätten sich ihre Lieblingsband gewünscht. Aber wer weiss, vielleicht kommt gerade die nächste Ausgabe diesen Wünschen entgegen …

Alles in allem trumpft das Elements of Rock erneut als top organisiertes Festival, das man schon jetzt für 2027 (12.-14. März) in die Agenda eintragen sollte.


Wie fandet ihr das Festival?

/ 05.04.2026
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