Let’s Get Rocked
Was in Las Vegas funktioniert, darf Zürich nicht vorenthalten werden: Die britischen Hardrock-Ikonen Def Leppard bringen ihre gefeierte Show vom Februar 2026 ins nahezu ausverkaufte Hallenstadion. Den Support übernehmen die US-Rocker von Extreme, die seit über vier Jahrzehnten erfolgreich beweisen, dass sich harte Gitarren und funkige Rhythmen hervorragend ergänzen.
Seit nunmehr 49 Jahren zählen Def Leppard zu den prägenden Grössen des Hardrock und verwöhnen ihre Fans regelmässig mit eingängigem Stadionrock und einer beeindruckenden Sammlung zeitloser Hits. Wer über 110 Millionen Tonträger verkauft hat und bereits dreimal eine Konzertreihe in Las Vegas zelebrieren durfte, hat in seiner Karriere offensichtlich einiges richtig gemacht. Die letzte Residency «Def Leppard – Live at Caesars Palace» im Februar 2026 war zwölfmal ausverkauft und sorgte sowohl bei Fans als auch Kritikern für Begeisterung. Umso schöner, dass Zürich nun als eine von lediglich vierzehn Stationen das Privileg erhält, diese Bühnenproduktion in Europa bestaunen zu dürfen. Nach zwanzig Jahren Zürich-Abstinenz wurde es dafür allerdings auch höchste Zeit. Das Hallenstadion musste sogar rund dreissig Jahre auf die Rückkehr der Briten warten – ein Konzert, bei dem der heutige Metalinside-Rezensent als junger Student und mit deutlich mehr Haaren sein bislang einziges Def-Leppard-Konzert erleben durfte.
Beim Studium der Setlist dieser Konzertreihe schlägt mein Herz gleich etwas höher, denn mit «White Lightning» scheint einer meiner persönlichen Def-Leppard-Favoriten erstmals seit 1993 wieder den Weg in die Schweiz zu finden. Die Promotionsabteilung der Band leistet hierfür im Vorfeld ganze Arbeit und schafft es tatsächlich, pünktlich zur Türöffnung mehrere Gewitterzellen über Zürich zusammenzuführen. Unzählige Blitze am Himmel und sintflutartige Regenfälle sorgen dafür, dass sich die durchnässten Besucher fast schon gezwungen sehen, am Merch-Stand in trockene Ersatzkleidung zu investieren. Marketingtechnisch ein wahrhaft genialer Schachzug.
Extreme
Punkt 19:30 Uhr geht das Licht aus und die US-Rocker von Extreme betreten die Bühne. Die Band wird häufig zu Unrecht auf ihre erfolgreiche Akustikballade «More Than Words» reduziert, die Anfang der Neunzigerjahre im Radio rauf und runter lief. Dabei sind die Bostoner bereits seit 42 Jahren im Musikgeschäft unterwegs – von einer kreativen Pause zwischen 1995 und 2009 einmal abgesehen – und verbinden Hardrock gekonnt mit funkigen Groove-Elementen.
Vor allem Gitarrist Nuno Bettencourt zeigt eindrücklich, weshalb er seit Jahrzehnten zu den ganz Grossen seines Fachs gezählt wird. Neben den bekannten Hits «More Than Words», «Hole Hearted», «Get The Funk Out», «Rest in Peace» und «Decadence Dance» finden auch zwei Songs des 2023 erschienenen Albums «SIX» ihren Weg ins Set. Auf der riesigen Leinwand laufen dazu passende Visuals, während die Band die bereits gut gefüllte Halle zunehmend auf Betriebstemperatur bringt.
Beim vierten Song wird das Publikum mit Queens «We Will Rock You» auf seine Gesangsfähigkeiten getestet, bevor nahtlos in «Play With Me» übergeleitet wird. Hier darf Bettencourt erstmals so richtig von der Leine gelassen werden und demonstriert eindrucksvoll sein aussergewöhnliches Gitarrenspiel. Auch bei den instrumentalen Stücken «Midnight Express» und «Flight Of The Wounded Bumblebee» stehen seine Finger regelmässig im Mittelpunkt. Spätestens hier dürfte jedem klar sein, wer bei Extreme den Chefposten innehat.
Die ersten Klänge der Akustikgitarre bei «More Than Words» werden natürlich lautstark gefeiert und das Publikum singt textsicher jede Zeile mit. Zum Abschluss ihres 55-minütigen Sets zollen Extreme mit einem Ozzy-Osbourne-Medley aus «I Don’t Know», «Bark At The Moon» und «Crazy Train» einer Rocklegende Tribut. Dass Nuno Bettencourt diese Songs vor zirka einem Jahr beim grossen «Back To The Beginning»-Abschiedsevent in Birmingham gemeinsam mit einer Allstar-Band gespielt hat, verleiht dem Ganzen zusätzliche Authentizität. Extreme nutzen die Gelegenheit, sich vor grossem Publikum eindrucksvoll in Erinnerung zu rufen – und dürften dabei einige neue Fans gewonnen haben.
Die Setlist – Extreme
- Decadence Dance
- #REBEL
- Rest In Peace
- Play With Me
- Hole Hearted
- Midnight Express
- More Than Words
- Flight Of The Wounded Bumblebee
- Get The Funk Out
- RISE
- I Don’t Know / Bark At The Moon / Crazy Train (Ozzy Osbourne-Cover)
Def Leppard
Dreissig Minuten Umbaupause später ist es endlich soweit. Unter grossem Applaus eröffnen die britischen Hardrocker ihre Show mit «Rejoice», einer erst 2026 veröffentlichten Single. Sänger Joe Elliott trägt dabei eine Sonnenbrille mit Schweizerkreuz und der Aufschrift «Zürich», die nach dem ersten Song einen glücklichen neuen Besitzer im Golden Circle findet (nein, ich habe keine Adleraugen – diesen Hinweis verdanke ich Fotografin Nicky). Ein dreieckiges, mit unzähligen Scheinwerfern bestücktes Traversenelement umrahmt die Band, hebt und senkt sich während der Show mehrfach und bildet das visuelle Herzstück der Produktion. Das berühmte «Hysteria»-Logo ist seit Jahrzehnten untrennbar mit Def Leppard verbunden und prägt gewissermassen auch die Karriere der Briten, schliesslich gelang ihnen mit dem gleichnamigen Album 1987 der grosse kommerzielle Durchbruch. Nicht weniger als sechs Songs stammen heute von diesem Klassiker. Den Anfang macht gleich nach dem Opener das eingängige «Animal», welches das Publikum zum ersten Mal in Ekstase versetzt.
Erstmals fällt mir auf, wie erstaunlich gut Joe Elliotts Stimme noch immer funktioniert. Natürlich umschifft er gewisse hohe Passagen – etwa bei «Rocket» – geschickt oder überlässt sie gleich dem Publikum. Mit 66 Jahren ist das jedoch mehr als verständlich und Jammern auf allerhöchstem Niveau. Besonders erfreulich ist zudem, dass sämtliche mehrstimmigen Def-Leppard-Harmonien live von den Bandmitgliedern selbst gesungen werden. Hier kommt nichts vom Band.
Zum Abschluss von «Animal» erscheint auf der gigantischen Leinwand der namensgebende taube Leopard und scheint sichtlich stolz auf die Karriere seiner Schützlinge zu sein. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter mit dem lautstark mitgesungenen «Let’s Get Rocked», welches 1992 auch meinen persönlichen Einstieg in die Musik der Briten markierte. Mit einer überraschend groovigen Version des Depeche-Mode-Klassikers «Personal Jesus» wird das Hallenstadion anschliessend ordentlich durchgeschüttelt.
Dass Def Leppard grosse Fussballfans sind, ist längst bekannt. Allein die Tatsache, dass Sänger Joe Elliott und Bassist Rick Savage in Sheffield jeweils einem anderen Stadtverein die Daumen drücken, sorgt seit Jahren für eine gesunde interne Rivalität. Entsprechend froh sind die Musiker über die spielfreien Tage zwischen den Konzerten, um die laufende WM verfolgen zu können. Natürlich wurde auch das Schweizer Spiel vom Vortag geschaut, und Joe Elliott zeigt sich unter lautem Applaus begeistert über den Sieg der Nati.
Nach dem emotionalen «Bringin‘ On The Heartbreak» darf bei «Switch 625» die Instrumentalfraktion glänzen. Höhepunkt ist das Solo von Drummer Rick Allen, der nach seinem tragischen Autounfall Ende 1984 seinen linken Arm verlor. Dass die Band damals an ihm festhielt, verdient noch heute grössten Respekt. Allen bedankt sich seit Jahrzehnten mit einer beeindruckenden Leistung hinter seinem Spezial-Schlagzeug. Auf den Nahaufnahmen der Leinwand lässt sich sogar erkennen, dass er barfuss spielt.
Nun ist es mit «Rocket» wieder Zeit für einen Song von «Hysteria», und auf dem Display wird fleissig an einer britischen Rakete gewerkelt. Man fühlt sich ein wenig wie im SpaceX Center Houston – mit dem kleinen Unterschied, dass es selbst die Raketen von Elon Musk wohl kaum schaffen würden, ein ganzes Hallenstadion abheben zu lassen.
Der Song «Rock On» startet mit einem knackigen Bass-Solo von Rick Savage, und plötzlich taucht Sänger Joe Elliott ganz oben auf der Treppe im Sitzplatzbereich auf und trägt den Song von dort aus vor.
Weisse Laserstrahlen von der Hallenstadion-Decke kündigen das von mir bereits sehnlichst erwartete «White Lightning» an. Der längste und wohl epischste Def-Leppard-Song ist dem früheren Gitarristen Steve Clark gewidmet, der 1991 im Alter von nur dreissig Jahren an den Folgen seiner Alkohol- und Medikamentensucht verstarb. Wegen seiner unbändigen Energie und seiner meist weissen Bühnenkleidung nannten ihn seine Bandkollegen schlicht «White Lightning». Erstmals seit 33 Jahren erklingt das Stück wieder in der Schweiz – und markiert gleichzeitig meinen persönlichen Höhepunkt des Konzerts!
Bei «Slang» wagt sich Elliott in den Golden Circle und animiert das Publikum erfolgreich zum Tanzen. «Promises» vom 1999er Album «Euphoria» wird mit einer wunderschönen A-Cappella-Einlage aller Bandmitglieder eröffnet, bevor die Stadionrock-Maschinerie wieder auf Hochtouren läuft. Mit «Armageddon It» und «Love Bites» werden danach zwei weitere unsterbliche «Hysteria»-Granaten gezündet. «Love Bites» ist schlicht eine der schönsten Powerballaden überhaupt, während eine eindrucksvolle Lasershow die Halle in stimmungsvolles Licht taucht.
Viele Fans warteten bis dahin vergeblich auf Songs des 1983er-Albums «Pyromania», doch gegen Ende des regulären Sets kommen sie mit «Rock Of Ages» und «Photograph» doch noch auf ihre Rechnung. Bei «Photograph» werden auf der Leinwand neben den aktuellen Live-Aufnahmen auch zahlreiche Archivaufnahmen aus fast fünfzig Jahren Bandgeschichte gezeigt.
Danach gönnt sich die Band eine kurze Pause. Während anderswo bereits erste Besucher versuchen, im Parkhaus oder am Bahnhof die Poleposition zu ergattern, bleibt heute jeder an Ort und Stelle. Die lautstark eingeforderten Zugaben lassen dann auch nicht lange auf sich warten: Nach dem gefühlvollen «When Love And Hates Collide» zünden Def Leppard mit «Hysteria» und dem frenetisch gefeierten «Pour Some Sugar On Me» ein letztes Mal die grosse Hysteria-Hit-Rakete und servieren dem Publikum zum Abschluss nochmals die volle Dröhnung Def Leppard.
Nach 110 Minuten mitreissender Hardrock-Show geniesst die Band den gewaltigen Applaus und die Begeisterung im Hallenstadion sichtlich. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass an diesem Abend niemand seinen Kampf durch die Zürcher Gewitterfront bereut hat. Vielmehr dürfte beim Einschlafen noch der eine oder andere Def-Leppard-Refrain in den Köpfen der Besucher nachgeklungen haben.
Die Setlist – Def Leppard
- Rejoice
- Animal
- Let’s Get Rocked
- Personal Jesus (Depeche Mode-Cover)
- Bringin‘ On The Heartbreak
- Switch 625
- Just Like ’73
- Rocket
- Rock On (David Essex-Cover)
- White Lightning
- Slang
- Promises
- Armageddon It
- Love Bites
- Rock Of Ages
- Photograph
- When Love And Hate Collide*
- Hysteria*
- Pour Some Sugar On Me*
*Zugaben
Das Fanzit – Def Leppard, Extreme
Die US-Rocker von Extreme nutzen die Gunst der Stunde, um sich wieder einmal vor grossem Publikum zu präsentieren, und beweisen eindrücklich, dass sie weit mehr zu bieten haben als die allgegenwärtige Akustikballade «More Than Words». Damit spielen sie dem fussballbegeisterten Headliner Def Leppard gleich den perfekten Steilpass.
Sinnbildlich greift der namensgebende taube Leopard bereits beim zweiten Song von der riesigen Leinwand aus mit der Pranke Richtung Publikum, zieht diese aber gleich wieder zurück – wohlwissend, dass die britischen Stadionrocker das Publikum auch ohne fremde Hilfe problemlos zu packen vermögen. Während 110 Minuten feuern Def Leppard einen zeitlosen Hit nach dem anderen ab, ohne dabei den Fan-Service zu vernachlässigen, und servieren mit Songs wie «White Lightning» oder «Promises» zudem einige seltenere Leckerbissen. Die schlichte, aber äusserst effektive Bühnenshow zieht das Publikum von der ersten Sekunde an in ihren Bann, und der Sound rollt darüber hinaus druckvoll und hervorragend abgemischt durchs Hallenstadion.
Bleibt zu hoffen, dass Def Leppard im kommenden Jahr zum fünfzigjährigen Bandjubiläum noch nicht genug von der Schweiz haben und ihren Fans erneut einen Besuch abstatten.

