Iron Maiden – A Matter Of Life And Death (Cover-Artwork)
Mo, 28. August 2006

Ausgegraben: Iron Maiden – A Matter Of Life And Death

Heavy Metal
27.08.2026
Iron Maiden – A Matter Of Life And Death (Cover-Artwork)

Zwischen Tradition und Aufbruch

Kaum eine andere Band der Heavy-Metal-Geschichte hat sich derart nachhaltig in die Herzen ihrer Fans gespielt wie Iron Maiden. Und dies nahezu ohne Unterstützung durch Radiostationen.

Weltweit gefeiert und dennoch stets bodenständig, ist der Einfluss der eisernen Jungfrau auf die gesamte Metalszene kaum zu überschätzen. Dennoch sorgen gerade die Werke ihrer zweiten Karrierehälfte immer wieder für Diskussionen. Leben diese Alben vom früheren Erfolg der Band oder sind sie musikalisch immer noch relevant? Der 20. Geburtstag von «A Matter Of Life And Death» bietet sich als idealer Anlass, der Sache etwas auf den Grund zu gehen …

Der Beginn einer neuen Maiden-Ära

Wer glaubte, mit dem oft als Magnum Opus bezeichneten «Seventh Son Of A Seventh Son» (1988) sei der kreative Zenit erreicht gewesen, der hat die Band zu früh abgeschrieben. Im direkten Vergleich mit den heiligen sieben 80er-Werken fallen die beiden 90er-Alben «No Prayer For The Dying» (1990) und «Fear Of The Dark» (1992) ziemlich ab.

Doch der überraschende Sängerwechsel und die düstere Atmosphäre auf «The X-Factor» (1995) bilden das essenzielle Fundament einer progressiv-epischen Weiterentwicklung. Das Kapitel mit Blaze Bayley ist ein Wendepunkt, der nur zu oft missverstanden oder schlicht übersehen wird, auch wenn diese Periode mit «Virtual IX» (1998) bereits endet.

Mit der Rückkehr von Bruce Dickinson und Adrian Smith findet eine legendäre Besetzung wieder zusammen – ergänzt durch Janick Gers als dritten Gitarristen – und läutet ein neues Maiden-Zeitalter ein. Die sogenannte Post-Reunion-Ära bringt mit «Brave New World» (2000) Kritiker sowie Ewiggestrige zum Verstummen. Der vermeintlich glimmende Docht entpuppt sich als loderndes Feuer, entfacht durch die unbeschwerte Spielfreude einer Band, die wieder ganz bei sich angekommen ist. Eine gereifte Weiterentwicklung, die auf «Dance Of Death» (2003) die progressiven Anteile noch deutlicher durchschimmern lässt (z.B. ‹Paschendale›).

Das Ende einfacher Eingängigkeit

Mit «A Matter Of Life And Death» ziehen Iron Maiden diesen eingeschlagenen Weg konsequent weiter – und spalten die Fangemeinde endgültig. Wer das Schaffen der Band spätestens ab dem Jahr 2000 verstehen will, kommt nicht darum herum, sich auf diese Entwicklung einzulassen.

«A Matter Of Life And Death» gilt bis heute als eines der sperrigsten und anspruchsvollsten Alben der Bandgeschichte. Zwar eröffnet ‹Different World› das Album gewohnt druckvoll und direkt im klassischen Maiden-Stil, doch bereits die beiden folgenden Stücke machen deutlich, dass hier genaueres Zuhören gefragt ist. Eingängige Melodien bleiben zunächst aus; stattdessen dominieren komplexe Songstrukturen, raffinierte Arrangements und zahlreiche Details, die sich erst nach mehreren Durchläufen offenbaren.

Dass Iron Maiden dabei dennoch unverkennbar Iron Maiden bleiben, beweist spätestens ‹The Pilgrim›. Der Song besitzt die Direktheit und Heavyness, die durchaus auf «Powerslave» ihren Platz gefunden hätte. Die zahlreichen Tempowechsel sowie kunstvoll miteinander verwobenen Riffs und Hooklines verleihen dem Stück obendrauf bedeutend mehr Tiefe.

Musikalische Reisen

Die sechs Briten um Mastermind Steve Harris setzen ihre musikalische Odyssee unbeirrt fort. Zehn Songs verteilen sich auf über 72 Minuten Spielzeit, die Kompositionen sind länger, düsterer und atmosphärisch dichter. Stücke wie ‹The Longest Day›, ‹The Legacy› oder das monumentale ‹For The Greater Good Of God› entwickeln sich langsam, setzen auf anspruchsvolle Strukturen und erzeugen eine bedrückende, geradezu cineastische Stimmung.

Ganz neu ist das nicht. Wer mit den epischen Werken der Band wie ‹Hallowed Be Thy Name›, ‹To Tame A Land›, ‹Seventh Son Of A Seventh Son› oder insbesondere ‹Rime Of The Ancient Mariner› etwas anfangen konnte, dürfte auch mit der musikalischen Ausrichtung dieses Albums bestens zurechtkommen. Iron Maiden schreiben hier keine klassischen Hits mehr – sie erschaffen musikalische Reisen.

Authentisch und kompromisslos

So komplex und anspruchsvoll das Album auch erscheinen mag, umso beeindruckender ist die Entstehungsgeschichte. Innerhalb von lediglich neun Wochen wurden die Songs geschrieben, arrangiert, geprobt und grösstenteils live im Studio eingespielt – ohne Mastering! Das Resultat wirkt entsprechend frisch und organisch. Die musikalische Klasse, Routine und Spontaneität der Band kommen dadurch eindrucksvoll zur Geltung.

Auch thematisch schlägt «A Matter Of Life And Death» ernstere Töne an. Krieg, Religion und die moralischen Konsequenzen menschlichen Handelns ziehen sich wie ein roter Faden durch sämtliche Songs. Diese inhaltliche Geschlossenheit verleiht dem Album zusätzlich seine düstere und intensive Atmosphäre.

Es ist bezeichnend, dass das Album auf der darauffolgenden Tour in seiner gesamten Länge gespielt wird. Ein mutiger Schritt, der viele Fans vor den Kopf stösst. Zugleich teilt es das Album in zwei Lager: Solche, die dem Album nichts abgewinnen können, und jene, die es als Meisterwerk feiern. Dazwischen gibt es nichts …

Das Fanzit zu Iron Maiden – A Matter Of Life And Death

«A Matter Of Life And Death» ist kein Album für den schnellen Konsum. Wer sich jedoch Zeit nimmt und bereit ist, in die komplexen Arrangements einzutauchen, entdeckt eines der mutigsten, atmosphärisch dichtesten und musikalisch reifsten Werke der Bandgeschichte. Ein Album, das mit jedem Hördurchgang wächst und eindrucksvoll beweist, dass Iron Maiden auch nach drei Jahrzehnten noch neue Wege gehen können, ohne ihre Identität zu verlieren.

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Die Tracklist – Iron Maiden – A Matter Of Life And Death

  1. Different World
  2. These Colours Don’t Run
  3. Brighter Than A Thousand Suns
  4. The Pilgrim
  5. The Longest Day
  6. Out Of The Shadows
  7. The Reincarnation Of Benjamin Breeg
  8. For The Greater Good Of God
  9. Lord Of Light
  10. The Legacy

Das Line-up Iron Maiden

  • Bruce Dickinson – Vocals
  • Dave Murray – Guitars
  • Adrian Smith – Guitars, Guitar Synthesizer (Track 3)
  • Janick Gers – Guitars
  • Steve Harris – Bass, Keyboards
  • Nicko McBrain – Drums

Video Iron Maiden – The Reincarnation Of Benjamin Bregg


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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27.08.2026
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