Hendricks the Hatmaker feat. Fire Cult – Silly Songs Vol.1
Sa, 26. September 2026

Hendricks The Hatmaker feat. Fire Cult – Silly Songs Vol.1

Folk Punk, Punkrock, Rock
08.10.2026
Hendricks the Hatmaker feat. Fire Cult – Silly Songs Vol.1

Sieben Freunde, zwei Bands und jede Menge Unsinn

Hendricks The Hatmaker und Fire Cult schmeissen für «Silly Songs Vol. 1» ihre Bandgrenzen über Bord und machen gemeinsam vier Punk-Songs. Das Ergebnis ist schnell, frech, sympathisch und vor allem eines: verdammt gut gelaunt.

Wenn zwei Bands gemeinsam Unsinn machen …

Eine Split-EP kennt man normalerweise anders: Zwei Bands, vier Songs – jede liefert ihren Teil ab und am Ende wird das Ganze unter einem gemeinsamen Titel zusammengeklebt. Bei «Silly Songs Vol. 1» läuft die Sache etwas anders. Hendricks The Hatmaker und Fire Cult sind nicht einfach mit fixfertigen Songs ins Studio marschiert. Zwar stammt das Grundgerüst von je zwei Tracks aus der Feder einer der beiden Bands – «Playdate» und «Six Day Vegan» von Hendricks The Hatmaker, die anderen zwei von Fire Cult –, doch im Studio wurden die Mitglieder beider Equipen, Instrumente und Ideen wild durcheinandergewirbelt. In bunt gemischter Formation feilten alle an den Arrangements, spielten kreuz und quer bei allen mit und stampften so innerhalb von sechs Studiotagen vier echte Gemeinschaftswerke aus dem Boden.

Das Resultat klingt entsprechend weniger nach zwei Bands, die sich eine EP teilen, sondern vielmehr nach einer ziemlich ausgelassenen Freundesrunde, die zufällig Instrumente dabeihat.

Und das ist gut so.

Erst einmal aufwachen!

Den Anfang macht «Wake-Up Call» – und der Titel ist Programm. Knapp zweieinhalb Minuten lang geht es mit ordentlich Druck nach vorne. Treibendes Schlagzeug, direkte Gitarren und eine knallige Prise 80er-Jahre-Vibes (Cindy Laupers «She Bop» lässt dabei zumindest zu Beginn leicht grüssen) sorgen dafür, dass hier gar nicht erst die Gefahr aufkommt, irgendwo gemütlich sitzen zu bleiben.

Auch die Vokalarbeit wird freundschaftlich geteilt: Die beiden Ladys der beteiligten Bands übernehmen gemeinsam den Gesang und verleihen dem Stück damit eine zusätzliche Farbe. Auf den ersten Blick wirkt «Wake-Up Call» vielleicht etwas einfach gestrickt. Doch genau das täuscht. Je öfter der Song läuft, desto hartnäckiger zwirbelt er sich in die Gehörgänge.

«I’m your wake-up call» lautet die zentrale Botschaft. Und tatsächlich fühlt sich das Stück weniger wie ein sanftes Wecken als wie ein kräftiger Tritt gegen die Matratze an.

Raus aus dem Büro!

«Play Date» nimmt danach etwas Tempo heraus und zeigt eine andere Seite des gemeinsamen Projekts. Der Song ist deutlich melodischer und verspielter als der Opener. Gerade im Vergleich zu «Back in Style» zeigen die Hutmacher hier eine Seite, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.

Während der Protagonist zwischen Aufstehen, Berufsverkehr und Corporate Dresscode im täglichen Zombie-Modus festhängt, läuft in seinem Kopf längst ein anderes Programm: Musik machen. Mit Freunden. «Play! Date!» wird damit zum kleinen Punk-Mantra gegen graue Bürowände und all das, was man eigentlich lieber nicht tun würde.

Am Mikrofon teilen sich Nicolas und Ramona die Arbeit mit Jérémie von Fire Cult. Dazu gesellt sich eine ausgesprochen coole Hookline, die sich nach dem Refrain noch einmal festsetzt und den Song zusätzlich anschiebt.

So wird aus einer banalen Alltagssituation ein rassiger Stimmungsmacher, der nicht nur gute Laune verbreitet, sondern auch Lust darauf macht, was von Hendricks The Hatmaker künftig noch kommen könnte.

Ab auf die Strasse!

Wer jetzt noch immer im Büro sitzt, sollte spätestens bei «The Wonders of Travelling» den Laptop zuklappen. Der rhythmischste Track der EP verbindet zunächst akustische Gitarrenklänge mit einem Hauch gemütlicher Lagerfeuer-Romantik, bevor er sich immer weiter zu einem schmissigen Punkrock-Track empor schraubt.

Spanien, Cava, Tapas, Kühe, Käse, Luzern, die Jazzkantine, Festivals, vergessener Merch, Van, Get-in – die Liste liesse sich fast beliebig weiterführen. Und gerade weil hier nichts davon besonders romantisiert wird, macht der Song so viel Spass. Der groovige Mittelteil weiss zu gefallen und sorgt dafür, dass das Stück trotz seiner Reisegeschwindigkeit nicht einfach schnurgeradeaus brettert.

Einzig das bewusst leicht verspanische Englisch – oder, um es treffender zu sagen: Spenglisch – benötigt ein paar Anläufe, bis sich die zunächst etwas Falten schlagende Stirn wieder glättet. Irgendwann gehört aber auch das zum Charme dieses musikalischen Trips.

Der Song ist damit gleichzeitig Liebeserklärung und kleine Abrechnung mit dem ganz normalen Tourwahnsinn. Und wenn dann auch noch Luzern und die Jazzkantine im Text auftauchen, dürfte zumindest beim heimischen Publikum ein breites Grinsen garantiert sein.

Und dann wird’s richtig albern

Nach dieser kleinen Europareise wäre eigentlich Zeit für etwas Ruhe. Stattdessen servieren Hendricks und Fire Cult mit «Six-Day Vegan» den vielleicht bescheuertsten – und für mich gleichzeitig besten – Song der EP.

Das Stück beginnt mit einer grossartigen Melodie, die einen sofort packt. Und tatsächlich kommt «Six-Day Vegan» eine besondere Bedeutung zu: Ursprünglich von Nicolas Sigrist als akustischer Punk-Song geschrieben, wurde das Stück später zu einer Power-Punk-Version umgebaut. Damit ist es gewissermassen der Track, mit dem alles begann, was schlussendlich zu «Silly Songs Vol. 1» werden sollte.

Zum Inhalt: Ein Freund lebt von Montag bis Samstag vegan und wird am Sonntag zum Kannibalen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Oder vielleicht doch: Denn die Geschichte wird konsequent weitergesponnen, bis der Erzähler beim gemeinsamen Essen feststellen muss, dass er selbst offenbar auf der Speisekarte steht.

Musikalisch lässt es die Band zum Abschluss minimst gemütlicher angehen. Das passt ausgezeichnet, denn «Six-Day Vegan» lebt nicht von maximalem Tempo, sondern von seiner Geschichte und einprägsamen Tonfolgen. Man lässt sich Zeit, folgt der absurden Erzählung – und wartet gespannt darauf, wie weit die Jungs und Mädels diesen Unsinn noch treiben.

Die Antwort: weit genug.

Für mich ist «Six-Day Vegan» damit das klare Highlight dieser Vier-Track-EP. Ein Song, der musikalisch packt, textlich herrlich danebenliegt und gleichzeitig die ganze Idee hinter «Silly Songs Vol. 1» verkörpert.

Freundschaft statt Bandgrenzen

Das eigentlich Schöne an «Silly Songs Vol. 1» steckt allerdings nicht einmal in den vier einzelnen Geschichten. Es ist die Tatsache, dass diese Songs überhaupt zusammen entstanden sind.

Hendricks The Hatmaker haben in ihrer bisherigen Geschichte immer wieder gezeigt, dass hinter dem Humor auch ernstere Themen stecken können. Verlust, Freundschaft, Alltag, gesellschaftliche Fragen und die Freude am Musikmachen gehören seit Jahren zu ihrer DNA. Auf dieser EP darf nun einmal die andere Seite im Vordergrund stehen. Keine grossen Botschaften. Kein musikalisches Kräftemessen. Kein «Schaut mal, was sieben Leute aus zwei Bands alles können».

Dass sie sich hier mit Fire Cult zusammengeschlossen haben, folgt einer ganz einfachen Logik: Freunde treffen, Instrumente in die Hand nehmen, loslegen und schauen, was dabei herauskommt.

Und genau deshalb wirkt «Silly Songs Vol. 1» trotz aller Albernheiten erstaunlich stimmig. «Wake-Up Call» reisst einen aus dem Tiefschlaf, «Play Date» schickt einen aus dem Büro, «The Wonders of Travelling» setzt den Van in Bewegung und «Six-Day Vegan» sorgt dafür, dass man unterwegs besser auf seine Mitreisenden achtet.

Was will man mehr? Nun, vielleicht noch einen zweiten Teil!

Wer die EP nicht nur streamen, sondern auch etwas Handfestes besitzen möchte, bekommt auf der Kassettenversion sogar ein alternatives Ende der Kannibalen-Story geboten. Allein dafür lohnt sich das kleine Bändchen eigentlich schon fast. Und apropos Kassette: Ob der passende Bleistift gleich mitgeliefert wird, bleibt eine der grossen offenen Fragen des Punkrock.

Das Fanzit zu Hendricks The Hatmaker feat. Fire Cult – Silly Songs Vol.1 (Split EP)

«Silly Songs Vol. 1» macht genau das, was der Titel verspricht – und erfreulicherweise noch etwas mehr. Vier kurzweilige Punkrock-Songs, die Humor, Freundschaft und Spielfreude verbinden und dabei erstaunlich gut im Ohr hängen bleiben. Eine kleine, sympathische Auszeit vom Ernst des Lebens – und hoffentlich tatsächlich erst der Anfang.

Mehr über die Platten – excuse – Kassettentaufe erfährst du in unserer Konzertreview!

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Die Tracklist – Hendricks The Hatmaker feat. Fire Cult – Silly Songs Vol.1 (Split EP)

  1. Wake-Up Call
  2. Play Date
  3. The Wonders of Travelling
  4. Six-Day Vegan

Das Line-up – Hendricks The Hatmaker feat. Fire Cult

  • Ramona Dal Ponte (Bass, Gesang)
  • Onneca Guelbenzu (Gesang, Bass, Gitarre)
  • Nicolas Sigrist (Gesang, Gitarre)
  • Jérémie Magnin (Gesang, Gitarre, Bass)
  • Stefan Stangl (Schlagzeug)
  • Thibault Besuchet (Schlagzeug)
  • Arnaud Girousse (Schlagzeug)

Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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08.10.2026
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