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Metalinside.ch - Fighter V - Schüür Luzern 2021 - Foto Kaufi 23
Sa, 2. Oktober 2021

Fighter V, Hendricks The Hatmaker

Schüür (Luzern, CH)
08.10.2021

Kämpfer, rundumerneuert

Die Zukunft für die Innerschweizer Hardrocker Fighter V sah blendend aus. Ein saustarkes Album (siehe Review), eine wachsende Fangemeinde und restlos überzeugende Live Performances. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit der Band.

Im April dieses Jahres musste Fronter Dave Niederberger aus gesundheitlichen Gründen das Mikro abgeben. Ein Schock für alle Fans und auch dem Jon Bon Jovi-Look alike fiel dieser Entscheid zweifellos alles andere als leicht. Doch es musste weitergehen und so begaben sich die übrigen Kämpfer auf Sängersuche. Wenige Monate später folgt jedoch der nächste Hammer: Luca und Marco Troxler erklären in einem Statement, dass sie den Aftershock von Daves Weggang schwerer getroffen hat als erwartet und dass sie die Band ebenfalls verlassen. Damit verlieren Fighter V innert wenigen Monaten nicht nur drei Mitglieder, sondern auch gleich die drei Songschreiber…

Schlagzeuger Lucien Egloff und Keyboarder Felix Commerell bleiben übrig – und sie ziehen das Ding durch! Zuerst wird mit dem Deutschen Emmo Acar der neue Sänger präsentiert und Anfang September ist das Line Up mit Bassist Roman Stalder und Gitarrist Andreas Grob wieder komplett. Rundumerneuert gehen die fünf Fighter im Oktober nun auf Tour, In Deutschland werden sie da einige Shows für die New Roses eröffnen, in der Schweiz sind sie als Headliner in mehreren Clubs zu sehen.

Samstagabend, Konzerthaus Schüür, Luzern. Hier findet nun die zweite Show der neuen Fighter V statt. Vor der Show treffe ich auch den neuen Sänger Emmo und ich bekomme einen ersten Eindruck seiner Persönlichkeit. Er ist – wie wohl alle – gespannt, wie die Fans auf das neue Line-Up reagieren werden. Jedenfalls ist die Show am Vortag in Lenzburg schon mal zufriedenstellend gewesen… Da kann heute beim „Heimspiel“ der Innerschweizer ja eigentlich nicht viel schiefgehen!

Hendricks The Hatmaker

Doch zuerst gibt’s andere Musik. Hendricks The Hatmaker hat die Aufgabe, den Abend musikalisch einzuläuten. Ich habe noch nie etwas von dieser Truppe gehört, daher mal ein paar Infos: HtH sind ein Trio aus Luzern, bestehend aus Nicolas Sigrist (Gitarre und Gesang), Stefan von Rohr (Drums) und Ramona Dal Ponte (Bass und Gesang).

Nach einem sehr speziellen Intro (Chasperli Theater, gemixt mit AC/DC und Klassik) starten die drei ihren Auftritt. Man merkt: Ein bisschen Spass muss sein! Die Mucke ist teils punkig, teils Rock’n’Rollig und insgesamt recht schwierig einzuordnen. Die Band selbst nennt es offenbar „Sexy Folk Punk“… Wie auch immer: Die vielleicht 50 Leute im Saal haben Spass und auch der obligate 2-Meter Sicherheitsabstand wird gegen Ende der Show etwas kleiner.

Für HtH ist es das erste Konzert seit zwei Jahren, jedoch merkt man kaum etwas davon, dass hier jemand eingerostet wirkt, ganz im Gegenteil. Mit dem Songmaterial bin ich zwar überhaupt nicht vertraut, aber es hat einige Nummern dabei, die richtig gut tönen – und hier liegt überraschenderweise die Ballade („One O’Clock“, wenn ich das richtig verstanden habe?) weit vorne. Insgesamt ein guter Auftakt, die Band bekommt dafür auch den verdienten Applaus!

Fighter V

Zeit für den Headlinder! Zeit zu schauen, was Fighter V Mark II zu bieten haben! Optisch auffallend die leuchtend weissen Arbeitsgeräte von Keyboarder Felix und Drummer Lucien, auch Fronter Emmo hat zudem einen deutlich sichtbaren Ständer. Also Mikrofonständer! Ob man es nun will oder nicht: Man kann gar nicht anders als Vergleiche mit der „alten“ Formation anstellen. Während man bei der Saitenfraktion keine allzu grossen Unterschiede feststellen kann (und das meine ich keinesfalls abwertend gegen die Troxlers!), ist Emmo natürlich eine ganz andere Baustelle als Dave. Wohlverstanden: Ich sage nicht „besser“ oder „schlechter“ – nur „anders“!

Das merkt man beim Eröffnungstriple „Heat Of The City“ / „Frontline“ / „Fighter“ schon ganz deutlich. Die Songs bekommen einfach einen anderen Touch, aber sie verlieren dennoch nichts von ihrer Kraft, von ihrer Magie. Doch dann hauen die Jungs einen raus: „Seperate Ways“ von Journey! Meine absolute Lieblingsnummer der Amerikaner, kein Wunder gibt’s erste Anzeichen von Eskalation… Und Emmo? Ja, DAS ist genau seine Welt! Das ist genau die Art von Songs, die er perfekt beherrscht. Ein erstes ganz grosses Ausrufezeichen an diesem Abend.

Weiter geht’s mit Eigenkompositionen. „Can’t Stop The Rock“ ist das Motto des Abends und der ganzen Tour. Und „There She Goes ist einfach ein unheimlich geiler Live Song, auch wenn er gesanglich nun verändert tönt. Übrigens: Die anderen beiden Neuzugänge Andreas und Roman verstecken sich keineswegs, speziell der Gitarrist wagt sich immer mal wieder an den Bühnenrand und geht auch richtig rockstarmässig in die Knie…

Die Innerschweizer haben bekanntlich selbst noch zu wenig Material, um eine komplette Headliner Show durchzuziehen. Klar, dass da noch das eine oder andere Cover kommen wird. „Here I Go Again“ von Whitesnake ist als nächstes an der Reihe. Und hier kann Emmo grad nochmals brillieren. Er zeigt, warum er Sänger in einer Coverband der weissen Schlange war: Das tönt wie Coverdale zu seinen besten (und leider lange vergangenen…) Tagen!

Einen Makel gibt’s zu vermelden: Ich weiss nicht, ob das jetzt am Sänger resp. seiner Aussprache, generell an der Akustik oder an mir liegt – jedenfalls habe ich ab und zu Mühe, die Ansagen zu verstehen. Doch die Ehrerbietung an Gotthard und Steve Lee kommt durch – und so darf der Neuzugang ganz kurz „Heaven“ singen. Ganz alleine, ohne irgendwelche Instrumente.

Kurz darauf folgt nochmals ein Cover. Van Halen, aus der Sammy Hagar Ära: „Dreams“! Das nächste Highlight, wenn man die Augen schliesst, glaubt man fast Sammy selbst zu hören. Das ist richtig stark, was die Fighter hier zeigen. Emmo sieht das auch so, fordert aber zum Ende einfach noch etwas mehr Lautstärke: „Turn It Up!“

Das Ende ist jedoch noch nicht da, es folgen die Zugaben. Zuerst mal das geile „City Of Sinners“, danach das nächste (und letzte) Cover: „You Give Love A Bad Name“. Und genau jetzt wird wirklich jeder den Unterschied der Sänger merken. Dave hat Bon Jovi drauf, davon konnte ich mich live schon überzeugen. Emmo singt anders, hat eine andere Stimme, eine andere Stimmlage. Die ist perfekt für Whitesnake, Journey, Van Halen – aber nicht für Bon Jovi. Nein, er singt es nicht schlecht, es passt halt nur nicht. Die Jersey Jungs – das war Dave’s Baustelle…

Schwamm drüber – wir suchen zum Abschluss die Action! „Looking For Action“ beendet nach etwa 80 Minuten die zweite Show von Fighter V Mark II. Und somit ab zum Bier, Anstossen mit den Jungs und erste Eindrücke verarbeiten…

Es wird interessant zu sehen sein, wie es mit Fighter V nun weitergehen wird. Wie angetönt sind die drei Songschreiber weg. Werden Emmo, Roman und Andreas diese Lücke füllen können? Wie wird das tönen, in welche Richtung wird die Reise gehen? Jedenfalls gönnt man dieser sympathischen Truppe jeden Erfolg, ich hoffe echt, dass sie auch rundumerneuert durchstarten werden!

Setliste Fighter V

  1. Heat of the City
  2. Frontline
  3. Fighter
  4. Seperate Ways (Journey Cover)
  5. Can’t Stop the Rock
  6. There She Goes
  7. Headlines
  8. Here I Go Again (Whitesnake Cover)
  9. Dangerous
  10. Into the Night
  11. Heaven (Gotthard Cover)
  12. Save Your Love for Me
  13. Dreams (Van Halen Cover)
  14. Turn It Up
  15. City Of Sinners*
  16. You Give Love A Bad Name (Bon Jovi Cover)*
  17. Looking For Action*

*Zugaben

Fotos Fighter V, Hendricks The Hatmaker – Schüür Luzern – Kaufi


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08.10.2021
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Autor Bewertung: 8/10