Metalinside.ch - Rock The King 2017 - Foto Kaufi
Sa, 29. Juli 2017

Rock The King – Sabaton, Powerwolf, Dirkschneider u.m.

Allgäu Concert Arena (Kempten/Buchenberg, DE)
/ 17.09.2017

Klingt nach Wacken, ist es aber nicht

Domi the Stick: Tausende Metalheads treffen sich in einem kleinen deutschen Dörfchen. Klingt nach Wacken, ist es aber nicht. Am Wochenende vor dem Kult-Openair in Schleswig-Holstein findet in Buchenberg im Allgäu das Rock The King statt. Es ist die erste Ausgabe des Rock The King in der Allgäu Concert Arena. Kaufi und ich waren für Metalinside vor Ort.

 

Anreise / Einlass

Domi the Stick: Am Kemptener Hauptbahnhof angekommen suchen meine Freunde und ich die Haltestelle des Shuttle-Buses zum Festival. Wir fragen beim DB-Schalter nach und zur Antwort kommt nur: „Wir sind von der Deutschen Bahn, wir haben keine Ahnung.“ Wir warten also ab und schon bald rollt der Shuttle-Bus über den Parkplatz. Dieser bringt uns bis zum Schulhaus Buchenberg, von da aus ist es entlang der ausgeschilderten Strecke nur noch ein Katzensprung. Ausgeschildert? Ja, denn bis zum Gelände gibt es Wegweiser. Unklar bleibt dann aber, wie wir zum Campinggelände kommen. Wir wollen nämlich bis Sonntag da schlafen, um dann direkt nach Wacken weiter zu reisen. Auch die Security weiss nicht mehr, als dass „ein paar Camper mal da nach hinten gelaufen sind.“ Super, dann gehen wir auch mal dahin. Wir umrunden das Festivalgelände und finden tatsächlich eine Lücke im meterlangen Gitterzaun. Keine Ticketkontrolle? Okay, wird wohl später stattfinden. Wir stellen unsere Zelte auf und gehen via Haupteingang aufs Festivalgelände. Dies wird sich später als Fehler erweisen.

Es stellt sich heraus, dass für Tagesbesucher (komisch, diesen Begriff an einem 1-Tages-Festival überhaupt zu verwenden, gemeint sind Nicht-Camper) One-Way-Eintritt gilt. Eigentlich kein Problem, nur hatten wir keine Camping Tickets. Die hätte man nämlich beim Camping Eingang für 15 Euro kaufen müssen. Haben wir aber nicht, denn der offizielle Eingang war ja nicht ausgeschildert. Wir waren im Festivalgelände drin und da wir offiziell ja „Tagesgäste“ waren, konnten wir nicht mehr raus, um das Camping Ticket zu lösen. Dank einem freundlichen Security durften wir trotzdem zum Camping hoch und die 15 Euro nachzahlen, das Ticketproblem war also gelöst. Ein gewisser Unmut, vor allem auch bei anderen Besuchern, war aber doch spürbar. Dies wird auch nicht besser, wenn man nur an Trinkwasser heran kommt, in dem man 30 Minuten ansteht. Ja, keine Wasserstellen. Ja, 30 Minuten Wartezeit. Und ob man‘s glaubt oder nicht, sie schliessen einen von drei Getränkeständen, da das Personal überfordert ist. Zum Glück muss man durch das wenige Trinken auch weniger aufs Klo, denn die seit dem Morgen überlaufenen ToiTois sind alles andere als appetiterregend. Dass die Organisation bei den Besuchern ein beliebtes Gesprächsthema ist, ist beim Durchqueren des Geländes nicht zu überhoren…

Tönt nach viel Gemotze, aber alles in allem war die Organisation (das Drumherum) wirklich nicht gut gelöst und die nicht wirklich gut informierten Securities konnten da auch nicht weiterhelfen (blieben aber immer sehr nett!). Was neben der Bühne nicht funktioniert hat, war auf der Bühne dafür umso besser! Sowohl den Sound als auch die Performances der Bands kann man nur loben.

Fotos Eindrücke Rock The King 2017 (Kaufi)

Meister Eder

Opener am Samstag ist der Gewinner des Nachwuchs-Wettbewerbs vom Freitagabend (leider konnten weder Kaufi noch ich dem Wettbewerb oder der Warm Up Party beiwohnen). (Anm. Kaufi: Ja, ich wurde als Grillmeister angestellt – erzähle ich später…) Bei der Band handelt es sich um Meister Eder. Sie spielen so etwas wie Neue Deutsche Härte, welche bei den Megaherz- und Oomph!-Fans natürlich gut ankommt, gepaart mit anderen Einflüssen wie Thrash Metal. Zumindest die Stimme des Sängers in Zwangsjacke gleicht der von James Hetfield. Den Einfluss von Rammstein darf man aber auch auf keinen Fall verschweigen! Immerhin gibt es da einen Refrain mit der Zeile „in der Dunkelheit“ (*hust* Wiener Blut *hust*). Auf jeden Fall sind es kurzweilige 20 Minuten, in denen die Kapelle dem Publikum einheizen darf. Top Arbeit!

Megaherz

Nach einer verhältnismässig kurzen Umbaupause (auch ohne Zwillingsbühne) betreten Megaherz die Stage. Gespielt wird ein anderes Set als am Greenfield, schliesslich haben die Jungs aus Bayern auch mehr Spielzeit. Dies freut mich sehr, denn so darf ich endlich „Jordan“ mal live sehen/hören. Das neuere „Zombieland“ und Hits wie „Miststück“ und „Himmelstürmer“ werden natürlich auch gespielt, die Ballade „Für Immer“ wird den kürzlich verstorbenen Musikern  Chris Cornell und Chester Bennington gewidmet (eine solche Widmung folgt in den folgenden Tagen einige Male, sei es am Rock The King, am Wacken Open Air oder am Leyendas del Rock). Insgesamt eine super Show, welche Freude auf mehr macht. Tipp: 3.3.18 im Z7…

Schandmaul

Über Schandmaul würde ich gerne mehr schreiben als den folgenden kurzen Text, aber auch Schreiberlinge brauchen Wasser und da das Anstehen am Getränkestand wohl länger dauern würde als das Konzert selber, zieht es mich  zum Camping zurück. Von hier aus bekomme ich einen grossen Teil der Show zwar auch mit, aber die Stimmung fehlt hier ein bisschen. Schade, denn die Folk Freunde vor der Bühne scheinen, von hier aus betrachtet, eine fette Party zu feiern. Irgendwie wirkt die Band auf mich auch nach der Rückkehr aufs Gelände trotzdem irgendwie lahm, als würden sie die Hitze nicht aushalten oder als wären alle mehr müde als wach. Am Ende des Tages muss ich Schandmaul leider als einen Tiefpunkt verbuchen…

Oomph!

… und genau wegen dieser eher schwachen Leistung überrascht Oomph! wohl umso mehr. Von ihnen kenne ich zwar nur den Überhit „Augen auf!“, aber dieser kann meiner Meinung nach gegenüber anderen Songs aus dem Set einpacken. Auch hier verpasse ich einen Teil des Konzerts wieder, weil meine Kehle erneut Durst vermeldet. Ich stehe also am Getränkestand und bemühe mich um ein Glas Wasser. (Anm. Kaufi: Es gibt im Fall auch Bier… 😉 ) Dieses bekomme ich dann nach fast 30 Minuten und kehre zur Bühne zurück. Hier herrscht Party pur und das Publikum singt bei jedem Song lauthals mit. In Erinnerung bleiben mir besonders der meiner Meinung nach an diesem Konzert beste Song „Gott ist ein Popstar“ und natürlich „Augen auf!“. Bei letzterem habe ich aber den Eindruck, dass die Spiellust der Band schlagartig sinkt. Das Publikum geht zwar ab „wie es Zäpfli“, für die Band scheint es aber eher ein Song zu sein, den man halt spielen „muss“… Schade eigentlich, aber so ist das Business. Nach Oomph! muss ich aber sagen, dass die „Vorbands“ schon sehr gute Arbeit geleistet haben, die Vorfreude auf die Headliner ist extrem hoch. Zum Glück ist es auch schon nicht mehr ganz so heiss, dass man die ganze Zeit dem Wasser hinterher rennen muss!

Kaufi: Auch ich hab’s mittlerweile aufs Gelände geschafft. Im Gegensatz zu meinem Vorschreiber kann ich mit den ersten Bands schlicht nix anfangen, da braucht man nicht zu stressen. Allerdings dauert die Anfahrt doch länger als angedacht, der Fahrplan der Shuttle-Busse ist nun ja – unzuverlässig…

Oomph! sind noch an der Arbeit, als ich mich mal an der Biertränke anstelle. Die Damen da drin sind bemüht, aber es dauert dennoch fast eine halbe Stunde, bis wir zu unserem Hopfentee kommen. Man nimmt da besser gleich zwei Becher, dann hält das etwas hin… Und während der ganzen Wartezeit muss ich mir anhören, was da auf der nahen Bühne gespielt wird. Eigentlich würde ich gerne flüchten…

Anyway: Irgendwann ist Schluss, man kann sich normal mit den zahlreich anwesenden German Saboteurs unterhalten, man trifft im Fotograben alte Bekannte – nur Domi ist nirgends zu sehen (Anm. DtS: Ich habe dich am Getränkestand gesehen, wollte aber meinen eigenen Platz in der Schlange nicht aufgeben). Nun gut, warten wir also auf Dirkschneider!

Dirkschneider

Kaufi: Der unverwüstliche Sänger ist bekanntlich unterwegs, um ein letztes Mal alte Accept Klassiker zu zocken, bevor er dann (irgendwann…) wieder mit U.D.O. weitermachen will und das Kapitel mit seiner alten Band endgültig schliesst. Leider habe ich Dirkschneider auf der letzten Hallentour verpasst und bei seinem Auftritt am Bang Your Head!!! war ich insgesamt etwas enttäuscht, weil zum grössten Teil Nummern gespielt wurden, die auch Accept selber fast immer im Programm haben. Der Maestro geht jetzt im Herbst nochmals auf eine Tour und verspricht einige Änderungen – Kollege Dutti wird das dann im Z7 überprüfen!

Angeführt von Drummer Sven Dirkschneider (ja, ist der Sohn!) marschiert um Zehn vor Sieben die Band auf die grossräumige Bühne, bevor der mittlerweile 65-Jährige Namensgeber – stilecht in Tarnklamotten – das Zepter in die Hand nimmt. Mit „Starlight“ gibt’s gleich zu Beginn einen richtigen Klassiker, genau so stellt man sich das doch vor! Die Fans, die im Gegensatz zur Band mit dem Rücken zur Abendsonne stehen, gehen sogleich steil. Udo packt in der Tat einige schöne Goodies aus, auch wenn es Songs sind, die man jetzt nicht grad das erste Mal live hört. Aber Dinge wie „Flash Rockin‘ Man“, „London Leatherboys“ oder „Midnight Mover“ machen schon sehr viel Spass! Die Fans goutieren das immer wieder mit lauten „Udo! Udo!“-Rufen. Gefällt nicht nur dem Chef…

Selbstredend kommen allerdings auch einige Songs zum Zuge, die man zur Genüge kennt: „Restless & Wild“, „Breaker“ und das unvermeidliche „Princess Of The Dawn“ (frenetisch gefeiert) bilden einen Mittelteil, der hoffentlich auf der nächsten Tour ersetzt wird. „Son Of A Bitch“ oder auch „Up To The Limit“ – DAS sind die Songs, die man bei dieser Geschichte erwartet! Udo selbst steht mit mittlerweile hochrotem Kopf am Bühnenrand, die Sonne hat auch jetzt noch gehörig Power – doch das kann niemanden stoppen.

„Screaming For A Love Bite“ und „Losers And Winners“ sind die letzten Songs vor dem Zugaben-Block, der natürlich aus den drei ultimativen Übernummern „Metal Heart“, „Fast As A Shark“ und Balls To The Wall“ besteht. Nach 80 Minuten ist Schluss und Dirkschneider lassen sich von mehreren Tausend Fans zu Recht feiern. Starker Auftritt, zweifellos! Allerdings wünsche ich mir dann auf der nächsten Tour weniger Standards (gut, „Balls To The Wall“ darf bleiben…), dafür Songs wie „Russian Roulette“, „Heaven Is Hell“, „Aiming High“ oder „Monsterman“. Das 86er Werk „Russian Roulette“ wird nämlich auch heute wieder komplett ignoriert – was äussert schade ist!

Domi the Stick: Ein abwechslungsreicheres Set wäre wahrscheinlich schon toll, aber Dirkschneider wird wohl mit demselben Problem wie noch so viele Bands konfrontiert: Ist die Stimmung dann noch gleich gut? Ein, zwei Wechsel würde die Setliste wohl ertragen; ich bin mir aber nicht sicher, ob da mehr drin liegt.  (Anm. Kaufi: Da würde definitiv einiges mehr drin liegen!) Auf jeden Fall freue ich mich auch auf die Show im Z7!

Setliste Dirkschneider

  1. Starlight
  2. Living for Tonite
  3. Flash Rockin‘ Man
  4. London Leatherboys
  5. Midnight Mover
  6. Breaker
  7. Princess of the Dawn
  8. Restless and Wild
  9. Son of a Bitch
  10. Up to the Limit
  11. Screaming for a Love-Bite
  12. Losers And Winners
  13. Metal Heart*
  14. Fast As A Shark*
  15. Balls To The Wall*

*Zugaben

Fotos Dirkschneider vom Rock The King 2017 (Kaufi)

Powerwolf

Kaufi: Es folgt die erste von zwei Headliner-Shows des Tages. Powerwolf haben in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, ähnlich den Kollegen von Sabaton. Auch die Wölfe haben ihre ganz eigene Nische gefunden und mit ihrer eingängigen Mücke und ihren starken Auftritten scharen sie immer mehr Fans um sich. Auch heute sind nicht wenige Anhänger im Publikum, die sich etwas weisse Farbe ins Gesicht gemalt haben.

Aufgrund der Pyros dürfen wir von der fotografierenden Zunft nur die Songs zwei und drei knipsen, und so erleben wir von der Seite, wie das Publikum beim Opener „Blessed & Possessed“ sofort komplett am Rad dreht. Fronter Attila Dorn und seine Truppe zeigen sich heute sehr spielfreudig, die Jungs sind hervorragend aufgelegt. Attila macht zwar weniger Spässchen als sonst (die Geschichte vom Bienenstich beispieslweise lässt er heute sausen), dies mag aber auch der Verspätung geschuldet sein. Die Wölfe feuern sonst ein abwechslungsreiches Programm ins Publikum, welches alle verdächtigen Titel beinhaltet – grosse Überraschungen sind allerdings Fehlanzeige. Herausragend einmal mehr „Werewolves Of Armenia“, das ist einfach pure Party. HU! HA! Mit dem Doppelschlag „Sanctified With Dynamite“ und „We Drink Your Blood“ ist nach 70 Minuten bereits das Ende erreicht. Sogar „Lupus Dei“ wird gestrichen! Verspätung hin oder her – 70 Minuten für einen angekündigten Headliner Auftritt sind zu wenig. Dies bleibt allerdings auch wirklich der einzige Kritikpunkt, denn ansonsten überzeugen die Wölfe mit ihrer Show mit all den Flammenwerfern und genialem Licht auf ganzer Linie. Auf ein Neues dann in Karlsuhe…

Domi the Stick: Powerwolf liefern wie immer eine super Show ab! Auch hier muss ich aber die Setliste langsam hinterfragen. Die Wölfe spielen neben ihren eigenen Konzerten an vielen Festivals und ich habe sie nun insgesamt schon 12 Mal gesehen (juhui, Platz 1 meiner meistgesehenen Bands)… Vielleicht geht es nur mir so, aber ich habe das Gefühl, das Publikum würde bald mal wieder ein wenig Abwechslung ertragen. Sei dies mit neuen Songs oder mit alten Perlen. Aber ehrlich, wann wurde z.B. „Panic In The Pentagram“ zum letzten Mal gespielt? Oder „In Blood We Trust“? Auf der anderen Seite können wohl auch Nicht-Fans viele Lyrics inzwischen auswendig… Klar, die Party funktioniert. Aber ich verstehe jeden einzelnen, der der Meinung ist, Powerwolf-Konzerte gleichen einem x-mal gesehenen Kinofilm. Auch hier liegt der Grund wohl an dem Problem, welches ich weiter oben bei Dirkschneider angesprochen habe… Eigentlich schade!

Setliste Powerwolf

  1. Blessed & Possessed
  2. Army of the Night
  3. Coleus Sanctus
  4. Amen & Attack
  5. Dead Boys Don’t Cry
  6. Sacred & Wild
  7. Armata Strigoi
  8. Let There Be Night
  9. Resurrection by Erection
  10. Werewolves of Armenia
  11. All We Need Is Blood
  12. Sanctified With Dynamite
  13. We Drink Your Blood

Fotos Powerwolf vom Rock The King 2017 (Kaufi)

Sabaton

Kaufi: Rückblick: Tags zuvor, es ist Freitagabend, praktisch schon in Österreich. Im alten Zollhaus treffen sich gut zwanzig Mitglieder des Deutschen Sabaton Fan Clubs. Nach dem offiziellen Teil wird angeheizt: Grillbieren steht auf der Traktandenliste. Als die Meisten schon fast fertig sind, muss auf dem Grill nochmals massiv Fleisch nachgelegt werden: Es sind plötzlich Gäste aus Schweden angekündigt! Man ahnt es bereits – und in der Tat steht eine gute halbe Stunde später die ganze Band von Sabaton auf dem Platz, mitsamt Tourmanager und Physio! Sagt über Sabaton was ihr wollt – diese Nähe zu den Fans zeigt einfach kaum eine andere Band in dieser Grössenordnung! Respekt dafür – und die German Saboteurs geniessen den völlig unkomplizierten Abend mit ihren Helden. Diese geben sich ebenso relaxed und plaudern mit den Fans über Gott und die Welt.

Übrigens haben die Schweden eine spezielle Speisekarte vorgesetzt bekommen mit Leckereien wie „Gepresste Bärenhoden vom Schwarzbär aus der Region Dalarna (mexikanisch oder Bärlauch-mariniert)“, „Filetierte Ratten aus der Mine von Falun“ oder „Marinierter Schwedischer Elchpenis, naturbelassen“. En Guete… (Anm. von pam: Und wer war der Grillmaster? Natürlich unser Metalinsider und Ober-Sabateur Kaufi himself).

24 Stunden später: In Buchenberg ist alles bereit. Der Panzer (heute ist wieder einmal „Walther“ dabei) steht bereit, die Flammenwerfer am Bühnenrand sind angeschlossen, mehrere Tausend Fans warten gespannt auf den Headliner des Tages. Die eher unerfahrene Security (über die man ansonsten kein schlechtes Wort verlieren kann – äusserst freundlich und hilfsbereit!) weiss hingegen noch nicht richtig, wie man mit den Fotografen da vorne umgeht. Und während man bei Powerwolf wie erwähnt nur bei zwei Songs ohne die aktiven Flammenspeuzer in den Graben durfte, gesteht man uns jetzt immerhin derer fünf zu. Die Pyros sind dafür offenbar kein Thema – wir frieren jedenfalls nicht am Bühnenrand…

Egal – wichtig sind jetzt nur noch Sabaton! Die starten mit dem obligaten „Ghost Division“ ihre Show und mir bläst’s fast das Toupet vom Schädel. Auffallend erneut der hervorragende Sound. Dafür, dass das „Rock The King“ jetzt (noch) nicht gerade als etabliertes Festival gilt, haben sie das Ganze richtig gut im Griff. Derweil hauen die Headliner grad eine mächtige Überraschung raus: „The Art Of War“! Ein erstes Zeichen, dass die Schweden heute beileibe nicht einfach ihre Setlist der aktuellen Tour runterspielen. Ich nehme es vorneweg: Da kommt manche Überraschung auf die Fans zu! Die Reise nach Schottland ist hingegen geblieben: „Blood Of Bannockburn“ ist einer der besten Songs von „The Last Stand“ und steht völlig zurecht im Programm.

Zeit für die Begrüssung des Publikums durch Fronter Joakim Brodén. Er erzählt erstmal, dass sie gestern zu einem Barbecue bei ihren Fans eingeladen wurden – und verliest Teile der Speisekarte. Auf Deutsch! Sein Kommentar dazu: „Crazy Bastards!“ Lacht und erklärt, dass sie heute verschiedene Songs spielen: „New Shit. Old Shit. And some songs are just Shit.“ Nun, das würde ich so nicht sagen… Erstmal gibt’s allerdings was aus der Kategorie „Old Shit“: „Attero Dominatus“, eine Nummer, die wahrlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Ablösung gibt’s direkt danach mit Kirchengeläut, welches den Titeltrack des aktuellen Werks ääähm: einläutet.

Während ich mich auf den Weg vom Graben ins Publikum mache, knallt’s bereits wieder auf der Bühne: der „Panzerkampf“ hat begonnen! Ein Klassiker, immer wieder gern gehört und dementsprechend von den Fans gefeiert. Bei „Sparta“ fällt dann auf, dass die Show im Vergleich zur Tour etwas abgespeckt ist. Das Bühnenbild – immer noch dominiert vom Panzer – ist nicht ganz so üppig, an manchen Stellen wird auch bei den Pyro-Effekten etwas gespart („The Lost Battalion“) und hier fehlen jetzt auch die mit ihren Speeren bewaffneten Spartaner. Doch wirklich tragisch ist das nicht, denn die Musik stimmt ja immer noch und schlussendlich ist auch der riesige Videoscreen noch da, auf welchem die meisten Songs optisch untermalt werden.

Mit dem schnellen „Screaming Eagles“ folgt die nächste Überraschung, während „Carolus Rex“ einmal mehr für pure Hühnerhaut sorgt. Ein gutes Gefühl für die Setlist zeigt das Publikum: Zum richtigen Zeitpunkt wird „Swedish Pagans“ angestimmt – welches zum „Ärger“ von Jocke sogar auf dem Zettel steht! Dummaberauch… Während der Sänger noch was über dieses „Democracy Thing“ lästert, werden die obligaten „Noch ein Bier“-Rufe laut. Tommy übernimmt diesen Job und lässt seinen Fronter uralt aussehen!

Nun dürfen die Fans wieder einmal wünschen! Demokratie… Die Wahl besteht zwischen „A Lifetime Of War“ und „Carolean’s Prayer“ und wird (überraschend) knapp zugunsten der Ballade entschieden. Eindeutig ist hingegen der Entscheid, in welcher Sprache das sein soll – Schwedisch, natürlich! „En Livstid I Krig“ wird zum überraschenden Höhepunkt des Konzerts! Die unglaublich eindrücklichen Bilder auf dem grossen Screen untermalen diese Nummer, da läuft es wohl nicht nur mir eiskalt über den Rücken. Schlicht grossartig! Mit „Resist And Bite“ geht’s daraufhin weiter, Sabaton finden da die alte Spur sofort wieder und auch die Fans schalten sehr schnell wieder in den Party Modus. Mit „The Lost Battalion“ und „Winged Husars“ folgen nochmals zwei Songs von „The Last Stand“.

Komische Momente. Ist das jetzt das Ende? Muss man „Zugabe“ rufen? Oder geht’s weiter? Die Bühne ist dunkel, die Band nicht zu sehen. Sirenengeheul bringt die Auflösung: Die „Night Witches“ sind da! Kurz, heftig, mit massenhaft Pyros garniert – und schon ist’s wieder dunkel. Das Publikum scheint derweil im Tiefschlaf zu sein. Keine „Zugabe“-Rufe, kein Geschrei, nicht mal „Noch ein Bier“ ist zu hören – es ist beinahe totenstill! So zurückhaltende Fans habe ich (speziell bei Sabaton!) lange nicht gesehen…

Nun, die Schweden erbarmen sich. Bilder vom 6. Juni 1944 flimmern über den Bildschirm, es blitzt und knallt an allen Ecken und Enden der Bühne. „Through the Gates of Hell“ – bei „Primo Victoria“ wachen die Leute doch nochmals auf! Nach „Shiroyama“ gönnt sich Jocke das letzte Bier und verabschiedet sich mit „To Hell And Back“ nach 100 Minuten, während die vorderen Reihen mit Papierschlangen eingedeckt werden.

Ich habe Sabaton bekanntlich schon einige Male live erleben dürfen. Langeweile? Kommt nie auf! Die Jungs wissen einfach, dass sie viele treue und loyale Fans haben, die oftmals mehr als nur eine Show ihrer Tour besuchen. Also sorgt man für Abwechslung in der Setliste! Gegenüber den Konzerten im Frühjahr ist beispielsweise „Gott mit Uns“ (oder auch „Noch ein Bier“) rausgefallen, zudem sind auch „The Lion From The North“ oder „The Final Solution“ weg. Dafür gibt’s Panzerkampf, schreiende Adler und die wie erwähnt sensationelle Performance von „En Livstid I Krig“!

Die Band ist ansonsten perfekt eingespielt, auch Tommy Johansson hat sich tadellos in das Gefüge… äähm: eingefügt. Trotz des riesigen Erfolges, den die schwedische Kriegsmaschine vor allem in Europa hat, sind die Jungs einfach bodenständig, nett und äusserst fanfreundlich geblieben. Und DAS, liebe Metal-Gemeinde, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit!

Man darf nun gespannt sein, was die Zukunft bringen wird. Es folgt noch das eigene Festival in Falun, dann noch ein paar wenige Auftritte im Oktober in Russland und eine Show in Tokio. Und am 18. Dezember wird die Sabaton Cruise wohl das Jahr beschliessen. Mal sehen, was die Mittel- und Langfristplanung von Pär danach zutage bringen wird!

Domi the Stick: Kaufi ist happy, ich dagegen bin nach der Sabaton-Show ein bisschen enttäuscht. Meiner Meinung nach fehlt da irgendwie etwas, ich habe schon viel bessere Sabaton-Konzerte erlebt. Man darf das nicht falsch verstehen, Sabaton legen wieder mal einen Auftritt der Spitzenklasse hin! Die Schweden hauen mich wieder weg, aber eben: Ich habe die schon besser erlebt. Meine Zweifel, ob Joakim & Co. nicht vielleicht langsam ein wenig abstumpfen, werden sich aber schon bald wieder in Luft auflösen, mehr dazu im bald erscheinenden Bericht zum „Leyendas del Rock“. (Anm. Kaufi: Domi, das kann ich so nicht stehen lassen! 😉 Ich habe noch mit vielen Leuten gesprochen, auch mit solchen, die noch mehr Sabaton-Konzis als ich auf dem Buckel haben. Und von „abstumpfen“ hat niemand was gesagt, im Gegenteil! Das war Sabaton in Bestform – viel besser geht kaum, da waren sich – auch ohne rosarote Fanbrille – alle einig… 😉  )

Setliste Sabaton

  1. Ghost Division
  2. The Art of War
  3. Blood of Bannockburn
  4. Attero Dominatus
  5. The Last Stand
  6. Panzerkampf
  7. Sparta
  8. Screaming Eagles
  9. Carolus Rex
  10. Swedish Pagans
  11. En Livstid I Krig
  12. Resist & Bite
  13. The Lost Battalion
  14. Winged Hussars
  15. Night Witches*
  16. Primo Victoria*
  17. Shiroyama*
  18. To Hell And Back*

*Zugaben

Fotos Sabaton vom Rock The King 2017 (Kaufi)

Fanzit

Domi: Die erste Ausgabe des Rock The King finde ich in Sachen Organisation ein bisschen peinlich. Ich versuche mal, diesen Umstand damit zu begründen, dass das Festival das erste Mal am neuen Veranstaltungsort ausgetragen wird. Hoffentlich haben die Veranstalter für kommende Jahre dazugelernt. Der Unmut am Nachmittag kann mit den Konzerten am Abend verdrängt werden. Aber auch die Shuttlebus-Situation am Sonntag (auf diese Geschichte gehe ich nicht auch noch ein) bestätigt: Buchenberg ist eben doch nicht Wacken. Als Warm-Up für das W:O:A taugt es aber auf jeden Fall!

Kaufi: Ja, organisatorisch gibt’s effektiv Verbesserungspotenzial. Nach Konzertende 40 Minuten warten auf den Shuttle Bus, der dann innert Sekunden zur Sardinenbüchse mutiert und dutzende Fans zurücklassen muss – nope. Das ist wirklich schwach! Ich frage mich, wie viel länger diese armen Cheiben noch warten mussten… Hingegen muss man aber wirklich den musikalischen Aspekt loben: Grosse Bühne, prima Sound, das leicht ansteigende Gelände bietet gute Sicht von fast überall – die Location an sich hat schon was! Mal sehen, ob es auch 2018 wieder ein lohnendes Rock The King geben wird…


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/ 17.09.2017
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