Metalinside.ch - Mystery - Z7 Pratteln 2019 - Foto Liane
Do, 24. Oktober 2019

Mystery, F.O.R.S.

Z7 (Pratteln, CH)

Mystery – Live and Butterflies Tour

Die 1986 gegründete Band aus Montreal, Canada, ist eigentlich erst in den letzten Jahren so richtig aktiv. Die ersten 20 Jahre war man eher bescheiden unterwegs. Seit 2007 aber produziert die Band regelmässig Longplayers und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Und obwohl man schon 14 Mal in Deutschland auftrat, fand man erst 2019 den Weg auf eine Schweizer Bühne. Gastgeber war wieder einmal das Z7, welches für Mystery den idealen Ort zur Verfügung stellte.

Den Blick ins Publikum gerichtet, liess sich eindeutig fetstellen, das Ü50 in der Überzahl war. (Moment, da gehöre ich ja auch dazu…. ). Sagen wir‘s mal so, die Jungen waren in der Unterzahl. Das sagte natürlich über die Qualität der Band nichts aus, wohl aber darüber, dass Mystery schon eher eine Affinität zur Gemächlichkeit haben. Doch bevor die Kanadier ihr Können dem Schweizer Publikum offenbaren konnten, war es Zeit den Vorhang für den Supporting Act zu öffnen.

F.O.R.S. – oder wer braucht schon einen Sänger?

Die Vorband hatte ein Heimspiel, denn F.O.R.S. ist helvetischen Ursprungs. 2016 gegründet, spielen F.O.R.S. nach eigenen Angaben Instrumental Sphere Rock und verzichten, wie es die Headline schon ankündigte, auf Gesang. Instrumental Bands sind im Moment besonders in Djent und Math Metal zu Hauf vertreten. Dort macht man das Fehlen der Vocals mit meist exzessiven Spieltechnik wieder wett und hält das Publikum ganz schön auf Trab. Das ist zwar oftmals anstrengend und vor allem für Musiker hochinteressant. Bei F.O.R.S. sah es da schon ein wenig anders aus. Man verliess sich eher auf unterschiedliche Stimmungsbilder und verzichtete auf halsbrecherische Passagen – eben halt Sphere-Rock.

Auch wenn sauber gespielt, fehlten mir dennoch spielerische Höhepunkte. Bei einer solch spartanischen Besetzung, haben Instrumentalisten enormen Freiraum. Es ist mir ein Rätsel, weshalb die Band diese Räume zu wenig ausnützte. Man setzte eher auf verhältnismässig einfache Strukturen – spielte diese dafür einwandfrei. Der Vorteil lag klar auf der Hand – keine Akrobatik, dafür verständliche Musik auch für Nicht-Musiker.

F.O.R.S. haben genug Potenzial, daran zweifelt niemand. Es ist auch nicht ganz einfach als reine Instrumental-Band live zu überzeugen. Das Mystery Publikum war den Schweizer allerdings wohl gesonnen und die Spielfreude von F.O.R.S. war deutlich zu spüren. Das sind schon mal wichtige Voraussetzungen und man darf gespannt sein, was von den Schweizern noch kommen wird.

Mystery – Debut auf Schweizer Boden

Zurück zu Mystery, die ihren Gig mit einer doch eher gemächlichen Nummer anfingen. An diesem Konzept änderte man auch die folgenden zwei Stunden nichts mehr, aber für den Mystery Fan war die Welt in Ordnung. Schade nur, dass die Zuschauerzahl eher überschaubar blieb.

Was die Vorband F.O.R.S. meines Erachtens nicht vorteilhaft ausnützte, praktizierten Mystery dafür fast ein wenig too much. Zwei Gitarristen, ein Vollzeit-Keyboarder und ein Sänger, der auch noch zum Synthesizer greift, sind schon eine ordentliche Instrumentalisierung. Nicht zu vergessen, dass da noch ein Drummer und ein Bassist vorhanden waren. Spontan kommt mir da der Begriff „Overkill“ in den Sinn – aber was soll‘s? Sänger Jean Pageau schnappte sich ab und zu seine Querflöte und hauchte ein paar Töne aus ihr heraus. Ein visueller Showeffekt, mehr allerdings nicht.

Doch halt, auch wenn jetzt die Stimmung ein wenig zu kippen droht, schlecht war der Gig nicht. Die Band nennt sich hochmoderne Prog-Rock-Band und dem ist nichts hinzuzufügen, ausser dass der Zusatz „Slow“ ebenfalls gut passen würde. Qualitativ gab es an Mystery nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln. Die Stimmung der Alben transportierte man perfekt auf die Bühne. Die Jungs sind Profis, das steht ausser Zweifel und sie schafften es diese „Klammergriff-Stimmung“ perfekt hochzuhalten. Und so fühlte sich die eine oder andere Dame dazu berufen, gefühlsvoll zu den Klängen zu tanzen.

Auf der Band-Website findet sich übrigens folgendes Statement: „After 9 albums released, the Canadian group has become one of the most popular and respected Progressive Rock Band in the world“! Das sind grosse Worte, die man zur Zeit nur von einer bestimmten Person aus Washington gewöhnt ist. Von einer der „beliebtesten und angesehensten Progressive Rock Bands der Welt“, erwarte ich allerdings mehr.

Doch nach zwei Stunden kam dann tatsächlich auch ein wenig Leben in die Bude. Mystery zeigten, dass sie auch „härter“ könnten, wenn sie denn wollten. Für mich kam dies leider zu spät – Mystery hängten mich schon relativ früh ab und konnten mich auch nicht mehr zurückholen.

Das Fanzit

Ich haben mich ein wenig von meinem Umfeld beeinflussen lassen. Dort hat es nämlich nicht wenige begeisterte Anhänger von Mystery. Ganz bewusst, habe ich mich nicht zu sehr mit der Band auseinandergesetzt und wollte mich eigentlich überraschen lassen. Nun, dies ist gelungen – wenn auch nicht mit dem Resultat, dass man sich erhoffte. Das Prädikat „Gut“ zu verleihen, fällt mir ausgesprochen leicht und ich gönne es der sehr sympathischen Band aus Kanada, dass sie auch in der Schweiz auf eine solide und treue Fan-Gemeinde zählen können.

Setliste – Mystery

  1. Delusion Rain
  2. Something to Believe In
  3. How Do You Feel?
  4. The Scarlet Eye
  5. The Willow Tree
  6. Shadow of the Lake
  7. Looking for Something Else
  8. Where Dreams Come Alive
  9. Through Different Eyes – I) When Sorrow turns to Pain
  10. Through Different Eyes – II) Apocalyptic Visions of Paradise
  11. Through Different Eyes – III) So Far Away
  12. Through Different Eyes – IV) The Point of No Return
  13. Through Different Eyes – V) The Silent Scream
  14. Through Different Eyes – VI) Dancing with Butterflies
  15. A Song for You
  16. Chrysalis
  17. The Preacher‘s Fall

Fotos Mystery – F.O.R.S. – Z7 Pratteln 2019 (Liane)


Wie fandet ihr das Konzert?

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