Metalinside.ch - Abinchova - Schüür Luzern 2020 - Foto Friedemann
Sa, 11. Januar 2020

Abinchova (Abschiedskonzert), Axxelerator

Schüür (Luzern, CH)
/ 25.01.2020

Der Abinchova-Abschied 

Sie haben es getan: Nach 11-jähriger Bühnenpräsenz spielten die Melodic Death/Folk Metaller Abinchova am Samstag ihr allerletztes Konzert. Austragungsort war die Schüür in Luzern. Für ihr persönliches «Grande Finale» mobilisierte die Truppe ihre ganzen Kräfte und legte dadurch einen hervorragenden Auftritt hin. Am Ende blieb somit bloss eine Frage offen: Muss sich eine Band, die offenbar in Bestform zu sein scheint, wirklich auflösen? 

Hat eigentlich irgendjemand tatsächlich gedacht, dass 2020 eine komplett ruhige Angelegenheit werden wird? Nix da! Am 4. Januar ging bereits die dritte Ausgabe des Freakout Festivals in Liestal über die Bühne. Dort wurde einem die Rübe mit wuchtigen Thrash-Dosen gnadenlos vom Hals geballert. Inzwischen ist eine Woche vergangen und es stehen abermals diverse Höhepunkte auf dem Zettel: Ein Teil der Metalinside-Crew schippert gerade mit dem 70’000 Tonnen-Monstrum irgendwo zwischen dem Golf von Mexiko und der Karibischen See durch die Gegend, während in der Heimat im schönen «Ämmitau» der letzte Tag des Ice Rock Festivals anbricht. Ich wandere hingegen wieder einmal auf ganz anderen Pfaden. Meine Route führt mich in die Nähe des Vierwaldstättersees.

Das neue Jahr ist zwar noch blutjung, aber bedauerlicherweise müssen wir uns trotzdem schon mit einem Abgang auseinandersetzen… Vor etwas mehr als zwei Monaten hat das Septett Abinchova überraschenderweise den Abschluss eines Kapitels bekanntgegeben. Finito! Man wolle sich (Zitat) zur Ruhe setzen und einen Blick auf neue (musikalische) Horizonte werfen (Zitat Ende). Ein herber Verlust für die helvetische Szene! Schliesslich konnte die Truppe unter anderem Gigs auf dem legendären Wacken Open Air oder der zuvor erwähnten 70’000 Tons Of Metal-Kreuzfahrt zum Besten geben. Das sind notabene für jeden metallischen Musiker auf diesem Planten waschechte Ritterschläge und man darf zurecht stolz darauf sein. Ohne es ein letztes Mal ordentlich krachen zu lassen, werden die Innerschweizer selbstverständlich keinesfalls abtreten. Das Konzerthaus Schüür soll Zeuge eines würdevollen Abgangs werden.

Axxelerator

Ehe die Taschentücher hervorgekramt werden müssen, dürfen sich Axxelerator um das Einheizer-Programm kümmern. Wie das Logo im Hintergrund unverkennbar verrät, kann in den kommenden 45 Minuten mit viel Thrash Metal gerechnet werden. Nach und nach versammeln sich immer mehr Zuhörer in der oberen Etage, was mich überaus freut. Kurz nach Türöffnung war der Anblick nämlich arg trostlos.

Seit 2009 macht die damals noch als Rust bekannte Equipe die Welt unsicher. Mit ihrem Tonband-Intro sorgen die Jungs für Lacher. Da wurden frech gewisse Passagen vom heutigen Headliner geklaut. Soundtechnisch ist die ganze Geschichte zweifelsohne von der sagenumwobenen Bay Area inspiriert. Das weisse Spielgerät von Fronter Vale Rast erinnert ausserdem durchaus an eine Klampfe von James Hetfield. Sein Gesang dürfte gerne fraglos etwas abwechslungsreicher und druckvoller sein. Bezüglich der Instrumental-Arbeit gibt’s dafür nix zu meckern. Einige Songs regen die Nackenmuskeln freilich an.

Abinchova

21.40 Uhr. Alles ist angerichtet. Die sehr gut besuchte Scheune ist bereit für die «Finalissima» von Abinchova. Zuvor steht allerdings ein kurzer Nostalgie-Trip an: Mittels Beamer und Leinwand bekommen die Zuschauer eine nette und unterhaltsame Slideshow zu sehen. Da war offenbar jemand fleissig beim Zusammentragen der fotografischen Erinnerungen. Bilder sagen manchmal effektiv mehr als tausend Worte.

Musikalisch macht anschliessend «Handgeschrieben» vom 2014er-Silberling «Wegweiser» den Anfang. Insgesamt umfasst die Diskographie der Luzerner drei Studioalben – und logischerweise werden diese in der Endspurt-Setlist allesamt entsprechend berücksichtigt. Die sieben Musiker – das sind namentlich Nora (Gesang/Violine), Patricia (Keyboard), Arnaud (Gesang), Michi (Gitarre), Mischa (Drums), Serge (Gitarre) und Wigi (Bass) – gehen hochmotiviert ans Werk. Die intensive Vorbereitung auf diesen letzten Akt zahlt sich definitiv aus. Von «bösem Blut» zwischen den einzelnen Protagonisten fehlt jede Spur. Keine Ahnung, wer da im Vorfeld wieder solche Gerüchte verbreitet hat. Die Gruppe steht als geschlossene Einheit auf der Bühne und agiert mit Spielfreude. Diese überragende Leistung bringt wahrscheinlich nicht nur meine Wenigkeit ins Grübeln. In solch einer ausgezeichneten Verfassung müssten die Innerschweizer eigentlich strenggenommen weitermachen. Andererseits soll man bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist, oder? Des Weiteren haben wir heutzutage im Metal- und Rock-Bereich ja des Öfteren gelernt, dass ein Abschied selten endgültig sein muss.

Gewisse Show-Elemente dürfen ebenfalls nicht fehlen. Im Falle der Luzerner sind das ehemalige Mitstreiter, die für ein paar Songs aus der Versenkung geholt werden. Dazu gehört unter anderem Gitarrist Alexandre Hiltmann, der durch seine verführerischen Raubkatzen-Leggins umgehend zum Blickfang mutiert. Arnaud lobt den Welschen für seine damaligen Dienste, denn schliesslich sei er für Proben stets von Vevey nach Luzern gepilgert – chapeau!

Das Publikum ist mit vollem Elan bei der Sache und sorgt für eine Weltklasse-Stimmung. Das scheint die Akteure gleich noch mehr zu beflügeln. Sie erwischen alle in Tat und Wahrheit einen sackstarken Abend. Noras Gesang überzeugt vollends und bildet den perfekten Kontrast zur aggressiven Stimme ihres Kollegen. Im Zugaben-Block wird dann mit «Lichtfänger» und «Echo» wahrhaftig die Kirsche auf der Torte platziert. Danach ist es vollbracht. Auf der Bühne fliessen teilweise die Tränen und in den Reihen der Zuhörerschaft erblickt man ebenfalls das eine oder andere feuchte Augenpaar. Zu den Klängen von Totos «Africa» posieren unsere sieben Helden für ihr allerletztes Schlussbild. Trotz des traurigen Anlasses wird auf der Aftershow-Fete gewiss Vollgas gegeben werden. Wir entscheiden uns für einen Abstecher an den Merch-Stand, denn es muss unbedingt noch ein Abinchova-Shirt für die private Sammlung her – ein Erinnerungsstück an einen fantastischen Abend.

Das Fanzit

Merci Abinchova! So tritt man ab. Das war eine rundum grandiose Darbietung, die allen Anwesenden (darunter übrigens einige Musikerkollegen wie beispielsweise Infinitas) äusserst viel Freude bereitet hat. Den einzelnen Mitgliedern wird man eines Tages sicherlich wieder begegnen – sei es in einer neuen Kapelle oder eventuell sogar im Rahmen einer Abinchova-Reunion – wer weiss? Lob verdient übrigens abschliessend auch die Schüür-Crew. Die Soundqualität war erneut erste Sahne – und zwar bei beiden Auftritten.

Setlist – Axxelerator

  1. Violent Crowd
  2. Mind Control
  3. Signs Of The Idol
  4. LWNN
  5. immortality
  6. Heads Or Tails
  7. Knochenmühle
  8. Speedcrew

Setlist – Abinchova

  1. Intro
  2. Handgeschrieben
  3. Wandlung
  4. Schatzhüter
  5. Vom Grünen Grund
  6. Sturmgeweiht
  7. Felsenfrass
  8. Eule
  9. Wegweiser
  10. Hundert Raben
  11. Weltenwanderer
  12. Gewässerdieb
  13. Liedermacher
  14. Sennenpuppe
  15. Lichtfänger*
  16. Echo*

*Zugabe

Fotos Abinchova, Axxelerator – Schüür 2020 (Friedemann)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 25.01.2020
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