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Clive Nolan - Song Of The Wildlands (Cover Artwork)
Fr, 14. Mai 2021

Clive Nolan – Song Of The Wildlands

Folk, Folk Rock, Progressive Rock, Symphonic
14.05.2021
Clive Nolan - Song Of The Wildlands (Cover Artwork)

Beowulfs Erbe

Bombast ist in – mehr Gastmusiker, mehr Epicness, mehr von allem. Der diplomierte britische Komponist und Keyboarder Clive Nolan lässt sich da nicht lumpen und präsentiert mit „Song Of The Wildlands“ einen Longplayer, dessen Ansatz man getrost als ehrgeizig bezeichnen kann – und der zu fesseln vermag, wenn auch nicht unbedingt auf Anhieb.

Eigentlich wollte der gute Clive ja nur ausloten, ob die Umsetzung des angelsächsischen Werkes „Beowulf“ – eines der wichtigsten Epen alt-englischer Literatur – möglich sei. Doch schon bald wurde aus dem „Proof Of Concept“ eine internationale Zusammenarbeit, bei der mitunter die Stimmen von über 200 Chorsängerinnen und -sängern zu vernehmen sind, die das Werk während des Lockdowns im Frühjahr 2020 an Orten auf der ganzen Welt eingesungen haben. Wobei – bevor wir uns dem musikalischen Teil zuwenden, vorab ein paar Zeilen zur zugrunde liegenden Geschichte des Albums…

Metalinside lesen bildet!

Die Hauptfigur des vermutlich um das Jahr 700 im Königreich Mercien (Mittelengland) entstandenen Heldenepos ist Beowulf, welcher zusammen mit 14 Gefährten nach Dänemark aufbricht, um dem dortigen König Hrothgar beizustehen – dessen Hof wird nämlich vom riesenhaften, menschenverschlingenden Ungeheuer Grendel terrorisiert. Im Kampf reisst Beowulf dem Bösewicht den Arm aus und jagt das Monster zurück in dessen Versteck im Moor, wo es schliesslich stirbt. Als Grendels Mutter entsetzliche Rache an den Dänen nimmt, eilt Beowulf erneut zu Hilfe, dringt in das Unterwasserversteck der Vergeltung übenden Mutter ein und tötet sie. Unser Held wird gefeiert, Jubel, Trubel, man kennt das ja.

Zeitsprung – viele Jahre später. Beowulf, nun selbst König der Gauten (Geatas) und Erbe des dänischen Reiches, sieht sich einem feuerspeienden Drachen gegenüber, der sein Land zu verwüsten droht. Grund: Ihm (also dem Drachen) wurde der Goldschatz (Hort) aus einem Grabhügel gestohlen (wer nun auch an „Der Hobbit“ denkt, Hand hoch). Ein erstes Gefecht gegen das Ungetüm scheitert, woraufhin sich Beowulf entscheidet, dem Lindwurm in dessen Versteck in Earnanæs zu folgen. Zwar gelingt es unserem Helden, die Bestie zu erschlagen, im Kampf wird er jedoch selbst tödlich verwundet und – grosses Finale – in einem Grabhügel in der Nähe des Meeres beigesetzt.

Das englische Nationalepos verbindet archaisch-heidnische mit christlichen Elementen – der Autor des Werkes ist indes unbekannt.

Ein epischer Soundtrack

Clive Nolans Interpretation des definitiv nicht trivialen Stoffes lässt sich wohl am ehesten als eine Art Schmelztiegel aus Musical, Rock Oper und Film-Soundtrack, gespickt mit Hörbuchcharme einordnen, wobei die rockigen Anteile zugunsten der orchestralen und choralen Parts eher in den Hintergrund treten. Einzelne Titel hervorzuheben ist irgendwie müssig, versteht sich „Song Of The Wildlands“ doch zurecht als Gesamtkunstwerk, in welchem sich die Form dem Inhalt unterzuordnen hat.

Nebst dem Keyboard (man erinnert sich, Nolans primäres Arbeitsgerät) dominieren symphonische Passagen ebenso wie traditionelle, orchestrale Instrumente (Nyckelharfe, Psalmodikon, Leier etc.), unterlegt von einem beträchtlichen Percussion-Setting. Dieses Potpourri an Einflüssen, welche nebst klassischen Strukturen und rockigen Elementen auch Folk-Rock umfasst, wird Promo-technisch als „Wikinger-Musik“ feilgeboten. Ob dieser Terminus passt, möge jede/r für sich selbst entscheiden (für mich ist Wikinger-Sound sehr stark mit dem Intro zu „Wickie und die starken Männer“ verwoben… wer damals Kind war, wird’s verstehen), anregend ist die damit erschaffene Klangwelt aber allemal.

Um das Ganze auch erzähltechnisch authentisch umzusetzen, wurden zudem die altenglischen Lyrics des Chors von Professor Christopher Monk, einem historischen Berater mit Schwerpunkt auf der Mittelalter-Kultur Englands, übersetzt.

Veröffentlicht wird das Album von Crime Records & WLRM in Norwegen und ist nebst den gängigen Digital- und CD-Versionen auch als Earbook (2xCD, DVD & Blu-ray), Doppel-LP (Gatefold 2xLP; schwarzes Vinyl) sowie einer wirklich schicken, limitierten roten Doppel-LP – Variante zu haben (ebenfalls Gatefold).

Das Fanzit Clive Nolan – Song Of The Wildlands

„Song Of The Wildlands“ von Clive Nolan ist mal wieder eines dieser Alben, denen man Zeit geben – und wohl auch in der richtigen Stimmung sein – muss, damit das Dargebotene sich gebührend entfalten kann. Zum einen ist die musikalisch in Szene gesetzte Geschichte von Beowulf – gemessen an den üblichen Metal-Massstäben – eine eher unaufgeregte Kiste, die nie wirklich die Nackenmuskulatur fordert. Beschäftigt man sich jedoch eingehender mit dem Werk und lässt das Gesamtkonzept auf sich wirken, so ist „Song Of The Wildlands“ halt doch irgendwie ein cooles Ding, das zu fesseln vermag…

Wem Sabatons „History Edition“ zu „The Great War“ mit seinen gesprochenen Intros schon auf den Zeiger ging, dürfte mit dieser Scheibe nicht sonderlich glücklich werden – bei „Song Of The Wildlands“ weisen die Erzählanteile einen wahrlich epischen Umfang auf. Wer aber gerne mal über den stählernen Tellerrand schielt, mit der oben genannten Mischung an Musikstilen etwas anzufangen weiss und eine gewisse Eingewöhnungszeit nicht scheut, solle jedoch mal ein Ohr riskieren.

Anspieltipps gibt es für einmal keine (siehe Text).

Trackliste Clive Nolan – Song Of The Wildlands

  1. The Story Begins
  2. There’s a Threat
  3. Crossing the Ocean
  4. Beowulf’s Promise
  5. Grendel Attacks
  6. Celebration
  7. The Hag’s Revenge
  8. Journey
  9. Underwater Cavern
  10. Rewards
  11. Beowulf, the King
  12. Dragon Fire
  13. The Warrior Dies
  14. Funeral Pyre
  15. The Story Ends

Line Up – Clive Nolan

  • Clive Nolan – Orchestration, keyboards, and programming
  • Vicki Swan – Nyckelharpa
  • Mark Westwood – Electric Guitar
  • Stig Andre Clason – Acoustic Guitar
  • Arnfinn Isaksen – Bass Guitar
  • Scott Higham – Drums
  • Geir Johansen – Extra Percussion
  • Birgitte Njå – Lur
  • Morten Clason – Flute
  • Ross Andrews – Narrator
  • Ryan Morgan – Vocals (Beowulf)
  • Christina Booth – Vocals (Tyra)
  • Gemma Ashley – Vocals (Solveig)
  • Natalie Barnett – Vocals (Freja)
  • Ensemble Anonym – Plainchant
  • The „Wildland Warriors Choir“ – Choir

 

Video Clive Nolan – Dragon Fire (Official Lyric Video)


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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14.05.2021