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Symphony X – The Divine Wings Of Tragedy (Cover-Artwork)
Mi, 13. November 1996

AUSGEGRABEN: Symphony X – The Divine Wings Of Tragedy

Epic Metal, Power Metal, Progressive Metal, Symphonic Metal
05.11.2026
Symphony X – The Divine Wings Of Tragedy (Cover-Artwork)

Zwischen sakraler Eleganz und Urgewalt

Symphony X schufen vor 30 Jahren mit «The Divine Wings Of Tragedy» ein Kunstwerk, dessen Strahlkraft bis heute ungebrochen ist.

Neoklassische Gitarrenakrobatik, orchestrale Eleganz und Power Metal mit ordentlich Pepp verschmelzen zu einem monumentalen Ganzen. Ein wegweisendes Stück Metalgeschichte, das den Epic und Symphonic Power Metal mitprägte und technische Virtuosität mit einem ausgeprägten Gespür für grosse Melodien und episches Songwriting verbindet.

Eigenständig statt abgekupfert

Progressive Metal hat sich ohne grossen Lärm entwickelt. Unterdessen sind Dream Theater längst auch ausserhalb der Metalszene ein Begriff. Doch die Prog-Götter aus New York sind nicht allein: Während Pioniere wie Queensrÿche und Fates Warning den Weg für anspruchsvollen Metal ebneten, haben sich Bands etabliert, die aus ihren Einflüssen eine eigenständige musikalische Sprache entwickelten. Zu den grössten Mitstreitern auf Augenhöhe zählen Symphony X.

Während Dream Theater vorwiegend mit Siebziger-Prog und Jazzeinflüssen experimentieren, setzen Symphony X auf neoklassische Finesse und brachiale Riffgewalt. «The Divine Wings of Tragedy» bringt diese Mischung perfekt auf den Punkt. Es zeigt eindrücklich, wie sich progressive Komplexität mit der ursprünglichen Direktheit des Power Metal verflechten lässt. Zugleich gehört das Werk zu jenen Veröffentlichungen, deren episches Songwriting und pointiert eingesetzte orchestrale Akzente wichtige Impulse für den Epic und Symphonic Power Metal lieferten.

Virtuosität mit Biss

Schon die ersten Takte von ‹Of Sins And Shadows› machen klar, wo der Hammer hängt. Michael Romeo fegt über die Saiten, als hätte Yngwie Malmsteen persönlich seine Finger im Spiel. Doch während der schwedische Gitarrenhexer vor allem die neoklassische Gitarrenkunst zelebriert, verbindet Romeo seine rasanten Läufe mit messerscharfen Riffs und einer gehörigen Portion Heavyness. Seine Soli strotzen vor technischer Brillanz, ohne zum blossen Selbstzweck zu verkommen. Hier treffen furiose Fingerfertigkeit und musikalisches Gespür auf ordentlich metallischen Punch. Romeo zählt nicht ohne Grund zu den ganz Grossen seines Fachs.

Die Rhythmussektion um Jason Rullo (Drums) und Thomas Miller (Bass) rollt den Teppich geradezu feudal aus – ein Fundament, das selbst bei vertrackten Taktwechseln souverän standhält und für ordentlich Druck sorgt. Auch Michael Pinnella versteht es, sein Instrument punktgenau einzusetzen: Seine Keyboards setzen atmosphärische Akzente, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu drängen. Weniger ist eben manchmal mehr – eine Erkenntnis, die sich im Prog Metal, insbesondere aber im Symphonic Power Metal, offenbar noch nicht überall herumgesprochen hat.

Und dann wäre da noch Russell Allen. Mit seiner Mischung aus rauer Kraft, Aggressivität und melodischem Feingefühl verleiht er dem Sound von Symphony X den letzten Schliff. Er kann donnern, ohne in unkontrolliertes Geblöke abzudriften, und hymnische Melodien singen, ohne auch nur ansatzweise zahm zu wirken. Seine Stimme bildet das perfekte Gegenstück zur instrumentalen Klasse der Band und macht den Gesamtsound erst komplett.

Ein Monument des Songwritings

Natürlich könnte man nun jedes Stück einzeln auseinandernehmen, aber das würde den Rahmen sprengen. Eine Ausnahme muss dennoch sein: der knapp 21-minütige Titelsong ‹The Divine Wings Of Tragedy›.

Das Stück ist weit mehr als eine Aneinanderreihung technischer Kabinettstückchen. Majestätische Passagen treffen auf donnernde Riffs, filigrane Instrumentalparts auf hymnische Melodien. Symphony X verstehen es, Spannung in grossen Bögen aufzubauen und die zahlreichen Wendungen zu einem stimmigen Ganzen zusammenzuführen. Klassische Erhabenheit und metallische Härte verschmelzen zu einem epischen Werk, das trotz seiner Länge nie den roten Faden verliert.

Was im Titelsong im monumentalen Format zelebriert wird, findet sich auch in den kürzeren Nummern wieder: klassische Einflüsse als selbstverständlicher Bestandteil des Sounds, anspruchsvolle Arrangements ohne verkopfte Selbstverliebtheit und Melodien, die sich festsetzen, ohne in Kitsch abzudriften.

Ein Erbe, das nachhallt

Dreissig Jahre sind im Metal eine kleine Ewigkeit. Trends kommen und gehen, Subgenres werden geboren und wieder begraben. «The Divine Wings Of Tragedy» hingegen hat nichts von seiner Strahlkraft eingebüsst. Wie weitreichend der Einfluss des Albums ist, zeigen Szenegrössen wie Kamelot, Epica und Myrath, die sich allesamt von Symphony X inspirieren liessen. Unzählige weitere Bands griffen diese Mischung aus epischen Arrangements, orchestraler Klangfülle und metallischer Kompromisslosigkeit auf und entwickelten daraus ihre eigene Rezeptur. Doch die kompositorische Klasse des Originals bleibt bis heute eine selten erreichte Messlatte – selbst für Symphony X, die aber mit «Paradise Lost» (2007) und ihrem darin weiterentwickelten Sound ebenbürtig nachlegten.

Das Fanzit zu Symphony X – The Divine Wings Of Tragedy

Ein Meisterwerk? Ohne Wenn und Aber. «The Divine Wings Of Tragedy» ist ein Album für die Ewigkeit und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass grosse Musik keine Verfallsfrist kennt. Wer Prog Metal liebt, kommt an diesem Werk ohnehin nicht vorbei. Alle anderen sollten das Jubiläum zum Anlass nehmen, diesen Klassiker (wieder) für sich zu entdecken.

Reinhören und CD/Vinyl portofrei bestellen

Die Tracklist – Symphony X – The Divine Wings Of Tragedy

  1. Of Sins And Shadows
  2. Sea Of Lies
  3. Out Of The Ashes
  4. The Accolade
  5. Pharaoh
  6. The Eyes Of Medusa
  7. The Witching Hour
  8. The Divine Wings Of Tragedy
        1. Part I: At The Four Corners Of Earth
        2. Part II: In The Room Of Thrones
        3. Part III: A Gathering Of Angels
        4. Part IV: The Wrath Divine
        5. Part V: The Prophet’s Cry
        6. Part VI: Bringer Of The Apocalypse
        7. Part VII: Paradise Regained
  9. Candlelight Fantasia

Das Line-up Symphony X

  • Russell Allen – Vocals
  • Michael Romeo – Guitars
  • Michael Pinnella – Keyboards
  • Thomas Miller – Bass
  • Jason Rullo – Drums

Video Symphony X – The Divine Wings of Tragedy


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 10/10



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05.11.2026
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