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Power Paladin - With The Magic Of Windfyre Steel (Cover Artwork)
Fr, 7. Januar 2022

Power Paladin – With The Magic Of Windfyre Steel

Power Metal
02.01.2022
Power Paladin - With The Magic Of Windfyre Steel (Cover Artwork)

Wie ein Lavafeld in dunkler Nacht

Power Metal ist per se ein ziemlich abgelutschter Drops, und auch Island mit seinen Vulkanen, Geysiren und Lavafeldern dürfte wohl nur bei den Allerwenigsten als Metal-Hochburg durchgehen. Mischt man jedoch diese beiden Komponenten im bestmöglichen Verhältnis, so kann durchaus etwas Magisches entstehen, wie Power Paladin mit ihrem Erstlingswerk „With The Magic Of Windfyre Steel“ zeigen.

Es gibt sie eben doch – diese Bands, welche man so gar nicht auf dem Radar hat, dann einfach aus dem Nichts aufzutauchen scheinen und an denen man richtiggehend kleben bleibt. Wie im Falle der aus dem hohen Norden stammenden Power Paladin. Gegründet wurde das in der Hauptstadt Reykjavík ansässige Sextett im Jahre 2017. Ursprünglich schlicht als „Paladin“ ins Rennen gestiegen, stellte man aus namenstechnischen Gründen noch ein „Power“ voran, was denn auch die zu erwartende Tonwelt ziemlich genau absteckt. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, das bei Metalheads allenfalls für Death- oder Black Metal bekannt sein dürfte, wie die Combo selbst weiss: „Island hat eine wirklich grosse Bandbreite an extremem Metal zu bieten, so dass wir nicht das Gefühl hatten, zu dieser Szene noch gross etwas beitragen zu können. Wieso also nicht das genaue Gegenteil tun?“. Ein Entscheid, welcher der Band zumindest vorderhand eine Marktdurchdringung von 100% sichern dürfte – wie sie auch in unserem Interview ausführen..

Wobei dieses Alleinstellungsmerkmal in heimischen Gefilden bei Weitem nicht das Einzige ist, was diese Truppe so speziell macht. Bereits ihre erste vorab veröffentlichte Single „Righteous Fury“ zeigt exemplarisch, auf was man sich bei der neun Tracks umfassenden Scheibe freuen darf: Treibende Drums, tolle Riffs (inklusive Twin-Soli), eine Rhythmussektion, die ein solides Fundament zu legen weiss, melodische, eingängige und hymnenhafte Melodien, sowie ein souveräner, sehr variabler und perfekt zum Gesamtpaket passender Gesang. Wer Bands wie Helloween, Iron Maiden, Rhapsody oder Hammerfall schätzt, wird dabei vielerorts das eine oder andere Aha-Erlebnis haben. Power Paladin machen aus ihren Einflüssen denn auch keine Mördergrube, sondern mischen diese Essenzen aus ihrer Jugend gekonnt mit vielen eigenen Ideen zu einem energiegeladenen Zaubertrank.

Auf der Suche nach der verschwundenen Ballade

Überhaupt ist es gerade diese Vielfältigkeit im Songwriting, das mich auch beim wiederholten Durchhören dieser Scheibe ein aufs andere Mal von neuem beeindruckt: Vom wild nach vorne losstürmenden „Righteous Fury“ (DragonForce lassen grüssen), über „Way Of Kings“, das mit seinem mittelalterlichen Intro irgendwie an Maidens „Fear Of The Dark“ erinnert, dem nicht nur gesanglich sehr variablen „Creatures Of The Night“, „Ride The Distant Storm“, welches einerseits schnell und bombastisch, aber auch verspielt und mit einem eingängigem Klavierpart plus Tastensolo zu punkten weiss, bis hin zu „Evermore“, das sich im Intro als balladeskes Schmusekätzchen anschleicht, nur um kurz darauf die Krallen rüde auszufahren.

Den Abschluss bilden mit dem munter drauflos galoppierenden „Into The Forbidden Forest“ (inklusive einem majestätischen Orchesterarrangement im Mittelteil, welches auch in einem Film eine gute Falle machen würde) und dem mit einer wunderschönen Pianoeinlage beginnenden „There Can Be Only One“ zwei der wohl besten Songs der Platte, auch wenn eine solche Klassifizierung aufgrund der durchgängig hohen Qualität des Songmaterials eigentlich belanglos ist. Einzig eine Ballade wird man auf „With The Magic Of Windfyre Steel“ vergebens suchen. Dass die Mannen rund um Shouter Atli Guðlaugsson auch diese Herausforderung bravourös meistern würden, daran zweifle ich keine Sekunde. Aber irgendwie muss man ja auch für kommende Werke noch die eine oder andere Überraschung in der Hinterhand haben…

Drachen, Magier, Schlösser – und Zelda

Textlich bedienen sich Power Paladin so ziemlich jedes Klischees, das überhaupt in Fantasy-Texten verwendet werden kann – Drachen, Magier, Schlösser, Zauberer, es ist alles da. Allerdings tun es die Isländer mit einem solchen Selbstverständnis, einer solchen Überzeugung, dass es weder aufgesetzt noch erzwungen wirkt. Hier scheint die Vorliebe der Gruppe für Fantasy-Spiele und Büchern von Autoren wie Brandon Sanderson und Joe Abercrombie nur allzu offensichtlich durch (und wer beim Gitarrensolo in „Righteous Fury“ etwas genauer hinhört, wird darin vielleicht die Titelmelodie der Überspielereihe „Zelda“ wiedererkennen – ein Faible, die sich auch zu Beginn des Video-Clips zu „Kraven The Hunter“ niederschlägt – ich sag nur „Link“).

Entsprechend wurde denn auch das abenteuerliche Artwork des Albums von dieser Thematik inspiriert und durch James Child (Astral Clock Tower Studios) bildgewaltig-verspielt in Szene gesetzt. Für die Produktion von „With The Magic Of Windfyre Steel“ zeichnet die Band gleich selbst verantwortlich, gemischt wurde das Ganze von Haukur Hannes in den Mastertape Studios, gemastert von Frank de Jong im Hal5 Studio.

Das Fanzit Power Paladin – With The Magic Of Windfyre Steel

Wer powergeladenen Metal voller Spielfreude und abwechslungsreichem Songwriting mag, kann mit dem Debut „With The Magic Of Windfyre Steel“ von Power Paladin eigentlich nichts verkehrt machen. Die Einflüsse von Genregrössen wie Iron Maiden, Helloween, Rhapsody oder Hammerfall dringen zwar allenthalben durch, wirken aber zu keiner Zeit übermächtig oder gar plump, sondern werden äusserst geschickt in die eigene Klangwelt integriert. Ein wirklich tolles Debutalbum der Isländer, das bereits jetzt die Vorfreude auf kommende (Metal)-Abenteuer weckt!

Anspieltipps: Righteous Fury, Dark Crystal, Into The Forbidden Forest, There Can Be Only One

Ab Release reinhören und Digipak/Vinyl portofrei bestellen

Trackliste Power Paladin – With The Magic Of Windfyre Steel

  1. Kraven The Hunter
  2. Righteous Fury
  3. Evermore
  4. Dark Crystal
  5. Way Of Kings
  6. Ride The Distant Storm
  7. Creatures Of The Night
  8. Into The Forbidden Forest
  9. There Can Be Only One

Line Up – Power Paladin

  • Ingi Þórisson | guitars
  • Atli Guðlaugsson | vocals
  • Bjarni Egill Ögmundsson | keys
  • Einar Karl Júlíusson | drums
  • Bjarni Þór Jóhannsson | guitars
  • Kristleifur Þorsteinsson | bass

 

Video Power Paladin – Righteous Fury


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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02.01.2022
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