SWORD - III (Cover Artwork)
Fr, 25. November 2022

Sword – III

Heavy Metal
19.12.2022
SWORD - III (Cover Artwork)

WAS LANGE WÄHRT …

Ursprünglich als Tribute Band von Kiss gegründet, dürfte Sword aus Québec der jüngeren Metallergemeinde wohl kaum ein Begriff sein. Hingegen werden dem einen und anderen der älteren Garde ihre beiden Alben aus den 80ern noch wohltuend in den Ohren hängen.

Vor allem «Metalized» (1986) hat in all den Jahren und Jahrzehnten echten Kultstatus angenommen und darf mit zu den besten Metal-Debutalben aller Zeiten gezählt werden. Trotzdem bleibt es für das kanadische Quartett ein Ding der Unmöglichkeit, sich selbst mit dem starken Nachfolgealbum «Sweet Dreams» (1988) über Wasser zu halten. So geht das Schwert unter und die Band löst sich 1995 stillschweigend auf. Songs wie ‹Stoned Again›, ‹Evil Spell› oder ‹F.T.W.› werden zur nostalgischen Erinnerung.

Doch 16 Jahre später wird das Schwert wieder aus dem Wasser gezogen. Mittlerweile im digitalen Zeitalter angekommen, staunt die Band über ihre Resonanz in den sozialen Medien. Es folgen vereinzelte Comeback-Konzerte in der eigenen Heimat vor frenetisch feierndem Publikum. 2012 winkt am «Keep it True» Festival sogar die Rückkehr auf europäischen Boden, wo sich das Quartett in Originalbesetzung in guter Spiellaune präsentiert und einen beeindruckenden Auftritt hinterlässt. Sword ist wieder in aller Munde und die treue Fangemeinde wünscht sich insgeheim das, worauf man seit 1988 wartet: das dritte Album. Allerdings bleibt es vorerst bei einer Best-of-Compilation der beiden ersten Alben, die mit drei bisher unveröffentlichten Songs bestückt ist. Genau genommen ist nur einer davon neu, die beiden anderen Songs sind alternative Versionen von bestehendem Material.

Vier Jahre bleibt es wieder mehrheitlich still. Das nächste Lebenszeichen folgt mit «Live Hammersmith» (2016), einem Livemitschnitt aus der UK-Tour von 1987 als Vorband von Motörhead. Und erst knapp ein Jahr später folgen wieder Auftritte in Kanada und Deutschland, bevor dann die Pandemie weitere Pläne vereitelt. Doch im November 2020 wird dem langen Warten endlich ein vorübergehendes Ende gesetzt: Mit der Single ‹(I Am) In Kommand› geben die gut gealterten, aber immer noch frisch wirkenden Herren einen kleinen Vorgeschmack auf die dritte Langrille. Deren pandemiebedingte Veröffentlichungsverzögerung hinterlässt zwar entsprechenden Frust, andererseits gibt es einem die Möglichkeit, sich auf das neue (vorerst wenige) Material einzulassen. Denn auch wenn die Band nach eigener Aussage alte Demos ausgegraben hat und sich davon inspirieren liess, heisst das noch lange nicht, dass die neuen Songs ein Plagiat der ersten beiden Alben sein müssen.

… wird endlich gut

Erst ganze zwei Jahre später präsentiert sich «III» mit nur acht Songs für heutige Verhältnisse sehr mager, lehnt sich aber augenzwinkernd an die Vinylzeiten der 80er an, wo die Spieldauer einer Metal-LP durchschnittlich irgendwo zwischen 35 und 50 Minuten beträgt. Glücklicherweise versetzt nicht nur die Spielzeit den heute akustisch überreizten Zuhörer in die 80er, sondern auch das darauf enthaltene Material.

So kündigt sich ‹Bad Blood› aus einem kurzen Intro heraus wie Blitz und Donner an und heizt ohne Umschweife den langersehnten Nachfolger von «Sweet Dreams» ein. War beim Vorgänger der Ersteindruck nach dem Überwerk «Metalized» ernüchternd, so hat man hier den geneigten Zuhörer sofort in der Tasche: Mit pumpendem Bass und tight gespielten Drums rollen Mike Larock und Dan Hughes schon mal den Teppich aus, um das Rampenlicht den schmissigen Gitarrensalven von Mike Plant und dem brillierenden Stimmorgan von Rick Hughes zu überlassen. Ganz egal, was man 34 Jahre nach dem letzten Studioalbum von Sword für realistische Erwartungen hat – dieser Opener ist definitiv ein Winner! Damit ist der Übergang zum bereits angestreiften ‹(I Am) In Kommand› perfekt gewählt. Wie aus einem Guss fliesst alles zusammen, was Sword seit jeher diesen unerklärlichen und kultigen Soundcharme verleiht.

Auch mit ‹Dirty Pig› weicht Kanadas Antwort auf den kernigen US Metal nicht vom eingeschlagenen Pfad ab, selbst wenn man hier etwas heavier und grooviger zu Werke geht. Eine Entwicklung, die ihnen gut zu Gesichte steht und im anschliessenden ‹Unleashing Hell› nachgedoppelt wird. ‹Spread The Pain› ist dann wieder ein Straight-Forward-Rocker der typischen Sword-Marke, bei dem einmal mehr Plants Gitarrenkünste hervorstechen – total lässig und spielfreudig von der Hand gezockt.

Für Verwirrung sorgt dann aber ‹Took My Chances›. Schleppend und mit unverkennbarer Dio-Hommage sowie einem stilbrechenden Tempowechsel im Mittelteil fühlt sich der zweitletzte Song wie ein Fremdkörper an. Mit jedem Durchgang gewöhnt man sich zwar daran, aber wirklich wachsen will der Song nicht. Oder noch nicht. Doch mit dem abschliessenden ‹Not Me, No Way› wartet eine Abreissbirne auf, die das Album wieder auflockert und würdig abrundet.

Das Fanzit Sword – III

Wenn man sich nach drei Jahrzehnten kreativer Pause nochmals in den Sattel setzt, beweist das schon mal grossen Mut. Der Metalsektor hat unterdessen grosse Entwicklungen und Veränderungen zu verzeichnen und alles, was damals hip und originell war, muss sich im heutigen Genre-Dschungel zurechtfinden und neu beweisen. Doch Sword scheinen davon unbeeindruckt zu sein. Mit den heutigen Vorzügen eines warmen Sounds und einer druckvollen Produktion schmiedet das bodenständige Quartett unbekümmert am eigenen Schwert weiter, als hätten sie nie damit aufgehört.

Somit ist «III» nichts weniger als der natürliche Nachfolger der beiden Vorgängeralben geworden, ohne damit in direkter Konkurrenz zu stehen. Man merkt, dass es nicht das Ziel war, «Sweet Dreams» oder gar «Metalized» in irgendeiner Weise zu kopieren, sondern etwas ganz Eigenes und doch Vertrautes zu kreieren. Und das ist den Kanadiern mehr als nur gelungen. Mit grosser Professionalität, Authentizität und unverkennbarer Spielfreude lässt «III» nicht nur das Sword-Herz höherschlagen, sondern trifft traditionellen Heavy Metal der goldenen 80er-Ära im heutigen Zeitalter genau auf den Punkt. Und das will erstmal geschafft und erreicht sein.

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Trackliste Sword – III

  1. Bad Blood
  2. (I Am) In Kommand
  3. Dirty Pig
  4. Surfacing
  5. Unleashing Hell
  6. Spread The Pain
  7. Took My Chances
  8. Not Me, No Way

Line Up – Sword

  • Rick Hughes – Vocals
  • Mike Plant – Guitars
  • Mike Larock – Bass
  • Dan Hughes – Drums

Video Sword – (I Am) In Kommand: 


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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19.12.2022
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