Do, 10. September 2026

Black Stone Cherry, 10 Years

LKA Longhorn (Stuttgart, DE)
Gast 20.09.2026

Starker Support und ein noch stärkerer Headliner

Zeit zum Feiern – «The Celebrate Tour» bringt Black Stone Cherry in ihrem 25. Jubiläumsjahr ins LKA Longhorn nach Stuttgart. Als Special Guest mit am Start: 10 Years, die den Donnerstagabend eröffnen und gleich zeigen, wo der Hammer hängt.

Willkommen in Stuttgart – pünktlich ankommen und dann trotzdem im Stress? Lysanne (heute Abend an der Kamera) und ich schaffen es trotz langer Parkplatzsuche doch noch rechtzeitig zum LKA Longhorn.

10 Years

Was diese fünf Musiker um Schlag 20 Uhr hier auf die Bühne bringen, ist pure Energie. Ein kraftvoller Progressive Metal-Sound gepaart mit starken, abwechslungsreichen Kompositionen – besser kann ein Konzertabend nicht starten. Die sehr abwechslungsreichen Songs laden einerseits zum Abgehen ein, aber auch die ruhigeren Songs haben einen ganz eigenen Charme. Letztere sind so geschickt komponiert, dass man fast in eine Art Trance verfällt und sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann als die eindringliche Stimme von Frontmann Jesse Hasek. Besagte Stimme kommt mir ziemlich schnell sehr vertraut vor, vermutlich weil sie mich sehr an Jared Leto erinnert. Nicht unbedingt wegen der ähnlichen Klangfarbe, sondern mehr die Mischung aus langgezogenen Wörtern und Oktavsprüngen sind hier ausschlaggebend.

Die Songs bauen viel Spannung auf, oftmals durch Halftime-Rhythmen und sehr tighte Breaks, welche sich dann aber gnadenlos in den Refrains entlädt und keinen der fast 1200 Zuschauern stillstehen lässt. Nach einer halben Stunde ist die erste Runde gelaufen und das Publikum hat sich schon die erste Pause verdient, welche angesichts der dargebotenen Power auch mehr als nötig ist.

Black Stone Cherry

Die Glocken ertönen um 21 Uhr. Keine geringeren Glocken als die «Hells Bells», welche die Vorfreude förmlich spürbar machen. Das Publikum empfängt die vier Musiker mit tosendem Applaus und wird dafür direkt mit dem Song «Me And Mary Jane» belohnt. Im Gegensatz zu den harten schweren Riffs geht es auf der Bühne alles andere als schwerfällig zu. Allen voran Ben Wells an der Gitarre, der zusammen mit Bassist Steve Jewell in jeder Ecke der Bühne unterwegs ist. Es besteht sofort eine Verbindung zum Publikum. Was dann folgt sind fast anderthalb Stunden feinster Southern Rock ‘n’ Roll von den vier Herren aus Kentucky. Präzise Drumrolls werden noch und nöcher von Drummer John Fred Young abgefeuert und lassen mein Schlagzeugerherz höherschlagen. So viel Energie, Leidenschaft und gleichzeitig eine makellose Präzision zu kombinieren und ans Drumset zu bringen, fordert aber auch seinen Tribut. Die Drumtechs sind bei diesem Gig immer wieder gefragt, um diverse Hardware nachzujustieren und wieder an Ort und Stelle zurückzubringen. Während Sänger und Gitarrist Chris Robertson prominent die Mitte der Bühne einnimmt, nehmen Gitarrist Ben Wells und Bassist Steve Jewell den Rest der Bühne für Ihre actionreiche Performance in Anspruch, jedoch ohne die Aufmerksamkeit des Publikums unnötigerweise auf sich zu lenken. Genau die richtige Mischung für die Bühnengrösse des LKA Longhorn.

Nach circa der Hälfte des Konzertes geht es kurz etwas ruhiger zu. Im einsamen Spotlight performt Frontmann Chris zusammen mit einem gewaltigen Chor des Publikums «Things My Father Said». Die gefühlvolle Ballade gepaart mit der rauen unverwechselbaren Stimme geht definitiv unter die Haut. 

Wer jetzt denkt, es gäbe eine kurze Verschnaufpause, hat sich gewaltig geirrt. Ein gewaltiges Drumsolo läutet die zweite Runde des Konzertes ein. Auch wer nicht viel vom Schlagwerk versteht, hat spätestens jetzt gemerkt, was da für eine Maschine an den Drums sitzt. Unter Einsatz des Publikums als Metronom zeigt John Fred Young seine Künste am Schlagzeug. Einhändige Fills, die für Amateur-Drummer mit beiden Händen kaum spielbar sind, gefolgt von leisen mit harten Akzenten durchsetzen Floor-Tom-Passagen machen dieses mehrminütige Solo zu einer sehr kurzweiligen Einlage, ich als Schlagzeuger ziehe meinen Hut. 

Gegen Ende des Konzertes steigt die Stimmung gewaltig an, als Titel wie «White Thrash Millionaire» und «Blame It On The Boom Boom» vom mittlerweile fünfzehn Jahre alten Album «Between The Devil & The Deep Blue Sea» gespielt werden. Nach dem letzten offiziellen Song, «Lonely Train», bei dem Bassist Steve Jewell an die Gitarre wechselt und unter Beweis stellt, dass er mindestens genauso gut mit sechs Seiten umgehen kann wie mit vier, verabschiedet sich die Band mit der gefühlvollen Hymne «Peace Is Free». Ein letztes Mal erleuchtet das LKA Longhorn zu einem Lichtermeer aus Feuerzeugen und Sänger Chris Robertson beweist erneut seine gesangliche Spitzenklasse. 

Das Fanzit – Black Stone Cherry, 10 Years

10 Years haben mich mehr als überzeugt und hätten meiner Meinung nach mehr Spielzeit als dreissig Minuten vertragen. Macht dafür aber Lust auf mehr und das hat man an diesem Abend bekommen. Knapp anderthalb Stunden Show von Black Stone Cherry spürt der ein oder andere Gast garantiert am nächsten Morgen in den Knochen. Musikalische Spitzenklasse, actionreiche Bühnenshow und erstklassiger Sound, was will man mehr?

Ein rundum gelungener Konzertabend mit zwei herausragenden Bands, bei welcher 10 Years auf keinen Fall als durchschnittlicher Support Act abzustempeln sind, sondern die Bezeichnung «Special Guest» mehr als verdient haben.

Text: Johannes Schirmer
Fotos: Lysanne

Die Fotos – Black Stone Cherry, 10 Years


Wie fandet ihr das Konzert?

Gast 20.09.2026
Weitere Beiträge von

10 Years, Black Stone Cherry