Do–Sa, 8.–10. Juni 2017

Greenfield Festival 2017 – Green Day, In Flames, Eluveitie u.v.m.

Flugplatz Interlaken (Interlaken, CH)
/ / 21.06.2017

Die schwitzenden Werwölfe von Interlaken

Nathalie: Wie endet ein geiles Greenfield? Zum Beispiel damit, dass sich zwei nach der Verpflegung in der Raststätte fragen, wieso der dritte im Bunde nun zum Auto läuft, wenn er doch tanken möchte. Immerhin wusste also ein Fahrer nach drei wilden Tagen, dass ein Auto beim Tanken helfen kann.

Weitere Indizien, dass das Weekend mal wieder gerockt hat, sind: Leere Portemonnaies, Augenringe, etwas Sonnenbrand, ein Rucksack voller verschwitzter Klamotten und nassen Badesachen, ein leises Fiepen in den Ohren, Schmerzen in Füssen sowie Rücken und vor allem ein Krampf im Kiefer vom vielen Lachen.

Mehr Sicherheit – weniger Klos

Das  Greenfield begann mit der erhöhten Sicherheitskontrolle. Schon vor der Abreise Richtung Interlaken machten wir den Check: Sind die Zeltstangen dieses Mal mit dabei? Hat kein Schlumpf sein Ticket zu Hause liegen gelassen? Wir waren so gut durchgecheckt, dass wir die Sicherheitskontrolle, welche übrigens kaum stärker war als an den vergangenen Ausgaben, locker hätten auslassen  können. Die Veranstalter meinten in der Pressemitteilung, dass das angepasste Sicherheitskonzept zu etwas längeren Wartezeiten geführt hätte. Ich glaube, sie haben das mit der Wartezeit vor den Klos, welche dieses Jahr echt extrem spärlich vorhanden waren, verwechselt. Gerade in der Nähe des Haupteingangs fehlten definitiv welche. Das nächste Mal bringen wir einen 3-D Drucker mit und drucken uns eine eigene Pipibox!

66‘000 Wolfsmenschen

Nathalie: Abgesehen von zu wenig Toi Tois lief mit den über 66‘000 Besuchern aber alles rund. Eine angenehme Besucherzahl, bei der man sich gut durch die Mengen schlängeln kann und sich als Gruppe immer wieder findet. Mit der 13. Ausgabe des Greenfields hatten wir auch wettertechnisch Glück: Zum ersten Mal wurde das komplette Festival vom Regen verschont und die Besucher konnten unter dem Vollmond ihren Schafspelz ausziehen und bei gutem und leider auch weniger gutem bis fürchterlichem Sound zum Wolfsmensch mutieren.

Domi the Stick: 66‘000, also um die 22‘000 pro Tag, ist zwar keine kleine, aber eine im Vergleich zu Wacken & Co. durchaus angenehme Menge. Was das Greenfield sowieso speziell macht, ist, dass man jede Menge Menschen kennt. Ob ehemalige Klassenkameraden oder gar ehemalige Lehrer, ob Leute von Wacken oder von anderen Greenfields, ob Leute aus der Umgebung oder Leute aus dem Militär… unglaublich, wen man da alles so antreffen kann!

Stimmungsbilder Tag 1 (pam)

Der gute Sound

Nathalie: Aus meiner zugegeben nicht ganz so objektiven Sicht waren In Extremo die Helden des Festivals. Leider spielten sie viel zu früh. Das Set war entsprechend kurz und die Pyroshow war ebenfalls eher aufs Minimum reduziert. Dazu kam noch eine technische Panne zu Beginn der Show. Immerhin war sie schnell behoben und Flex überbrückte mit einer Dudelsackeinlage den Patzer gekonnt, nachdem der Sänger, das Einhorn, nicht so recht wusste, was zu machen ist – ausser äusserst dankbar zwei Stangen Zigis aus dem Publikum entgegen zu nehmen. Die Stimmung auf und vor der Bühne war jedoch grandios und ich glaube, es hätten noch ein paar andere nichts dagegen gehabt, wenn die gut gelaunte Truppe weiter gespielt hätte.  

Fotos In Extremo (Röschu/pam)

 

Nathalie: Zu meinen Favoriten gehörten zudem Five Finger Death Punch. Obwohl ich immer noch der Ansicht bin, dass Ivan Moody definitiv nicht zu den besten Sängern gehört und die Band unsere Anfrage auf ein sommerliches Interview an unserem halb geheimen See nicht angenommen hat, war ich von der Show erneut sehr angetan. Die komplette Band ist sehr authentisch und sympathisch und spielt rein instrumental gesehen live sehr geil.  Die harten Kerle haben zudem alle einen solch freundlichen Blick drauf, dass man die ganze Truppe einfach gerne umarmen möchte. Einige in den ersten Reihen hatten praktisch die Gelegenheit, denn Ivan Moody stieg von der Bühne runter und kam ihnen so ganz nahe.  Er wirkte allgemein sehr publikumsnah und so kam passend der Spruch: Sie sollen das Spotlicht ausmachen. Er sei nicht Axel Rose. Er brauche das nicht.

Domi the Stick: Bezüglich In Extremo kann ich dir absolut zustimmen, Nathalie, sowohl Sound als auch Stimmung waren genial! Ich habe sie doch schon ein paar Mal gesehen, aber weder am Greenfield vor zwei Jahren, noch in Wacken, noch auf der Full Metal Cruise haben sie mich so begeistert wie dieses Wochenende!

In Sachen Five Finger Death Punch muss ich dir aber leider widersprechen. Ich hatte mich sehr auf den Auftritt der Amerikaner gefreut, da sie die letzten beiden Male, an denen ich sie gesehen hatte, eine sehr solide Show abgeliefert hatten. Trotzdem spielte ich von Anfang an mit dem Gedanken, mich Mitte Konzert in Richtung Nebenbühne zu Epica zu verziehen. Da mich 5FDP dann nicht wirklich überzeugten (ihre Performance war sicher nicht schlecht, aber die Stimmung fehlte irgendwie), flüchtete ich nach „Burn MF“ dann tatsächlich zur Mönch Stage, wo Epica eine wirklich geniale Show lieferten.

Fotos Five Finger Death Punch (pam/Röschu)

Betreffend gutem Sound will ich unbedingt noch Powerwolf erwähnen! Vor deren Konzert krochen viele der Greenfield- Werwölfe aus ihren Zelten und füllten den Bereich vor der Jungfrau Stage. Pünktlich begab sich das Rudel um Attila Dorn dann auf die Bühne und hielt ihre heilige Metal-Messe ab. Auch nach meinem elften Powerwolf-Konzert muss ich sagen: Es wird nie langweilig, die Band liefert immer einen sympathischen Auftritt (Attilas Ansagen sind legendär und Falk Marias Stimmungseinlagen unentbehrlich), die Stimmung in der Menge ist genial und gepittet wird sowieso. Meine einzige Frage bleibt: Wieso gab es bei „Let There Be Night“ anfangs einen Circle Pit? (Anm. von pam: Hat Attila selber da nicht zu einem solchen – einfach Rückwärts- aufgerufen? Oder war das bei einem anderen Song? Der Rückwärts-Circle-Pit hat dann übrigens erst beim zweiten Aufruf geklappt) Dass dieser sich dann schlussendlich zu einer dreischichtigen Headbanger-Reihe wandelte, gefiel mir aber extrem! Für mich ganz klar der Top Act des Festivals! Übrigens, der Wolfsgeheul-Weltrekordversuch hätte wohl nach Powerwolf viel besser geklappt als irgendwann sonst…

Fotos Powerwolf (Röschu/pam)

Die Punk Rock Band, die echt überraschte

Nathalie: Zu den drei Top Acts würde ich auch Green Day zählen. Als Headliner des gesamten Festivals lieferten die Kalifornier eine echt bombastische Show. So viel Einsatz habe ich noch selten gesehen. Sänger Billie Joe Armstrong ist ein wahrer Entertainer und er ist der Meinung, dass Rock ‘n Roll die Welt verändern könne. Mit ihm an der Spitze bestimmt. Bei praktisch jedem Song gab es noch eine Zusatzeinlage oder Ansage. So holten sie immer wieder Leute auf die Bühne, um mitzusingen oder mitzuspielen. Ein Mädel aus dem Publikum hatte dabei besonders viel Glück. Obwohl ihre Fähigkeiten, die drei Akkorde auf der Gitarre zu spielen, überhaupt nicht überzeugten und Billie einen weiteren Typen auf die Bühne holen musste – mit der Durchsage: Gebt ihr eine Kuhglocke – schenkte er ihr seine Gitarre. Ein Konzert mit vielen Emotionen. Ein Punk der echt rockt – hätte ich so nicht erwartet.

Domi the Stick: Auch ich war gespannt auf das Konzert des Headliners. Weiss aber im Nachhinein nicht recht, was ich davon halten soll. Die Stimmung war auf jeden Fall da, die Band wirkte sympathisch, die Anti-Trump-Ansagen von Billie Joe Armstrong zeigten die Authentizität der Band und es waren ganz viele Hits auf der Setlist. Trotzdem wurde ich nicht völlig mitgerissen. Ich werde wohl nie an ein Stadionkonzert der Punk Band gehen. Trotzdem waren Green Day ein würdiger Headliner für das diesjährige Greenfield!

Pam: Oh Domi the Stick, unbedingt mal an ein Green Day Konzert gehen. Da geht definitiv mehr ab. Ist halt immer schwieriger bei einem Festival-Publikum als vor seinem «eigenen». Billie Joe – da bin ich voll dabei mit Nathalie – hat wieder einmal gezeigt, dass er der Robbie Williams in Kombination mit Angus Young des Punkrock ist! Der ist einfach nicht tot zu kriegen. Am Schluss bei seiner Solo-Akustik-Einlage mussten ihn seine Bandkumpels praktisch von der Bühne tragen. Ansonsten wäre er wohl jetzt noch am rumwuseln auf der Greenfield-Bühne …

Fotos Green Day (Röschu)

pam: Aber wer als Band definitiv am meisten abging – und das hatte ich so vorher noch selten erlebt – waren die Donots! Wow, in den 15 Minuten die ich mitbekam – nachher musste ich weiter ans Elu – ging es ab auf der Bühne wie eine Ameisenkolonie auf Speed. Die muss ich mir definitiv wieder mal reinziehen. Cool auch die Aktion, als Sänger Ingo in einem Gummiböötli crowd-surfend leere Becher für die «Pfandraising» Aktion von Viva con Agua sammelte. Und zum Abschluss gab’s dann noch «We’re Not Gonna Take It» von Twisted Sister als Cover. Für mich DIE Festivalentdeckung!

Fotos Donots (Röschu/pam)

Und ebenfalls zu erwähnen gibt es die Ur-Punker von Rancid. Gut, zumindest sehen sie älter aus als Green Day – wobei Letztere vier Jahr länger unterwegs sind … Anyway, die Kalifornier machen ganz schön auf gute alte britische Schule. Stehen mit Hemd und Kurzarmpulli auf der Bühne und geben mächtig Gas. Nebst den Donots meine zweite Festival-Entdeckung.

Der fürchterliche Sound

Nathalie: Zu den Punks, welche überhaupt gar nicht rockten, gehörten Blink-182. Obwohl ich bereits ihren Auftritt im Hallenstadion vor ein paar Jahren musikalisch und showmässig mehr als fürchterlich fand, freute ich mich erneut, die alten Songs aus meiner Teeniezeit zu hören. Irgendwie war ich gut im Verdrängen. Der Gesang war erneut fürchterlich und zum davon laufen. Ich hatte zum Teil erst beim Refrain die ab Platten sehr eingängigen bekannten Songs wiedererkannt. Einzig der Schlagzeugspieler machte sein Ding; konnte aber den Auftritt natürlich nicht alleine retten.

Domi the Stick: Blink-182 fand ich nicht mal so schlecht, was aber an meinen nicht allzu hohen Erwartungen liegen könnte. Besonders überzeugt hat mich Drummer Travis Barker mit seinem Können, und am Schluss liess er sogar seinen Sohn hinters Schlagzeug! Dass der Auftritt insgesamt aber headlinerwürdig war, will ich bezweifeln. Abschlusswürdig war er für mich sicher nicht.

Fotos Blink-182 (pam)

Nathalie: Ebenfalls wenig überzeugt und somit ebenfalls enttäuscht wurde ich von Sum 41. Die Punk Rocker spielten zwar einwandfrei, aber insgesamt klang alles in etwa gleich und dazu kam, dass der Sound immer wieder für je eine Sekunde ausstieg. Jetzt weiss ich immerhin, wieso ich nur einen Song von ihnen kenne, obwohl auch sie in meiner Teenagezeit aufgekommen sind.

Dasselbe in Grün übrigens, so fand ich, boten die Punker von Pierce The Veil.

Domi the Stick: Von Sum 41 habe ich nur die ersten drei Songs gesehen, da hättest du wohl besser so wie ich zu Heimatærde gewechselt… Auch wenn da viele, nicht zwingend passende Techno-Elemente dabei waren, lieferten die Deutschen eine blutige Rittershow, die die Vorfreude auf die weiteren NDH-Acts weckte!

Fotos Sum 41 (Röschu)

Pam: Wenn wir bei schlechten Sound – und vor allem Licht – sind, muss ich leider meine Lieblinge Eluveitie erwähnen. Klar, bei denen waren meine Erwartungen am Grössten. Doch hatten sie von allen Hauptbühne-Bands, die ich sah und hörte, den schlechtesten Sound und Licht. Es fehlte die gewohnte Power. Dass dabei auch noch ein Mikro bei Fabienne ausfiel, kann man verschmerzen, insbesondere da die Band dies souverän mit einem Lächeln auf den Lippen überstand. Schlimm aber dann vor allem das Licht … in dem wenigen Rot war die Band von weiter hinten kaum sichtbar. Drum gibt’s leider auch kaum brauchbare Fotos von unseren Schweizer Folk-Death-Metal-Helden. Was definitiv sehr Schade ist, denn Nicole trug das bisher schönste Stage-Outfit seit ich sie mit Elu zum ersten Mal in der Chollerhalle gesehen habe. Allgemein fiel auf, dass die Band durchgestylter auf der Bühne war als gewohnt. Selbst Chrigel trug schon sowas wie Bühnenklamotten und nicht einfach wie gewohnt abgelaufene Docs, abgewetzte Jeans, schwarzes Hemd und gleichfarbene Wulläkappä.

Fotos Eluveitie (pam)

Bass uf!

Nathalie: Weitere Minuspunkte im Programm waren unter anderen Heimatærde, Delain, Lord of the Lost und Hämatom. Jetzt aber – Bass uf – bevor die ufregsch! Dies lag überhaupt nicht an den Bands, sondern am schlecht abgemischten Sound auf der Mönch Stage. Der Mischer wollte wohl vor allem eines: Bass. Es war extrem schade, dass so die melodiösen Teile im Wummern untergingen.

Die versammelte Gothic- und Düster-Mannschaft liess es sich jedoch nicht nehmen, in schwarzen Klamotten vor der Bühne zu brutzeln und wild herum zu tanzen. Ich glaube, die schwarze Szene sowie die Mittelalter Leute freuen sich, dass die Organisatoren eine Bühne für diese Stile eingerichtet haben.

Domi the Stick: Es mag sein, dass der Sound auf der Mönch Stage vor allem bei Heimatærde zu basslastig war. Schon bei Hämatom und Epica habe ich aber eine Besserung verspürt (gehört) und auch an den anderen Konzerten, die ich dort gesehen habe (Versengold, Equilibrium, Ost+Front, Megaherz, Subway To Sally) empfand ich den Sound als erstaunlich gut. Dass der Bass direkt vor der Bühne zu stark ist, ist ja bei jeder Bühne normal. Wo die Tontechniker aber meiner Meinung nach versagten, war bei der Jungfrau Stage. Da gab es zahlreiche Konzerte, an denen ich über die Soundqualität nur den Kopf schütteln konnte. Á propos Versengold: Diese Jungs kündigten ebenfalls eine Z7-Show für den Herbst an!

Fotos Equilibrium (Röchu)

Vorgeschmack für Delain und Letzte Instanz

Nathalie: Immerhin konnte ich bei vielen Bands doch endlich mal reinschauen und hab nun die eine oder andere auf meinem Radar für ein weiteres Konzert. So zum Beispiel die Symphonic-Metal-Band Delain. Bei ihnen gab es aufgrund von vielen Fans, welche über die T-Shirts zuzuordnen waren, eine recht ordentliche Stimmung. Die niederländische Band im Herbst im Z7 zu besuchen lohnt sich, sofern die Begleitung passt, bestimmt. (Anm. DtS: Auf jeden Fall lohnt sich das, Vorband ist immerhin Cellar Darling. Dieser Female Fronted Metal Abend wirkt schon jetzt ziemlich vielversprechend.)

Fotos Delain (pam)

Nathalie: Beim diesjährigen Line-up fiel es mir zeitweise etwas schwer, mich zu entscheiden. Ganz nach dem Motto „lieber etwas, das aber richtig“ vermied ich es aber hin und her zu springen. So entschied ich mich auch für das ganze Konzert von Letzte Instanz, statt ein halbes – geteilt mit Powerwolf. Der Entscheid war gut, ob er richtig war, wissen die Götter. Und ob der Streicher bei Letzte Instanz schon mal seinen Bart beim Cello spielen eingeklemmt hat oder es noch machen wird, wohl auch. Sänger Holly Lose hatte auf jeden Fall das nicht allzu personenreiche Publikum fest im Griff. So wollte er schon immer mal, wie beim Film 300, als Boss vor eine Meute stehen, die ihm ein kurzes und knappes Hey zuriefen. Er kam, sah und erhielt es.  

Lust auf mehr

Nathalie: Auch bei Lord of the Lost und Hämatom war der Bass auf Volldröhnung eingestellt. Jedoch punktete die Hamburger Dark-Rock Band Lord of the Lost bei mir natürlich mit der sehr tiefen Stimme von Chris und seiner super Ausstrahlung. Die Band spielte extrem energievoll. Wie die Lords erschienen auch die Jungs von Hämatom mit schwarz-weisser Schminke im Gesicht. Die deutsche Thrash-Metal Band machte ebenfalls Laune auf mehr und war sehr schenkfreudig. So kamen zuerst Sticker von der Bühne geregnet, dann schossen sie mit einer Kanone mit vier Rohren T-Shirts in die Menge und am Schluss verteilten sie Rosen. (Anm. DtS: Hämatom spielt ebenfalls im Herbst im Z7 – ich glaube ich ziehe nach Pratteln!)

Fotos Hämatom (pam)

Nathalie: Basstechnisch viel besser lief es am dritten Tag auf der Mönch-Stage. Und so durften die Besucher ein Hammer-Konzert von Megaherz erleben. Mit Baseballschläger bewaffnet – und auch hier wieder mit schwarz weiss geschminkten Gesichtern – gaben sie einen kurzen, aber knackigen Auszug aus ihrer vergangenen Tour. Mit der Ankündigung, bald eine neue Platte am Start zu haben und im März auf Tour zu gehen, weckten sie bei mir und bei Leuten, welche mit Megaherz Krawatte leider zu Hause bleiben mussten, die Vorfreude. 

Fotos Megaherz (Röschu)

Von Sängerinnen und Stimmen

Ebenfalls auf der Mönch-Stage war Epica zu sehen. Instrumental fand ich die Symphonic-Metal-Band recht cool. Jedoch – genau wie am Elu and Friends – vermochte mich die Sängerin mit ihrer Stimme nicht recht überzeugen. Und wenn wir gerade bei Elu sind; für mich war es das erste Konzert mit der neuen Formation und ich muss sagen: Funktioniert! Meist wird es ja gerade beim Wechseln von Sängern etwas kritisch, aber ich würde sagen, die neue Sängerin macht das wunderbar – auch wenn mal das Mikro aussteigt.

Aber oft sind Stimmen einfach Geschmackssache – auch wenn gewisse Sir Motz-a-lot dem nicht zustimmen. Geschmackssache ist auch Ricola. Das hätte vielleicht dem Sänger von Suicide Silence geholfen? Mein erster Gedanke als sie losbretterten: Gäbed dem Bueb es Ricolazältli! Aber wahrscheinlich mag er das nicht. Und ich mag wohl keinen Deathcore.

Sir Motz-a-lot (a.k.a. Domi the Stick – Anm. von pam: ich glaub, damit warst nicht du gemeint 😉): Auch für mich war es das erste Eluveitie Konzert seit deren Split und leider hat es mich überhaupt nicht überzeugt. Ich lief dann schon beim dritten Song über zu Subway To Sally (@Greenfield, was soll eigentlich diese Überschneidung?!?) und bereute diese Entscheidung keineswegs. Eric Fish und seine Kumpanen lieferten für mich die eigentliche Festival-Abschluss-Show und auch als schon Breakdown Of Sanity auf der Eiger Stage am rumdröhnen war, waren vor der Mönch Stage noch „Julia und die Räuber“-Chöre zu hören. Trotzdem werde ich natürlich meine Hoffnung in Eluveitie nicht verlieren und werde sie mir wohl mindestens beim nächsten Elu&Friends wieder zu Gemüte führen. Zu Suicide Silence: Ja, Ricola würde Eddie bestimmt nicht schlecht tun, aber dass gleich am Anfang der Muss-Hit „You Only Live Once“ gespielt wurde überraschte (und begeisterte) mich ziemlich. Immerhin konnte ich dann schon bald getrost zu In Flames wechseln.

Pam: Nun, das mit den Überschneidungen ist so eine Sache … wohl kaum zu vermeiden. Auch wenn es bei ähnlichen Genres immer sehr unglücklich ist. Was aber definitiv verbesserungswürdig ist, sind die beiden kleinen Bühnen so nahe nebeneinander. Wir mussten uns zum Beispiel bei Delain von links nach rechts rüber verschieben, weil man nebenan während der Show von Delain Soundcheck machte … und das nicht grad leise. Da war das Konzertvergnügen schon arg beeinträchtigt. Auf der rechten Seite war es dann OK. Aber wenn ich denke, wie sie das bei Wacken mit x-Mal grösseren Bühnen nebeneinander hinkriegen, gibt es hier definitiv noch was zu optimieren.

Fotos Epica (Röschu)

Fotos Breakdown of Sanity (Röschu)

Mit K

Domi the Stick: Wenn schon eine Tote-Hosen-Ersatz-würdige Band spielt (stolz prahlten sie auf der Bühne mit der Gampel-Geschichte von vor zwei Jahren), muss man das im Bericht wohl auch noch erwähnen! Kraftklubs Musik gefällt mir. Ich bin auch offen für diverse Subgenres auf Festivals, fürs sogenannte Grenzen ausloten. Aber mit Kraftklub wurde die Grenze irgendwie überschritten. Zwar lieferten sie eine geniale Show – auch wenn die Tänzerinnen manchmal aus dem Takt fielen -, aber die war einfach zu wenig hart. Wenn man dann noch damit prahlt, eine Rap-Band zu sein und einen Hip Hop-Song spielt, bei dem ausser Bass und Gesang nicht mehr viel zu hören ist, geht das eindeutig zu weit. Trotzdem freue ich mich auf die Show im Herbst im Z7, denn die Jungs sind mir sehr sympathisch.

Kreator ist auf jeden Fall auch erwähnenswert. Mille forderte Zerstörung, und die wurde ihm gleich mehrfach geliefert! Die Pits drohten trotz Hitze auch während der Ansagen nicht zu stoppen und die Band trieb das Publikum mit einer Reise durch die Hit-Geschichte der deutschen Thrash-Metal-Titanen an. Einziger Haken: Die Band spielte zu früh, wodurch nur wirkliche Kreator-Fans das Konzert besuchten und der Pit viel zu wenig eng war… Insgesamt aber Top Show, und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Kreator Gig!

Pam: Definitiv hatten Kreator als einzige Vertreter des Old Skul Thrash meisten Riff-Power … die leider etwas zu früh verpuffte. Kreator hätten für mich mindestens Co-Headliner-Status gehabt. Am Bang Your Head vor zwei Jahren waren sie übrigens Headliner – aber das ist soundmässig auch nicht so breit wie das Greenfield aufgestellt. Dennoch, wenn ich am Line-up etwas rumnörgeln darf, gerne noch zwei, drei mehr klassische Metal- und Thrash-Metal-Bands. Warum zum Beispiel nicht mal Judas Priest?

Fotos Kreator (Röschu/pam)

Von kalt ..

Nathalie: Ich hatte bereits zum dritten Mal die Chance In Flames live zu sehen, aber mehr als nur kurz reinhören lag wieder nicht drin. Dieses Mal war ich jedoch überraschenderweise vom Sound recht angetan und musste nur wegen der Kälte einen Rückzieher machen. Immerhin sah ich die Eröffnung der coolen Metal Disco mit der extrem geilen Lichtshow und habe nun den Plan mich mal bei den Flammen durch zu hören.

Domi the Stick: Auch für mich war es das dritte In Flames Konzert und auch ich verzog mich früher zurück ins Camp, was aber nicht an der Kälte lag. Irgendwie scheinen die Schweden ein bisschen nachgelassen zu haben, vielleicht lag es auch am Sound… Auf jeden Fall hat es mich diesmal kein bisschen aus den Socken gehauen. Eigentlich schade!

Pam: Ich blieb bis zum Schluss. Der Hipster-Death-Metal packt mit live immer – was ich ab Konserve nicht behaupten kann. Dennoch war es heute eine eher melancholische Angelegenheit. Sänger Anders Fridén nuschelte auch was von einer Hochzeit und Todesfall ins Mikrofon. Leider hab ich das akustisch nicht ganz mitgekriegt. Schien aber ein Schicksalsschlag im Freundeskreis der Band gewesen zu sein. Man meinte auch Tränen in der Stimme bei dem anschliessend etwas ruhigeren Song rauszuhören.

Fotos In Flames (Röschu/pam)

.. zu heiss

Nathalie: Vom quasi kaltmöglichsten Punkt des Reviews zum wohl heissesten: Combichrist. Die Band überraschte mich zu Beginn des Konzertes mit ihrem harten Metal Sound. Erwartet hätte ich eigentlich elektronischere Töne. Diese kamen jedoch erst ab Mitte des Konzerts und man kann sagen je elektronischer und je mehr Industrial desto mehr Stimmung. Das Publikum tickte regelrecht aus und spulte das ganze Programm ab: von Mosh zu Circle Pit, Wall of Death und Rudern auf dem Boden zu wildem Gothic-Gestampfe und -Getanze. Eine Wahnsinns-Party.

Auch ziemlich heiss, während der frühen Nachmittagshitze, war es übrigens bei Royal Republic. Der gute Laune Rock n’ Roll zog bereits zu sehr frühen Stunden eine Menge Leute an. Die Schweden sorgten für den einen oder anderen Lacher und spielten einwandfrei. Anscheinend waren sie einen Tag später an einem Festival in Prag am Start. Ihr Management trug ihnen auf, ein möglichst hartes Set zu spielen, meinte Showman, Sänger und Gitarrist Adam Grahn. Er fragte lachend, ob ihr Sound denn nicht der krasseste und härteste Shit sei. Dass sie auch anders könnten zeigten sie, indem sie Battery und Ace of Spades locker vom Hocker – also so wie in echt – spielten.

Stimmungsbilder Tag 2 und 3 (pam)

Fanzit

Domi the Stick: Noch ein letztes Mal unterbreche ich dich, und nehme das Thema Hitze gleich wieder auf: Heiss war es zweifelsfrei am Greenfield, die Hitze konnte nur mit morgendlichen Badi-Besuchen, genug Bier und anderen kühlen Getränken und sehr viel Schatten überstanden werden. Extrem heiss waren die Pits und die Show von Kreator und meiner Top 3 Konzerte von Powerwolf, In Extremo und Subway To Sally. Heiss war es auch beim Abfackeln der Burning Horns, beim Zeltauf- und abbau, und sowieso eigentlich immer und überall. Zum Glück gab es die kalten Nächte! Schon jetzt tobt bei mir die Vorfreude auf die weiteren Festivals dieses Jahr und aufs nächste Greenfield!

Nathalie: Auch wenn viele über das Line-up, welches grosse Acts eher ausliess, etwas motzten, fand ich das Greenfield 2017 im Gesamten mal wieder genial. Und somit heisst es fürs nächste Jahr: Das Greenfield 2018 kann Spuren von MÜSSEN enthalten.

Pam: Ich kann den beiden nur beipflichten. Das Greenfield Ausgabe 2017 ist eine mehrheitlich sehr gelungene Geschichte und unsere wenigen Kritikpunkte sind schon Jammern auf hohem Niveau. Gut, wenn die Blase drückt, dann ist einem das dann auch schnurzegal. Line-upmässig fand ich es eines der besseren der letzten Jahre, aber da gibt es wohl 100 verschiedene Meinungen dazu. Was mir persönlich aber sehr gut gefiel, dass mehr Genres als auch schon abgedeckt wurden – wenn auch der klassische Metal – wie schon erwähnt – nach Maiden und Motörhead in den letzten Jahren eher zu kurz kam. Auch im Thrash- und Power-Metal-Bereich hätte es noch etwas Luft.

Aber was solls, schlussendlich wars fast drei Tage eitler Sonnenschein. Ach, und wenn wir schon dabei sind: Gute Laune und Stimmung verbreiteten einmal mehr Gogol Bordello. Und der Name ist Programm. Auf der Bühne herrschte ein reges Puff. Die Roma-Truppe konnte einem nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die Sympathiebolzer des Festivals.

Fotos Gogol Bordello (pam)

Fotos Apocalyptica & Counterfeit (Röschu)

Zusätzlicher Schreiber vor Ort: Domi the Stick


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Greenfield Festival 2017 – Green Day, In Flames, Eluveitie u.v.m.
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/ / 21.06.2017
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