Metalinside.ch - Stone Sour - Samsung Hall Dübendorf 2017 - Foto Vedi
Do, 14. Dezember 2017

Stone Sour, The Pretty Reckless

Samsung Hall (Dübendorf, CH)
/ 27.12.2017
332

Eines der besten Konzerte 2017! 

Die Dübendorfer Samsung Hall lockte mit der letzten Konzertveranstaltung im laufenden Jahr nochmals die Massen an. Zu Gast waren die Truppen Stone Sour und The Pretty Reckless. Bei beiden Akteuren standen die Personen am Mikro im Vordergrund. Corey Taylor und seine vier Kumpels lieferten eine schlichtweg hammermässige Show ab. Alle weiteren Details entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Ein weiteres Kapitel im intensiven Konzert-Dezember steht an. Der Jahres-Endspurt verlangt einem nochmals alles ab. Heute Abend hat man gar einmal mehr die Wahl der Qual. In Pratteln gibt sich die einzig wahre Metal-Queen Doro Pesch höchstpersönlich die Ehre, während in Wetzikon Alice Coopers Töchterchen Calico und Bass-Monster Chuck Garric mit Beasto Blanco das Hall Of Fame rocken werden. Mich zieht es hingegen nach Dübendorf in die Samsung Hall. Corey Taylor beehrt die Schweiz. Allerdings nicht mit seiner Masken-Gruppe Slipknot. Somit wird ein Gig der amerikanischen Henkersknoten weiterhin ein offener Punkt auf meiner Pendenzenliste bleiben. Aber der Sänger ist ja noch in einer weiteren Band aktiv – der Alternative Metal-Kapelle Stone Sour. Deren im Sommer dieses Jahres veröffentlichter Silberling Nummer sechs – «Hydrograd» – kam bei den Kritikern überaus gut an. Beim heutigen Auftritt dürfte also logischerweise das eine oder andere Stück dieser Platte in der Setliste vertreten sein. Ich bin jedenfalls gespannt.

Doch Stone Sour sind nicht alleine angereist. Das Aufwärmprogramm bestreitet der ehemalige «Gossip Girl»-Star Taylor Momsen zusammen mit ihrer Band The Pretty Reckless. Mir ist die Blondine lediglich wegen ihrer Versuche die verruchte Rockerbraut zu mimen ein Begriff. Doch sexy Outfits und Smokey Eyes sind nicht alles. Ob das Mädel mich auch auf der musikalischen Ebene überzeugen kann, wird sich schon bald zeigen. Mit der altbewährten Flüssignahrung in der Hand warte ich auf der rechten Seite des Saals auf die erste Darbietung des Abends.

The Pretty Reckless

Um circa 19.45 Uhr betreten die drei Herren der Momsen-Truppe die Bühne. Der übermotivierte Einsatz der Scheinwerfer blendet das Publikum immer wieder. Liebe Amis, manchmal wäre weniger wirklich mehr. Laute Jubelrufe ertönen, als schliesslich Taylor ebenfalls auf der Bildfläche erscheint. Passend dazu erklingt ein wildes Porno-Gestöhne aus den Boxen. Für ihre Verhältnisse ist sie allerdings ungewohnt züchtig unterwegs und trägt sogar einen Mantel. Bleiben die Provokationen dieses Mal etwa aus? Soundtechnisch hört sich die ganze Geschichte gar nicht einmal so schlecht an, aber mit dem Gesang kann ich mehrheitlich nix anfangen. Fräulein Momsen versucht eindeutig die Stimmen ihrer Kolleginnen Lzzy Hale, Amy Winehouse oder Pink nachzuahmen, was jedoch kaum gelingen will. Die Headbangerei wirkt ebenfalls ziemlich unmotiviert. Der beste Akteur auf der Bühne ist zweifelsohne Klampfer Ben Philips. Der Kerl weiss, wie er mit seiner Saitenkönigin umzugehen hat.

Insgesamt bleibt das Ganze aber ein durchzogener Auftritt. Selbst bekannte Hymnen à la «Make Me Wanna Die» bewirken keine grossartige Qualitätssteigerung. Beim letzten Song «Take Me Down» steht die Frontröhre sogar mit einer Gitarre auf der Bühne. Doch für sie scheint das Instrument eher eine dekorative Aufgabe zu haben. Werte Dame, bitte beachten Sie zum Abschluss den nachfolgenden Ratschlag meinerseits: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Stone Sour

Der Headliner übernimmt schliesslich um 21.15 Uhr das Kommando – und wie! Vom ersten Augenblick an bleibt der Fuss auf dem Gaspedal kleben. Dank «Taipei Person / Allah Tea» zeigen sich Stone Sour umgehend von ihrer besten Seite. Frontmann Corey Taylor ist unglaublich gut gelaunt und mit Dauergrinsen unterwegs. «Where are my Swiss motherfuckers?», fragt er sogleich in die Runde. Lautes Geschrei ist die Antwort. Exzessiver Gebrauch der F-Wörter ist bei ihm sowieso Standard. Sein Tank Top gibt den Blick frei auf seine tätowierten Arme. Der sympathische Sänger könnte eigentlich geradesogut als Surfer-Boy durchgehen. Doch Corey’s Kernkompetenz bleibt sein unverkennbares Stimmorgan. Da schimmert auch immer wieder ein Stückchen Slipknot durch.

Ein passives Publikum sucht man bei diesem Auftritt übrigens vergebens. Die unglaublich mitreissende Show lässt die Masse hüpfen und es beginnen sich ausserdem immer mehr Mosh Pits zu bilden. Die Kopfschüttler sind ebenfalls mit vollem Einsatz bei der Sache. Hammermässige Stimmung. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Die Hitze im Raum nimmt konstant zu. Eine schweisstreibende Angelegenheit! Dem Schreihals am Mikrofon scheint dies ebenfalls aufzufallen, denn er schleudert anschiessend regelmässig Wasserflaschen ins Publikum. Doch damit nicht genug. Plötzlich hat er eine Schrotflinte in der Hand und ballert Konfetti durch die ganze Halle. Vorhin habe ich doch über Hitze gesprochen, nicht? Stone Sour sind nämlich sogar kurzzeitig mit kleineren Pyro-Elementen am Start – und das in der Samsung Hall!

Nicht ganz unerwartet ist die aktuellste Scheibe «Hydrogard» prominent in der Setliste des heutigen Abends vertreten. Bei einem solch starken Werk habe ich nix dagegen einzuwenden. Doch auch ältere Knaller wie «Reborn», «30/30-150» oder «Get Inside» werden berücksichtigt und lassen die Zuhörerschaft bloss noch mehr ausflippen. Aber Stone Sour können bei Bedarf auch schon einmal locker einen Gang runter schalten. Da greift der Bandleader sogar selbst zur Klampfe. So zum Beispiel beim neueren Stück mit dem wunderschön, leicht ironischen Titel «Rose Red Violent Blue (This Song Is Dumb & So Am I)». Im dazugehörigen Musikvideo spielen übrigens die Herren von Steel Panther mit. Die hätten somit meinetwegen gerne auch noch als Überraschungsgäste auf der Bühne erscheinen können. Das wäre dann effektiv das Tüpfelchen auf dem «i» gewesen.

Es sticht einem aber übrigens nicht bloss die ganze Zeit Rampensau Corey ins Auge. Basser Johny Chow trägt ein echtes Monster von einem Bart. Der glatzköpfige Gitarrist Josh Rand vermag sich während des ganzen Auftritts nicht von seiner Sonnenbrille zu trennen. Rockstar durch und durch. Wie so oft zählt eine Ballade zu den bekanntesten Stück einer solchen Truppe.  Dies ist auch bei Stone Sour der Fall. Als die ersten Töne zu «Through Glass» erklingen, verwandelt sich die Halle in ein riesiges Lichtermeer. Zudem erweisen sich die Fans als äusserst textsicher und nehmen Herrn Taylor beinahe die gesamte Gesangsarbeit ab. Ein sehr emotionaler Moment. Anschliessend entschliesst sich mein Grüppchen dazu, den Zugaben-Block auszulassen und stattdessen bereits jetzt der Garderobe einen Besuch abzustatten. Eine weise Entscheidung. Am Ende verpassen wir lediglich einen kleinen Teil dieses sackstarken Konzertes der Amis.

Das Fanzit

Kurz gesagt: Stone Sour top, The Pretty Reckless eher Flop. Corey Taylor und seine Kumpels liefert zweifelsohne eines der besten Konzerte des laufenden Jahres ab. Da hat schlichtweg alles gepasst. Auch das Publikum war die ganze Zeit über mit vollem Einsatzwillen bei der Sache. Für ein nächstes Aufeinandertreffen würde ich mir bloss einen überzeugenderen Support-Act wünschen.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – The Pretty Reckless

  1. Follow Me Down
  2. Oh My God
  3. Hangman
  4. Prisoner
  5. Make Me Wanna Die
  6. Sweet Things
  7. Heaven Knows
  8. Going To Hell
  9. Take Me Down

Setliste – Stone Sour

  1. Taipei Person / Allah Tea
  2. Knievel Has Landed
  3. Made Of Scars
  4. Reborn
  5. Say You’ll Haunt Me
  6. 30/30-150
  7. Hesitate
  8. Tired
  9. Rose Red Violent Blue (This Song Is Dumb & So Am I)
  10. Do Me A Favor
  11. Cold Reader
  12. Get Inside
  13. Song #3
  14. Through Glass
  15. Gone Sovereign*
  16. Absolute Zero*
  17. Fabuless*

*Zugabe

Fotos von Stone Sour, The Pretty Reckless in der Samsung Hall 2017 (Vedi)


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