Infected Rain - Z7 Pratteln 2019
So, 10. März 2019

Infected Rain, Dust In Mind, Klogr, Hypnotheticall

Mini Z7 (Pratteln, CH)
13.05.2019
Infected Rain - Z7 Pratteln 2019

Jede Menge Power vor überschaubarem Publikum

…und ‘Power’ hat heute nichts mit Power Metal zu tun. Was die heutigen vier Bands, aber vor allem der Headliner Infected Rain aus der Republik Moldau, abliefern, darf man durchaus als ‘gekonnt in Musik gebündelte Aggressivität’ bezeichnen. Oder so.

Die vier Bands? Das wären dann Hypnotheticall und Klogr aus Italien, Dust In Mind aus Frankreich und Infected Rain aus Moldau. Das Bandpaket tourt den ganzen März durch Europa. Heute ist der Multi-Kulti-Trupp zu Gast in Pratteln im Mini-Z7. Ich sags schon jetzt: Infected Rain haben vieles schon da Gewesenes übertroffen!

Das Z7 wurde für heute zu Recht zum Mini-Z7 umgebaut; bei einem Gespräch neben mir schnappe ich auf, dass im Vorverkauf nur 200 Tickets verkauft wurden. Im Verlauf des Abends frage ich mich aber, ob überhaupt so viele Leute hier sind. Geschätzt hätte ich nämlich auf nicht viel mehr als 100 Besucher. Tatsächlich vernehme ich dann in einer der Pausen auch mal noch die Zahl 120, was mir schon plausibler erscheint. Auf jeden Fall wird es heute intim!

Hypnotheticall

Zu Beginn sind noch einmal massiv weniger Leute anwesend. Vor vielleicht 30 Nasen, welche sich aber in der ganzen Mini-Halle verteilen, beginnt der italienische Opener sein Spektakel. Das Auffälligste zuerst: Was zur Hölle hat Sänger Davide denn hier für ein Teil als Mikro-Ständer ausgegraben? Das Stück Metall hat mehrere Winkel und lässt sich so auch relativ flexibel bewegen. Was Davide auch gleich zum Head-und-Hand-am-Mikroständer-bangen ausnutzt. Sieht schon witzig aus.

Instrumental haben es die Jungs wirklich drauf. Da kommt auch mal technisch hochstehendes Zeugs rausgeprügelt. So dominieren zum Beispiel ungerade Taktarten. Was das Saitengeklimper angeht, kann ich bekanntlich weniger mitreden. Die Vocals überzeugen mich leider nicht. Insgesamt ist der Sound auch nicht gut abgemischt, was sich dann aber im Verlauf des Abends noch verbessern wird. Auch bei den immer wieder vorkommenden ‘Jump!’-Aufforderungen macht niemand so richtig mit. Rhythmisch also sehr überzeugend, stimmungstechnisch reicht der jetzige Auftritt aber gerade mal zum Aufwärmen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Truppe mehr Potenzial hätte!

Klogr

Klogr wird Kay-log-are ausgesprochen. Wer es nicht glaubt, darf gerne mal deren Fronter Gabriele darauf ansprechen. Die ebenfalls aus Italien stammende Band erinnert live vom Sound her teilweise an Avenged Sevenfold. Wie schon beim Opener hauen mich die Vocals leider nicht um. Erneut überzeugt mich vor allem die Rhythmus-Arbeit auf dem hinteren Bühnenteil. Auch Trommler Maicol hat wohl mächtig Freude, zumindest erweckt er einen entsprechenden Eindruck. Selten habe ich einen Drummer gesehen, der so oft und lange hinter dem Schlagzeug steht statt sitzt – und dies auch bei nicht ganz trivialen Beats! Auch der knackige Sound der Snare-Drum zieht mich in seinen Bann.

Ihr seht schon, mein Fokus liegt während diesem Auftritt erneut vor allem beim Getrommel – meiner Meinung nach zu Recht! Die nicht allzu packenden Vocals, welche mit viel zu vielen Effekten übersteuert werden und die nicht viel mehr als durchschnittliche Saitenfraktion drücken ein wenig aufs Empfinden. Die Reaktion der inzwischen schon ein wenig zahlreicher anwesenden Besucher scheint meine Meinung zu bestätigen. Die sich der Umwelt verschreibende Truppe widmet den letzten Song «Guinea Pigs» der Organisation Sea Shepherd und verabschiedet sich wie auch schon Hypnotheticall nach circa einer halben Stunde Spielzeit.

Setliste Klogr

  1. Draw Closer
  2. Technocracy
  3. King Of Unknown
  4. Ride Before The Fall
  5. Prison Of Light
  6. Bleeding
  7. Guinea Pigs

Dust In Mind

Die zweite Hälfte des Tourtrosses ist Female Fronted. Während wohl viele der Besucher wegen Infected Rain und deren Fronterin Lena Scissorhands anwesend sind, sind jetzt erst einmal die französischen Dust In Mind an der Reihe – natürlich schön nasal ausgesprochen, wie es uns Sängerin Jennifer Garvais bei ihren deutschen Ansagen vormacht.

Vor der Bühne ist nun endlich kein grosser Hohlraum mehr auszumachen. Ob dies nun an Female Fronted oder der fortgeschrittenen Stunde liegt, weiss wohl niemand. Dasselbe Bild (kein Hohlraum) zeigt sich auch auf der Bühne: Das Laufspiel der Musiker ist perfekt! Bei einer gefühlten Distanz von mehreren Kilometern über den gesamten Auftritt bleiben die Jungs und Jenni schön die ganze Zeit über schön verteilt. Lasst Dust In Mind bitte mal Volleyball spielen!

Abmischungstechnisch bewegen wir uns schon auf einem viel besseren Niveau als noch bei den ersten beiden Bands. Heute gibt es erneut einen Punkt für die These, dass Vorbands generell schlechter abgemischt werden würden. Zum Glück wird dies hie und da auch mal widerlegt…

Auch Jenni und ihre Jungs dürfen nicht allzu lange spielen, sonst reicht es nicht mehr für die vierte Band. Auf der Setliste fallen diesem Zeitmangel dann auch gleich zwei Songs zum Opfer. Zum Quatschen zeigt sich die Band dann aber noch am Merch-Stand, wo es auch von Jenni höchstpersönlich verschnittene Shirts zu kaufen gibt.

Setliste Dust In Mind

  1. From Ashes To Flames
  2. This Is The End
  3. Spreading Disease
  4. Another Dimension
  5. Oblivion
  6. I’ll Never Forget
  7. I’m Different
  8. Get Out
  9. Open Your Eyes

Infected Rain

Yepp, ich bin heute wegen den Moldawiern von Infected Rain hier. Ich kenne die Band noch nicht allzu lange und will mich von der an mehreren Orten berichteten Spitzenklasse überzeugen, in welcher die Band live spielen soll. Schon ab Scheibe hat mir die Musik ausserordentlich gefallen, aber ich nehme es vorweg: Was von jetzt bis zu «Sweet, Sweet Lies» abgezogen wird, spielt sich aus dem Stand ganz nach oben in die Liste der intensivsten Konzerte überhaupt – nicht einmal wegen grosser Publikumsaktivität, sondern wegen dem, was Lena und die Jungs auf der Mini-Z7-Bühne abliefern!

Abgesehen von Drummer Eugen befinden sich alle Musiker konstant am vorderen Bühnenrand, auf und zwischen den Podestchen, und geben einfach alles. Letzteres trifft natürlich auch auf Eugen zu, welcher seine Mitmusiker auf sehr technische Weise vorantreibt. Mit ‘technisch’ meine ich so technisch, dass ich zwischendurch das Gefühl habe, mich irgendwo an einem Jazz-Konzert zu befinden – einfach mit doppelter Geschwindigkeit!

Elena Cataraga, wie Madame Scissorhands eigentlich heisst, präsentiert sich heute im blauen Einteiler, welcher einen genialen Kontrast zu ihren aktuell orange-rötlich gefärbten Rastas bietet. Zwischen ihren vokalen Einsätzen, welche zwischen klar, gegrowlt und gescreamt fast schneller wechseln als ein Tennisball die Spielfeldseite, bleibt auch immer wieder Zeit für Claps und Fistbumps mit den Fans. Während den genannten Einsätzen muss alles andere als der Gesang aber in den Hintergrund: Die Konzentration ist Lena durchaus anzusehen. Wenn es um den allesentscheidenden Growl geht, ist es egal, wie sie gerade am Bühnenrand steht oder wie ihre Rastas einerseits ihr Gesicht bedecken und andererseits wild abstehen. Während den wilderen Parts schwingt sich ihre Hand auch mal unkontrolliert durch die Luft, wodurch der eine oder andere Fan (ja, unter anderem auch ich) nur knapp einem Schlag ins Gesicht entgeht.

Neben den Gebrüdern Babich, welche für ein cooles musikalisches Gerüst sorgen, gilt es noch, Leadgitarrist Vadim Ozhog zu erwähnen. Mit seinem Rasta-Geschwinge und der generell wilden Aktivität auf der Bühne erinnert er immer wieder an Randy Blythe und macht diesem sogar massiv Konkurrenz. Dass er sich vielleicht ein bisschen zu sehr vorausgabt, ist nur eine Behauptung meinerseits. Allerdings begründet sie darauf, dass er sowohl vor dem Zugabeblock als auch ganz am Ende nur noch auf dem Boden liegend und schwer schnaufend weiterspielen kann. Das ist Einsatz!

Über die Songs noch etwas zu sagen, würde der Band selber fast ein wenig den Ruhm nehmen. Nur so viel: Die gesamte Setlist überzeugt! Ob es sich jetzt um «Serendipity», «My Home» oder «Smoking Lies» handelt. Überall ist richtig viel Power drin und mit der doch eher dreckigen Spielweise räumt der heutige Headliner so richtig ab. Nach «Sweet, Sweet Lies» und einem schnellen Circle Pit ist dann fertig. Wie geil war das denn!

Auf dem Heimweg läuft im Auto selbstverständlich Infected Rain. Um die doch sehr intensiven Momente des Auftritts Revue passieren zu lassen, reicht es völlig. Im Vergleich zur Live-Darbietung stinken die Aufnahmen aber mächtig ab. Zu sauber, zu leise, zu wenig Energie! Noch vor dem Konzert hätte ich dies wahrscheinlich nicht für möglich gehalten!

Setliste Infected Rain

  1. Fool The Gravity
  2. Mold
  3. Serendipity
  4. Passerby
  5. Orphan Soul
  6. My Home
  7. Freaky Carnival
  8. The Earth Mantra
  9. Smoking Lies
  10. Peculiar Kind Of Sanity
  11. Endless Stairs*
  12. Sweet, Sweet Lies*

Das Fanzit

Nachdem Hypnotheticall und Klogr einen coolen, aber nicht überragenden Start hingelegt haben, konnten Dust In Mind das Publikum auf den Headliner Infected Rain vorbereiten. Dieser nutzte die Stimmung im Mini-Z7 gnadenlos aus und spielte alles zu Schutt und Asche. Die Moldauer mit der sympathischen Lena als Fronterin und gnadenloses Vocals-Beast haben jetzt schon einen Auftritt hingelegt, der möglicherweise als mein persönliches Konzert des Jahres abgestempelt werden wird!


Wie fandet ihr das Konzert?

13.05.2019
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