Metalinside.ch - Beyond The Black - Komplex 457 Zürich 2019 - Foto pam
Sa, 12. Oktober 2019

Beyond The Black, Mister Misery

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 06.03.2020

Beyond is Back!

… oder so. Mit ihrer Show am 12. Oktober im Zürcher Komplex 457 haben Beyond The Black zumindest für mich persönlich eine Art Comeback gefeiert. Ganz neu hingegen war der Opener Mister Misery.

Beyond The Black wurden schon seit ihrer Gründung und dem ersten Album kontrovers aufgefasst. «Viel Gepushe» hier, «Kommerz» dort. Trotz Unkenrufen von allen Seiten war ihr Debüt „Songs Of Love And Death» eine sehr gute Scheibe und mit ihm und zugegeben vielleicht einem kleinen Werbebonus schafften die Mannheimer einen starken Einstieg in die Bandlandschaft. Vielgelobte Auftritte auf Wacken, Full Metal Cruise, RockFels Loreley und vielen anderen Festivals sprechen für sich. Wenn der Nachfolger „Lost In Forever“ auch musikalisch nicht ganz anknüpfen konnte, waren die Auftritte noch immer sehenswert.

Dann der grosse Knall (der gar nicht so gross war, weil die negativen Schlagzeilen eben nicht ganz so fest gepusht wurden und daher auch weniger Medieninteresse fanden): Sängerin Jennifer Haben trennt sich vom Rest der Band und verbleibt als einzige bei Beyond The Black. Es wird für Ersatz gesorgt und auch das dritte Album „Heart Of The Hurricane“ erscheint schon bald. Live hapert es aber schon im Mai 2016 beim Rockavaria Festival in München – also knapp 2 Monate vor der grossen Ankündigung –, als schon nicht mehr alle ursprünglichen Musiker die Bühne betreten. Leider war dies nicht nur ein vorübergehender Dämpfer; das Niveau konnte auch nach weiteren unzähligen Shows nicht mehr an die Einstiegszeiten anknüpfen – auch nicht auf einer weiteren Full Metal Cruise, wo BtB zuvor schon für grossen Jubel sorgten.

Wieso ich all dies berichte? Weil wir uns scheinbar an einem Wendepunkt befinden! Schon von den Auftritten in Wacken und am Summer Breeze habe ich viel Gutes gehört; im Komplex konnte ich mich nun selber überzeugen. Doch erst einmal zur Vorband…

Mister Misery

Für einmal habe ich vor dem Konzert nicht einmal in die Musik des Openers reingehört. Ich stehe also gerade noch beim Merch-Stand – Einlass, WC und Bier haben gut geklappt – als von der Bühne her bereits die ersten Klänge kommen und ich mich frage, was das genau wird. Die genannten Klänge sind in Klischee-Komplex-Qualität, aber musikalisch tönt das schon ziemlich solide. Wir begeben uns näher zum Ort des Geschehens und mich fasziniert zuallererst der Auftritt des Mädels an der Mikro-Front. Oder… Ist da gar keine Frau am Werk? Auch eine kurze Recherche und ein Beratschlagen mit meinem Umfeld liefern keine genaue Antwort, auch bei einer der beiden Gitarrenposten. Ich tippe schlussendlich auf vier Männer, aber eigentlich ist dies ja gar nicht so wichtig. Später auf der Toilette und beim Ausgang vernehme ich auch noch Diskussion anderer Besucher zu diesem Thema. Inzwischen weiss ich: Da sind vier Männer am Werk!

Die vier maskierten Gestalten sorgen auf der Bühne unterdessen für ein wahrhaftiges Warm Up. Schnell haben sie das Publikum im Griff. Die Stockholmer Band wurde anfangs 2018 um Fronter Harley Vendetta und Leadgitarrero Alex Nine gegründet. Ihr Stil ist gewöhnungsbedürftig, scheint die heutigen Besucher aber zu begeistern. Momentan tönen zwar alle Songs noch irgendwie gleich, aber das kommt dann vielleicht mit dem mehrmaligen Hören ihrer bisher einzigen Platte „Unalive“ anders. Inzwischen weiss ich: Es kommt anders!

Hinter den drei Saitenkriegern an Gitarre und Mikro (bisher unerwähnt blieb Bassist Eddie Crow) sitzt Drummer Rizzy am Schlagzeug – zumindest während etwa zwei Dritteln der Spielzeit. Den Rest verbringt der Trommelmann stehend! Ich frage mich zwar zwischendurch, ob dann stellenweise bei der Double Bass mit Playback nachgeholfen werden muss, aber im Sinne der Unschuldsvermutung verzichte ich auf derartige Vorwürfe.

Während total neun Songs begeistern die verkleideten, geschminkten und mit Hüten ausgestatteten Musiker mit einer Art von Musik, welche sie selber Gothic Glam nennen. Auch mich haut der Auftritt aus den Socken, auch wenn Glam sonst weniger meines ist. Glam in Kombination mit anderem (z.B. Death Glam von den Deathstars oder eben anscheinend auch Gothic Glam, was auf die schwedischen Todessterne wohl auch zutreffen würde) scheint mir aber zu gefallen! Damit bin ich nicht der Einzige: Das Publikum reagiert während der Verabschiedung fast ein wenig wehmütig und nicht nur ich mache Witze darüber, dass die Vorband heute wohl besser als die Hauptband spielen könnte.

Setliste Mister Misery

  1. The Blood Waltz
  2. My Ghost
  3. Legion
  4. You And I
  5. Alive
  6. Dead Valentine
  7. Rebels Calling
  8. Tell Me How
  9. Live While You Can

Beyond The Black

Doch malen wir den Teufel nicht an die Wand! Zum ganz grossen Glück belehren mich Jenny und ihre Mannen heute eines Besseren und zeigen, dass auch sie wieder mit dabei sind. Los geht es mit dem neuen «Hysteria», wo bereits mächtig Druck gemacht wird, aber beim folgenden «When Angels Fall» fällt mein Unterkiefer erst recht gen Boden. Die Darbietung dieses vom Debüt stammenden Tracks war seit dem Musikeraustausch noch nie so gut wie jetzt gerade. Diese Power, diese Screams, diese Spannung… Mit einer bunten Mischung von Songs ab allen drei Alben geht es weiter und ich muss zugeben, dass heute auch die neuen Songs sehr stark abgeliefert werden. Stimmungstechnische Höhepunkte des ersten Teils sind nichtsdestotrotz der Debüt-Titeltrack und «Running To The Edge».

Nach einer kurzen Erwähnung von Jennys Teilnahme beim deutschen Fernsehformat «Sing Meinen Song – Das Tauschkonzert» wechselt ebendiese den Schauplatz und taucht auf einer Mini-Bühne beim Mischpult wieder auf. Es folgt eine drei Songs dauernde Akustik-Session, bei welcher die Band von der Bühne aus den musikalischen Hintergrund liefert, der Fokus jedoch unbestritten hinten bei Jennifer Haben liegt.

Ein Drum Solo dient als Übergang zum dritten Teil, der wieder nach klassischer Art, also mit der ganzen Band auf der Bühne, bestritten wird. Gespielt werden unter anderem die beiden Titeltracks der jüngeren beiden Alben und während diesem dritten Teil probiere ich mich darauf zu fokussieren, was die Band denn heute besser macht als während der zumindest von mir als Tiefpunkt empfundenen Zwischenphase. Meine Antwort? Wahrscheinlich eine Kombination von einer Verhaltensänderung von Co-Fronter Chris Hermsdörfer (Im Gegensatz zu früher sind nicht nur er und Jenny im Rampenlicht), etwas mehr Mut auf der Bühne von Seiten von Tobi Lodes und ein enorm gutes Zusammenspiel innerhalb der Rhythmusfraktion Herkenhoff/Tschierschky. Abgerundet wird das Ganze von einer für den Komplex 457 aussergewöhnlichen, sehr guten Ton-Abmischung.

«Hallelujah» ist ein weiterer meiner persönlichen Höhepunkte. Den objektiven Höhepunkt bringt aber der als Zugabe gespielte Überhit «In The Shadows». Egal wie fest er mir aus dem Hals heraus hängen mag – DAS ist gerade allererste Sahne. Nach diesem fulminanten Abschluss hinterlassen Beyond The Black in Zürich ein überglückliches Publikum.

Setliste Beyond The Black

  1. Hysteria
  2. When Angels Fall
  3. Songs Of Love And Death
  4. Beyond The Mirror
  5. Written In Blood
  6. Unbroken
  7. Spiderweb Of Eyes
  8. Running To The Edge
  9. Million Lightyears
  10. Dear Death
  11. Through The Mirror
  12. Song For The Godless
  13. Salve Regina (Michael Patrick Kelly Cover)
  14. Drum Solo
  15. Misery
  16. Heart Of The Hurricane
  17. Lost In Forever
  18. Shine And Shade
  19. Hallelujah
  20. In The Shadows*

*Zugabe

Das Fanzit – Beyond The Black, Mister Misery

Ich habe versucht, nicht allzu sehr zu schwärmen. Glaubt mir, da wurde nichts übertrieben und ich hatte bei beiden Bands definitiv keine Fan-Brille auf. Heute hat vieles gestimmt und nach einem genial guten Opener-Auftritt haben die Symphonic Metaller gezeigt, dass sie sich nicht von der Vorband an die Wand spielen lassen müssen. Ich weiss nicht, wie es mit Beyond The Black weitergehen soll, bin aber zuversichtlich, dass sie die Kurve kriegen und dies nicht der letzte BtB-Abend war, der mir so positiv in Erinnerung bleiben wird.

Fotos Beyond The Black, Mister Misery – Komplex 457 Zürich 2019 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 06.03.2020
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Autor Bewertung: 8/10