Myrath, Eleine - Z7 Pratteln 2020
Sa, 7. März 2020

Myrath, Eleine

Z7 (Pratteln, CH)
20.03.2020
Myrath, Eleine - Z7 Pratteln 2020

Freude, Zauberei und mit Metall gefüllte Käselöcher

Heute Abend steht uns im Z7 Besuch aus Tunesien bevor. Myrath schauen auf ihrer Tour vorbei und es wird Zeit für eine musikalische Horizonterweiterung. Ohne fundierte Vorkenntnisse stürzen wir uns ins Getümmel.

Nun gut, dank des Internets kann ich mich doch mit einigem Wissen ausstatten wie beispielsweise den Namen der Bandmitglieder. Aber auf der musikalischen Ebene hatten Myrath und ich abgesehen von zwei Musikvideos zum neuen Album noch nicht das Vergnügen. Das betrifft auch Eleine, die auf der Tour ebenfalls dabei sind.

Eleine

Und mit Eleine startet der heutige Konzertabend auch pünktlich. Das Z7 ist nur locker gefüllt, was sicher auch daran liegt, dass infolge der herrschenden Pandemie der Vorverkauf abgebrochen und die Abendkasse nicht geöffnet wurden. Doch Eleine lassen sich davon keinesfalls beirren, im Gegenteil. Die Band freut sich sichtlich darüber, auf der Bühne zu stehen und Musik zu spielen. Besonders Gitarrist Rikard Ekberg versprüht gute Laune, die vom Publikum aufgesogen wird. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aber für viele Madeleine Liljestam, ihres Zeichens Sängerin und Frontfrau von Eleine. Sie verzichtet auf ein klassisches Mikrofon und singt mit Headset. Das habe ich an Metalkonzerten bisher nur bei singenden Schlagzeugern gesehen, weshalb es ein sehr ungewohnter Anblick ist.

Madeleine nutzt die dadurch gewonnene Bewegungsfreiheit voll aus, läuft auf der Bühne herum und tanzt immer wieder während sie singt. Nach „Enemies“ und „Whisper my Child“ wendet sie sich das erste Mal an das Publikum und punktet sofort mit einer sympathischen und gut aufgelegten Art. Mit „All Shall Burn“ von der gleichnamigen neuen EP geht es weiter und alles, was noch fehlt, ist etwas mehr Druck in der Abmischung. Das ist aber bereits Jammern auf hohem Niveau, denn ansonsten ist der Mix prima (so wie eigentlich immer im Z7). Schliesslich kommt auch Rikard zu Wort, der ebensoviel Charisma wie Madeleine zeigt. Er freut sich über die Energie des Publikums und fordert uns schliesslich auf mitzusingen, auf dass sich die Löcher im Schweizer Käse füllen…mit Metal!

Leicht verwirrt aber rundum amüsiert lauschen wir umso gespannter dem Symphonic Metal, den die Gruppe dezent um orientalische Elemente erweitert. Eine tolle Mischung und dies auch noch auf den Punkt gebracht live dargeboten. Madeleine setzt sich für einen Song sogar ein zum orientalischen Thema der Band passender prächtiger Kopfschmuck auf. Schade ist heute niemand hinter der Kamera im Einsatz für Metalinside, das gäbe wunderbare Fotos. Auch die Instrumentalfraktion ist aktiv und in Bewegung, so dass Eleine als gut eingespielte Einheit erscheinen. Da spielt es auch keine Rolle, dass das Publikum recht Mühe mit seinem gesanglichen Einsatz zeigt bei „Death Incarnate“. Vielmehr mag die Band darüber schmunzeln und auch um uns herum ist leises selbstironisches Gelächter zu vernehmen. So kommen wir dann auch schon zum letzten Song „Break Take Live“, bevor sich Eleine nochmals herzlich und ehrlich bedanken für die tolle Zeit, die sie mit uns verbringen durften. Diesen Dank erwidern wir gerne, die vierzig Minuten haben grossen Spass gemacht und Eleine sind definitiv positiv aufgefallen.

Myrath

In der Umbaupause wird auf der Bühne eine Apparatur aus Stangen aufgestellt, der Boden wird mit orientalischen Teppichen belegt und im hinteren Bereich werden Kissen drapiert. Schliesslich ist alles bereit für den Auftritt von Myrath und wir hören das Intro „Asl“ vom aktuellen Album. Als die ersten Klänge von „Born to Survive“ ertönen betreten bis auf Sänger Zaher Zorgati sämtliche Bandmitglieder die Bühne. Begleitet werden sie vom Zauberer Fabien Solaz, der eine brennende Fackel in der Luft herum kreisen lässt. Am leeren Gestänge in der Mitte der Bühne wird ein Tuch hochgezogen, es gibt einen Knall und plötzlich steht dort aus dem Nichts Zaher, der die Zuschauer mit einem breiten Grinsen begrüsst.

Ein sehr gelungener Auftakt, der zur lebendigen Musik von Myrath passt, wenn ich auch leicht überfordert bin ob all dem, was da auf der Bühne so passiert. Neben Myrath und Magier wuselt nämlich für das Eröffnungsstück auch noch Produzent Kévin Codfert herum mit einem mobilen Piano (funktioniert wie ein Keytar, sieht aber aus wie eine übers Knie gebogene Klaviertastatur). Mit „You’ve lost yourself“ geht es Schlag auf Schlag weiter, allerdings bin ich noch nicht vollkommen mitgerissen. Irgendwie fehlt es auch bei Myrath noch an Druck. Zum Glück ändert sich das ab dem dritten Stück „Dance“, das dank seiner eingängigen Melodie schon beim ersten Mal hören zündet. Das Publikum steht zwar während der Songs selbst eher ruhig da, lauscht aber gebannt und zeigt seine Begeisterung jeweils mit Jubel und Applaus zwischen den Stücken. Es herrscht eine sehr gute, zufriedene Stimmung, die sich eher unterschwellig äussert, aber von den Musikern ziemlich sicher gespürt wird. Jedenfalls schaut die ganze Truppe sehr zufrieden aus und scheint gerade eine richtig gute Zeit auf der Bühne zu haben.

Myrath sind Frohnaturen und das schlägt sich auch in ihrem Progressive Power Metal nieder, der niemals schwere Kost ist, jedoch immer anspruchsvoll genug bleibt, um nicht zu langweilen. Im Vordergrund steht ganz klar das neue Album Shehili, das mit neun Songs auf der Setliste vertreten ist und somit die Hälfte des heutigen Konzerts ausmacht. Die Band hat also (zurecht) volles Vertrauen in ihr aktuelles Material. Bassist Anis Jouini zeigt eine bescheidene Coolness, während sich Keyboarder Elys Bouchoucha bei den Backing Vocals voll ins Zeug legt. Derweil spielt Gitarrist Malek Ben Arbia seine Soli seriös, souverän und äusserst sauber. Mein Blick schweift jedoch immer wieder zum Schlagzeug, wo Morgan Berthet einige ganz tolle abwechslungsreiche Fills auspackt und überhaupt durch sein melodiöses Spiel besticht (das er bei einem kurzen Drumsolo zum Stück „Jasmin“ in voller Pracht präsentieren kann).

Je länger der Auftritt dauert, desto mehr Gefallen finde ich an daran. Bei ausgewählten Stücken sorgen zudem Fabien mit weiteren Zauberstücken und Lady Louna mit Bauchtanzeinlagen für weitere Elemente und auch Kévin erscheint noch einige Male mit seinem Piano. Manchmal ist das fast etwas zu viel des Guten, so dass ich mich immer wieder bewusst auf die Musik konzentrieren muss, um nicht abgelenkt zu werden. Doch es ist Myrath anzumerken, dass sie stolz sind auf ihre Show, die sie mit viel Enthusiasmus zusammengestellt haben. Dabei wirkt das ganze niemals zu routiniert, was sicher auch daran liegt, dass Zaher bei seinen Ansagen einen so unbeschwerten Eindruck macht. Mit „Shehili“, dem Titelstück des aktuellen Albums, geht schliesslich ein gelungenes und schönes Konzert zu Ende.

Das Fanzit – Myrath & Eleine

Myrath und Eleine haben heute wirklich alles richtig gemacht. Auch wenn bei beiden Bands zwei, drei Songs notwendig waren, bis der Auftritt sich so richtig entfalten konnte, schafften sie es neben der Musik mit Charisma und Freude mitzureissen. Das Publikum war in guter Stimmung und schien Gefallen zu finden am Gezeigten. So schlendern wir zufrieden am Merchstand vorbei, wo sich sowohl Myrath als auch Eleine eingefunden haben und sich mit ihren Fans unterhalten. Auf ein nächstes Mal, es hat sich gelohnt, heute Abend herzukommen.

Setliste Eleine

  1. Enemies
  2. Whisper my Child
  3. All Shall Burn
  4. Sanity
  5. Until the End
  6. Mein Herz brennt (Rammstein Cover)
  7. Hell Moon
  8. Death Incarnate
  9. Break Take Live

Setliste Myrath

  1. Asl (ab Band)
  2. Born to Survive
  3. You’ve Lost Yourself
  4. Dance
  5. Get Your Freedom Back
  6. Tales of the Sands
  7. The Unburnt
  8. Wicked Dice
  9. Duat
  10. No Holding Back
  11. Mersal
  12. Monster in My Closet
  13. Lili Twil(Les Frères Mégri cover)
  14. Merciless Times
  15. Beyond the Stars
  16. Jasmin (incl. Drum Solo)*
  17. Believer*
  18. Endure the Silence*
  19. Shehili*

*Zugaben


Wie fandet ihr das Konzert?

20.03.2020
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