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Babylonfall - Collapse (CD Cover Artwork)
Fr, 24. April 2020

Babylonfall – Collapse

Alternative Metal, Groove Metal, Melodic Death Metal
21.04.2020
Babylonfall - Collapse (CD Cover Artwork)

Babylon fällt!

Im Namen inspiriert durch einer der wichtigsten Städte der Antiken-Ära betritt eine neue Band die Bildfläche. Babylonfall stammen aus dem Südfinnischen Kouvola und gehen vier Jahre nach ihrer Gründung mit ihrem Erstlingswerk an den Start, welches über Inverse Records veröffentlicht werden wird.

Auf «Collapse» soll es moderne Metal-Melodien geben, die aber trotzdem die Oldschool-Stimmung keinesfalls aussen vor lassen. Thematisch wird gegen die menschliche Psyche gehämmert. Wie sieht die Gefühlslage aus, wenn man sowohl auf persönlicher als auch sozialer Ebene kollabiert? Zusätzlich sollen zudem teilweise Science-Fiction-Aspekte zum Zug kommen. Bekanntermassen sind gerade Musiker aus dem metallischen Sektor diesem Gebiet freilich nicht abgeneigt. Wie’s soundtechnisch aussieht, werde ich nach ein paar Hördurchläufen der zehn Tracks sicherlich angemessen erläutern können. Erfahrungen konnten die Nordmänner unter anderem schon in Gruppen wie To/Die/For, 2 Wolves, High Hypnotic oder Horizon Ignited sammeln.

Das Album – «Collapse»

Beim Einstiegsstück «Murder Of Crows» brauchen die grauen Zellen nicht lange, um die Riffs den jeweiligen Inspirationsquellen zuzuordnen. Da standen zweifelsohne (die älteren) In Flames und Soilwork Pate. Dafür kommen Okko Solanteräs Growls ein bisschen grober daher, was wiederum Erinnerungen an Lamb Of God respektive Randy Blythe hervorruft. Keine hyperrasante Hochgeschwindigkeitsfahrt, aber trotzdem ziemlich solide Handarbeit. Auf dem Videoportal YouTube existiert übriges bereits ein Clip zu diesem Lied.

Die deutliche Temposteigerung folgt mit dem anschliessenden «Awakening», welches des Weiteren mit groovigen Abschnitten punkten kann. Diese Indizien sprechen für die Tatsache, dass sich die Finnen offenbar nicht bloss auf reinen Melodic Death Metal beschränken möchten. Ausserdem stellt Okko hier eindrücklich unter Beweis, dass er auch den Klagesang problemlos meistern kann. Geiles Stimmorgan, amigo! Facettenreichtum ist sowieso stets eine gute und wünschenswerte Sache.

«Blood Will Be My Crown» ist freilich ein Fall für die Kopfnicker. An der Mikrofonfront wird erneut zwischen Kehle strapazierendem Gegrunze und «normalen» Lauten variiert. Die melodiösen Refrain-Riffs bleiben locker in den Gehörgängen kleben. Diesbezüglich machen die beiden Saitenhexer Esa und Ossi Viren einen tolle Job. Im letzten Drittel gibt’s sogar vorrübergehend eine klitzekleine Verschnaufpause.

Der Härtegrad bleibt ebenfalls bei «Silence» bestehen. Anders als der Titel möglicherweise vermuten lässt, ist die Nummer wahrlich keine ruhige Angelegenheit. Ab und an sind seitens Gitarren dezente Prog-Elemente auszumachen. Die Jungs kitzeln alles aus ihren Klampfen heraus. Okko überrascht derweil einmal mit einem mächtigen Heavy Metal-Schrei. Wirklich beeindruckend, welche stimmliche Bandbreite dieser Kerl abdeckt. Am wohlsten scheint er sich allerdings schon primär in den tiefen Bereichen zu fühlen.

Ich denke, dass vielen Zuhörern spätestens bei «We Become One» ein Schwachpunkt der Scheibe auffallen wird. Wie bereits angetönt, wissen Babylonfall eindeutig, was sie tun. Bei melodiösem Todesmetall aus Finnland schwirrt das Gütesiegel eh meistens mit. Nichtsdestotrotz lassen die einzelnen Songs untereinander vom Gesamtbild her insgesamt eine gewisse klangliche Abwechslung vermissen. Aber vielleicht ändert sich dies ja in der zweiten Albumhälfte.

«Celestials» zeichnet sich durch einen sehr treibenden Rhythmus aus. Ruhige Parts tauchen gelegentlich auf und geben Raum, um dem Bass-Gezupfe von Matti Huopainen zu lauschen. Das sind ansatzweise gelungene, sphärische Momente. Gedanklich schwebt man da langsam der Himmelsdecke entgegen. Gegen Ende des Tracks darf dann nochmals intensiv in den Headbanger-Modus gewechselt werden.

Neben «Murder Of Crows» ist «Stars And Constellations» eine weitere Single, die bereits den Weg ins gelobte YouTube-Land gefunden hat. Diese Wahl kann ich absolut nachvollziehen, denn diese rund fünf Minuten gewähren einen netten Einblick in das musikalische Schaffen der Band und zeigen den interessierten Nasen auf, was sie beim Hören dieses Werks so alles erwartet. Der kräftige Schluss-Scream hat’s definitiv in sich!

Boah, «Wrath» ist ein fieser Nackenbrecher und dürfte während Live-Shows garantiert für Furore im Pit sorgen. Da steckt tatsächlich viel Lamb Of God drin. Klar gesungene Teile sucht man dieses Mal fast vergeblich. Erst im Schlussdrittel tauchen sie auf. Jep, dieser Kracher rangiert bei den empfehlenswerten Hörproben glasklar auf den vorderen Plätzen.

Dreht das Quintett auf der Zielgerade nochmals richtig auf? Es scheint beinahe so, denn «Burning Daylight» verfügt über sattes Abriss-Potenzial. Gewisse Passagen erinnern mich an Dark Tranquillity. Das macht zweifelsohne Laune. Genau wie «Wrath» würde ich den Herrschaften empfehlen, auch diesem Stück in künftigen Live-Auftritten einen fixen Platz in er Setlist einzuräumen.

Beim Finale handelt es sich gleichzeitig um die längste Komposition der Platte. «Distant Call Of Innocence» sprengt knapp die 8-Minuten-Grenze Gemächliches Tempo ist angesagt, was den zuvor erschaffen Fluss leider etwas ausbremst. Immerhin serviert man uns im Schlussdrittel ein packendes Gitarren-Solo. Allerdings bleib ein fader Nachgeschmack, denn es befinden sich effektiv stärkere Nummern auf dieser CD.

Das Fanzit Babylonfall – «Collapse»

In Finnland wächst gefühlt jede Woche eine Melodic Death Metal-Band aus dem Boden, die einiges auf dem Kasten hat. Wie soll man sich da als Neuankömmling bloss behaupten? Ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen wird’s verflucht schwierig und man droht schlichtweg in der breiten Masse unterzugehen.

Babylonfall bringen jedoch die richtigen Zutaten mit und sind auch in der Lage, damit etwas anzufangen. Dieser erste, gebraute Zaubertrank namens «Collapse» punktet mit sauberer Handarbeit und einem facettenreichen Stimmorgan von Sänger Okko Solanterä. Man kann nur jedes Mal aufs Neue über die Qualitäten von finnischen Musikern staunen. Denen wird das Ganze wohl direkt mit der Muttermilch eingeflösst. Woran der Fünfer allerdings für künftige Alben noch ein bisschen arbeiten muss, ist die ausgiebigere Abwechslung. Gewisse Songs ähneln sich doch stark – und das kann beim mehrmaligen Hören eines Silberlings mit der Zeit etwas öde wirken. Ich bin gespannt, ob die Nordmänner diese letzte Hürde, die sie von den ganz hohen Bewertungen trennt, meistern können.

Empfehlenswerte Hörproben: «Awakening», «Blood Will Be My Crown», «Stars And Constellations», «Wrath», «Burning Daylight»

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Tracklist Babylonfall – «Collapse»

  1. Murder Of Crows
  2. Awakening
  3. Blood Will Be My Crown
  4. Silence
  5. We Become One
  6. Celestials
  7. Stars And Constellations
  8. Wrath
  9. Burning Daylight
  10. Distant Call Of Innocence

Line Up – Bablyonfall

  • Okko Solanterä (Gesang)
  • Esa Viren (Gitarre)
  • Ossi Viren (Gitarre)
  • Matti Huopainen (Bass)
  • Mikko Huopainen (Drums)

Video Babylonfall – Murder Of Crows

 


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7.5/10



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21.04.2020