Wolfheart - KIFF Aarau 2023
Fr, 3. November 2023

Wolfheart, Before The Dawn, Irony Of Fate, Devils Rage

KiFF (Aarau, CH)
20.11.2023
Wolfheart - KIFF Aarau 2023

Tourstart im KIFF

Die finnischen Formationen Wolfheart und Before The Dawn haben sich dazu entschieden, ihre diesjährige Europarundreise auf helvetischem Grund loszutreten. Eine Ehre für alle Schweizer Mähnenschüttler! Wenn es dann obendrauf noch lokalen Support von Irony Of Fate und Devils Rage zu bestaunen gibt, ist das freilich eine feine Sache. Konnten alle Künstler überzeugen? Hat die Tontechnik der vierfachen Belastung standgehalten? Weiterlesen wird euch Klarheit verschaffen.

Nach dem gestrigen Thrash-Abriss von Death Angel und Konsorten, verschlägt es mich heute abermals ins Aarauer KIFF. Der Fokus liegt dieses Mal jedoch auf handgeschliffenem Melodic Death Metal aus dem «Suomi-Land». Doch ehe Wolfheart und Before The Dawn antraben dürfen, serviert man uns zuerst einen doppelten Appetithappen aus der ansässigen Küche. Devils Rage und Irony Of Fate werden die Besucher garantiert rasch auf Betriebstemperatur bringen. Davon möchte sich übrigens auch Metalinside-Capo pam überzeugen. Na dann, möge der hoffentlich muntere Konzertreigen beginnen!

Devils Rage

Man glaubt es kaum, aber die Herren aus Sursee sind tatsächlich KIFF-Jungfrauen! Schreihals Lalas hat mir vor dem Auftritt verraten, dass sie noch nie in der ehemaligen Futterfabrik aufgetreten sind. Dann wird es meiner Meinung allerhöchste Zeit, dieses Kästchen auf der bandeigenen «To Do»-Liste abzuhaken. Der Fünfer geht zwar mit leichter Verzögerung ins Rennen, setzt danach dafür aber umgehend auf Tempo. Ausserdem wird deutlich, dass bei den Akteuren jede Menge Bewegungsdrang zu herrschen scheint. Gerade der Frontmann tigert unruhig auf der Bühne umher. Die solide Groove-Party (Lamb Of God lassen grüssen!), welche rund 30 Minuten unseres Lebens in Anspruch nimmt, macht definitiv Laune. Davon dürften wahrscheinlich ebenfalls die im Anschluss agierenden Truppen profitieren.

Irony Of Fate

Ich muss eine Vermisstenanzeige aufgeben. Gesucht wird ein Tontechniker! Entweder ist er effektiv verschwunden oder verweigert während des Gigs von Irony Of Fate einfach seinen Dienst. Ärgerlich und jammerschade… So bleibt den Fans das optimale Darbietungs-Erlebnis leider verwehrt… Trotzdem kann ich erkennen, dass sich das Quintett mit seinem neuen Trommler Kevin ein echtes Biest ins Boot geholt hat. Diese «Maschine» werde ich beim nächsten Mal gerne noch genauer unter die Lupe nehmen. Ein weiterer Hoffnungsschimmer stellt zudem Sängerin Cveti dar (die man – den Göttern sei Dank – immerhin ab und an hört). Ihr Outfit ruft Parallelen zu Vampiren (oder sogar Batgirl höchstpersönlich) auf den Plan. Möglicherweise hat sie noch mit gewissen Halloween-Nachwehen zu kämpfen. Auch für Irony Of Fate ist nach einer halben Stunde bereits wieder Schicht im Schacht. Nun übernehmen die Nordmänner.

Before The Dawn

Sie sind zurück! Nach einer beinahe zehnjährigen Pause kann man die Finnen von Before The Dawn erneut im Live-Gewand bestaunen. Da frohlocken die Nostalgiker! Ihre erste Comeback-Show ausserhalb der Heimat haben sie Anfang Juni dieses Jahres in der Schüür zelebriert (notabene ebenfalls in der Schweiz!). Jetzt folgt also schon ein weiterer Nachschlag auf helvetischem Boden.

Gestartet wird mit «Unbreakable», einem Song, der in der originalen Version auf dem 2003er Debütsilberling «My Darkness» zu finden ist. Schnell wird klar, dass wir es hier abermals mit der berühmt-berüchtigten finnischen Qualität zu tun haben. Im Melodic Death Metal-Sektor kann den Saunaliebhabern schlichtweg niemand das Wasser reichen. Paavo Laapotti ist ein bockstarker Mikrofonhüter, der offenbar fast mühelos zwischen Growls und Klargesang hin- und herwechseln kann (einzig ein gewisser Tomi Joutsen beherrscht diese Disziplin noch besser). Glücklicherweise hat sich mittlerweile auch die Soundqualität ein bisschen erholt.

Mastermind Tuomas Saukkonen, der ja später gleich nochmals ackern darf, sitzt im Hintergrund an der Schiessbude und ist kaum zu erkennen, da er einerseits ein ins Gesicht gezogenes Cap trägt und immer wieder hinter den künstlich erzeugten Nebelschwaden verschwindet. Trotzdem treibt er seine Kollegen motiviert an und hat aufgrund dessen massgeblichen Anteil daran, dass wir Zuhörer in den Genuss einer mitreissenden Performance kommen. Geschätzte Merch-Verkäuferin, nach Abschluss meiner stets pflichtbewusst durchgeführten, journalistischen Beobachtungen schaue ich aber so was von bei dir vorbei!

Wolfheart

Ab 22.40 Uhr gilt die Aufmerksamt des gesamten Saals dem Headliner. Das Nordlichter-Wolfsrudel, welches primär durch die düsteren Wälder Finnlands streift. Offenbar wird man dort problemlos in Sachen Beute fündig. So erkläre ich mir nämlich die als Dekoration verwendeten Hirschschädel (samt imposanten Geweihen) auf der Bühne. Tuomas hat die Sticks inzwischen gegen eine Klampfe getauscht und kümmert sich obendrein um die Gesangsarbeit. Wird das ein Reinfall? Keinesfalls. Dieser Typ wirkt zweifelsohne fit genug, um locker mit einer solchen Doppelbelastung klarzukommen.

Generell scheinen «Mucki-Buden» im Alltag gewisser Wolfheart-Mitglieder eine zentrale Rolle zu spielen. Ja, ich meine dich, werter Vagelis Karzis. Ein Kleiderschrank von einem Mann! Seine Vorbilder müssen wohl Achilles oder Herkules heissen. Gelegentlich trommelt er sich in bester Gorilla- respektive Donkey Kong-Manier auf die Brust. Den weiblichen Gästen gefällt’s. Die eine oder andere ist dem hellenischen Schönling sicherlich schon längst verfallen. Die nicht ganz so stabil gebauten Männer unter uns können derweil lediglich respektvoll applaudieren und hoffen, dass unsere Herzdamen irgendwann mal wieder von diesem «Adonis-Trip» runterkommen.

Die Wölfe setzen auf eine einigermassen ausgewogene Setliste. Nichtsdestotrotz wird am meisten Liedgut vom Erstlingswerk «Winterborn» aus dem Jahr 2013 ins Rennen geschickt. Das ist aber auch einfach hammermässiges Material! Ich wiederhole mich absolut gerne, finnischer Melodic Death Metal ist und bleibt stets Trumpf! Schade nur, dass nach knapp 65 Minuten mit «The Hunt» bereits der finale Track gezockt wird. Da muss beim nächsten Mal unbedingt eine etwas längere Schicht her!

Das Fanzit – Wolfheart, Before The Dawn, Irony Of Fate, Devils Rage

Die finnische Qualität hat sich – trotz teilweise durchzogener Soundqualität – am heutigen Abend in einem gut besuchten KIFF freilich durchgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass Tuomas Saukkonen auch in Zukunft genug Energie aufbringen kann, um seine beiden Herzensprojekte am Leben zu halten. Kiitos, Suomi!

Setliste – Devils Rage

  1. Intro
  2. Be Yourself
  3. Mirror’s Game
  4. The Last
  5. Ignorant Know-It-All
  6. Stupid
  7. Nothing Left

Setliste – Irony Of Fate

  1. We, The Damned
  2. Mayhem
  3. Wicked & Divine
  4. The Seven
  5. Mind Vs I

Setliste – Before The Dawn

  1. Intro
  2. Unbreakable
  3. Destroyer
  4. My Darkness
  5. Faithless
  6. Dying Sun
  7. Chains
  8. Downhearted
  9. The First Snow / Winter Within
  10. Wrath
  11. Deathstar
  12. Deadsong

Setliste – Wolfheart

  1. Skyforger
  2. Ghosts Of Karelia
  3. Zero Gravity
  4. Knell
  5. Boneyard
  6. Routa Pt. 2
  7. The King
  8. Strength And Valor
  9. Aeon Of Cold
  10. The Hammer
  11. The Hunt*

*Zugabe


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20.11.2023
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