King Sable - Met-Bar Lenzburg 2026
Sa, 14. Februar 2026

King Sable, Lotrify

Met-Bar (Lenzburg, CH)
21.02.2026
King Sable - Met-Bar Lenzburg 2026

Valentins-Krach

Rosenblätter, Liebesengel, eine «Wall Of Love», rote Krawatten und bitterböse, metallische Tonfolgen – in etwa so könnten die Ereignisse des Samstagabends in der Lenzburger Met-Bar zusammengefasst werden. Wem dies noch nicht ausreicht, findet in den nachfolgenden Zeilen detaillierte Beschriebe zu den Aktionen von King Sable und Lotrify.

Wie die eigene Agenda verrät, schreiben wir heute den 14. Februar 2026. Es ist also somit wieder einmal an der Zeit für den «Kommerz-Liebes-Tag» par excellence. Ein Hoch auf all diejenigen, welche allerdings nicht extra eine separate Erinnerung brauchen, um ihrer Angebeteten wieder einmal ein paar rotfarbene Dornengewächse oder leckere Schokoladenerzeugnisse nach Hause zu bringen. In meinem spezifischen Fall sieht die Sachlage ohnehin ein wenig anders aus. Die stets vollgestopfte Agenda lässt gar nicht erst zu, dass sich ein weibliches Geschöpf für längere Zeit an meiner Seite aufhalten könnte. Des Weiteren gilt meine passionierte Liebe ohnehin primär der metallischen Musik (bevorzugt im Live-Gewand). Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass ich auch heute Abend abermals unterwegs bin. Das Ziel ist die altbekannte Honigwein-Taverne in Lenzburg.

Vor Ort angekommen stelle ich mit Freuden fest, dass es nach einem soliden Publikumsaufmarsch auszusehen scheint. Da haben einige wohl trotzdem das bequeme, heimische Sofa gegen ein Herumstehen vor der Bühne eingetauscht. King Sable und Lotrify werden dies zu schätzen wissen, denn diese beiden Truppen sorgen dafür, dass der diesjährige Valentinstag verdammt laut wird. Ehe wir uns jedoch ins Getümmel stürzen, wollen zuerst ein paar Bierchen gekippt werden. Neuerdings wird Lapin Kulta hier nun in kleinen Dosen verkauft. Ich bezeichne diesen Umstand netterweise als «Hopfentee in Shot-Grösse». Immerhin sind diese Gefässe aber weniger heikel als die vorherigen Glasfläschchen.

Lotrify

Auf den Boden vor der Bühne wurde ein riesiges Herz geklebt und auch die «Spielwiese» selbst wurde fleissig mit Rosen dekoriert, was das «Kitsch-Barometer» schon jetzt fleissig ausschlagen lässt. Zum Einstieg ertönt dann die All For Metal-Hymne «Gods Of Metal», was bereits einige Leute im Raum dezent schmunzeln lässt. Diese «Gesichtsverrenkungen» werden noch ausgeprägter, als die Akteure die Bühne betreten. Die Jungs sind oben herum alle in Weiss gekleidet und haben kleine Engelsflügelchen auf ihren Rücken montiert. So fein herausgeputzt könnten sie glatt als «90er-Jahre -Boygroup» durchgehen. Liebesgott Amor kann bei diesen Anblicken direkt einpacken!

Wer sich nun fürchtet, dass Lotrify in irgendeiner Form verweichlicht seien, wird sogleich beim ersten Track eines Besseren belehrt. Mit «Xenophobic» gibt es fraglos akustisch aufs Fressbrett! Die groben Growls von Sacha sitzen. Er agiert sichtlich motiviert. Das gilt aber ohnehin für die ganze Equipe. Oh, und mir fällt umgehend auf, dass ich sie ja zum ersten Mal mit ihrem neuen Gitarristen Juan (dem «Umi-Nachfolger») sehe. Dieser Herr versteht es ebenfalls problemlos, an seinen Saiten herumzuzupfen.

Die aus dem nahegelegenen Baden angereisten Musiker haben sich zweifellos etwas für ihre heutige Show überlegt. Da stecken viele Details und unterhaltsame Elemente drin. Fronter Sacha mimt beispielsweise den «Bachelor» und verteilt munter Rosen an die anwesenden Mädels. Des Weiteren werden regelmässig Rosenblätter durch die Gegend geschmissen. Gedanklich wünsche ich all denjenigen, die hier später zum Besen greifen müssen, ganz viel Spass (und Ausdauer!). Immerhin sind es keine Fasnachts-Konfetti… Obendrein werden sogar eine «Wall Of Love» und ein «Circle-Herz-Kreislauf» angestimmt (alles in Zusammenhang mit dem Klebe-Liebessymbol am Boden). Vielleicht mögen gewisse Personen dieses «Theater» beim Lesen als lächerlich empfinden. Meine Wenigkeit fühlt sich vor Ort hingegen hervorragend unterhalten. Und die strahlenden Augen der um mich herum engagiert mitmachenden Zuschauer sprechen ebenfalls Bände. Das werte Freunde, ist Entertainment!

Lotrify lassen übrigens verlauten, dass sie zurzeit neuen Stoff aufnehmen. Eines dieser Stücke trägt zwar noch keinen Namen, schafft es aber trotzdem in die dargebotene Setlist (und klingt durchaus mitreissend). Offenbar habe es im Vorfeld geheissen, dass Klampfer Yannick jeweils zu wenig singe. Aus diesem Grund erhält er bei der Steel Panther-Cover-Nummer «Community Property» seinen grossen Auftritt. Die Komposition passe schliesslich ausgezeichnet zum heutigen Tag. Seine Botschaft dazu: «Singed mit, aber mached dä Tegscht bitte nid nah». Ein Leitsatz, an welchen man sich grundsätzlich beim Grossteil des «stählernen Raubkatzen-Liedguts» halten sollte. Kracher der Marke «Clashing Bones», «Something To Nothing» oder die Limp Bizkit-Hommage «Break Stuff» lassen das Publikum weiter ausflippen. Nach einer guten Stunde beenden Lotrify ihre überzeugende Performance traditionsgetreu mit einem Gruss in Richtung H. P. Baxxter und Scooter. In diesem Sinne: «Maria, believe me, I like it loud!».

King Sable

Ob King Sable diese grandiose Lotrify-Show toppen können? Ich habe da so leise Zweifel. Nicht, dass die Gruppe schlecht wäre, aber ihre Vorgänger aus Baden haben da schon einen ziemlichen Abriss hingelegt, wie man neidlos anerkennen muss. Dafür punktet die Formation rund um Basser Martin mit einer wortwörtlich köstlichen Merch-Aktion. Pro gekauftem Artikel erhält man einen Gratis-Brownie dazu (und selbstverständlich wurden diese Leckereien mit viel Liebe gebacken). Doch ehe wir uns irgendwelchen hemmungslosen Schlemmereien hingeben, wollen die musikalische Leistung und die Darbietung der Luzerner begutachtet und beurteilt werden.

Waren es zuvor bei Lotrify Engelsflügelchen, setzen die Herrschaften von King Sable nun auf grosse, knallrote Krawatten. Einzig Sänger Andy scheint das interne Memo nicht gelesen zu haben und «höselt» ohne Schlips durch die Gegend. Der Einstieg namens «Into The Hollow» ruft direkt Parallelen zu In Flames auf den Plan. Und ja, den Melodic Death Metal-Sektor decken die Akteure definitiv ab. Allerdings lässt sich ihr Sound freilich nicht bloss darauf reduzieren. Metalcore sowie alternative und groovige Spuren sind ebenfalls in ihren Klang-Erzeugnissen enthalten. Drummer Mario ackert hinter einer auffallend kleinen «Küche». Oder liegt das daran, dass er selbst einfach ein Hüne ist? So oder so ein amüsanter Anblick.

Mikrofon-Maestro Andy sei gestern extra aus Portugal angereist, um den heutigen Gig spielen zu können. Um seinen Krawatten-Fauxpas zu korrigieren, erhält er dann von seinen Kumpels eine rote Federboa, mit welcher er fortan herumstolzieren darf. Er und Bassist Martin finden ohnehin stets ausreichend Zeit, um ein wenig herumzublödeln. Das passt allerdings bestens zur Spielfreude, welche sämtliche Protagonisten ausstrahlen. Die Besucher waren bei Lotrify spürbar wilder unterwegs. Nichtsdestotrotz schnappt sich ein Gast während «Signs Of Sickness» die offenbar irgendwo herumliegenden Amor-Flügel und setzt zu einer gekonnten Stagedive-Aktion an. Chapeau!

In Sachen Setlist treten keine Mängel hervor. Das saustarke «Lie To Me» ist ebenso vertreten wie das Riffs-Monster «Demons We Feed». Einzig der manchmal etwas übertriebene Mikrofon-Hall müsste nicht unbedingt sein. Zudem wird mir der kurze Einsatz eines Megaphons wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Das Ding hat aus meiner Perspektive nullkommanull Effekt. Etwas später widmet Andy das bei mir hoch im Kurs stehende «After The Storm» all seinen portugiesischen Bekannten, welche in letzter Zeit bedauerlicherweise unter heftigen Naturkatastrophen gelitten haben… Mit dem knackigen «Aim For The Chin» wird so langsam der Schlussgong eingeläutet, ehe «Lose Control» für das finale Ausrufezeichen des 80-Minuten-Slots zuständig ist.

Das Fanzit – King Sable, Lotrify

Aus diesem metallischen Valentinstag (respektive Abend) gingen Lotrify eindeutig als Sieger hervor. Was für eine Show! Exakt aufgrund solcher schweisstreibenden Einlagen lieben wir doch die kleinen Club-Events. Das war unterhaltsames, überlegtes Entertainment ohne grossartiges «Tamtam». Auf dieser Ebene konnten King Sable nicht ganz mithalten, aber sie punkteten dafür mit einer grundsoliden Setlist und dem Abdecken diverser Metal-Genres.

Die Setlist – Lotrify

  1. Intro
  2. Xenophobic
  3. Close To Distant
  4. Neuer Song (noch ohne Titel)
  5. Ill-Minded
  6. Community Property (Steel Panther-Cover)
  7. Left Behind
  8. Clashing Bones
  9. It’s Always There (neuer, noch unveröffentlichter Song)
  10. Something To Nothing
  11. Break Stuff (Limp Bizkit-Cover)
  12. Bleed Alone
  13. Maria (I Like It Loud) (Scooter-Cover)

Die Setlist – King Sable

  1. Intro
  2. Into The Hollow
  3. My Ghost
  4. Nothing But The Truth
  5. Signs Of Sickness
  6. Lied To Me
  7. Demons We Feed
  8. Bury The Pain
  9. It’s About To Go South
  10. Tear It Down
  11. After The Storm
  12. Ain’t This Life
  13. Rebel Rage
  14. Aim For The Chin
  15. Lose Control
  16. Outro

Wie fandet ihr das Konzert?

21.02.2026
Weitere Beiträge von

King Sable, Lotrify