California Condor, Illumenium oder doch Defrage Reload? – Die Band aus der Fussgängerzone
Do you like rock music?
Seit Jahren belästigen «Bands» wie California Condor Passanten und bitten sie um ein kleines Salär im Austausch gegen eine ihrer in billige Sleevecases gesteckten CDs. Hier nun die Meinung über das, was man bekommt, wenn man tatsächlich eine dieser Scheiben in den CD-Player schiebt.
We are a […] band from Estonia
Neue Musik entdecke ich meist in Form von Supportacts auf Konzerten oder durch Empfehlungen, etwa in Form von Albenreviews. Entsprechend stets durch eine Auseinandersetzung mit der Materie. Anders als wenn dich eines der zahlreichen Bandmitglieder von California Condor anspricht.
Die tauchen wie aus dem Nichts auf, wenn sich vorhersehbar viele Personen an einem Platz einfinden oder diesen zumindest nicht meiden können.
So stehen sie an Konzerten im Zürcher Hallenstadion nicht selten vor dem zum Ausgang umfunktionierten Eingang und vertreiben das Publikum des Strassenmusikers, der dort ebenfalls nicht selten komische Unplugged-Versionen der Hits des eben in der Halle aufgetretenen Künstlers zum Besten gibt – genauso in der Absicht, durch diese geschickte Platzierung etwas vom Inhalt des Portemonnaies der Konsumenten zu bekommen, jedoch mit Zurschaustellung seines Könnens. Ganz anders ist das bei Illumenium, California Condor oder wie sie sich gerade nennen.
We are a SMALL band…
Stets wird von den Nervtötern, wie die unterschiedlichen Erscheinungsformen von California Condor im Folgenden genannt werden, beteuert, dass man eine Independent-Gruppe sei, die alles selber macht und gerade mit nichts durch die Welt zieht. Tatsächlich existieren keine verlässlichen Quellen, die belegen könnten, dass die Band in jüngerer Vergangenheit, irgendwo ein Konzert gespielt hat, was daran liegen mag, dass der Tourbus seit Jahren defekt ist, «weswegen man dringend Geld brauche».
Interessant ist, dass die Band, oder zumindest einzelne ihrer «Mitglieder» innerhalb eines riesigen Radius auftauchen, teilweise gar, schenkt man Onlineforen respektive Reddit Glauben, zur selben Zeit an einem anderen Ort. Und das ohne funktionierenden Tourbus!
Die Erbschaft aber bestand aus einem […] Paar Stiefel, wenn man die angezogen hatte und sich wohin wünschte, so war man im Augenblick dort.
– Aus dem Märchen «Der König vom Goldenen Berg» (KHM 92)
Die letzten Nachweise von Auftritten einer Band namens «Defrage», deren «Lieder» weiterhin auf angeblich neuen Alben der «Nachfolgebands» erscheinen, sind auf spätestens 2014 datiert, vermutlich träumte man bis da davon als Band durchzustarten, bis man durch einen ausgeklügelten Businessplan in der Realität ankam, in der man deutlich mehr Erfolg, in der Form von finanziellem Einkommen, hat, durch Vermittlung des Gefühls, durch eine kleine Geste sympathische Künstler zu unterstützen.
Erstaunlicherweise haben die aktuelleren Nervtöter gar Musikvideos auf YouTube veröffentlicht, inklusive gekaufter Likes und Aufrufe, was erklären könnte, weshalb einige davon von der Plattform verschwunden sind.
Darin zu sehen sind stets fünf Bandmitglieder. Selten begegnet man einem von ihnen. Die CDs verkaufen (auch?) andere Gesichter. Die Band ist vielleicht klein, ihr System ist es nicht.
We make […] music
Ihren eigenen Stil bezeichnen die Nervtöter abhängig von dem, was sie denken, was ihr Gegenüber mag. So werde ich mit «Do you like metal?» angequatscht, Bekannte hingegen mit «Do you like progressive, independent music?». Falsch ist beides.
Auf den CDs befindet sich die Art von Musik, die von KI ersetzt werden könnte und um die es auch nicht schade wäre. Zum Zeitpunkt als die Daten auf die CD gerotzt wurden, verfügte die öffentlich zugängliche KI nicht über die Fähigkeiten wie heute. AI-Musik auf physischen Medien als Scam-Taktik wird vermutlich erst noch kommen.
Das, was aktuell und in der Vergangenheit auf der Strasse vertickt wird, wurde tatsächlich «von Hand» erschaffen. Sprich: mit billigen Plug-ins von Musiksoftware, die andere nicht einmal für Demos verwenden würden, und anstrengendem Gesang. Letzterer besteht aus einem Mann, der versucht, in einem dunklen, gutturalen Ton zu singen, und einem sehr generischen Rapper. Ob man nun Defrage Reload, Illumenium oder California Condor in den Händen hält, lässt sich nicht unterscheiden und die Behauptungen im Verkaufsgespräch, dass dieses oder jenes Album sich an diesen oder jenen Genres orientieren, ist nicht nachvollziehbar.
Überraschend ist einzig, dass die CD nicht leer ist.
Das Fanzit zu Menschenversammlungsgang – Do You Like Metal?
Geh an irgendein Konzert und kaufe das Album des Supportacts. Seine Musik ist definitiv inspirierter als jene, die dir am Bahnhof angedreht wird.
Bei manchen Zusammenkünften bekommt man eine CD, vermeintlich, geschenkt. In einem solchen Fall würde ich das Gespräch beenden und mit dieser davonlaufen, unabhängig davon, dass der Schenker sich sehr schnell als einen wehleidigen Verkäufer entpuppt, der dich als «unfair gegenüber einer kleinen armen Band» bezeichnen wird. So hast du verhindert, dass diese Scheibe an einen anderen, unwissenden, Passanten für viel zu viel Geld verkauft wird.
Auf eine numerische Album Bewertung (0-10 Horns) verzichte ich an dieser Stelle. Das wäre gegenüber all den anderen Reviews nicht gerecht.


