emMetal Rocks 2026 – Hellripper, Amethyst u.a.
ESBB - Eventlokal Sternensaal (Bern-Bümpliz, CH)
Laut, hart und ehrlich
Das emMetal Rocks hat 2026 ein Line-up zusammengestellt, das einem den Mund wässrig macht. Mehr Ausreden braucht es nicht, um ohne Umschweife nach Bern zu pilgern.
Genauer gesagt nach Bern-Bümpliz und dort in den Sternensaal. Bereits am Bahnhof treffe ich auf Metalmitinsider Domi the Stick und gemeinsam nehmen wir den letzten Abschnitt der Reise im Tram unter die Räder. Pünktlich zur Türöffnung um 17:00 Uhr treffen wir an der Location ein, wo wir auf eine bunte Menge an Fans treffen. Also im übertragenen Sinne, tatsächlich dominieren Schwarztöne das Bild vor dem Eingang.
Dass bereits früh ein ganzer Haufen Metalheads anwesend ist, führe ich auf die vorbildliche Kommunikation des emMetal Rocks zurück. Schon weit im Vorfeld hat der Organisator sämtliche Spielzeiten bekannt gegeben, was die Planung von Anreise wie – zum Glück noch in ferner Zukunft liegender – Abreise erleichtert. Apropos leicht, der Einlass geht ruckzuck vonstatten und kaum angestanden, sind wir bereits drin. Vor uns liegt ein antiker Saal, viel Holz, aufgemalte florale Muster. Vor uns liegt aber auch ein interessantes Konzertprogramm und damit die Aussicht auf einen Abend voller Metal. Auf ihn mit Gebrüll.
Face the End
Los gehts mit der einzigen Band des heutigen Abends, der ich bisher noch nicht über den Weg gelaufen bin (oder umgekehrt). Von Face the End weiss ich dank des Internets bloss, dass sie Hardcore spielen, sich thematisch anscheinend mit der drohenden Apokalypse auseinandersetzen und personelle Überschneidungen mit HAK in Form von Gitarrist Hauser haben. Das Quartett aus Zollikofen hat heute fast ein Heimspiel. Ob es deswegen derart motiviert ist? Oder gehen die Jungs an all ihren Konzerten von Beginn weg derart ab? Face the End spielen auf, als ob bereits zwei Vorbands den Sternensaal aufgewärmt hätten. Nach kurzer Zeit ist vergessen, dass wir erst beim Opener des heutigen Abends sind. «Ich vermisse dich» sticht früh nicht nur wegen seines deutschen Textes, sondern genauso wegen seiner eingängigen Hookline heraus. Da ist nicht nur Hardcore drin, sondern ebenso viel Metal, und zwar der groovigen Sorte. Eine richtig coole Mischung.
Es bleibt nicht bei diesem einen Song: «Forsaken», «Here We Go», «Relationshit» – es folgt ein Treffer nach dem anderen. Alles gut hörbar, die Soundcrew beherrscht ihre Arbeit zweifellos. Die Protagonisten auf der Bühne ebenso. Mit nur einer Gitarre so einen Druck zu erzeugen, wie wir ihn gerade auf die Ohren gepfeffert kriegen, verdient Anerkennung. Das Publikum spendet sie gerne und bleibt nachsichtig, als Face the End einen Song verhauen. Irgendwann brechen sie ab. Sänger Matt tadelt Gitarrist Hauser, bevor er eine Wiederholung vorschlägt. Fehler sind menschlich, menschlich ist sympathisch. Also nochmals von vorne und dieses Mal klappts. Um auch dem hinterletzten der bereits zahlreich Anwesenden klarzumachen, dass sie starkes Songmaterial haben, bringen Face the End kurz vor Schluss schliesslich ein Cover von Michael Jacksons «Beat It». Das ist originell aufbereitet, doch die Grundsubstanz bleibt weit hinter dem restlichen Material der Band zurück. Alles richtig gemacht bei den Eigenkompositionen, würde ich sagen. Nach dem dreiviertelstündigen Auftritt kann ich somit kurz und knapp zusammenfassen: Das hat gefetzt. Danke für die positive Überraschung, Face the End.
Judge Minos
Die Umbaupause geht zügig vonstatten, eine halbe Stunde später ist alles bereits für die nächste Ladung Metal. Jetzt kommen wir bandtechnisch in bekannte Gefilde. Oder besser gesagt: bekanntere. Meine aktuelle Erinnerung an Judge Minos geht zurück auf das Jahr 2023. In der Met-Bar musste die Band damals ohne ihren kranken Sänger auskommen und konnte dementsprechend leider nicht ihr volles Potenzial zur Schau stellen (den Konzertbericht könnt ihr hier nachlesen). Immerhin mit einer Vierfünftelversion habe ich also bereits Bekanntschaft gemacht. Heute Abend soll das anders sein, das Quintett ist vollzählig erschienen. Mitgebracht haben sie uns ihren Mix aus Heavy, Thrash und Epic Metal – wohl austariert und vor allem mit einer sackstarken Stimme ausgestattet, die live noch besser zur Geltung kommt als auf CD. Ja, so ein Sänger ist schon Gold wert. Mehr noch, wenn er zusätzlich ein Frontmann mit Ausstrahlung ist.
Und diesbezüglich weiss Shane Eagle zu punkten. Mit seiner Präsenz zieht er die Blicke auf sich. Selbstsicher schreitet er bei seinen Einsätzen über die Bühne, zieht sich hingegen in instrumentalen Passagen immer wieder zurück, um seinen Mitstreitern das Rampenlicht zu überlassen. Die glänzen mit sauberer Saiten- und Schlagzeugarbeit, was dank der Soundcrew differenziert hörbar ist. So lobe ich mir das. Nicht nur ich, wie es scheint. Die Fans in den vorderen Reihen feiern die Band ab und haben sichtlich Spass. Die gerade ausgerichtete Soundanlage treibt allerdings einen grossen Teil des Publikums etwas nach hinten. Seis drum, so haben wir hier vorne angenehm viel Platz, um ausgiebig zu headbangen. Die Zeit vergeht dergestalt wie im Flug. Bereits schaut der letzte Song um die Ecke, da tritt Gitarrist Dominic Blum ans Mikro. Das letzte Stück hier am emMetal Rocks 2026 widmen sie ihrem langjährigen Fan Zoltan, der leider kürzlich verstorben ist. Eine schöne Geste, dazu ganz sympathisch rübergebracht. Nach «Believe Or Die» ruft dann aber definitiv der strenge Zeitplan. 45 Minuten nachdem Judge Minos die Bühne betreten haben, verlassen sie sie wieder. Mir bleibt Fazit zu ziehen und ich komme zum Schluss, dass ich die Bandversion mit Sänger ganz klar bevorzuge (wer hätte das gedacht). Die fünf Herren haben in dieser Besetzung auf der ganzen Linie überzeugt. Jederzeit gerne wieder.
Amethyst
Die Umbaupause gibt den Anwesenden Zeit für einen Barbesuch, danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Auch die nächste Band durfte ich in der Vergangenheit bereits auf der Bühne erleben. Am Metalheadz Open Air 2024 beeindruckten mich Amethyst mit ihrer professionellen Ausstrahlung. Wer mehr wissen will, findet hier den Bericht dazu. Ob ich heute besseren Zugang zu ihrem Songmaterial finden werde? Das gelang mir beim letzten Zusammentreffen nämlich nur bedingt. Nun, wir werden sehen. Eine ganze Stunde steht Amethyst zur Verfügung, um uns ihre Mischung aus Rock der Siebzigerjahre und Heavy Metal um die Ohren zu hauen. Langsam geht es die fünfköpfige Truppe deswegen nicht an. Ganz im Gegenteil stürmen sie zum Intro auf die Bühne und posen um die Wette, als gäbe es kein Morgen. Wie beim letzten Mal ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Band Energie freisetzt, beeindruckend. Bei Amethyst stimmt einfach die Chemie auf der Bühne.
Weniger gut stimmt leider die Abmischung – und das trotz eines ausgedehnten Soundchecks, der beinahe die ganze Umbaupause in Anspruch genommen hatte. Sänger Fredric und Gitarrist Yves sind kaum hörbar. Woran das liegt, kann ich nicht feststellen. Es ist nicht so, dass die anderen Instrumente zu laut wären. Viel eher wirkt es, als ob irgendwo ein Schalter nicht umgelegt wurde oder ein Regler zu wenig aufgedreht ist. Das ist sehr schade, denn so fehlt etwa die Hälfte der Musik und es fühlt sich an, als ob man Stereosound nur mit einer Kopfhörermuschel hört. Zum Glück sind viele eingefleischte Fans, die mit den Liedtexten vertraut sind, anwesend. So müssen wir hier vor der Bühne nicht ganz ohne Gesang auskommen. Für den Ausgleich an der Gitarre sorgt derweil auf der Bühne Phil Lainović. Mannomann, der weiss vielleicht, wie man Attitüde buchstabiert. Von den geringfügigen technischen Problemen mit seinem Monitor lässt er sich schon gar nicht aufhalten. Auf diese Weise bringen Amethyst ihren Auftritt am emMetal Rocks 2026 in trockene Tücher und werden unter ebenso grossem Applaus verabschiedet wie die beiden Bands vor ihnen.
Hellripper
Drei sind durch, doch ein vierter Act steht noch bereit. Derjenige, auf den viele im Publikum hingefiebert haben. Derjenige, der Gegenstand vieler Gespräche vorab war. Der Headliner des heutigen Abends. Hellripper. Mit den Schotten hatte ich in jüngerer Vergangenheit des Öfteren das Vergnügen und war von ihren Liveshows immer sehr angetan. Zuletzt war es aber keine Konzertlocation, in der ich mich mit der Musik der Schotten auseinandersetzte, sondern die zwei Meter vor meiner Stereoanlage. Hellripper haben nämlich gestern ein neues Album veröffentlicht (und natürlich gibt es auch ein Review dazu, hier entlang bitte). «Hoffentlich berücksichtigen sie das angemessen in ihrer Setlist», schiesst mir noch durch den Kopf, bevor das Viergespann selbigen mit «All Hail The Goat» unerbittlich zum Headbangen verdammt. Der Sound dröhnt kristallklar aus den Boxen, der Moshpit explodiert ab dem ersten Riff. Die Fans halten nur inne, wenn James McBain seine bodenständigen Ansagen zum Besten gibt oder die Band ihre Instrumente stimmt. Gerade das Stimmen nimmt einigen Raum ein, wodurch das Konzert weniger einem strömenden Fluss gleicht, als vielmehr einer Abfolge von einzelnen Eruptionen, unterbrochen von winzigen – und bitter nötigen – Pausen, in denen wir Atem schöpfen können.
In diesen Mikropausen während des Stimmens bleibt Zeit für Gedanken an die Setliste. Die ist heute perfekt ausbalanciert. Das Material des neuen Albums «Coronach» ist ebenso wie dessen Vorgänger würdig vertreten, doch auch die Anfänge der Band und ältere Songs kommen zum Zug. Auf diese Weise wird einmal mehr offensichtlich, welche Fortschritte James McBain als Komponist über die letzten Jahre gemacht hat. Das neuere Material setzt im Vergleich zu den weiter zurückliegenden Stücken definitiv einen drauf. So auch «Warlocks Grim & Withered Hags», der einzige Moment, in dem Hellripper heute Abend das Tempo länger als einige Takte zügeln (dafür bietet der Song Mitsingmöglichkeiten im Refrain). Mehr als ein langsame(re)s Lied steht aber nicht auf dem Programm, die Band drückt das Gaspedal im Anschluss wieder durch bis zum Anschlag. Wie ein Schnellzug ausser Kontrolle rasen Hellripper durch ihre Songs. Völlig irrwitzig, was die vier Jungs abliefern. Müdigkeit? Keine Spur. Wer einen Hochgeschwindigkeitskracher wie «The Nuckelavee» an drittletzter Stelle eines schweisstreibenden Sets bringt, wird wohl von einem Atomreaktor angetrieben. Kühlung bringt die Bierdose, die sich James kurz vor Ende des Konzerts am Kopf aufschlägt. Airbourne lassen grüssen, der Nackenmuskelkater aus der Zukunft übrigens ebenso. Bis es nach siebzig Minuten endet und Hellripper einen begeisterten Sternensaal zurücklassen.
Das Fanzit – emMetal Rocks 2026
Laut, hart und ehrlich werde das emMetal Rocks 2026 sein, hat der Veranstalter angekündigt. Er sollte recht behalten. Vier Bands, vier mitreissende Auftritte, ein voller Erfolg. Für das emMetal Rocks ebenfalls; Organisator Marcus lässt uns wissen, dass die nächste Durchführung (wahrscheinlich am 10. April 2027) dank des zahlreichen Erscheinens der Fans gesichert ist. Was will man mehr?
Die Setlist – Face the End
- Come With Me
- Pretend
- Ich vermisse dich
- Forsaken
- Here We Go
- Relationshit
- Unleash (mit Countdown-Intro)
- Psycho Bitch
- Pain
- Beat It (Michael Jackson-Cover)
- Face The End
Die Setlist – Judge Minos
- Henchmen
- Sinner’s Hymn
- Orion
- Tcboo
- Nuclear Winter
- The Deadman
- Believe Or Die
Die Setlist – Amethyst
- Intro
- Into The Black
- Stand Up And Fight
- Nightstranger
- Running Out Of Time
- Queen Of A Thousand Burning Hearts
- Another Time
- Rock Knights
- Chasing Shadows
- Stormchild
- Embers On The Loose*
*Zugabe
Die Setlist – Hellripper
- All Hail The Goat
- Hell’s Rock ’n‘ Roll
- Kinchyle (Goatkraft And Granite)
- The Hanging Tree
- The Affair Of The Poisons
- Mortercheyn
- With The Everlasting Hellfire
- Warlocks Grim & Withered Hags
- Goat Vomit Nightmare
- Hunderprest
- The Nuckelavee
- Mainline (Zeke-Cover)
- Bastard Of Hades


