Metalinside.ch . Linkin Park . Letzigrund Zürich 2026 . Foto pam 057
Di, 30. Juni 2026

Linkin Park, Clipse, Phantogram

Letzigrund (Zürich, CH)
/ 10.07.2026

Schwimmbad Letzigrund

Die Nu Metal-Ikonen Linkin Park begeisterten am Dienstagabend 50’000 Fans im Zürcher Stadion Letzigrund. Selbst ein Unwetterunterbruch (mit feuchtfröhlichen Folgen) vermochte den Triumphmarsch nicht vollständig aufzuhalten. Aber wie hat sich Sängerin Emily Armstrong effektiv geschlagen? Und weshalb passten die beiden Vorgruppen nicht wirklich in das Gesamtbild?

Dutti: Zweiter Anlauf für Linkin Park, um die Schweiz mit der «From Zero World Tour» zu beglücken. Eigentlich hätten die Amis schon vor rund einem Jahr auf helvetischem Grund aufschlagen und ihre hiesigen Anhänger verzücken sollen. Obschon sie präsent waren, musste der geplante Auftritt auf dem Bernexpo-Areal dann plötzlich abgesagt werden. Ultrakurzfristig (ja, die Geländeöffnung stand unmittelbar bevor) und angeblich aufgrund der Erkrankung eines Bandmitglieds. Was damals tatsächlich vorgefallen ist, bleibt bis zum heutigen Tag ein ungelöstes Rätsel respektive Mysterium. Dennoch können die Schweizer Fans der Equipe aufatmen, denn das Konzert wird nachgeholt. Aus diesem Grund pilgere ich just in diesem Augenblick gemächlichen Schrittes in Richtung Stadion Letzigrund, um für ein paar Stunden in nostalgische Teenie-Erinnerungen einzutauchen. Jawohl, ihr habt korrekt gelesen. Der Nachholtermin geht in Zürich-Altstetten – und nicht mehr in der Bundesstadt – über die Bühne, was für mich aufgrund des kürzeren Reiseweges definitiv ein Segen ist.

Der Suizid von Chester Bennington im Jahr 2017 hat die metallische und rockige Welt fraglos aufgewühlt und Spuren hinterlassen. Er war ein weiteres, tragisches Indiz dafür, wie schlecht man nach wie vor mit Themen wie Depressionen in unserer Gesellschaft umgeht. Fragt euch ruhig einmal selbst, wie gut ihr euer Gegenüber effektiv kennt und hinter die Fassade blicken könnt. Unter so manch stabil wirkender Oberfläche schlummert eine gepeinigte Seele, die ihr Leid im Stillen erduldet. Nach diesem herben Verlust verschwanden Linkin Park – verständlicherweise – vorerst von der Bildfläche. Komplett aufgelöst hatte sich die Gruppe allerdings nie – und im September 2024 folgte schliesslich eine Ankündigung mit dickem Ausrufezeichen. Comeback! Neues Album («From Zero»)! Neues Gesicht am Mikrofon (Emily Armstrong)! Welttournee! Aber wie werden die neuen Kompositionen im Live-Gewand wirken? Und sind die Fussstapfen, in welche Emily da gezwungenermassen treten muss, eventuell zu gross? Nach der heutigen Darbietung werden wir diesbezüglich garantiert schlauer sein.

Bei den Nu Metallern aus Kalifornien haben es mir insbesondere die ersten beiden Silberlinge «Hybrid Theory» und «Meteora» angetan. Darauf sind unzählige Hits zu finden, die eine ganze Generation geprägt haben. Das darauffolgende «Minutes To Midnight», welches unter anderem die «Transformers»-Filmsoundtrack-Hymne «What I’ve Done» enthält, war ebenfalls noch okay, aber danach folgten bedauerlicherweise vermehrt Ausflüge in elektronische und modernere beziehungsweise abstraktere Gefilde. Dass die Musiker mit ihrem aktuellen Streich «From Zero» zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind, dürfte wohl nicht bloss meine Wenigkeit mit Glückseligkeit erfüllt haben. Vorerst soll jedoch genug über Linkin Park geplaudert worden sein. Schliesslich gilt es vor dem Headliner noch zwei Support-Acts zu begutachten. Zudem ähnelt das Stadion immer mehr einem Glutofen. Selbstverständlich versuchen wir deshalb vorbildlich mit Hopfentee hydriert zu bleiben. Als routinierter Konzert- und Festivalgänger habe ich trotzdem auch einen Regenschutz eingepackt. Dass dies überhaupt keine dumme Idee gewesen ist, wird sich später noch herausstellen…

Phantogram

Das aus dem US-Bundesstaat New York stammende Duo Phantogram macht den Anfang. Die zwei Akteure haben sich irgendwo zwischen elektronischem Rock und Indie-Pop eingenistet. Dass sowohl Sarah Barthel als auch Joshua Carter Trikots des FC Zürich tragen, mag zwar zur heutigen Spielstätte passen, könnte unter den Fans aber gleichzeitig zu Kontroversen führen (aufgepasst, schliesslich tummeln sich zweifellos ebenfalls Sympathisanten des FC Winterthur oder der Grasshoppers in den Publikumsreihen). Obschon ich kaum glaube, dass sich die auftretenden Amis über all diese Punkte im Klaren sind. Sarahs Rückennummer ist übrigens die 69 (ein Schelm, wer da auf falsche Gedanken kommt). Unglücklicherweise lässt mich diese «Synthesizer-Orgie» kaum aus den Latschen kippen und sorgt bei meiner Wenigkeit viel eher für Stirnrunzeln. Naja, vielleicht agiert der zweite Support-Act ein bisschen überzeugender.

Clipse

Das Hip-Hop-Duo Clipse wird stilecht von einem «MC» angekündigt und bringt das Stadion ab 19:10 Uhr zum Hüpfen und «Bouncen». Das ist nun fürwahr keine Mucke für Metaller, weckt aber immerhin Erinnerungen an meine Sekundarschulzeit. Clipse agieren besser als Phantogram. Trotzdem haben Metallica doch erst vor circa einem Monat an selber Stelle eindrücklich bewiesen, dass man sich durchaus brauchbare Einheizer-Truppen in sein Vorprogramm holen und die Massen damit optimal einstimmen kann. Linkin Park (respektive das zuständige Tour-Management) haben diese Chance meines Erachtens klar vertan. Und so lausche ich den Rappern Malice und Pusha T ziemlich emotionslos zu, nippe an meinem Kaltgetränk und staune über verdammt «einleuchtende» Texte der Marke «Keys Open Doors».

Linkin Park

Die Hauptattraktion des Abends kündigt sich unter anderem mit «Star Wars»-Klängen und einem zehnminütigen Countdown an. Als dieser vorüber ist, folgt abermals ein kurzes Intro, ehe mit «The Emptiness Machine» im flotten Galopp losgelegt wird. Mastermind Mike Shinoda und Emily Armstrong trällern munter um die Wette. Die Blondine hebt dabei bereits ihr kräftiges Stimmorgan hervor und liefert gleichzeitig den Beweis dafür, dass auch ein Schlabberlook attraktiv wirken kann und weibliche Künstlerinnen nicht ständig in ultraknappen Höschen über die Bühne flitzen müssen. Mein erstes Highlight ist diskussionslos das anschliessende «Lying From You». Nun kann Mike seine geliebten Rap-Parts präsentieren, während Emilys Schreie die Luft zerfetzen. Das leicht schnulzige «Over Each Other» nimmt etwas den Fuss vom Gaspedal, ehe danach erneut mit der grossen Nostalgiekelle angerührt wird. «Somewhere I Belong» – ein weiteres Mal treten die offensichtlich in meiner Haut verborgenen Hühner-Gene ans Tageslicht. Beeindruckend, welche Wirkung Musik auf einen haben kann.

Für «Up From The Bottom» greift Emily ebenfalls zur Klampfe und während «The Catalyst» kommen lila Konfettikanonen zum Einsatz. Ob unser Chef pam (ja, der sollte auch irgendwo im Stadion herumstiefeln und Fotos schiessen) damit ähnliche Probleme hat, wie bei Auftritten der Thrash-Legenden Kreator?

pam: Presente. Fötzelikanonen bei Open-Air-Konzerten und Festivals sind umwelttechnisch immer ziemlich doof und unnötig. Egal ob Kreator oder sonst wer. Aber ich bin eh grad am Kamera Abgeben und zurück ins Geschehen Laufen, drum hab ich keinen grossen Aufreger erleben müssen 😉.

Dutti: «Burn It Down» wird lautstark aus unzähligen Kehlen mitgesungen, während der Himmel konstant dunkler wird. Das wirkt langsam beängstigend bedrohlich. Dabei haben doch sämtliche Apps prophezeit, dass das Unwetter an uns vorbeiziehen wird. Pustekuchen! Zu «Where’d You Go» und «Waiting For The End» beginnt der Himmel zu weinen – und zwar flutartig! Ist das allenfalls ein Zeichen von Chester aus den himmlischen Sphären? Nimmt ihn das Gezeigte seiner ehemaligen Weggefährten (und seiner Nachfolgerin) emotional mit? Es darf gerne spekuliert werden. Doch wir müssen vorerst flüchten. Die Show wird unterbrochen. Zu gefährlich ist das um uns herumtobende Gewitter. Wann und ob es wohl weitergehen wird? Keine Ahnung.

Den Göttern sei Dank, dass ich an meinen Regenschutz gedacht habe. Dieser ist jetzt nämlich Gold wert. Im Aussenring der Location hat man ohnehin Zeit und Platz, um wieder etwas trockener zu werden. Das Warten wird mit Diskussionen über das bisherige Konzert und die Fussball-Weltmeisterschaft überbrückt. Schliesslich folgt nach rund vierzig Minuten die sehnlichst erwartete Info. Die Show kann fortgesetzt werden (und es sei zudem glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen). Na dann, ab hinunter ins Getümmel!

pam: Im Nachhinein kann ich den vierzigminütigen Unterbruch aus «Sicherheitsgründen» nicht ganz nachvollziehen. Also ja, die Band war in Sicherheit. Und die grosse Mehrheit der Fans, die im Stehplatzbereich dem Regen und Unwetter voll ausgesetzt war? Die durften jetzt halt einfach vierzig Minuten (länger) im Regen stehen. Ist ja nicht so, dass es an Festivals und Open-Air-Konzerten sonst nie regnet. Dass man dann grad das Konzert so lange unterbrechen muss, ist etwas fragwürdig. Zumindest hab ich das noch nie erlebt … und ich stand doch einige Male schon ziemlich im Regen. Wer erinnert sich beispielweise an Metallica in Basel 2014? Dauerregen mit entsprechenden – echten – Blitzen bei «One».

Wenn es wirklich gefährlich gewesen wäre, hätte man ja das Stadion evakuieren müssen … Der Regen war jedoch schon ziemlich fett. Beim ersten Tropfen in mein Bierbecher hat es mein Gesicht verspritzt. Die Dinger waren wirklich, wirklich gross und zu einem Hagelsturm fehlte effektiv wenig. Immerhin gehts jetzt weiter. Back to Dutti.

Dutti: Der Headliner setzt sein Set in gelungener Manier mit «With You» fort. Das Stück wird gemeinsam mit den beiden Rappern von Clipse dargeboten. Am Firmament wüten die Blitze unaufhaltsam weiter. Vom Setting her würden somit eigentlich eher Tracks wie «Ride The Lightning» (Metallica) oder «Twilight Of The Thunder God» (Amon Amarth) passen. Obschon auch Linkin Park ausreichend Kracher in ihrer Diskographie zur Verfügung haben. Das nun aus den Boxen dröhnende «Two Faced» ist ein ideales Beispiel für diese Aussage. Eindeutig einer meiner Lieblinge von der frischen Scheibe «From Zero». Danach werden die «Hahn»-Festspiele eingeläutet und der Herr mit koreanischen Wurzeln lässt seine Scratch-Fähigkeiten sprechen. Etwas später im Rahmen der kurzen Hommage an Mike Shinodas Projekt Fort Minor («Remember The Name») thront plötzlich Emily hinter der Schiessbude. Jep, dieses Mädel ist verflucht vielseitig unterwegs. Respekt!

Gerne sei noch angemerkt, dass die Bühne verhältnismässig schlicht bestückt ist und locker ohne pompöses Tamtam auskommt. Ein paar riesige Videoscreens und eine ansprechende Licht-Show reichen den Nu Metal-Ikonen völlig. So richtet sich der Fokus logischerweise intensiver auf die Musik – was ich absolut befürworte. Und im Schlussdrittel wird ohnehin ein gnadenloses Hitfeuerwerk gezündet. Unter anderem kommen «One Step Closer», das nach wie vor unterbewertete «Breaking The Habit», «What I’ve Done», «Numb» (bei welchem das komplette Stadion richtig emotional wird), das nicht minder berührende «In The End» (den Zeilen «I tried so hard, and got so far. But in the end, it doesn’t even matter» sind wir wahrscheinlich schon mindestens einmal in unserem Leben begegnet), das knackige, rasante «Faint» und «Papercut» zum Handkuss. Den endgültigen Schlusspunkt setzt schliesslich das stets zum Klatschen animierende «Bleed It Out», nach dessen Ende wir uns für eine (trotz Wolkenbruch-Exkurs) mitreissende Linkin Park-Show bedanken dürfen.

pam: Danke Dutti. Wie immer hervorragend berichtet. Normalerweise darf man bei Konzerten für die ersten drei Songs in den Fotograben. Doch heute drängt man es uns schon fast auf, dass wir zusätzlich die drei Zugaben fotografieren. Zum Glück ohne Regen. Da lass ich mir das nicht entgehen und wie so oft gibt es dann auch die besten Fotos, weil die Protagonisten sich zu diesem Zeitpunkt ganz nach vorne auf den Catwalk wagen. Es ist ein richtiges Auf und Ab – inklusive Ausflüge runter zum Publikum (siehe Fotos). Sehr coole Sache. Allgemein wirkt die Band – insbesondere Mike – sehr bodenständig und nahbar. Eher etwas überraschend wenig Emotionen zeigt Emily. Da hätte ich ein wenig mehr erwartet. Siehe auch gleich unten im Fanzit.

Das Fanzit – Linkin Park, Clipse, Phantogram

Dutti: Bis zum heutigen Tag war mir nicht bewusst, dass das Stadion Letzigrund auch als «Schwimmbad» funktionieren kann, denn ansonsten hätte ich wahrscheinlich präventiv eine Badehose eingepackt. Ja, der Gewitterunterbruch war unnötig, aber wir konnten definitiv froh sein, dass die Performance anschliessend fortgesetzt werden konnte und – zumindest gemäss meinem Informationsstand – niemand verletzt wurde. Die beiden Vorgruppen Clipse und Phantogram waren kaum berauschend und man hätte ihre Slots sicherlich optimaler besetzen können. Der Headliner Linkin Park vermochte hingegen von A bis Z zu überzeugen. Solide Songauswahl, eine durchaus erträgliche Soundqualität und mit Emily Armstrong eine Frontfrau, die einen grandiosen Job abgeliefert hat. Ein wichtiges Element ist fraglos die Tatsache, dass sie ihren Vorgänger nicht zu imitieren versucht, sondern ihr eigenes Ding durchzieht. Trotzdem werden wir den unerreichten Chester Bennington auf ewig vermissen. R.I.P.

pam: Positiv überrascht hat mich vor allem die konzertbiedere Stadt Zürich. Normalerweise ist oder muss im Letzigrund um 22:30 Uhr Ton aus sein. Trotz der vierzigminütigen Pause spielten meines Wissens Linkin Park ihr ganzes geplantes Set verlängert bis 23 Uhr. Chapeau Züri.

Dafür hat mich Emily ein bisschen enttäuscht. Also, ich muss gestehen, ich war nie wirklich im Nu Metal drin. Wenn, dann aber schon Linkin Park. Ich hab die mit Chester am Greenfield erlebt und das war okay, hatte mich jedoch nicht grad aus den Chucks gehauen. Als «Emptiness Machine» rauskam, war ich schliesslich hin und weg vom Song und insbesondere von Emily. Sie war definitiv eine gute Wahl, um weiterzumachen. Insbesondere, weil sie eine Frau ist und kein Beinahe-Chester-Zwei. Ich find ihr rauher, kraftvoller (Schrei-)Gesang sehr geil. Und live hat sie gehalten, was die Konserve verspricht. Also rein gesangsmässig hat sie definitiv einen grandiosen Job abgeliefert. ABER, sie war für meine Geschmack etwas zu zurückhaltend. Zu cool? Zu schüchtern? Ich hätte von ihr mehr Bühnenpräsenz und Stage-Acting erwartet. Mike war ganz klar der Tätschmeister und hat auch alle Ansagen gemacht. Sie wirkte da eher teilnahmslos. Ich hätte zudem am Ende mehr Emotionen erwartet, da es das letzte Konzert der Tournee war. Alles in allem war es ein guter Konzertabend. Eine ganz grosse Band, die sich eher klein gab und, wie erwähnt, durch Mike sehr nahbar war. Er hätte genauso gut im Publikum stehen können. Das gilt auch für Emily und den Rest der Band. Es standen keine unerreichbaren Superstars auf der Bühne. Und DAS macht sie sehr sympathisch und bleibt positiv in Erinnerung.

Die Setlist – Linkin Park

Intro: UNSHATTER Movie Trailer und Star Wars: Main Title

  1. The Emptiness Machine
  2. Lying From You
  3. Over Each Other
  4. Somewhere I Belong
  5. Up From The Bottom
  6. The Catalyst
  7. Burn It Down
  8. Cut The Bridge
  9. Where’d You Go
  10. Waiting For The End *Regenunterbruch (rund 30 bis 45 Minuten)*
  11. With You (feat. Clipse)
  12. Two Faced
  13. Joe Hahn Solo
  14. When They Come For Me / Remember The Name
  15. IGYEIH
  16. One Step Closer
  17. Lost
  18. Breaking The Habit
  19. What I’ve Done (feat. Phantogram)
  20. Overflow
  21. Numb
  22. In The End
  23. Faint
  24. Papercut*
  25. Heavy Is The Crown*
  26. Bleed It Out*
  27. Outro*

*Zugabe

Die Fotos – Linkin Park


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 10.07.2026
Weitere Beiträge von

Clipse, Linkin Park, Phantogram