Metalinside.ch - Metallica - Letzigrund Stadion Zürich 2026 - Foto Steve 24
Mi, 27. Mai 2026

Metallica, Gojira, Knocked Loose

Letzigrund (Zürich, CH)
/ / 05.06.2026

And Nothing Else Matters

Metallica begeisterten am Mittwochabend rund 50’000 Fans im ausverkauften Stadion Letzigrund. Welche Kompositionen schafften den Weg in die Setlist? Wie kam die 360-Grad-Bühne an? War die Soundqualität brauchbar? Haben sich die Besucher benommen? Wie fielen die Leistungen der beiden Vorgruppen Gojira und Knocked Loose aus? Die Antworten auf all diese Fragen findet ihr beim Durchstöbern des nachfolgenden Textergusses.

Dutti: Big, bigger, Metallica! Die kommerziell wohl nach wie vor erfolgreichste Band des metallischen Sektors verkehrt schlichtweg in völlig anderen Dimensionen. Und wenn die «Four Horsemen» (James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo) rufen, eilen die Massen herbei. Im Rahmen ihrer «M72 World Tour» gastiert das Quartett heute Abend in Zürich. Aufgrund der Produktion und der Grösse dieses Kalibers von Kapelle, sprechen wir dabei nachvollziehbarerweise von einer Stadion-Show (weshalb das Letzigrund zum Handkuss kommt).

Mit im Gepäck haben die Herrschaften ihre 360-Grad-Bühne, auf welche ich überaus gespannt bin. Des Weiteren stellen sich einem im Vorfeld die üblichen Fragen. Welche Songs schaffen es überhaupt in das Programm (Dauerbrenner, Klassiker, ausgegrabene Perlen oder neuer Stoff)? Wie wird sich das Publikum zusammensetzen (Konzert-Tourist, «Cüpli»-Fraktion, Cervelat- bis A-Promi, Medienvertreter, Instagram- und OnlyFans-Chicks oder «Die Hard»-Metallica-Fanatiker)? Welche Eindrücke werden die Aufwärm-Akteure hinterlassen? Wird die Soundqualität einigermassen stabil bleiben? Werde ich beim Anstehen für Hopfentee-Nachschub oder den Toiletten-Besuch (weitere) graue Haare erhalten? Nach den kommenden Stunden werden wir in allen Belangen garantiert schlauer sein.

Meines Erachtens haben Metallica sowieso unbeglichene Schulden bei der Schweiz, denn schliesslich ist die kurzfristige Absage beim 2022er «Out In The Green»-Event noch nicht gänzlich in Vergessenheit geraten. Wegen einer Corona-Erkrankung im näheren Umfeld der Truppe musste damals die Notbremse gezogen werden… Allerdings konnten die Protagonisten bereits zwei Tage später wieder auf der Bühne stehen, was bei hiesigen Anhängern für ziemlichen Unmut gesorgt hat. Nun soll dieses Frauenfelder Versäumnis vier Jahre später in der Limmatstadt nachgeholt werden.

Während gewisse Städte in den Genuss des «No Repeat»-Wochenendes (also zwei Abende mit komplett unterschiedlichen Lied-Auswahlen und Support-Equipen) kommen, bleibt es in Zürich bei einer einzigen Performance. Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt und pilgere ehrfürchtig in Richtung Stadion (wie so oft etwas knapp, da frühzeitige Büro-Abgänge in letzter Zeit eine waschechte Herausforderung sind). Die Vorgruppen klingen ebenfalls vielversprechend. Gojira sind dem geneigten Metal-Fan ohnehin schon ein Begriff. Spätestens seit ihrer atemberaubenden «Mea Culpa (Ah! Ça Ira!)»-Performance während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 in Paris dürften sie sich jedoch definitiv unsterblich gemacht haben. Und Knocked Loose? Bei ihrem Material könnte durchaus eine Chance auf wilde «Prügel-Pits» bestehen. Ob wir diese effektiv im Letzigrund zu sehen kriegen werden?

Metalinside lässt sich dieses Ereignis (und das kaiserliche Wetter) ebenfalls nicht entgehen und ist mit dem einen oder anderen Akteur live vor Ort vertreten. Kumpel Steve kümmert sich beispielsweise um die Fotos. Und der Rest? Wo steckt ihr so? Stehplatz, sichere Sitzmöglichkeit oder gar innerhalb der Rundbühne im legendären (und arg teuren) «Snake Pit»?

pam: Danke Dutti für das ausführliche Intro. Nach dem Frauenfeld Debakel (ich hatte sie damals zwei Tage vorher am Hellfest gesehen …), hab ich Metallica auch ein paar Jahre «boykottiert». OK, es gab eine kleine Ausnahme: Im November 2022 haben sie zu Ehren ihrer ersten Förderer Jon and Marsha Zazula ein Set ausschliesslich mit Songs vom Debüt Kill ‘Em All (1983) bis Ride The Lightning (1984) gespielt. Ein Traum wurde wahr und da musste ich einfach nach Ft. Lauderdale, um dies zu erleben.

Jetzt hatte ich wohl die längste «Metallica-Live-Pause» seit 1991 und bin dementsprechend auch richtig heiss wie das Wetter, die Jungs wieder Mal live zu erleben. Wo ich stehe … ja gar nicht so einfach, sich den richtigen Platz auszusuchen bei der 360°-Bühne. Man wähle sehr strategisch und weise, damit man die vier Reiter auch möglichst oft zu sehen kriegt. Wir entscheiden uns für den Sektor, wo am wenigsten Leute reinkommen. Der «normale» Besucher steht ja dann meist gleich dort, wo er oder sie den Bereich betritt. Für den Snake Pit hat es dieses Jahr leider nicht gereicht – 2019 bei ihrem letzten Letzigrund-Auftritt gehörte ich noch zu den glücklichen Gewinnern (die Snake Pit-Pässe werden jeweils an die ehemaligen Fanclub-Mitglieder – Legacy Members – verlost).

Da ich direkt von einer Messe in Basel komme, schaffe ich es jedoch erst zum Set von Gojira ins Stadion rein. Also faktisch bin ich jetzt noch nicht da. Aber Dutti, du weisst somit schon, wo ich so in ein, zwei Stunden stehen werde. 😉

Knocked Loose

Dutti: Wenig überraschend wirkt der Stehplatzbereich kurz vor dem Knocked Loose-Auftakt (angesetzt auf 17.30 Uhr) lückenhaft. Die Mehrheit der Besucher versucht die der Sonne ausgesetzten Flächen noch zu vermeiden und verharrt vorerst lieber an schattigeren Plätzen. Ausserdem werden einige Personen um diese Zeit überhaupt erst in den Feierabend verduften können. Trotzdem legen die Amis aus Oldham County, Kentucky pünktlich los. Augenscheinlich sind sie zu fünft, obwohl ich Drummer Kevin Kaine lediglich auf den «Lampion-ähnlichen» Videoscreens erspähe, welche rund um die «Spielwiese» aufgebaut wurden. Freilich ein Nachteil der 360-Grad-Bühne. Aus Stehplatz-Optik ist sie etwas zu niedrig, so dass man die Musiker lediglich sporadisch erkennt. Für die Künstler selbst dürfte es allerdings ein wahr gewordener Bubentraum sein, dass sie sich auf einer solch grossen Plattform austoben dürfen.

Das Gemisch aus Hardcore Punk und Metalcore würde durchaus einladen, um ein bisschen mitzuturnen, aber die Zuschauer verharren mehrheitlich im passiven Beobachtungsmodus. Die regelmässigen Moshpit-Aufforderungen versanden im Nirwana. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass Sänger Bryan Garris wie eine wütende Version von «Mickey Mouse» klingt. Seine Stimme ist phasenweise effektiv gewöhnungsbedürftig. Bezogen auf den Sound wären jedoch einzelne Headbanger-Momente gegeben. Eventuell kommen Knocked Loose und ihr Material morgen Abend besser zur Geltung, denn dann werden sie – nicht unweit der heutigen Spielstätte – im Komplex 457 auftreten und zweifellos für einen schweisstreibenden Hardcore-Abriss sorgen. Davon bin ich überzeugt.

Gojira

Dutti: Allez Gojira! Die Franzosen setzen sogleich ein fettes Ausrufezeichen und eröffnen ihr Set mit «Born For One Thing». Das zeugt von einem gewissen Niveau, und ja, es ist glasklar festzustellen, dass hier keine Amateure am Werk sind. Die Besucher haben sich in der Zwischenzeit vermehrt (also, nicht aufgrund irgendwelcher Geschlechtsakte), mimen aber nach wie vor lieber Salzsäulen. Trotzdem nimmt die Zahl der Mähnenschüttler stetig zu, was mich überaus positiv stimmt. Auf der Bühne ballern derweil die Riffs und Drums ordentlich. Und auch der Gesang des energiegeladenen Joe Duplantier knallt! Mit «Stranded» (da zuckt es richtig im Nacken) und «Flying Whales» haut der Vierer geschmeidig weitere Hits seiner umfassenden Diskographie raus. Als zusätzliche Effekte kommen jetzt Rauchfontänen zum Einsatz (der feurige Stoff dürfte wohl dem Headliner vorbehalten sein).

Und dann kommt er! Der knallharte Kracher, welcher auf den Namen «Mea Culpa (Ah! Ça Ira!)» hört. Ohne zu zögern ist mein gesamter Körper mit Hühnerhaut übersät. Ufff! Falls ihr jemals eine Revolution starten und diese mit einer passenden Hymne untermalen möchtet, wäre das fraglos der ideale Soundtrack für dieses Vorhaben. Weil direkt im Anschluss «Silvera» folgt, bleibt die Intensität fortwährend hoch. Der längst ohne Shirt auskommende Mario Duplantier (korrekt, das ist der jüngere Bruder des Frontmanns) drischt mit voller Kraft auf seine Felle ein. Nach meinem Empfinden ist die Abmischung zwar nicht überragend, aber trotzdem solide (was wahrscheinlich je nach Standort in der Location anders wirken könnte). Mit dem exotischen «Amazonia» beenden Gojira nach rund einer Stunde ihre mitreissende und überzeugende Darbietung. Also, ich persönlich bin nun bestens eingestimmt auf die Hauptattraktion der heutigen Veranstaltung.

Metallica

Dutti: Die Anspannung steigt, doch die im US-Bundesstaat Kalifornien verwurzelten Herren lassen sich etwas Zeit. Müsste man hier allenfalls von der ominösen «Headliner-Verspätung» sprechen? Als aus den Boxen der AC/DC-Track «It’s A Long Way To The Top» erklingt, stehen die Zeiger auf 20.15 Uhr. Erneute Hühnerhaut-Phasen werden dann schliesslich durch das standesgemässe «The Ecstasy Of Gold»-Intro ausgelöst (mitjohlende «Oho»-Chöre ahoi!). Danke an Ennio Morricone für diese bombastische Komposition, welche den geneigten Fan emotional beinahe schon an dessen Grenzen bringt. Was ebenfalls umgehend auffällt, ist die Tatsache, dass Metallica bei den LED-Bildschirmen die gesamten Flächen zur Verfügung haben (bei den Vorgruppen war es jeweils nur ein Bruchteil davon).

Zum Auftakt setzt man auf Stoff des 1984er-Eisens «Ride The Lightning». Zu «Creeping Death» darf ordentlich mit dem Kopf genickt werden. Auf der Bühne (und den Screens) ist derweil ein ergrauter, aber ungeachtet dessen breit grinsender James Hetfield zu sehen. In motivierter, charismatischer Manier lässt er gekonnt den Frontmann raushängen. Danach läutet bereits die Glocke («For Whom The Bell Tolls»). Die knackigen Basslinien des gezöpfelten Robert Trujillo lassen das Letzi regelrecht erbeben. Hinzu kommt das lockige Riff-Ungetüm Kirk Hammett, dessen Finger wieselflink über seine Saitenkönigin flitzen. Mit «Cyanide» hätte ich nicht unbedingt gerechnet, aber diese Wahl führt dazu, dass ich weiterhin mit jeder Menge Textsicherheit brillieren kann. Wobei das «Death Magnetic»-Album diskussionslos den einen oder anderen Hit zu bieten hat (das wird mir übrigens im späteren Konzertverlauf gleich nochmals bewusst werden).

Vor dem «Kummer-Ernte-Einsammler» (besser bekannt als «Harvester Of Sorrow») stellt James zufrieden fest, dass es schlichtweg unfassbar sei, dass die Fans selbst nach 45 Jahren immer noch zu Metallica-Darbietungen pilgern würden. Anschliessend folgt – und so viel nehme ich gerne vorweg – der für mich einzige Schwachpunkt der heutigen Setlist: «Lux Æterna». Das ist notabene das «frischeste» Lied im Programm. Blöderweise will dieser Track bei mir allerdings überhaupt nicht zünden (fairerweise sei angemerkt, dass ich mich sowieso kaum mit dem «72 Seasons»-Werk befasst habe). Wie holt man den gerade leicht gelangweilten Dutti in die Spur zurück? Exakt, mit einem grossartigen «The Unforgiven»! Boah, mittlerweile könnte ich glatt als «Ganzkörper-Poulet» durchgehen. Wunderschön, wie die Musik und Strophen ihre Wirkungen entfalten und das Herz vollständig umrahmen. Wem es nach wie vor zu wenig hitzig sein sollte, wird mit dem darauffolgenden «Fuel» (inklusive Pyro-Attacken) hervorragend bedient.

Dann stellt «Papa Het» plötzlich fest, dass sich Ulrich wunderprächtig mit «Zurich» reimt. Da muss der angesprochene Drummer selbstverständlich grinsen. Für die nächsten Minuten gehört das Rampenlicht jedoch ausschliesslich Kirk und Rob. Die beiden Akteure hecken irgendetwas aus und Kenner wissen natürlich, was nun folgt. Eine musikalische Hommage an das jeweilige Land, in welchem sie gerade spielen. Diesbezüglich freut es mich zu erwähnen, dass wir bei Metalinside einen Propheten in unseren Reihen haben, der damals 2019 schon den richtigen Riecher für das zum Handkuss kommende Stück hatte. Ich zitiere Chef pam: «… ich sags ungern, aber in der Schweiz wäre ein «Alperose» oder so wohl die bessere und auch witzigere Wahl». Und siehe da, sieben Jahre später stimmen Metallica tatsächlich den Polo Hofer-Kultklassiker an (Anm. pam: Ui, was man so auf Metalinside.ch alles findet… Das hätte ich jetzt nicht mehr gewusst, dass ich das damals geschrieben hatte …). Damit haben sie das Publikum selbstredend endgültig im Sack. Rob singt wacker auf Schweizerdeutsch und macht dies für Ami-Verhältnisse gar nicht so übel.

Oh, auf den Bildschirmen flackert eine Sanduhr auf. Kommt effektiv schon der Sandman vorbei? Nein, falsche Fährte. Der Vierer haut «The Day That Never Comes» von dem ein paar Zeilen zuvor gelobten «Death Magnetic»-Silberling raus. Ein Song, der von balladesker Akustik bis hin zu wilden Eskalationen alles bietet (und wohl genau aus diesem Grund so fantastisch ist). Mit dem nachfolgenden «Wherever I May Roam» macht man ebenfalls selten etwas falsch. Über die nächste Komposition müssen grundsätzlich keine Worte verloren werden (obschon ich es trotzdem tun werde). Von der «Cüpli-Fraktion» bis zum «Die Hard»-Anhänger – wirklich alle kennen das bekannteste und erfolgreichste Erzeugnis aus der Metallica-Schmiede. «Nothing Else Matters». Mitgesungen von rund 50’000 Kehlen, während sich das Stadion in ein atemberaubendes Lichtermeer verwandelt. Innehalten und geniessen ist angesagt. James ergänzt im Anschluss: «When you’re in the Metallica-family, you can’t leave. We will hunt you down and love you!».

Nach der Gefühlsduselei wird die Gangart dank des knackigen «Sad But True» nochmals ein wenig rauer. Der darauffolgende Lärm von vorbeifliegenden Flugzeugen und das konstante Maschinengewehrfeuer künden schliesslich das epische «One» an. Ganz ohne Ehrung des Debüts «Kill ‚Em All» wollen uns die Herren keinesfalls in den Feierabend entlassen. Diesbezüglich fällt die Wahl auf «Seek & Destroy». Die Puppen sollen ebenfalls noch tanzen. Ja, «Master Of Puppets» zählt definitiv zu meinen grossen Favoriten der «metallica-schen» Diskographie. Welch ein Kracher! Für das endgültige Finale sorgt das von mir irrtümlich bereits früher angekündigte «Enter Sandman». Überall werden ein letztes Mal die finalen Energie- und Kraftreserven mobilisiert, ehe sich die Protagonisten nach rund 130 Minuten ausgiebig von der Zuhörerschaft verabschieden.

pam: Danke Dutti für deine «spontane» Review. Eigentlich ist alles gesagt und toll, deine Sicht als etwas jüngere Person zu lesen. Vor allem, was die Setlist betrifft. Nun, ihr kennt die Leier, die älteren Songs sind geiler. Aber wenn Leute wie Dutti oder gar noch Jüngere das zu spielende Liedgut wählen könnten, wären da wohl nicht ausschliesslich Songs aus den vier ersten Alben auf der Liste. Mein erstes Metallica-Album war «Kill ‘Em All» (also nicht, als es rauskam … so ein alter Sack bin ich jetzt auch nicht 😉), aber ich wurde trotzdem mit dem Debüt «metallicasiert». Es war auch lange mein Lieblingsalbum, bis ich mit «Master Of Puppets» so richtig in Berührung kam. Das ungeschlagene Meisterwerk aller Zeiten und Genres. Und jetzt spielt Metallica genau einen Song davon! Und von Kill ‘Em All war es auch nur einer. Da kann ich persönlich von einer astreinen Setlist sprechen. Und welche Band könnte es sich schon erlauben, vom besten Album nur einen Song zu spielen?

ABER, ich gebe es zu, so uncool ist die Setlist schlussendlich auch für mich nicht. Denn a) hat Metallica kaum einen wirklich schlechten Song und b) ist es ja schon sehr cool, dass sie auf dieser Tour die Songs so stark variieren. Bei den durchorganisierten Shows ist das heutzutage schon eher eine Seltenheit. Und die «Death Magnetic»-Lieder waren auch aus meiner Sicht immer etwas unterschätzt. Also, wenn dann würde ich gerne mal ein paar der Pflichtsongs wie «Bellz», «Sad», «Matters» weglassen.

Noch was zum Sound und der Spielqualität der vier Musiker. Denn die ist mehrheitlich gut bis sehr gut. Ich finde, Kirk und Lars sind mehr oder weniger inline mit dem Metronom James Hetfield. Das war nicht immer so. Und lieber nicht perfekt, dafür noch live gespielt ohne zig Samples. Und Rob spielt seine Bassläufe sehr stark und die sind auch gut hörbar … fast wie zu Cliff Burton-Zeiten.

Und schliesslich zur «runden» Bühne. Ganz neu ist es ja nicht. Indoor hatten sie die schon öfters mit auf Tour. In einem grossen Stadion kommt der «Nutzen», dass niemand wirklich weit weg von der Bühne ist, noch besser zum Tragen. Wir stehen so gegen Ende des Konzerts kaum mehr als drei Meter von dieser entfernt. Wenn man dann strategisch richtig steht, hat man Lars für einen Viertel des Konzerts wortwörtlich fast zum Greifen nah. Von welcher Band – ob gross oder klein – kann man das schon sagen? Also, dass das Schlagzeug am Bühnenrand steht?

ABER – natürlich kommt wieder ein Kritikpunkt – der Nachteil ist halt, dass man die restlichen drei Viertel der Show Lars dafür kaum sieht. Vor allem die nicht ganz so grossen Zeitgenossen wie ich. Dies gilt auch für die Musiker. Die sind zwar bemüht, sich immer möglichst rundherum zu verteilen und alle zu beglücken. Bei James ist das sogar äusserst systematisch, indem er so nach jedem zweiten Song wie ein Minutenzeiger – zwar gegen den Uhrzeigersinn – zum nächsten Mikrofon geht, die eben rund um die Bühne verteilt sind. Dabei werden auch die «Snakepitter» immer auch miteinbezogen.

Alles in allem find ich die Bühne in der Mitte eine gute Sache. Näher kommt die Masse sonst kaum an die grösste Metalband aller Zeiten. Ausser man steht schon Stunden vor Türöffnung vor eben dieser.

Am Ende der Show werden die runden Screens mit einer Schweizer Fahne, dem Metallica-Logo darüber und alten Billetten von Schweizer Konzerten bespielt. Wenn grad nur die Schweizer Fahne präsent ist, wirken die Screens wie überdimensionale 1. August-Lampions. Ach, Sommer. Toller Start mit «Creeping» und sehr starker Abschluss mit «One», «Seek», «Master» und «Sandman».

Das Fanzit – Metallica, Gojira, Knocked Loose

Dutti: Metallica bewiesen an diesem Mittwochabend in Zürich auf eindrückliche Art und Weise, dass sie berechtigterweise an der Genre-Spitze stehen. James Hetfield und seine Mitstreiter lieferten uns ein grandioses Konzerterlebnis und eine – zumindest nach meinem Gusto – astreine Setlist. Gojira vermochten ebenfalls zu überzeugen und erwiesen sich als ideale Einheizer. Knocked Loose würden wahrscheinlich in einer kleinen Club-Show besser zur Geltung kommen. Die 360 Grad-Bühne war zwar eine spannende Angelegenheit, aber für «tiefergelegte» Personen blieb es schwierig, einen Blick auf die agierenden Musiker erhaschen zu können.

pam: Ja, definitiv – siehe ersten Satz von Dutti im Fanzit. Sie bewiesen auch viel Spielfreude, wirkten nahbar und mit sich im Reinen. Schon geil, wenn man sich und der Welt nichts mehr beweisen muss und dennoch im hohen Masse abgefeiert wird. Es wirkte super natürlich und relaxed – das Ganze. Egal, ob es jetzt eine Ballade oder ein schneller Thrash-Klassiker war.

Übrigens, ich wollte mal nachschauen, wie oft ich Metallica schon live erlebte. Wenn ich keine Show vergessen habe, dann war es heute mein 24. Konzert von ihnen. Und das letzte war nicht 2022 in Ft. Lauderdale, wie oben geschrieben, sondern 2023 im Coachella-Valley am Powertrip Festival – in der Wüste Kaliforniens war es mit 45° Celsius noch etwas heisser als heute mit gut 30° …. Also, meine «metallicafreie» Zeit dauerte knapp drei Jahre. Die darf gerne wieder kürzer werden.

Nachtrag: Beim Enthüllen der Tafel zu Ehren der Wiege des Heavy Metals am Hotel Hirschen in Zürich (mehr Infos) wurde mir bewusst, dass ich ja Metallica – zwar in Kurzform jedoch sackstark – letztes Jahr am Back To The Beginning in Birmingham zuletzt live erlebt hatte … OK, dann doch nicht ganz so lange her 😉

Die Setlist – Knocked Loose

  1. Blinding Faith
  2. Don’t Reach For Me
  3. Mistakes Like Fractures
  4. Piece By Piece
  5. Moss Covers All
  6. Take Me Home
  7. Hive Mind
  8. Suffocate
  9. Counting Worms
  10. Deep In The Willow
  11. Everything Is Quiet Now

Die Setlist – Gojira

  1. Born For One Thing
  2. Backbone
  3. Stranded
  4. The Cell
  5. Flying Whales
  6. Love
  7. Mea Culpa (Ah! Ça Ira!)
  8. Silvera
  9. Grind
  10. L’enfant Sauvage
  11. Amazonia

Die Setlist – Metallica

  1. Intro I – It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ‚N‘ Roll) (AC/DC-Song)
  2. Intro II – The Ecstasy Of Gold (Ennio Morricone-Song)
  3. Creeping Death
  4. For Whom The Bell Tolls
  5. Cyanide
  6. Harvester Of Sorrow
  7. Lux Æterna
  8. The Unforgiven
  9. Fuel
  10. Kirk And Rob Doodle («Alperose» – Polo Hofer-Cover)
  11. The Day That Never Comes
  12. Wherever I May Roam
  13. Nothing Else Matters
  14. Sad But True
  15. One
  16. Seek & Destroy
  17. Master Of Puppets
  18. Enter Sandman

Die Fotos – Metallica, Gojira


Wie fandet ihr das Konzert?

/ / 05.06.2026
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