Tylangir – Där Totutanz
Folk Metal
Sagenhaftes Wallis
Tylangir haben eine weitere Ladung an Sagen aus ihrer Heimat im Gepäck und führen uns damit aufs Tanzparkett. Es ist Zeit für «Där Totutanz».
Es war vor vier Jahren, als Tylangir mit ihrem Debüt «Ur-Chraft» für Aufsehen sorgten (das entsprechende Review findet ihr hier). Nun legen sie den Nachfolger vor. Der beginnt ebenfalls mit einem äusserst stimmigen Intro, das einen gedanklich in die Berge versetzt, und nimmt mit dem folgenden Titeltrack gleich richtig an Fahrt auf. Schon das Eröffnungsriff zeigt, dass die Band die bereits bewährten Elemente aus dem Black Metal verstärkt in ihre Kompositionen einfliessen lässt. Auf der anderen Seite hat auch das folkloristische Instrumentarium Zuwachs erfahren: Das Hackbrett fügt dem Song eine neue Klangfarbe hinzu, die Tylangirs Musik bestens steht. Doch keine Angst, die Harfe muss deshalb nicht hintenanstehen und bleibt gewohnt präsent. Überhaupt sind die Änderungen gegenüber dem bisher bekannten Material eher subtiler Natur: vorhanden, doch nicht aufdringlich. Das neuste Werk der Walliser Folk Metaller ist vielmehr eine sanfte Festigung ihres bisherigen Stils, als dass es Umwälzungen im Bandsound mit sich bringen würde. Hierbei dürfte sicher auch mitspielen, dass drei der elf Songs bereits in den letzten zwei Jahren veröffentlicht wurden und Tylangir ihre Hörerschaft damit stückweise mit den neuen Elementen vertraut gemacht haben.
Gerade einer dieser drei, nämlich «Där Nattruflüäch», stellt denn auch eines der Highlights auf «Där Totutanz» dar. Kombiniert mit dem als eigenen Track abgetrennten Intro bildet der Track zusammen mit dem ebenfalls als Höhepunkt hervorzuhebenden «Där Lämmergeier» den Ankerpunkt im Gesamtfluss des Albums. Dass dieser einen so richtig mitreisst, erfordert ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit. Tylangir machen keine Musik für nebenbei, zu viel geht der Wahrnehmung verloren, wenn der Fokus beim Anhören woanders liegt. Das heisst aber nicht, dass das Album vollgestopft wäre. Nein, die Kompositionen kommen transparent sowie nachvollziehbar daher und der Zugang bleibt einfach (nur «Där Wolfsritt» hätten die sieben Geisslein Walliser vielleicht noch ein ganz kleines bisschen kompakter präsentieren können). Das wird unterstützt von einem hervorragenden Mix und gutem Mastering. Sämtliche Instrumente erhalten den Raum, den sie zur Entfaltung benötigen, insbesondere die volkstümlichen. Derweil bringt der knisternde Gitarrenklang ausreichend Schärfe mit, um der Dunkelheit, die vielen der auf dem Album tradierten Sagen innewohnt, gerecht zu werden und dem stets gut verständlichen Schreigesang einen würdigen Rahmen zu bieten. Das alles lädt regelrecht dazu ein, sich mit Musik und Inhalt eingehend und in Ruhe auseinanderzusetzen.
Das Fanzit zu Tylangir – Där Totutanz
Tylangir fügen dem Schweizer Folk-Metal-Kanon ein weiteres starkes Werk hinzu. Fans des Genres kommen in den Genuss von gehaltvollen Songs, die viel bieten, ohne überladen zu sein. Gibt man sich der Musik hin, spürt man bald die packende Wirkung. Oder wie Tylangir selbst singen: «Das ist der Totentanz und jetzt bist auch du Teil davon.»
Video Tylangir – Johanneli Fii


