Municipal Waste - Dynamo 2026 (Flyer)
Do, 23. Juli 2026

Municipal Waste, Pig Sweat

Dynamo (Zürich, CH)
27.08.2026
Municipal Waste - Dynamo 2026 (Flyer)

The Art of Partying mit einer Mülltonne

Sie kamen, sahen und nahmen das Dynamo auseinander. Am 23. Juli 2026 starteten Municipal Waste ihre Summer of Shove Tour in Zürich und nahmen die Berner Pig Sweat mit. Mit treibenden Riffs, rasantem Tempo, furiosen Drums und einer grauen Mülltonne (?!) heizten sie den Pit an. 

Mit diesem Bericht habe ich mir mehr Zeit gelassen als sonst – manch einer würde sogar behaupten, dass ich prokrastiniert hätte. So weit würde ich nicht gehen. Wie berichtet man über ein Konzert, dass je nach eigener Verfassung und Auffassung von Spass eines der unterhaltsamsten des Jahres war oder eben als eines der mühsamsten gilt?

Fangen wir mal an.

Bereits im Mail stand, dass der Einlass im dritten Stock des Dynamos erfolgen wird. Wie sie das wohl anstellen werden? Auf dem dritten Stock haben sie gleich nach der Treppe einen Tisch mit einer Person hingestellt, die die Tickets kontrolliert. Ein Securitymann, der schaut, dass sich niemand ohne Ticket hineinschleicht, steht daneben. Ein wenig komisch finde ich es, als er uns beim Einlass keinen Stempel geben will, sondern diesen erst verteilt, wenn man den Raum verlässt – was doch noch oft vorkommt, schon nur, wenn man aufs WC will.

Nachdem Domi the Stick und ich einigen bekannten Gesichtern hallo gesagt haben, beginnen die ersten Töne zu erklingen. Zeit für Pig Sweat.

Pig Sweat

Beim Warmmachen für das heutige Konzert habe ich auf Spotify vergeblich nach Songs von Pig Sweat gesucht, wurde dann aber auf YouTube fündig. Dort findet man ihre 2025 herausgegebene CD «Backward Values» mit zehn Songs, die sich über fast fünfzehn Minuten erstrecken. Dabei merkte ich bereits, dass die Lieder der Schweizer sehr kurzweilig werden.

Während das Trio die Bühne betritt, macht sich bei mir ein gewissen Retroeindruck breit, als ich die Outfits von Pig Sweat anschaue. Ich schiebe es auf die Brillen und das Béret, das der Schlagzeuger trägt. Von der ersten Sekunde an ist viel Bewegung vom Sänger zu spüren, läuft er unentwegt von links nach rechts und wieder zurück. Die Schlagzeugrhythmen erinnern mich an die Ramones, wobei der Rest punkiger Hardcore gemischt mit Crossover ist. Das Trio lässt dem Publikum keine Verschnaufpause – es haut einen Song nach dem anderen heraus. Die meisten sind dabei knapp eine Minute lang, was darin resultiert, dass die Drei als Vorband ganze sechzehn Lieder spielen können. Ist das Publikum anfangs noch etwas verhalten, wird ab dem dritten Song bereits stärker geheadbangt, bevor dann auch andere Körperteile hin- und hergeschwungen werden. Nichtsdestotrotz bleibt der schweizerische Anstandsabstand zwischen der ersten und zweiten Reihe, der sich oft über zwei Meter erstreckt, bestehen. Pig Sweat bleiben mir als energiereiche Band im Kopf, die für Municipal Waste das Publikum aufgewärmt haben und ohne Gnade für eine Pause ihre Songs präsentierten.

Nun sind die obligaten Halte während einer Pause dran: Merchstand und WC besuchen. Den einen oder anderen zieht es auch an die Bar.

Die Setlist – Pig Sweat

  1. Damage Is Done
  2. Shut Up
  3. Dull City
  4. Psychosis
  5. Human Syndrom
  6. Sinking
  7. Scapegoat
  8. Firebomb
  9. Crime
  10. Spark
  11. Losing Control
  12. Death Dealer
  13. No Aims
  14. Annihilation
  15. Shit Choice
  16. Don’t Panic

Municipal Waste

So. Municipal Waste.

In der Vergangenheit durfte ich die Thrash Metal-Band mit Crossover-Einflüssen bereits mehrere Male sehen. Bisher haben sie mich immer überzeugt und so freue ich mich auch heute auf ihren Auftritt im Dynamo. Eigentlich der perfekte Ort für die Grösse der Band und den Musikstil, den sie spielen. Einzig der Fakt, dass heute ein Donnerstagabend ist, könnte das Publikum etwas verhalten wirken lassen – haben bei Pig Sweat vorher doch vor allem zwei Personen kleinere Pits gestartet, auf die die meisten Leute nicht gross eingegangen sind.

Die Umbaupause dauert sehr lang, für das, dass ihr Schlagzeug schon während dem Auftritt der Vorband auf der Bühne stand. Doch um 21:00 Uhr geht es los und das Quintett erobert die Bühne. Im Gegensatz zu vorher dauert es etwa eine Minute bis zwanzig Personen in den Pit stürmen und mehrere Biere den Boden zieren (spannend bei den Bierpreisen, die man mittlerweile an Konzerten zahlt). Domi the Stick und ich stehen etwas neben dem Epizentrum und werden auch angerempelt und in den Pit gesogen. Im Gegensatz zu anderen Konzerten hat es heute aber viele Zuschauer, die nicht wissen, wie man sich in einem Pit benimmt, und so beobachten wir Szenen, die wir uns nicht gewöhnt sind. Mehr als einmal haben wir das Gefühl, dass jetzt dann die Fäuste fliegen. Beim zweiten Song will Sänger Tony Foresta einen Circle Pit sehen, den er auch sofort bekommt. Dieser ist viel zu schnell und immer wieder krachen Leute unkontrolliert in Aussenstehende, die sich bereits, so weit es geht, vom Pit wegbewegen.

Da ich mir einen guten Platz mit Sicht zur Bühne schnappen kann, bei dem ich weitestgehend vom Pit geschützt bin (heute macht mich das Gemoshe null an, um mitzumischen), habe ich Zeit, die Leute im Pit zu beobachten. Besonders in Erinnerung ist mir der Typ geblieben, der mit seinem Plüschschinken Runde um Runde gedreht hat. Witzig.

Nach dem ersten Viertel schaue ich zur Bühne, wo die Jungs aus Virginia mit viel Energie das Dynamo in ihren Besitz und damit das Publikum in ihren Bann nehmen. Tony hat immer noch etwas Langärmliges an. Bei diesen Temperaturen? Ja lieber du als ich. Bei «Sadistic Magician» rastet der Pit nochmals komplett aus. Erstaunlich, ist das Konzert doch schon fortgeschritten und es ist immer noch Donnerstag.

Als Nächstes sehe ich, wie Tony eine graue Tonne in das Publikum schmeisst. Der Pit feiert es und bald gibt es Crowdsurfer, die im Kübel nach vorne gereicht werden. Einmal wird er von einem Typen auf dem Kopf im Circle Pit getragen. Dann gibt es einen Kampf zwischen dem Plüschschinken und der Tonne. Bei einer Ansage erwähnt Tony, dass wir diejenigen sind, die verletzt werden sollen, aber jetzt jemand aus der Band verletzt ist. Sie gehen nicht genauer darauf ein, wer verletzt ist und was es verursacht hat.

Nach vierzig Minuten hört man plötzlich den Gesang nur noch schwach. Ist das Mikro ausgestiegen oder hat jemand einen Stecker gezogen? Das Problem ist schnell behoben – als ob nichts passiert wäre. Im Gegensatz zu der Tonne. Diese wird mittlerweile durch den Raum geschmissen und ich beobachte mindestens zwei Personen, die sie nicht kommen sehen und denen die Plastiktonne an den Kopf knallt. Auch trifft sie einmal einen Scheinwerfer. Nicht cool.

Nach nicht einmal 55 Minuten ist das Konzert vorbei. Relativ plötzlich, wenn ihr mich fragt.

Das Fanzit – Municipal Waste, Pig Sweat

Ich weiss immer noch nicht genau, was ich von diesem Konzert halten soll. Einerseits glaube ich, dass die Leute im Pit die beste Zeit ihres Lebens hatten— mit viel Energie, Bier und der grauen Tonne. Andererseits habe ich Personen gesehen, die dadurch verletzt oder im Pit angepöbelt wurden. Spielerisch haben Municipal Waste und Pig Sweat starke Auftritte hingelegt, auch wenn das Konzert von Municipal Waste mit weniger als einer Stunde für einen Headlinerauftritt doch sehr kurz geraten ist.


Wie fandet ihr das Konzert?

27.08.2026
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