Sellsword – With Might and Vengeance
Epic Metal, Power Metal
Heroische Hymnen mit Suchtpotenzial
Sellsword aus dem englischen North Yorkshire gehören zu einer raren Bandspezies. Im übersättigten Genre des Power Metal wirkt das als ein Widerspruch in sich.
Allerdings heben sich die britischen Söldner aufgrund ihrer historisch erzählerischen Art vom üblichen Fantasyklischee ab. Romantisiertes Mittelalter und britische Sagen bilden die perfekte Bühne, um mit majestätischen Melodien den passenden Soundtrack zu erzeugen.
Sellsword haben sich seit 2013 dieser Mission verschrieben und weisen bereits zwei Alben vor. «And Now We Ride» (2016) und «Unto The Breach» (2019) sind echte Schatzgruben, die bedeutend mehr Beachtung verdient hätten. Für eine Independent-Band bekanntlich eine grosse Herausforderung …
Neuer Sänger, neues Glück
Kein Wunder, wird es lange sehr still um die Kapelle. Ganze sieben Jahre hat das Warten auf das dritte Epos gedauert. Eine Zeit, die durch einen einschneidenden Besetzungswechsel geprägt ist: Sänger Stuart Perry, der den beiden Alben seine markante Stimme verliehen hat, verlässt die Band. Ein herber Rückschlag. Nathan Harrison packt die Gelegenheit beim Schopf und stellt sich der grossen Herausforderung. Die Liveaufnahmen von altem Material mit dem neuen Frontmann sind beeindruckend, die neuen Songs ‹Saxon Steel› und ‹New Gods› umwerfend. Ist da etwa ein neues Album im Köcher?
Die Fans müssen sich noch einige Monate gedulden, bis die Katze aus dem Sack ist. Die Ankündigung vom dritten Werk erfolgt mit viel Freude und Stolz, die Vorfreude wächst entsprechend mit. Zwei weitere Singleauskopplungen folgen und untermauern, was Sellsword besonders ausmacht: Hooklines, die augenblicklich hängenbleiben. Das Quintett hat wahrlich ein feines Händchen für mitreissende Melodien und hymnische Refrains.
Erwies sich Stuart Perry gesanglich als schmerzlicher Verlust, so hebt Nathan den Sound der Yorker auf die nächste Stufe. Mit Eleganz und Souveränität trägt er den Zuhörer durch sämtliche imaginäre Schlachten und wird damit in jeder Stimmlage zum verlässlichen Fixpunkt.
Genau bis an die Grenzen
Gerade im Power Metal ist ein starker Sänger oft der entscheidende Faktor. Nathan verleiht Sellsword dabei ein ganz eigenes Format. Da kann das Songmaterial cheesy bis an die (Schmerz-)Grenzen sein und dennoch glaubwürdig episch klingen. Die fesselnden Kompositionen und die raffinierte Gitarrenarbeit vervollständigen diese Balance. Gloryhammer treffen auf Ensiferum, um es anschaulich zu formulieren. Der Opener ‹The Bringers Of War› bekräftigt das schonmal mit breiter Brust.
Keiner der folgenden Songs lässt etwas davon missen. Jeder einzelne Track wirkt äusserst durchdacht und fügt sich wie ein Tetrisstein perfekt in die erzählerische Reihe ein. Alles ist edgier als bei den Vorgängeralben, der Sound wirkt generell griffiger wie auch transparenter und haut mit nachdrücklichem Punch ordentlich rein.
Pures Feeling
Nicht nur mehr Dynamik heisst die Devise (‹Saxon Steel›, ‹Baodicea, Rise!›), sondern auch etwas mehr Dreck: ‹Warwolf› ist im Verhältnis ein ungewohnt düsterer Stampfer über das grösste Trebuchet bei der Belagerung von Stirling Castle. Hier wird Historisches mit grosser Kampfansage zum Leben erweckt und klanglich dem Erdboden gleichgemacht. ‹Mighty Mercenaries› erweist sich als der Album-Ohrwurm schlechthin, während ‹Reignite The Flame› mit wachsender Intensität zum echten Höhepunkt mutiert – was für eine Hühnerhauthymne!
Zu keiner Zeit macht sich ein Füller bemerkbar, immer pures Feeling und das perfekte Gespür für das Richtige im richtigen Moment. Das abschliessende ‹The Age Of Night› müsste eigentlich als Leitfaden gelten, wie ein 13-minütiges Epos pointiert zu klingen hat, ohne protzen zu müssen.
Eine Empfehlung zum Schluss: Das Ganze sei als wohltuend heilsame Medizin einzunehmen, nicht als berauschende Droge.
Das Fanzit zu Sellsword – With Might and Vengeance
Sellsword setzen als Independent-Band ein gewaltiges Ausrufezeichen. «With Might And Vengeance» ist ein mitreissendes, süchtig machendes Epos – cheesy, heroisch und zugleich erstaunlich ausgeklügelt. Wer referenzwürdigen Power Metal sucht, wird hier königlich bedient!
Die Tracklist – Sellsword – With Might and Vengeance
- With Might and Vengeance
- The Bringers Of War
- Saxon Steel
- Warwolf
- Mighty Mercenaries
- Reignite The Flame
- Boadicea, Rise!
- New Gods
- Hall Of The Heroes
- The Age Of Night
Das Line-up Sellsword
- Nathan Harrison – Vocals
- Henry Mahy – Guitars
- Jaymz Stephenson – Guitars
- Tom Keeley – Bass
- Tom Warner – Drums
Video Sellsword – Saxon Steel

