Fueled by Fear – Ordinary Evil
Metalcore
Der Zürcher Metalcore-Geheimtipp, der keiner mehr sein sollte
Es gibt Bands, die irgendwann ihre Zauberformel finden und dabei bleiben – und dann gibt es Bands wie die Zürcher Band Fueled by Fear, die sich konstant weiterentwickeln und dennoch unverkennbar sind.
Sie in ein Genre zu pressen, würde der Vielfalt der Stil-Elemente nicht gerecht werden. Die Melodie wird mit Hardcore-Groove episch durch Death Metal gepowert, klingt komisch, ist aber so. Dass im englischen Sprachraum die Schweiz oft mit Schweden verwechselt wird und umgekehrt, passt irgendwie zu Fueled by Fear. Mit Support-Shows für Sepultura, In Flames oder im selben Billing wie Pantera ist auch für internationale Aufmerksamkeit gesorgt worden. Mit ihrem Sound haben sie sich eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet und gelten dennoch als Geheimtipp. Eigentlich schade – wer die Band über die Jahre verfolgt, ist immer wieder hocherfreut, dass die Outputs keinen Deut an Energie nachlassen oder qualitativ Kompromisse eingehen. Vielleicht ändert sich das nun mit dem Nachfolger zum Album «Death for you all» durch die EP «Ordinary Evil».
Die fetten Gitarren von Daniel Zopfi und Manuel Elber schmatzen und hämmern durch das Drop-B-Tuning, der Bass von Josh De Souza und der neue Schlagzeuger Mauro Galasso bilden das Getriebe des V8 und der Gesang von Marco Böhlen bedient das Gaspedal der gut geölten Maschine. Durchdachte Songstrukturen und eine herzhafte Produktion von Oscar Nilsson (bekannt durch seine Arbeit mit The Haunted oder The Halo Effect) runden das Teil ab. Präzise Breakdowns sorgen für Spannungsmomente und das out-of-the-box Songwriting scheint in den Band-Statuten als oberstes Gebot verankert zu bleiben. Wie immer scheuen sich Fueled by Fear nicht, sich auf neues Terrain zu begeben – dennoch wird wie üblich auf Gitarrensolo-Eskapaden zugunsten der Songs verzichtet, stattdessen werden die Songs immer mal wieder mit den für die Band typischen sphärischen Twin-Guitar-Leads-Melodien untermalt. Alles im Sinne der Songs – nichts Überflüssiges und dennoch gut gewürzt. Die Gitarren pumpen saftig schmatzend, die Songstrukturen warten mit geilen Überraschungsmomenten auf, die Rhythm-Section zieht den Güterzug mit voller Kraft durch die Songs und die Stimme peitscht die Galeere an.
Die Produktion ist erfrischend direkt und egal ob im Auto, über Kopfhörer oder PC-Lautsprecher – das Teil ergibt eine perfekt ausgewogene Wand, die von einem PS-starken Bulldozer geschoben wird. Nicht zu trocken, als dass man mit Getränken Abhilfe schaffen müsste, und nicht mit zu vielen Effekte, welche von der Qualität der Songs ablenken würden. Alle Zutaten hört man genauso raus, wie es sein muss. Und wie es sich für solch gut strukturierte Songs geziemt, entfaltet sich die epische Tragweite so richtig beim zweiten oder dritten Anhören. All die gekonnten Details setzen sich nach und nach zu einem grossen Ganzen zusammen. Die Riffwucht des Openers «Suffer» kombiniert mit den zweistimmigen Lead-Gitarren-Untermalungen und den herzhaften Vocals. Hörtipp par excellence. Diese Liebe zum Detail ist mein persönliches Highlight der neuen EP: Wie sorgfältig, kreativ und durchdacht die Songs geschrieben sind – für Abwechslung ist stets mit Spannungsmomenten und Finessen gesorgt. Die Songs steigern sich furios in die Lyrics hinein.
Oft neigt man bei Reviews dazu, Vergleiche anzustellen, um den Lesern eine Vorahnung zu geben. Das werde ich gezielt unterlassen, um keine falsche Fährte zu legen – jedoch empfehle ich zwecks Hörspass, die Tracks jeweils von Anfang bis Ende als Ganzes wirken zu lassen. Und what the fuck ist das für eine Stimme? Als hätte Max Cavalera sich die Melodik von Corey Taylor angeeignet. Dass dies technisch möglich ist, zeigt die Mischung aus aggressiven Shouts und eingängigen Hooklines. Der Groove ist sowieso omnipräsent – entweder seitens der Gitarren oder dann eben seitens des Gesangs. Die EP schliesst mit einem überraschenden A-Ha-Cover des Klassikers «Take on me». Aber daraus ist weder eine Parodie noch eine plumpe Kopie geworden, sondern ein eigenständiger Tribut an die skandinavischen Einflüsse. Es gibt wenig Sänger in diesem Style, die solche Melodien ins Raubtiergebrüll einflechten können – selten so einen variablen Growl vernommen.
Das Fanzit zu Fueled by Fear – Ordinary Evil
Die EP schreit wortwörtlich nach mehr. Ein brachialer, vielfältiger Appetizer. Zum Glück ist ein ganzes Album in Planung – man darf gespannt sein, wohin diese erfreuliche Entwicklung führt.
Die Tracklist – Fueled By Fear – Ordinary Evil
- Suffer
- Edge Of Sanity
- Godmade
- End Of Time
- Take On Me (A-ha-Cover)
Das Line-up – Fueled By Fear
- Gesang: Marco Böhlen
- Gitarre: Manuel Elber
- Gitarre: Daniel Zopfi
- Bass: Josh De Souza
- Schlagzeug: Mauro Galasso
Video Fueled by Fear – Take On Me


