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Fr, 9. Oktober 2026

Tarja, Symphonity, The Skys

Z7 (Pratteln, CH)
23.09.2026

Tarja beehrt uns ein weiteres Mal mit ihrer göttlichen Stimme

Sie ist zurück. Die wohl göttlichste Sopranstimme der Rockwelt. Tarja Turunen kommt 2026 ins Z7 nach Pratteln und hat dieses Mal nicht nur ihre bekannten Klassiker im Gepäck, sondern auch ein brandneues Album.

«Frisson Noir» ist seit ein paar Monaten beim Plattenhändler eures Vertrauens erhältlich. Und ja, ich finde: Dieses Album ist einen Kauf wert (Reinhören). Genau wie das Konzertticket für diesen Abend.

Die letzten Konzerte von Tarja waren für mich nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine Ohrenweide. Diese Stimme. Diese Ausstrahlung. Diese Mischung aus Eleganz, Kraft und fast schon unverschämter stimmlicher Kontrolle. Man kann über Symphonic Metal denken, was man will, aber wenn Tarja singt, dann hört man hin. Punkt.

Zudem ist diese Frau einfach eine der sympathischsten Sängerinnen, die man in dieser Szene erleben kann. Ich nehme sie immer wieder als sehr dankbar, nahbar und bodenständig wahr. Bei Tarja wirkt nichts selbstverständlich. Keine grosse Diva-Attitüde, kein künstliches Gehabe, sondern eine Künstlerin, die genau weiss, was sie kann, dabei aber nie den Kontakt zum Publikum verliert.

Und genau das macht ihre Auftritte so besonders. Natürlich kommt man wegen dieser einmaligen Stimme. Aber man bleibt auch wegen der Persönlichkeit dahinter. Tarja ist nicht einfach eine Sängerin, die Songs vorträgt. Sie erschafft Momente. Und wenn diese Stimme im Z7 wieder durch den Raum zieht, dürfte es erneut schwierig werden, sich dem Ganzen zu entziehen.

The Skys

Im Support-Package von Tarja befinden sich The Skys. Die Band stammt aus Litauen und ist bereits seit über dreissig Jahren im Musikgeschäft unterwegs. Musikalisch bewegen sich The Skys eher im progressiven Sektor und lassen dabei Einflüsse von Marillion, Mike Oldfield, Eloy und natürlich Pink Floyd erkennen.

Die Formation aus Vilnius spielt eine Mischung aus zugänglichem Rock und progressiven Elementen. Dabei sorgen nicht nur Gitarren und Keyboards für die nötigen Klangfarben, sondern auch Saxophonpassagen, welche dem Sound immer wieder zusätzlichen Groove und eine leicht schwebende Atmosphäre verleihen. Das klingt auf dem Papier vielleicht etwas speziell, dürfte aber gerade als Einstimmung auf Tarja durchaus spannend funktionieren.

Übrigens, kleine Bemerkung am Rande: Am Bass steht mittlerweile Steve Vantsis, der langjährige musikalische Partner von Fish, dem früheren Sänger von Marillion. Das ist für Prog-Fans natürlich nicht ganz uninteressant und gibt der Band nochmals eine zusätzliche Verbindung in diese musikalische Welt.

Aktuell arbeitet die Band an einem neuen Album. Ein konkreter Erscheinungstermin ist allerdings noch nicht definiert. Lassen wir uns also am Abend des 9. Oktobers von The Skys in instrumentale Arrangements, progressive Klangbilder und vielleicht auch die eine oder andere musikalische Überraschung entführen. Als Einstimmung auf den Hauptact des Abends dürfte das jedenfalls sehr gut passen.

Symphonity

Weiter geht es im Supportprogramm mit tschechischer Unterstützung. Wer Symphonity nicht kennt: Die Band stammt aus Brno und wurde, ähnlich wie The Skys, bereits vor rund dreissig Jahren aus der Taufe gehoben. Damals allerdings noch unter anderem Namen. Aber eben, auch im Metal führen bekanntlich viele Wege irgendwann zu neuen Logos, neuen Bandnamen und neuen Kapiteln.

Eigentlich finde ich Symphonity als zweiten Support-Act sehr gut gewählt. Nach dem eher progressiven Einstieg mit The Skys führen uns die Tschechen musikalisch bereits ein gutes Stück näher dorthin, wo Tarja die Fans später selbst haben will. Ihr Stil bewegt sich irgendwo zwischen Rhapsody of Fire, Sonata Arctica und Nightwish, wobei Symphonity insgesamt etwas gitarrenorientierter daherkommen und nicht ganz so stark auf orchestrale Breitleinwand setzen.

Spannend ist zudem ein Blick hinter das Schlagzeug. Martin «Marthus» Škaroupka trommelt nicht nur bei Symphonity, sondern ist genauso bei Cradle of Filth aktiv. Da soll noch einer sagen, heute müsse man sich zwingend auf eine Stilrichtung beschränken. Symphonic Power Metal auf der einen, extreme Dunkelheit auf der anderen Seite. Kann man schon mal machen. Und scheinbar ist er für Symphonity eine enorme Bereicherung. Auch Sänger David Åkesson betonte in einem Interview sinngemäss, dass Martins präzises Spiel der Band genau jene Härte gibt, die sie braucht.

Nach dem eher sanften, progressiven Einstieg erwartet uns also eine Band, die das Tempo spürbar anzieht und uns in etwas härtere Gefilde mitnimmt. Mehr Tempo, mehr Gitarren, mehr Symphonic Power Metal. Quasi die letzte Garstufe, bevor Tarja als Headlinerin des Abends die Bühne betritt. Und wenn das Supportprogramm genau das schaffen soll – nämlich die Temperatur im Saal langsam, aber sicher nach oben zu treiben –, dann dürften Symphonity dafür ziemlich gut geeignet sein.

Tarja

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Mit Tarja steht an diesem Abend eine Künstlerin auf der Bühne, die mich sowohl auf menschlicher als auch auf gesanglicher Ebene immer wieder überzeugt.

Ihre bodenständige Art und dieses feine, aber gleichzeitig unglaublich kraftvolle Stimmorgan ergeben eine Mischung, die man nicht künstlich herstellen kann. Die Fans schätzen ihre publikumsnahe Art, ihre Dankbarkeit und diese spürbare Leidenschaft für die Songs, die sie mit jeder Faser ihres Körpers lebt. So wirkt es jedenfalls auf mich, wenn sie auf der Bühne steht.

Mit im Gepäck hat sie ihr aktuelles Album «Frisson Noir», das am 12. Juni veröffentlicht wurde. Es ist ihr erstes reguläres Rock- und Metal-Studioalbum seit «In The Raw» aus dem Jahr 2019. Ich habe mir inzwischen einen recht guten Eindruck vom neuen Material gemacht und kann Tarjas eigene Einschätzung durchaus nachvollziehen: Ja, dieses Album gehört definitiv zu ihren härtesten Werken.

Auf den zehn Tracks knallen die Riffs teilweise erstaunlich hart und druckvoll. Dazu kommen das Budapest Art Orchestra und der Budapest Art Choir, welche dem Ganzen jene dramatische Tiefe geben, die zu Tarja einfach passt. Der Begriff «Frisson Noir» ist also gar nicht so weit hergeholt. Frei übersetzt bedeutet er so viel wie «dunkler Schauer». Und genau dieses Gefühl zieht sich durch viele Momente des Albums. Schön, düster, kraftvoll und manchmal fast ein wenig unheimlich.

Anspieltipp zur Vorbereitung? «I Don’t Care» mit Dani Filth von Cradle of Filth. Muss ich dazu wirklich noch mehr schreiben?

Das ewige Thema

Natürlich schwingt bei Tarja immer auch ihre Nightwish-Vergangenheit mit. Nach der Trennung wurde sie schnell zur Diva erklärt, weil sie sich vom rauen Tourbus-Leben, den endlosen Tourneen und zunehmend auch von Nightwish entfernte. Zwanzig Jahre später wirkt dieses Etikett für mich viel zu einfach. Hinter der majestätischen Bühnenfigur steht offenbar weniger eine unnahbare Königin als vielmehr eine disziplinierte Musikerin, die gelernt hat, ihre Grenzen auszusprechen und ihren eigenen Weg zu gehen.

«Frisson Noir» klingt deshalb nicht nach Rückblick, sondern nach Selbstbehauptung. Nach einer Künstlerin, die genau weiss, woher sie kommt, aber längst nicht mehr erklären muss, weshalb sie auch ohne Nightwish eine feste Grösse geblieben ist. Wenn dieses neue Material live nur annähernd so drückt, wie es auf Platte bereits andeutet, dürfen wir uns auf einen ziemlich intensiven Abend freuen.

Schön, dürfen wir daran teilhaben.

23.09.2026
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