Stryper - Throne Of Thorns
Fr, 25. September 2026

Stryper – Throne Of Thorns

Glam Metal, Glam Rock, Heavy Metal
14.10.2026
Stryper - Throne Of Thorns

Belehrend?

Mit «Throne Of Thorns» veröffentlicht die christliche Heavy Metal Band-Stryper ihr 18. Studioalbum. Zu hören gibt es klassischen Hair Rock mit bedeutungsschwangeren Texten.

Eine kleine Geschichtsstunde

1981 formierte sich die Band Roxx Regime. Bereits zwei Jahre später taufte sie sich nicht nur auf den Namen Stryper um, sie änderte ebenso ihr Konzept. Der für diese Zeit klassische Heavy Metal blieb, doch die in den Texten verbreiteten Inhalte distanzierten sich von dem ansonsten für solche Bands populären provokativen Sprachrohr der Jugend. Stattdessen verschrieb man sich christlichen Lyrics. Heute wird diese Sparte als «Worship (Musik)» bezeichnet.

Stryper war und ist die Band ohne den «Parental Advisory Explicit Content»-Sticker auf den Plattenhüllen. Trotz dieses «Saubermann-Images» liess der Erfolg nicht auf sich warten. Ihre Alben gingen Gold und Platin. Damals wie heute gelten sie als der Act, der trotz christlicher Inhalte gute Musik macht.

Mein Problem mit Worship

Christliche Texte muss die für ihre Toleranz bekannte Metal-Community aushalten. Ungeachtet dessen, dass sie sich ansonsten, in den meisten Fällen ironisch oder zur Provokation, einer Halloween-Satanismus-Attitüde bedient.

Stryper kann man jedoch auch hören, ohne auf die Texte zu achten, was für Worship-Musik nicht selbstverständlich ist. Vieles aus diesem Bereich klingt uninspiriert, um nicht zu sagen «schlecht». Wo es beim Punk anstelle von Qualität um das Selbstgemachte geht, geht es beim Worship hauptsächlich um die Texte, was viele Acts schamlos auszunutzen scheinen. Ohne die Lobpreisung Gottes würde in vielen Fällen eine deutlich kleinere Gruppe bis gar niemand solche Musik ertragen. So sitzt oder steht man, sofern man sich dazu entschieden hat, in einem Gottesdienst, in dem solch «moderne Musik» gespielt wird, und wünscht sich die hunderte Jahre alten Kirchenlieder zurück.

In gar nicht mal so alten Zeiten wohnte ich öfter selbst mehr oder weniger regelmässig stattfindenden Jugendgottesdiensten bei, an denen jeweils ein zusammengewürfeltes Band-Kollektiv spielte, das sich nicht primär dieser unter dem Deckmantel des Worships versteckten langweiligen, in schlimmeren Fällen grässlichen, Musik widmete. Nach und nach wurden sowohl diese Band als auch die Gottesdienste selbst von Anhängern der ICF unterwandert. Meine Kritik an dieser Freikirche auszudrücken, würde nicht nur thematisch den Rahmen dieser Review sprengen.

Nun wurde zunehmend gefordert, dass man (ausschliesslich) solche Worship-Songs spielt. Zumindest bis zu dem Punkt, als die Band aus Protest «Highway To Hell» zum Besten gab.

Und Stryper?

Stryper zu spielen, wäre für dieses Musik-Kollektiv vermutlich zu herausfordernd gewesen. Aus der breiten Sparte von Metalbands hat es immerhin für Linkin Parks «What I’ve Done» gereicht.

Auf dem neuesten Album «Thrones Of Thorns» bringen Stryper ein weiteres Mal zum Ausdruck, dass sie eben mehr können als nur Lobpreisung. Wobei eigentlich anzunehmen wäre, dass in den vorherigen siebzehn (!) Alben alles zu diesem Thema auserzählt wurde, zumal darauf verzichtet wird und wurde, die Bibel in ihrer Gänze zu zitieren.

Thematisch unterscheiden sich Stryper nicht immens von anderer Worship-Musik: Es wird viel gedankt und beschrieben, wie man aus den tiefsten Abgründen gerettet wurde. Erstaunlicherweise, ohne die Bezeichnungen «Gott», «Jesus» oder Synonyme davon allzu oft zu verwenden, zumindest auf dem neusten Werk. Vom Publikum wird wohl erwartet, dass es weiss, worum es geht.

Dumpf sind die Texte, wenn auch thematisch beschränkt, allemal nicht. Allein die Tatsache, dass das lyrische Ich in manchen Tracks die Perspektive von Gott einnimmt, ist ein Stilelement, von dem andere ehrfürchtig die Finger lassen würden.

Selbst Lieder, die nicht primär als religiös zu verstehen sind, finden ihren Weg auf das Album. Ein solches ist etwa «I’m Alright (I’m Okay)», das sinngemäss davon handelt, dass man nicht immer auf andere hören muss und durchaus die Stärke finden kann, allein seinen Weg weiterzugehen.

Fernab der Texte

Insbesondere früher, als man in der Blüte seiner Jugend war, benutzten Stryper die Ästhetik des Glam Metals, vermutlich da sie zur Musik und zum damaligen Zeitgeist passte. Nun ist man älter geworden und hat rechtzeitig aufgehört, Leggins zu tragen. Musikalisch, speziell gesanglich, ist man deutlich besser gealtert als andere die Achtziger prägenden Bands wie Mötley Crüe.

Somit zeigt sich «Throne Of Thorns» als solides Heavy Metal-Album, das auch mal sachte an anderen Genres kratzt, wie  auf «Shadowbreaker», in dem ein kleiner Ausflug in den Power Metal unternommen wird. Ansonsten setzt das Album mehrheitlich auf altbekannte Stilelemente wie Chöre, stampfende «Headbanger»-Rhythmen, und ein Gitarrensolo darf natürlich in keinem Song fehlen. Letztere stehen sinngemäss für das Album in seiner Gänze: Schlecht sind sie keinesfalls, aber eine Pentatonik-Tonleiter wird nur selten verlassen. Ebenso ist «Throne Of Thorns» nicht schlecht, aber auf die Musik heruntergebrochen ist es nicht viel mehr als mittelmässig. Höher einzustufen ist das Album lediglich dann, wenn es mit dem verglichen wird, was Stryper-ähnliche Überbleibsel des Achtziger-Hair-Rocks heutzutage auf den Markt bringen.

Das Fanzit zu Stryper – Throne Of Thorns

Wer bereits Stryper-Alben in seinem Regal stehen hat, muss «Throne Of Thorns» nicht unbedingt dazustellen, wenn er kein riesiger Fan der Band ist. Es ist solide, viel mehr aber auch nicht.

Inhaltlich schätze ich, dass es trotz christlicher Texte, zumindest vordergründig, nicht belehren oder gar missionieren will. Vielmehr scheint es von Erlebnissen und Erfahrungen (der Bandmitglieder?) mit Gott oder Jesus zu erzählen. Möglicherweise sehen das andere jedoch anders.

Nebst einigen Privatpersonen, einem Verkäufer von Basketballkörben und einem Metallbauer, werden im Booklet als «Sponsoren» Vertreter des «Blue Flame Global Ministries for Jesus» gelistet. «Blue Flame» ist eine weltweit agierende Organisation, die sich hauptsächlich der Bekanntmachung des «realen» Jesus auf dem ganzen Globus verschrieben hat. Kurzgefasst: dem Missionieren. Dies unter anderem durch Worship Musik.

Ist das die Erkenntnis, von welchem Stamm der Apfel namens «Stryper» fällt?

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Video – Stryper – Throne of Thorns


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7/10



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14.10.2026
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