Mi, 7. Dezember 2016

RAGE, DARKER HALF, MESSIAH’S KISS

Z7 (Pratteln, CH)
11.12.2016

Peter «Peavy» Wagner und seine Kollegen von Rage wussten auch auf der kleinen Mini Z7-Bühne zu überzeugen und liessen sich von der intimen Atmosphäre keinesfalls verunsichern. Von den beiden Vorgruppen haben dagegen lediglich Messiah’s Kiss einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Weitere Details entnimmt der gewillte Leser beziehungsweise die gewillte Leserin den nachfolgenden Zeilen.

Bei Game Of Thrones würde es jetzt wohl heissen: «Brace yourself. Winter is coming». Zwar liegt noch kein Schnee in Pratteln, aber die frostigen Temperaturen und Winde sorgen nicht gerade für das angenehmste Wohlbefinden. Ich habe teilweise sogar Mühe, die frisch gekaufte «Chopfab»-Bierdose festzuhalten. Eventuell sollte ich in dieser Phase des Jahres langsam auf wärmere Flüssignahrung umstellen? Ach quatsch, kommt nicht in Frage. Der wahre Metalhead lässt sich von ein bisschen Kälte nicht beirren.

Im Inneren der Konzertfabrik ist es dann allerdings angenehm warm. Nun kann der Konzertgenuss beginnen. Ich bin überrascht, dass man ein solches Kaliber wie Rage auf die Mini Z7-Bühne degradiert. Anderseits schätze ich die intime und «Lounge-ähnliche» Atmosphäre dieser verkleinerten Z7-Version sehr. Da werden die Musiker effektiv zu Stars zum Anfassen.

Was steht denn heute eigentlich auf dem Menü-Plan? (Nein, die Getränkekarte ist mir bekannt. Ich habe damit eher das Band-Programm gemeint). Als Headliner sind die deutschen Power Metal-Veteranen von Rage eingeplant. Nach dem Abgang von Gitarrengott Victor Smolski (neu bei Almanac am Start) im Januar 2015 war es nicht klar, ob Rage überhaupt weitermachen würden. Sämtliche Zweifel wurden dann allerdings im Juni 2015 mit der Bekanntgabe des neuen Line Up’s ausgemerzt. Neben Peavy (Gesang und Bass) sind neu Marcos Rodriguez (Gitarre) und Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos (Schlagzeug) mit von der Partie. Die beiden Support-Acts – Darker Half und Messiah’s Kiss – sind mir hingegen überhaupt nicht bekannt. Aber egal, möge das fröhliche Kennenlernen beginnen.

MESSIAH’S KISS

Den Anfang mach die Multi-Kulti Heavy Metal-Truppe Messiah’s Kiss. Die Mitglieder der Band stammen aus England, Deutschland und den Vereinigten Staaten. Vor eher bescheidenem Publikum liefern die Herrschaften einen soliden Auftritt ab und dürfen sich selbst somit problemlos als gelungenen Opener bezeichnen.

Die Melodien sind eingängig und kommen ohne grosse Experimentiererei um die Ecke. Meine Blicke ruhen oftmals auf Sänger Mike Tirelli. An wen erinnert mich dieser Kerl jetzt schon wieder? Lange Zeit stelle ich mir diese Frage. Dann plötzlich macht es klick. Mike könnte durchaus als eine etwas jüngere Version des Besitzes einer gewissen Winterthurer Rock-Bar durchgehen. Insider wissen sicherlich, wenn ich damit meine.

Am Ende ihres Auftritts scheint der Alkohol-Konsum dann offenbar zu Gedächtnislücken zu führen. Mike haut folgende Fragen in die Runde: «Who the fuck are we? Messiah’s Piss?». Schallendes Gelächter ist die Antwort des Publikums.

DARKER HALF

Danach folgen die Melodic Metaller aus Australien. Die Jungs verfolge ich aus sicherer Distanz; sprich von der Bar aus. Irgendwie kann mich der Sound überhaupt nicht überzeugen. Sänger Vo Simpson bekundet bei den hohen Tönen oftmals Mühe und auch sonst kommt die ganze Sache verhältnismässig kraftlos daher. Da kann auch die Cover-Version des Iron Maiden-Hits «Aces High» nicht mehr viel retten. Nein, Darker Half schaffen es nicht, mich aus den Socken zu hauen. Dann lieber weiter zum Headliner des Abends.

RAGE

Um ca. 21.30 Uhr betreten dann schliesslich Peavy, Marcos und Lucky die Bühne. Plötzlich ist das Mini Z7 gut gefüllt und das Publikum feiert frenetisch ihre Helden. Neben ihren Instrumenten geben Peavy und Marcos auch immer wieder ihre Gesangskünste zum Besten. Auffallend sind dabei die mit markanten Totenschädeln verzierten Mikrofonständer. Insbesondere Peavys Stimmorgan präsentiert sich gewohnt kraftvoll. Die Herren legen eine unglaubliche Bühnenpräsenz an den Tag. Die Spielfreude steht allen dreien unübersehbar ins Gesicht geschrieben. Die kleine Bühne scheint dabei kein Störfaktor zu sein.

Für den Lacher des Abends sorgt Gitarrist Marcos. Während einer Verschnaufpause beginnt er plötzlich die Melodie der Guns N’ Roses-Überhymne «Sweet Child O’ Mine» zu spielen. Wobei spielen da eigentlich die falsche Bezeichnung ist. Der Gitarrensolo-Part wird viel eher vergewaltigt. Slash hätte ihn dafür sicherlich ordentlich verdroschen. Peavy nimmt’s mit Humor und beantragt beim Tour-Manager der Band direkt ein Alkoholverbot für Marcos. Darauf beginnt dieser derart herzhaft zu lachen, dass das ganze Mini Z7 miteinstimmt.

FAZIT

2 von 3 Bands wussten heute Abend zu überzeugen. Insbesondere Rage haben einen bärenstarken und sehr sympathischen Auftritt abgeliefert. Da sie bereits um halb zehn mit ihrem Auftritt begonnen haben, konnte ich vor meinem Abgang den Grossteil der Show miterleben. Auf den letzten Zug musste ich dieses Mal aber trotzdem im Eiltempo sprinten. Beinahe hätte ich ihn verpasst. Das hatte allerdings andere Gründe und nichts mit den musikalischen Darbietungen des Abends zu tun.

Werte metallische Gemeinde, falls ihr einmal die Gelegenheit erhalten solltet, einen Auftritt im Mini Z7 besuchen zu können, dann kann ich euch das nur wärmstens empfehlen. Diese spezielle Atmosphäre sucht ihresgleichen. Das muss man einfach einmal (oder gerne auch mehrmals) erlebt haben.

Setliste Rage

  1. The Devil Strikes Again
  2. Shadow Out Of Time
  3. Until I Die
  4. From The Cradle To The Grave
  5. The Final Curtain
  6. The Pit And The Pendulum
  7. End Of All Days
  8. Back In Time
  9. Medicine
  10. Deep In The Blackest Hole
  11. Great Old Ones
  12. Spirits Of The Night
  13. Down By Law
  14. Don’t Fear The Winter
  15. My Way
  16. Higher Than The Sky
  17. Outro

Wie fandet ihr das Konzert?

11.12.2016
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