Metalinside.ch - Excelsis- Met-Bar Lenzburg 2020 - Foto pam
Sa, 22. Februar 2020

Excelsis, Nidhoeggr

Met-Bar (Lenzburg, CH)
/ / 16.03.2020

Chrieger, Drachentöter und ein neues Bandmitglied

Excelsis bereiten sich im Moment intensiv auf die Veröffentlichung ihres Albums Bluetmond vor. Zum Glück haben sie sich trotzdem Zeit genommen, um der Met-Bar in Lenzburg einen Besuch abzustatten. Weil Nidhoeggr ebenfalls mit von der Partie sind, lohnt sich der heutige Abstecher nach Lenzburg umso mehr.

Raphi: Das ist anscheinend noch einigen anderen Metalheads durch den Kopf gegangen, denn die Metbar ist heute Abend ausverkauft! Bereits um acht und damit pünktlich zur Türöffnung herrscht reger Betrieb im Eingangsbereich. Metalinside ist heute prominente vertreten. So haben sich Dutti und Friedemann ins Publikum gemischt. Sollten pam oder ich ob der überaus stickigen Luft in Ohnmacht fallen, wäre damit Ersatz zugegen, um die Bereiche Foto und Text abzudecken und für eine lückenlose Berichterstattung zu sorgen. Doch wir hoffen natürlich, dass es nicht soweit kommt und die beiden ihren freien Abend ungestört geniessen können. Trotzdem halte ich fest: die Ausgangslage sieht auf und vor der Bühne prima aus.

Nidhoeggr

Raphi: Kurz nach neun ist es schliesslich soweit und Nidhoeggr erklimmen die Bühne, um sogleich mit „Ragnarök ’n‘ Roll“, dem Titelstück ihrer gleichnamigen Debut-EP loszulegen. Die Met-Bar ist prall gefüllt, es macht den Eindruck als ob sämtliche Konzertbesucher beide Bands sehen, hören und supporten wollen. Dementsprechend ist die Stimmung von Beginn weg bereits gut und die Fans in den vorderen Reihen singen engagiert mit. Mit „Nach der Schlacht“ und „Zeit“ folgen zwei Songs des bisher einzigen Albums der Band, welches ebenfalls auf den Namen Nach der Schlacht hört. Aber Nidhoeggr belassen es nicht beim Fokus auf dieses immer noch aktuelle Album von 2015. Im Verlauf des Konzerts kommen mit „Sauflied“ sowohl ein Lied von der Demo als auch die beiden Stücke der neuen EP Onwards zum Zuge. Gerade letztere gehören dann auch zu den stärksten Stücken des heutigen Abends. Sehr schön ist auch, dass das bisher sehr häufig verwendete immer gleiche Versmass (siehe auch in der Albumkritik) beim Komponieren zugunsten mehr Abwechslung aussen vor gelassen wurde. Das Publikum macht gut mit und selbst in den hintersten Reihen schütteln einige fleissig den Kopf zur dargebotenen Mischung aus Viking und Folk Metal. Die Band selbst verheimlicht ihre Freude über den grossen Zuspruch nicht und bedankt sich mehrfach bei allen Anwesenden. Aufgrund der durchmischten Stückauswahl wohnt dem Auftritt durchaus eine gewisse Abwechslung inne. Ungefähr nach einer Dreiviertelstunde erschöpft sich diese dann aber doch, sodass mir der Auftritt mit seiner Dauer von einer Stunde etwas zu lang ist.

Dutti: Heute kann ich meinen metallischen Horizont in Bezug auf helvetische Truppen abermals erweitern – und das gleich doppelt! Nidhoeggr vermögen wahrhaftig sehr zu gefallen. Soundmässig erinnern sie mich stark an Finntroll. Zudem vernehmen meine Ohren ebenfalls durch Ensiferum oder Moonsorrow inspirierte Elemente. Als schliesslich noch das Rammstein-Cover „Waidmanns Heil“ erklingt, haben die Thuner die schwarzgekleidete Masse vor der Bühne endgültig im Sack. Im Gegensatz zu meinem Kollegen wird’s mir keinesfalls langweilig. Eventuell mag dies aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass dies mein allererstes Nidhoeggr-Konzert ist und ich mich dadurch unvoreingenommen auf die Performance einlassen kann (Anm. Raphi: oder daran, dass ich erst vor zwei Monaten das Album in Dauerrotation hatte für das Review und die Songs gerad noch sehr präsent im Ohr habe).

Excelsis

Raphi: Die Umbaupause vergeht wie im Flug, schon gehen die Lichter aus und es ist Zeit für ein episches Intro als Auftakt zum Konzert von Excelsis. Irgendein Intro? Nein, denn Excelsis haben es sich nicht nehmen lassen, extra für den heutigen Abend etwas Spezielles aufzunehmen, das konkret auf die Met-Bar zugeschnitten ist und die Anwesenden freundlich begrüsst. Unter lautem Jubel betreten die fünf Musiker inklusive Gast Lüku die Bühne und starten ihren Auftritt ganz unüblich mit dem ältesten Stück auf der Setliste. „Gwaihir – The Name of a Bird“ wurde im Jahr 1997 veröffentlicht. Heute zeigen uns Excelsis, dass der Song in den letzten dreiundzwanzig Jahren nichts von seiner Energie und Kraft eingebüsst hat. Das trifft auch auf den nächsten Kandidaten, den nur unwesentlich jüngeren „The Dragonslayer“ zu. Hat die Band ihre Setliste etwa chronologisch geordnet? Irgendwie wirkt es, als ob der heutige Abend sowieso aussergewöhnlich wird. Dass die fünf Emmentaler Drachentöter ein Vorzeigebeispiel an Spielfreude sind, ist ja nichts Neues, aber heute scheint ein Quäntchen Extra-Energie auf der Bühne mitzuwirken. Das Publikum spürt dies anscheinend ebenfalls, singt es doch lauthals beinahe jeden Text mit (abgesehen von einigen Textunkundigen, deren Namen jedoch verschwiegen bleiben sollen 😉 … Anm. pam: Hey, ich kann kein Bärndütsch. Gut, was ich leider noch weniger nebst Liedtexten auswendig lernen kann, ist singen … da hat mich Münggü wunderbar in meine 4. Primarklasse zurückversetzt … auch da sollte ich vor der ganzen Klasse singen. Übrigens, in der Mathe, als Strafaufgabe die nachhaltig wirken sollte. Hat sie, drum sing ich nur noch wenn ich besoffen oder alleine bin). Schliesslich wird in der Mitte des Auftritts das grosse Geheimnis gelüftet. Der bisherige Gast und langjährige, treue Weggefährte Lüku wird als sechstes Bandmitglied aufgenommen und von nun an einen festen Platz bei Excelsis haben. Sänger Münggu erzählt uns, dass Lüku an fast jedem ihrer bisherigen Alben in der einen oder anderen Form beteiligt war und ihre Bekanntschaft bis in Jugendtage zurückreicht. Die anwesenden Fans zeigen Begeisterung für diese Neuigkeiten und heissen Lüku mit grossem Lärm willkommen. Und als dieser schliesslich eine Schalmei auspackt, kriegen wir auch noch einen klitzekleinen Ausblick auf die Instrumentierung des neuen Albums, welches übrigens am 21. November dieses Jahres getauft werden wird, wie uns Münggu wissen lässt. Ein Termin, den es nicht zu verpassen gilt.

Doch der November ist noch weit weg, erst wollen wir heute Abend noch mehr Musik hören. Bis zum finalen Song ist die Setliste tatsächlich chronologisch geordnet. Es geht nicht ganz auf, aber dafür haben Excelsis mit „Chrieger“ genau das richtige Schlusslied ausgesucht. Das sehe anscheinend nicht nur ich so, denn obwohl bereits einige Zuschauer aufgrund der späten Stunde die Heimreise angetreten haben, läuft die Stimmung dem Höhepunkt entgegen. Aus vielen Kehlen wird „Chrieger“ mitgesungen, Lüku legt noch einen Ausflug über die von der Bühne zugängliche Bar ein und nach und nach verlässt die Band einer nach dem anderen die Bühne. Doch die Fans wollen Excelsis nicht gehen lassen und singen immer weiter, sodass der Song über zwei Minuten länger dauert als normal. Auch als die Bühne leer ist, wir die Melodie weitergesungen. Bis die Folk Metaller für eine Zugabe nochmals auf die Bühne kommen. Doch auch „Wissi Bärge“ stellt die Fans noch nicht restlos zufrieden und nach kurzer Absprache mit dem Team von der Met-Bar schiebt das Sextett „s‘ Annebäbeli“ nach (Anm. pam: Immer wieder schön – vor allem da dieser Live-Mitgröhl-Klassiker – was reimt sich auf «Annäbäbeli, gäll du ziesch miär nid am ..»? OK, so viel sei verratten «Schnä..li» – auf der Hinfahrt per Zufallsgenerator im Auto lief und mich schon wunderbar auf den langersehnten Konzert-Abend einstimmte. Den Song findet man übrigens auf einer meiner absoluten Lieblings-CDs überhaupt (nicht nur von Excelsis), der Akustik-Scheibe „E chly angeri Lieder“ – hier reinhören). Oberfan Sonny, der in der ersten Reihe jedes einzelne Wort des gesamten Konzerts mitgesungen hat, wird auf die Bühne geholt und darf gemeinsam mit der Band diesen nun wirklich letzten Song singen (pam dürfte ebenfalls, aber er überlässt selbstlos den anderen das Scheinwerferlicht. Anm. pam: So bin ich halt 😉 ). 90 Minuten sind vorbei, die Band ist fix und fertig und die Zuschauer sind begeistert. Wunderbar!

Excelsis & Nidhoeggr – Das Fanzit

Raphi: Ein tolles Konzert vor ausverkauftem Haus ist etwas, das man jeder Band wünscht. Nidhoeggr und Excelsis konnten heute Abend aus dem Vollen schöpfen. Nidhoeggr konnten mich nicht über die ganze Länge ihres Sets packen, aber die Spielfreude der Band war sehr toll anzusehen. Excelsis rissen mich heute umso mehr mit. Insbesondere durch die Aufnahme von Lüku in die Band wird dieser Abend sicher lange in aller Erinnerung bleiben. Ich hätte mir nicht mehr wünschen können für mein zwanzigstes Konzert der Emmentaler Drachentöter und freue mich bereits auf das einundzwangiste am 21. November 2020.

Dutti: Es ist stets spannend zu sehen, wie da Meinungen jeweils leicht auseinanderdriften können. Excelsis waren zwar effektiv nicht übel und glänzen durch unermüdliche Spielfreude, aber meine Tagessieger waren am Ende Nidhoeggr. Allerdings habe ich trotzdem von beiden Bands je einen Silberling für meine persönliche Sammlung käuflich erworben. Des Weiteren hat mich der „Sold Out“-Status überrascht. Der sympathischen Met Bar-Crew – und selbstverständlich ebenfalls den Musikern – sei dies absolut gegönnt.

pam: Excelsis sind die absoluten Folk-Metal-Pioniere weit über unsere Landes- und Genregrenzen hinweg. Denn wer sprach Mitte der 90er schon von Folk-Metal oder von mir aus auch von Folk-Mundart-Pop sowie Folk-Hip-Hop und verpackte in seine Songs traditionelle Instrumente? Das musste hier wieder mal gesagt werden. Dazu kommt, dass die Berner Giele einfach geili Siechä sind. Sie nennen sich zwar Emmentaler Drachentöter, aber eigentlich sind sie Drachenflüsterer. Wer mit so einem verschmitzen Lausbubengesicht zwischen Growls und sanften Klängen, zwischen Deutsch und Englisch switched und dabei auch immer wieder mal ein Sea Shepherd-Shirt auf der Bühne trägt, das nicht erst seit es Mode ist, wie Frontler Münggü, der kann doch keinem noch so fiesen Drachen was antun. Da kann die holde Prinzessin noch so locken. In den letzten Jahren gab es jedoch nach fast 25 Jahren Bandgeschichte die eine oder andere Ermüdungserscheinung – vor allem wenn sie dann von Nicole und mir dauernd auf die 70’000 Tons of Metal Cruise gedrängt werden – und auch Motivationsprobleme. Davon war heute nichts zu spüren. Die Band sprühte so richtig von Spielfreude und Tatendrang. Ich wurde gar gefragt, ob ich für sie ein paar Konzerte organisieren möchte … Die Original Drachentöter sind also wieder zurück und buchbar! Ich freu mich grad drachenfeuerisch auf die neue Scheibe, Plattentaufe und was alles noch kommt. Übrigens, am 18. Juli 2020 spielen sie auch an den Highland Games Mittelland in Neuendorf. Mehr Infos inklusive die Chance Billette zu gewinnen folgen auf diesem Drachentöter-Kanal. Also Drachenflüsterer natürlich.

PS: Wer jetzt Lust auf mehr von Excelsis hat – zumindest mal ab Konserve und an Wissen – dem sei die geniale Band-Chronik bezogen auf die bisherigen Excelsis-Veröffentlichungen von Raphi empfohlen. 

Setliste Nidhoeggr

  1. Ragnarök ’n‘ Roll
  2. Nach der Schlacht
  3. Zeit
  4. Desolation
  5. Vergeltung
  6. Sturmwind
  7. Winters Wight
  8. In ewig Frei
  9. Waidmanns Heil
  10. Jägermeister
  11. Sauflied

Setliste Excelsis

  1. Intro Met-Bar
  2. Gwaihir – The Name of a Bird
  3. The Dragonslayer
  4. For Death and Glory
  5. The Chapel
  6. Uechtland
  7. Maimond
  8. Heiligs Wasser
  9. Chrieger
  10. Wissi Bärge (Zugabe)
  11. ’s Annebäbeli (ungeplante Zugabe)

Fotos Excelsis, Nidhoeggr – Met-Bar Lenzburg 2020 (pam)


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/ / 16.03.2020
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