Beyond The Black - Break The Silence Cover Artwork
Fr, 9. Januar 2026

Beyond The Black – Break The Silence

Symphonic Metal
06.01.2026
Beyond The Black - Break The Silence Cover Artwork

Gesprengte Ketten

Müsste man das sechste Studioalbum von Beyond The Black auf ein Wort herunterbrechen, so wäre es: mutig. Jennifer Haben und ihre Band wagen auf „Break The Silence“ eine klare künstlerische Evolution – unerwartet, selbstbewusst – ein klangliches „Überrasch mich“ im Quadrat!

Ihre Geschichte ist die einer stetigen Reifung: Mit jeder Veröffentlichung findet das Gespann ein Stück mehr zur eigenen Identität. Dabei haben Beyond The Black ihren Sound über die Jahre konsequent geschärft, ohne ihre musikalische Herkunft preiszugeben. Die Bilanz des letzten Jahrzehnts liest sich denn auch wahrlich beeindruckend – von einem gefeierten Debüt über renommierte Preise wie den Metal Hammer Award bis hin zu gemeinsamen Tourneen mit Legenden wie den Scorpions oder Within Temptation.

Nach der erfolgreichen „Dancing In The Dark“-Tour sowie Shows in Lateinamerika schlägt man mit „Break The Silence“ nun ein neues Kapitel auf. Das aktuelle Werk markiert den bisherigen Vielseitigkeits-Gipfel ihrer Laufbahn und unterstreicht den Willen, die Grenzen des eigenen Klangkosmos konsequent zu erweitern. Das Konzeptalbum kreist dabei inhaltlich um Kommunikation, Resilienz (innere Stärke) und die Suche nach Verbindung – Themen, die den Finger direkt in die Wunde der Gegenwart legen.

Dass dieses Streben nach Zugehörigkeit nicht nur textlich, sondern auch tonal tief verwurzelt ist, wird schon beim ersten Durchlauf deutlich. Doch gelingt es der Truppe, diese tiefgründigen Botschaften mit der gewohnten metallischen Energie zu füllen?

Ein Einstieg nach Mass

Der Opener „Rising High“ pulverisiert jegliche Skepsis bereits im Ansatz. Die Handschrift der Band ist unverkennbar – ein Sound, der ohne Umwege zündet. Harte Riffs treffen auf erhabene Arrangements und verschmelzen zu einer treibenden Einheit, der man sich kaum entziehen kann. Diese Nummer setzt auf vertraute Strukturen und wird live garantiert für ordentlich Bewegung sorgen.

Der Titeltrack „Break The Silence“ schliesst nahtlos an. Wo Strophen und Bridge sofort mitreissen, erscheint der Refrain initial zumindest mir fast etwas gar plakativ. Eine Wahrnehmung, die mit jedem weiteren Durchlauf zusehends schwindet, bis sich die Hookline in den Gehörgängen festbeisst. Gleichwohl bleibt dieser Moment der wohl kalkulierteste der gesamten Scheibe: handwerklich höchst effektiv, aber eben auch merklich auf Breitenwirkung getrimmt.

Mutige Kollaborationen und Hühnerhaut-Momente

Was diesen Longplayer in meinen Augen von seinen Vorgängern am deutlichsten abhebt, ist die beeindruckende stilistische Bandbreite, mit der das symphonische Gespann agiert. Ein Paradebeispiel hierfür ist „The Art Of Being Alone“, bei dem Chris Harms (Lord Of The Lost) als Duettpartner von Jennifer Haben fungiert. Die stimmliche Chemie der beiden ist schlichtweg brillant und veredelt das Stück zu einem der emotionalen Höhepunkte der Platte.

Dass Beyond The Black keine Angst vor unkonventionellen Pfaden hat, unterstreicht das direkt nachfolgende „Let There Be Rain“. Hier weicht die eher dunkle, intime Atmosphäre einer exotischen, fast schon mystischen Note, die durch die Mitwirkung von „The Mystery Of The Bulgarian Voices“ eine ganz eigene Magie entfaltet. Trotz dieses „Regentanz-Einschlags“ entsteht aus einem Geflecht aus mehrstimmigen Gesängen und wuchtigen Gitarrenwänden ein Panorama, das die bisherigen Grenzen der Gruppe merklich verschiebt. Eine bewusste Emanzipation von der klassisch-orchestralen Strenge des Genres. Wer hier ESC-Potenzial oder Vibes einer möglichen Babymetal-Kollaboration wittert, liegt sicher nicht ganz daneben.

Nach diesen kühnen klanglichen Ausflügen wirft die Band mit „Ravens“ den Anker zum vertrauten Sound. Eine unfassbar schöne Power-Ballade, wie sie nur Jennifer Haben so gefühlvoll und tragend interpretieren kann. Die akustische Gitarre zu Beginn erzeugt dabei eine ganz spezielle, fast schon intime Atmosphäre. Zugleich bleibt die Nummer bewusst sicher arrangiert und verzichtet auf grössere dramaturgische Wendungen. Ein echtes Geschenk an die Community.

Zwischen Synthetik und Fernost

Wer wie ich auf unerwartete Momente schielt, wird mit „The Flood“ reichlich beschenkt. Der Anfang lässt – ein kurzer nostalgischer Exkurs sei mir gestattet – eine Art Déjà-vu an die wegweisende Fernsehserie Max Headroom aus den 80er Jahren aufleben. Die elektrisch-synthetischen Einschübe sind für BtB-Verhältnisse ungewohnt, fügen sich aber nahtlos in das zeitgemässe Gefüge des Albums ein. Ob das Quartett mit dieser elektronischen Kühle langfristig ihre Identität festigt, bleibt vorerst ein Experiment mit offenem Ausgang.

Ein weiteres Highlight ist „Can You Hear Me“ mit Asami von der japanischen Power-Metal-Formation Lovebites. Der Song knallt trotz der Pop- und Elektro-Elemente ordentlich rein, bewahrt sich damit genau jene unbändige Energie, die seit jeher zum Kern der Beyond The Black-DNA gehört – und hätte wohl auch exzellent im Duett mit Elize von Amaranthe funktioniert.

Französischer Charme und deutscher Weltschmerz

In „(La Vie Est Un) Cinéma“ garniert die Equipe ihren Sound mit einer Prise französischem Charme. Zwar wecken die ersten Klänge der Strophe in mir gewisse Erinnerungen an frühere Lieder des Vierers, doch der Track emanzipiert sich schnell als in sich geschlossenes, verträumtes Werk. Gitarrist Chris Hermsdörfer demonstriert im Mittelteil derweil eindrucksvoll, welch gewaltigen Sprung er gesanglich erneut gemacht hat. Ein wunderbarer Farbtupfer im Gesamtbild des Albums.

Kurz vor Schluss gibt es mit „Hologram“ nochmals eine volle Breitseite an Dynamik und Wucht jenseits aller Schwärze, bevor die musikalische Reise mit „Weltschmerz“ endet – und dieser Abschluss hat es in sich. Ruhig, emotional und grösstenteils auf Deutsch vorgetragen. Die melancholische Stimmung atmet den Geist von „Wide Awake“, wirkt mit seiner beherzten und überraschenden Machart aber auch ein wenig wie „Verliebt“ von Illumishade. Ein genialer Schachzug, die Hörer mit so viel Tiefgang zu entlassen.

Während viele Künstler heutzutage das „Hohelied auf die Single“ singen und das Album-Konzept fast schon totgesagt haben, untermauern die Süddeutschen mit „Break The Silence“ nachdrücklich das Gegenteil. Waren es in der Vergangenheit oft die herausragenden Einzelsongs, die begeisterten, legen Beyond The Black nun ein beeindruckend geschlossenes Manifest vor. Die Band integriert experimentelle Elemente so gekonnt in ihren vertrauten Sound, dass die Melange zu jeder Zeit authentisch und mitreissend bleibt. Ein Opus, das man als Einheit erleben sollte.

Das Fanzit zu Beyond The Black – Break The Silence

Mit „Break The Silence“ gelingt Beyond The Black ihr bisher reifstes Werk – mutig, facettenreich und voller Gefühl. Es verbindet Innovation mit Fan-Nähe und zeigt, dass Symphonic Metal keineswegs stehenbleibt. Ein starkes Statement zum Jahresauftakt.

Anspieltipps: The Art Of Being Alone, Let There Be Rain, Can You Hear Me, Hologram, Weltschmerz

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Die Tracklist – Beyond The Black – Break The Silence

  1. Rising High
  2. Break The Silence
  3. The Art Of Being Alone (Feat. Lord of The Lost)
  4. Let There Be Rain (Feat. The Mystery of the Bulgarian Voices)
  5. Ravens
  6. The Flood
  7. Can You Hear Me (Feat. Asami From Lovebites)
  8. (La vie est un) Cinéma
  9. Hologram
  10. Weltschmerz

Das Line-up – Beyond The Black

  • Jennifer Haben – Vocals
  • Chris Hermsdörfer – Lead Guitar
  • Tobi Lodes – Rhythm Guitar
  • Kai Tschierschky – Drums

Video Beyond The Black – The Art Of Being Alone (feat. Lord Of The Lost)


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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06.01.2026
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