Metalinside.ch - Visions Of Atlantis – Z7 Pratteln 2026 – Foto Sandro 25
Do, 5. Februar 2026

Visions Of Atlantis, Warkings, Induction

Z7 (Pratteln, CH)
10.02.2026

Von Königen und Piraten

Wenn Piraten auf antike Krieger treffen, brennt in der Konzertfabrik Z7 die Hütte. Unter dem Banner der «Pirates & Kings Tour 2026» luden Visions Of Atlantis und Warkings zu einer epischen Schlacht am Nordstern ein. Mit dabei als Verstärkung: die Power-Metal-Aufsteiger von Induction. Es versprach, eine Zusammenkunft voller Hymnen, Kostüme und einer ordentlichen Portion Spielfreude zu werden.

Allerdings frage ich mich beim Betreten des ehrwürdigen Metal-Tempels schon ein bisschen, ob die frohe Kunde dieses wirklich coolen Symphonic-Power-Packages nicht bis in die hintersten Ecken unseres schönen Landes – oder wahlweise ins Elsass und den süddeutschen Raum – durchgedrungen war. Okay, rund 750 Karten gingen im Vorverkauf über die Theke, und der Saal sollte sich im weiteren Verlauf noch etwas füllen, trotzdem hätte ich hier ein sattes «Sold-out» erwartet.

Auch in Sachen Verkleidung herrscht klar Luft nach oben. Zwar sind ein paar an Freibeuter erinnernde Gestalten auszumachen, und selbst ein Vertreter in antiker S.P.Q.R.-Tracht wird gesichtet, was jedoch fehlt, sind die in volle Piratenkluft oder römische Körperpanzer gepackten Edelfans, die ihren Protagonisten bedingungslos in deren Parallelwelt folgen. So bietet sich trotz der originellen Maskierung beider Hauptgruppen der eher typische Metal-Gig-Anblick. Kein Weltuntergang, aber da ging in der Vergangenheit weidlich mehr. Ob das wohl einen Einfluss auf den Stimmungspegel haben wird? Wir werden sehen.

Und sonst? Gibt es bereits Prognosen, auf welche Perlen wir uns in den heutigen Setlisten freuen dürfen? Schliesslich meinte kein Geringerer als Christofer Johnsson (Therion) vor knapp zwei Jahren, dass Konzerte leider vollends vorhersehbar geworden seien: «Die Leute schauen auf ihr Handy und wissen, was passieren wird.» Nun, heute funktioniert dieser digitale Trick nicht. Denn es ist – Harr-Harr! – Tourauftakt hier in der Nordschweiz!

Doch bevor Schwert und Degen die Klingen kreuzen, freuen wir uns erst einmal auf eine gehörige Ladung Power Metal der nächsten Generation.

Induction

An der Gitarre zupft kein Geringerer als Tim Kanoa Hansen die Saiten. Dass er das Genre-Gen quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat – Papa Kai lässt grüssen –, hört man jeder Note an. Auch hierzulande ist die Truppe längst keine Unbekannte mehr, wie sie etwa 2025 als bärenstarker Support für Temperance in der Met-Bar unter Beweis stellte.

Im Kielwasser der epischen Piraten- und Hero-Kavallerie könnte man Induction leicht als «nur» Support abtun. Weit gefehlt! Man merkt der Band an, dass sie nicht nur als Anheizer gekommen, sondern bis in die Haarspitzen motiviert sind, bereits zu früher Stunde ein deftiges Ausrufezeichen zu setzen.

Frontmann Gabriele Gozzi (den ich vor Jahresfrist live bei seiner anderen Equipe «Inner Vitriol» erleben durfte) übernimmt schnell die Rolle des energiegeladenen Anführers. Seine klaren, sehr wandlungsfähigen Vocals sowie die direkten, charmanten Ansprachen wirken wie ein weckender Ruf an das anfangs noch etwas reserviert wirkende Publikum. Tja, wer dachte, man könne zu Beginn noch entspannt am Bierstand rumlümmeln, wird gleich mal eines Besseren belehrt.

Ihr Sound wirkt modern, bleibt aber in klassischen Schwermetall-Strukturen verankert. Kein abgehalfterter «Hau-drauf-Metal», sondern Schmackes mit ordentlich Druck und technischer Finesse. Dass man mit Tim Hansen und Justus Sahlman gleich zwei wirbelige Saitenhexer in den Reihen weiss, ist dabei sicherlich nicht von Nachteil. Ebenso wenig wie ihre überbordende Spiellaune – oder wie auch immer man ihr ständiges Herumgewusel und Posen umschreiben möchte. Nein, an Einsatz mangelt es den Herren beileibe nicht!

Wie wir im Verlaufe der mitreissenden Darbietung erfahren, erscheint am Folgetag ihr dritter Longplayer «Love Kills!». Passend dazu bekommen wir einen Schwung neuer Tracks um die Ohren gehauen, die prächtig funktionieren und der Atmosphäre im Saal sichtlich guttun. Leider ist nach dreissig Minuten bereits wieder Endstation – und ich vermute mal, dass ich nicht der einzige bin, der gerne noch einen Nachschlag gehört hätte. Induction zeigten sich fürwahr als bärenstarker Opener, der die Messlatte für das restliche Programm verdammt hoch gelegt hat.

Die Setlist –  Induction

  1. Beyond Horizons
  2. Dark Temptation
  3. Love Kills
  4. Strangers to Love
  5. Steel and Thunder
  6. Gods of Steel
  7. Queen of Light

Warkings

Nutzen wir die Umbaupause doch für einen kurzen Crashkurs in Sachen Warkings: Hier dreht sich alles um kraftvolle Metal-Hymnen mit einer Vorliebe für grosse Geschichten und eingängige Riffs. Das Konzept ist Programm: Ein Tribun, ein Wikinger, ein Kreuzritter und ein Spartaner steigen direkt aus den Geschichtsbüchern (wahlweise auch: Walhalla) herab, um das Z7 in eine bebende Arena zu verwandeln. Rüstet euch, die Show beginnt.

Nachdem eine Hammer-schwingende Figur die Menge standesgemäss eingestimmt hat, übernehmen die vier Lichtgestalten unter tosendem Applaus das Regiment. Sobald die ersten Riffs die Luft durchschneiden, ist der Fall klar: Hier wird heute kein Met genippt, sondern ein klangvolles Monument in den Beton gemeisselt – die Krieger sind zurück!

Warkings funktionieren live wie eine gut geölte Belagerungsmaschine. Die Riffs von Crusader sägen präzise durch die Halle, während das von Spartan bearbeitete Schlagzeug wie Galeeren-Trommeln den Takt vorgibt. Als dann schon früh die Hymne «Maximus» von der Bühne schallt, ist das Publikum vollends angekommen: Fäuste gehen hoch, die Euphorie steigt, und der Funke springt endgültig über. «Morituri te salutant» – sic est!

Doch selbst die wildeste Horde braucht eine dunkle Macht, die sie lenkt: Auftritt Morgana le Fay. Ihre dämonischen Growls bilden den perfekten Gegenpol zum heroischen Goldkehlchen des Tribuns. Gemeinsam entsteht eine dynamische Wechselwirkung, die dem Set zusätzliche Tiefe verleiht. Dass die charismatische Sängerin heute ihr Wiegenfest feiert, wird standesgemäss mit einem vielkehligen «Happy Birthday» zelebriert, bevor bei «Fight» kollektiv die Stimmbänder strapaziert werden. Wer morgen im Büro noch reden kann, war heute definitiv nicht mit vollem Einsatz dabei.

Dabei spielen Warkings nicht einfach nur ein Konzert; sie halten eine Audienz für ihre Anhängerschaft ab. Passend dazu gibt es einen Mix aus Klassikern und neuen Stücken vom aktuellen Eisen «Armageddon» (2025). Ein unerwartetes Highlight bildet die unfassbar coole Cover-Version des Gassenhauers «Life Is Life» (für alle, die ihre Stirn gerade leicht in Falten legen – jep, von Opus aus dem Jahr 1984). Was auf dem Papier gewagt klingt, entfaltet live eine hervorragende Wirkung und sorgt für beste Laune.

Zu «We Are The Fire» lädt der bereits vom Anfang her bekannte Hammermann zu einem wilden Circle Pit, den er im Auge des Sturms gleich selbst orchestriert. Auch die Ernennung aller Anwesenden zu den «Warriors Of Rütlischwur» kommt zum Zuge, ebenso wie der Ritt einer jungen Dame im Schwimmring oder der finale Flaggengruss (zur Review). Tradition trifft Innovation – eine theatralische Sause mit dem nötigen Augenzwinkern. Wer Power Metal mit ordentlich Showmanship liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Nach fünfundsiebzig energiegeladenen Minuten heisst es Abschied nehmen von Pathos, Epik und jeder Menge positiver Vibes.

Wobei – wenn ich so drüber nachdenke, passen diese Attribute auch perfekt auf die Piraten-Gilde, die in dreissig Minuten das Kommando übernehmen wird. Vorab folgt zunächst eine erneut etwas längere Pause, die das Z7-Publikum strategisch klug nutzt: In der Halle wird es kurzzeitig luftiger, während die Schlangen an der Bar und dem stillen Örtchen wachsen. Alles macht sich bereit für das finale Spektakel des Abends.

Die Setlist –  Warkings

  1. Genghis Khan
  2. Maximus
  3. Odin’s sons
  4. Armageddon
  5. Hephaistos
  6. Warriors
  7. Margana’s Incantation
  8. Circle of Witches
  9. Hangman’s Night
  10. To the king
  11. Happy Birthday Song (für Morgana)
  12. Fight
  13. Kings of Ragnarök
  14. Life is live
  15. We Are The Fire
  16. Sparta
  17. Gladiator

Visions Of Atlantis

«Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten [also so richtig langen, wie man sie aus den Filmen kennt!] sein!» Würde man die Besatzung an diesem alten Shanty messen, bliebe die Galeere heute wohl fest im Hafen vertäut. Doch Visions Of Atlantis zeigen einmal mehr, dass moderne Piraterie längst andere Regeln kennt. Während Clémentine Delauney wie eh und je als unangefochtene Königin der Weltmeere über die Planken schwebt, gibt es wohl keinen musizierenden Freibeuter, der so charismatisch in seiner Rolle aufgeht wie Michele «Meek» Guaitoli.

Auch wenn das Bühnenbild nach wie vor nach Schiesspulver und einer Buddel voll Rum riecht, ist heute weniger «Säbelrassel-Klamauk» auszumachen als auch schon. Eine Entwicklung, die der Show gut zu Gesicht steht, denn der Fokus liegt nun nahezu vollumfänglich auf der Musik. Während Clémentine ihre Melodien live mit traumwandlerischer Sicherheit in den Hafen steuert, merkt man bei Michele, dass der Motor für den grossen Beutezug wohl noch eine winzige Einschwingphase braucht. Summa summarum liefern die zwei aber genau das ab, was man sich erhoffen durfte: Ein starkes Stück Arbeit, das nahtlos an die überzeugende Performance der gesamten VoA-Truppe anknüpft.

Natürlich gibt es hier und da Kleinigkeiten, die noch Feinschliff vertragen könnten. Clémentine erwähnte es selbst: Der Start einer Tour ist auch nach vielen Jahren ein emotionaler Moment, und entsprechend liegt bei allen etwas Nervosität in der Luft. Die gelegentlichen Mikrofonaussetzer werden sicher noch behoben, ansonsten gibt es wenig zu bemängeln.

Die Setlist orientiert sich sehr stark an der letztjährigen Konzert-Konserve ‹Armada Live Over Europe›, durchzogen mit jeder Menge Seemannsgarn und symphonischen Perlenschätzen. Die leicht veränderte Reihenfolge sorgt für frische Dynamik, echte Überraschungen bleiben jedoch rar – mit einer Ausnahme: «Pirates & Kings», die gemeinsame Nummer mit den Warkings, entpuppt sich als einer der Glanzpunkte des Auftritts. Eine wirklich coole Nummer, die auf und vor der Bühne sichtlich für Spass sorgt.

Apropos Alben – wie Induction haben auch Visions Of Atlantis gerade frische Beute im Gepäck: «Armada – An Orchestral Voyage» nennt sich der Silberling, der sich ganz auf symphonische Klanglandschaften konzentriert und gemäss Band bestens als Begleitung zum Wandern oder für Spieleabende eigne – Ausprobieren ist hier ausdrücklich erlaubt.

Zum krönenden Abschluss werden die Waden nochmals massiv auf die Probe gestellt. Der «melancholische Engel» – wie diese grandiose poppig-eingängige Gumpi-Hymne einst brachial-direkt übersetzt im ZDF Fernsehgarten genannt wurde – lädt zum kollektiven Sprunglauf ein. Das Manöver ist zwar nicht neu, aber halt immer wieder saugeil und bringt die Planken im Z7 endgültig zum Glühen.

Gleicher Hafen, bekannte Route: Im Grunde kreuzten Visions Of Atlantis heute im selben Fahrwasser wie bereits im Herbst 2024 (zur Review) – bestachen aber durch eine deutlich schlankere Takelage. Weniger Klamauk, dafür mehr musikalische Breitseite. Ein Manöver, das voll aufgeht und die Armada so stark wie nie zuvor wirken lässt. Wo kann man sich für die nächste Kaperfahrt melden?

Die Setlist –  Visions Of Atlantis

  1. To Those Who Choose to Fight
  2. The Land of the Free
  3. Clocks
  4. Tonight I’m Alive
  5. Pirates & Kings (zusammen mit Warkings)
  6. Legion of the Seas
  7. Heroes of the Dawn
  8. Mercy
  9. Hellfire
  10. Underwater
  11. Pirates Will Return
  12. Armada
  13. Master the Hurricane*
  14. Melancholy Angel*

* Zugabe

Das Fanzit – Visions Of Atlantis, Warkings, Induction

Heute erlebten wir im Z7 zu Pratteln einen mitreissenden Theaterabend der kraftvoll-symphonischen Art. Während beide Co-Headliner durch ihr ganz eigenes – nennen wir es mal wichtigtuerisch – ‹Professional Stage Cosplay› eine fast schon magische Aura heraufbeschworen, wirkten die Herren von Induction im direkten Vergleich beinahe optisch schlicht, während ihr Sound jedoch ein wahres Feuerwerk abbrannte.

Ein glorreicher Sieg auf ganzer Linie! Wer heute nicht dabei war, muss wohl oder übel zur Strafe kielgeholt werden.

Die Fotos – Visions Of Atlantis, Warkings, Induction


Wie fandet ihr das Konzert?

10.02.2026
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