Metalinside.ch - Expellow - Werk 21 Zürich 2018 - Foto Friedemann
Fr, 6. April 2018

Expellow (Plattentaufe), Child of Pain, The Kate Effect

Dynamo Werk 21 (Zürich, CH)
/ 17.04.2018
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Die Frontlinie verteidigt

Es ist Freitagabend und Expellow feiert das Erscheinen ihres neuen Albums We held the Line mit einem selbst organisierten Konzert. Da machen wir natürlich unsere Aufwartung: Metalinside.ch ist mit einem Duo vor Ort, um den Abend in Wort und Bild einzufangen. Friedemann übernimmt die Arbeit im nicht vorhandenen Fotograben, während ich mich um den Text kümmere.

The Kate Effect

Eröffnet wird der Abend um acht Uhr von The Kate Effect und ich bin überrascht, wie voll das Werk 21 bereits ist. Das sind gute Voraussetzungen für ein gelungenes Konzert. Für beste Voraussetzungen sind auch die vier Jungs von The Kate Effect besorgt. Sie lassen mit ihrem modernen Melodic Death Metal mit signifikanten elektronischen Einflüssen absolut nichts anbrennen und legen sich mächtig ins Zeug. Dies ist nicht der erste gemeinsame Auftritt mit Expellow, aber ich sehe sie erstmals in Aktion.

Sänger Lukas Villiger schreit sich die Seele aus dem Leib und fordert das Publikum von Beginn weg auf, sich zu bewegen. Trotz der zahlreich anwesenden Besucher sind die Reaktionen allerdings verhalten, obwohl es viel Applaus für die Wädenswiler gibt. Ebenfalls verhalten ist die Beleuchtung, so dass es Friedemann sicher schwerfällt, vernünftige Fotos zu schiessen. Derweil ist die Band auf der Bühne ständig in Bewegung, hüpft herum, posiert was das Zeug hält und macht auf mich schlicht und einfach den Eindruck, als hätte sie so richtig Spass. Der Gesamteindruck wird allerdings etwas getrübt durch das als Playback abgespielte Schlagzeug. Deshalb hier gleich der Aufruf an alle Drummer da draussen: meldet euch bei The Kate Effect, damit sie in Zukunft auf programmierte Drums verzichten können. Trotz dem Einsatz der Jungs scheint die Energie nicht richtig in den Zuschauerraum überzuschwappen. Vielleicht liegt das auch am Sound, der zu Beginn eher matschig daher kommt und sich erst im letzten Viertel wirklich bessert. Doch The Kate Effect lassen sich davon nicht beirren und geben weiter Vollgas. Kurz vor Schluss hat sich die Band schliesslich eine kleine Besonderheit einfallen lassen und holt zur Feier des Abends Mik von Expellow auf die Bühne, um gemeinsam ein Cover von Hatebreeds „Destroy Everything“ zu spielen (gemäss Aussagen von Lukas, wollten sie zuerst einen Expellow-Song covern, aber die seien alle zu schwer). Ein schöne Geste, denn genau solche Dinge machen eine CD-Taufe zu einem besonderen Erlebnis und runden den tollen Auftritt ab.

Child of Pain

Die Umbaupause wird anscheinend von vielen Konzertbesuchern genutzt, um frische Luft zu schnappen. So ist der Keller des Dynamos praktisch leer, als Child of Pain aus dem Wallis loslegen. Die Band kenne ich nicht, der Name ist mir aufgrund diverser Aufkleber an verschiedenen Orten allerdings auch schon über den Weg gelaufen. Sie bezeichnen ihren Stil als Rock n‘ Deathcore und tatsächlich klingt da ein zünftiger Anteil Deathmetal mit. Aber irgendwie fehlt etwas, nur kann ich nicht gleich benennen, um was es sich handelt.

Die Reihen im Publikum sind dünner besiedelt als zuvor. Entweder ist die frische Luft unglaublich toll oder die Zigaretten brennen langsam, denn viele Zuschauer tauchen auch im weiteren Verlauf des Auftritts nicht auf. Schlussendlich sind es etwa halb so viele wie bei The Kate Effect. Child of Pain machen aber das Beste aus der Situation. Mit einem trockenen Augenzwinkern bei den Ansagen und einer gehörigen Portion Groove ist ihr Auftritt durchaus kurzweilig. Gegen Schluss hin werden die Mitglieder von Expellow auf die Bühne gebeten. Zuerst ist niemand auffindbar, vermutlich sind alle bereits mit den Vorbereitungen für ihren Auftritt beschäftigt. Irgendwann erscheint dann aber doch Gitarrist Nici auf der Bühne und bekommt von Sänger Löibi M. als Geschenk zur Albumtaufe einen We held the Line-Merlot vom Weingut Child of Pain. Das scheint sich praktisch sofort herumgesprochen zu haben, denn plötzlich stürmen auch die restlichen Mitglieder von Expellow auf die Bühne, um sich zu bedanken. Die Sympathie des Publikums haben die Kinder des Schmerzens mit ihrer Aktion sowieso gleich mitabgeholt.

Bevor nun der letzte Song gespielt wird, erklärt uns Löibi, dass heute ihr zweiter Gitarrist aufgrund seiner Abschlussprüfungen fehlt. Da haben wir also die Erklärung, was genau gefehlt hat. Interessanterweise hat der Sound trotzdem irgendwie funktioniert und so räumen die Walliser zwar nicht rundherum ab, lassen aber erahnen, dass sie mit zwei Gitarristen doch um einiges mehr zu bieten hätten.

Expellow

So langsam wird es nun aber Zeit für die Stars des Abends. Mit diesem Gedanken bin ich scheinbar nicht allein, denn das Werk 21 ist richtig voll, als mit Schlagzeuger Moritz das erste Lebenszeichen von Expellow auf der Bühne erscheint. Die Band macht einen leicht angespannten aber gleichzeitig auch sehr erleichterten Eindruck, sichtlich froh darüber, dass es jetzt endlich losgeht. Und wie es losgeht: mit „Fuck Shit Up“ packt das Zürcher Metalcore-Quintett die Zuschauer im Nacken und wirbelt sie gleich darauf herum mit dem vorab per Videoclip bekannt gemachten „Game Insane“. Sobald der erste Ton erklingt ist von Nervosität keine Spur mehr zu sehen und die Band zeigt sich als unglaublich kompakte und sicher agierende Einheit. Da scheinen sich die fünf äusserst gewissenhaft vorbereitet und ziemlich viele Stunden gemeinsam geprobt zu haben. Gegenüber der letzten Plattentaufe vor drei Jahren ist hier noch einmal ein Schritt nach vorne gemacht worden.

Und eben jenes drei Jahre alte Album kommt nun in Form von „Pain and Anesthetics“ zum Zuge, bei dem sich die Fans logischerweise textsicherer zeigen. Aber die meisten sind natürlich wegen den neuen Songs gekommen und von diesen werden bis auf das Outro auch alle gespielt. Das folgende „Cathedrals“ lässt die Stimmung so richtig kochen und die vordere Hälfte des Kellers ist ständig in Bewegung. Friedemann tut mir etwas leid. Tolle Fotos schiessen ist sicher nicht ganz einfach unter diesen Bedingungen. Als nächstes folgt mit „Strongest in Defeat“ ein Song, der mich ab Konserve nicht ganz so stark begeistert hat wie andere, doch live scheint das eine ganz andere Geschichte zu sein. Hier fehlt der von mir vermisste Druck nicht und so bleibt die Stimmung ausgelassen. Mittlerweile stimmt auch der Sound, der zu Beginn noch etwas zu wünschen übrig gelassen hat. Eine CD-Taufe darf natürlich nicht ohne kleine Spezialeffekte über die Bühne gehen und so holt Sängerin Mik für „A World Set Ablaze“ Lukas von The Kate Effect auf die Bühne, um die auf der CD enthaltene Zusammenarbeit auch live zu präsentieren, was hervorragend klappt.

Später geschieht bei „Hometown“ dasselbe, mit dem Unterschied dass hier TC und Dani von Vale Tudo als Gastsänger fungieren. Auch diese beiden liefern eine starke Performance ab, die sich perfekt in die Show einfügt. Schliesslich ist es soweit: das neue Album wird getauft und dies ist der einzige Moment, in dem die professionell agierende Band etwas Nervosität zeigt und ganz kurz ein wenig Unsicherheit aufblitzt. Die wird aber sogleich vom Konfettiregen überdeckt (Nici hat die Konfettikanonen also tatsächlich nicht zuhause vergessen). Leadgitarrist Gudi stimmt den nächsten Song an und das Fest kann weitergehen. Mit „Heavy Rain“ geht das Set zu Ende, aber die Band wird (natürlich) nochmals auf die Bühne zurückgerufen für zwei Zugaben. Hier kommt mit „Your Voice In My Head“ nochmals ein älterer Song zum Zuge, bevor mit „We held the Line“ definitiv und unwiderruflich Schluss ist. Danach steigt die ganze Band glücklich und etwas geflasht von der Bühne und trifft sich mit den Fans am Merchstand oder der Bar. Expellow haben alles richtig gemacht und eine CD-Taufe der Extraklasse geboten. Das war’s, auf geht’s nun zu Pam an die Metal Monsters.

Fotos Expellow, Child of Pain, The Kate Effect im Werk 21 Zürich 2018 (Friedemann)


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Expellow (Plattentaufe), Child of Pain, The Kate Effect
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