Testament - Z7 Pratteln 2019
Di, 13. August 2019

Testament, Death Angel, Sacred Reich, Iron Reagan, Dust Bolt

Z7 (Pratteln, CH)
29.08.2019
Testament - Z7 Pratteln 2019

Ein Thrash-Abend der Extraklasse!

Mitten im Festivalsommer sorgt das Z7 mit einem absoluten Killer-Line-up für ein Hallen-Highlight. Mehr Thrash an einem Abend geht fast nicht. Obwohl ich alle der Bands schon Live gesehen habe – Testament erst vor ein paar Tagen am Party.San Open Air – lasse ich mir diesen Event definitiv nicht entgehen.  Schliesslich sind mir alle fünf Gruppen als Super Live-Acts bekannt.

Die Kehrseite an einem so grossen Live-Paket ist hingegen der frühe Beginn. An einem Dienstagabend um 18 Uhr in Pratteln zu sein, ist schon für mich als Aargauer eine Herausforderung. Keine Ahnung wie das Leute schaffen, die noch weiter weg wohnen. Da geht dann schnell mal zumindest ein halber Ferientag dafür drauf. Heute spielt zwar generell keine schlechte Band, mit Dust Bolt aber ein besonderer Favorit von mir bereits zu Beginn. Da gibt es für mich also keine andere Option, als früh los im Büro und auf die Türöffnung um 17.30 da zu sein.

Dust Bolt

So stehe ich dann pünktlich bei Beginn der Show um 18 Uhr vor der Bühne und bin erst mal erstaunt: ich habe die Band nun schon einige Male Live erlebt, diesen Bassisten kenne ich aber nicht. Wie ich nach der Show erfahren habe, musste der etatmässige Bassist Bene aufgrund Abschlussprüfungen passen. Der Ersatzmann, dessen Namen ich leider nicht in Erfahrung bringen konnte, ist ein Freund der Gruppe. Und er macht seine Sache definitiv gut, da gibt es nichts zu meckern. Auch in Sachen Action auf der Bühne steht er seinem «Vorgänger und Nachfolger» in nichts nach, ständige Bewegung ist bei dieser Band auf der Bühne sowieso fast Pflicht.

Auch sonst weiss der Auftritt zu gefallen, wobei schlechte Shows bei Dust Bolt eh nicht zu existieren scheinen. Der Spass auf der Bühne greift automatisch auch aufs Publikum über, welches während der Show immer zahlreicher im Z7 eintrifft. So ist gegen Ende trotz früher Uhrzeit schon eine ordentliche Menge Leute anwesend. Leider stehen der Band nur ungefähr 30 Minuten zur Verfügung, und so fehlen natürlich einige der Songs, die ich gerne gehört hätte. Immerhin vier Tracks vom neuen, überragenden «Trapped In Chaos»-Album schaffen es heute Abend auf die Setlist, dazu zwei Klassiker von «Mass Confusion». Und nachdem Frontmann Lenny ankündigt, ohne einen Circle Pit nicht nachhause zu fahren, erfüllt ihm das Publikum auch diesen Wunsch noch. Ein perfekter Opener-Auftritt von einer Band, der wohl nicht nur ich gerne auch noch länger zugehört hätte.

Setliste Dust Bolt

  1. The Fourth Strike
  2. Mind The Gap
  3. Dead Inside
  4. Killing Time
  5. Sick X Brain
  6. Rhythm To My Madness

Iron Reagan

Nach einer kurzen Umbaupause folgt der Act, auf den ich heute am meisten gespannt bin: Iron Reagan aus Richmond, Virginia. Ich habe die Gruppe vor drei Jahren einmal an einem Festival mehr aus Zufall mitbekommen und für gut befunden, seither aber nie mehr die Chance gehabt eine Show zu besuchen. Frontmann Tony Foresta dürfte einigen Leuten noch als Sänger von Municipal Waste bekannt sein. Iron Reagan selbst bestehen erst seit 2012, in den 7 Jahren seither wurden aber auch bereits drei Alben sowie zahlreiche EPs und Splits veröffentlicht. Und die Band legt die Messlatte in Sachen Tempo gleich richtig hoch! Klar, auch hier wird grundsätzlich Thrash Metal gespielt. Allerdings mit einer guten Portion Punk und Hardcore dazu.

Die Band strotzt nur so vor Spielfreude, nicht nur Tony sorgt für jede Menge Bewegung auf der Bühne, seine Mit-Musiker stehen ebenfalls nicht nur still da und spielen ihre Instrumente… Und auch im Publikum ist ab Beginn ein kleiner Pit am Rotieren, welcher im Verlauf der Show immer grösser wird. Foresta hat ausserdem eine sehr sympathische und witzige Art bei seinen Ansagen. Sein Stolz, mit solchen Namen wie heute Abend die Bühne teilen zu können ist gross, und das zeigt er auch. Zudem zählt er immer mal wieder mit, wie viele Songs grad gespielt wurden und noch folgen. Die Lieder selbst sind zu einem guten Teil ziemlich kurz, so bringen es Iron Reagan während des Sets auf stolze 16 Titel – in der selben Zeit haben Dust Bolt gerade mal 6 Songs untergebracht, welche aber natürlich einiges länger waren. Die 30 Minuten sind so gefühlt viel kürzer und sehr schnell vorbei. Und ich hoffe, die Band schon bald wieder einmal Live sehen zu können. Das war sackstark!

Setliste Iron Reagan

  1. Eat Shit And Live
  2. Insanity Please
  3. Bleed The Fifth
  4. Conditioned Evolution
  5. Tyranny Of Will
  6. I Won’t Go
  7. Rock Block
  8. They Scream
  9. Instrumental
  10. Cycle Of Violence
  11. Paycheck
  12. Fuck The Neighbours
  13. Eyeball Gore
  14. Miserable Failure
  15. Exit The Game
  16. Your Kid’s An Asshole / Mini Lights

Sacred Reich

Direkt nach den Energiebündeln von Iron Reagan auf die Bühne zu müssen, ist wohl für die meisten Bands eine ziemliche Herausforderung. Allerdings kein Problem für eine Legende wie Sacred Reich aus Phoneix, Arizona. Frontmann Phil Rind, der vor der Show noch höchst persönliche T-Shirts am Merch-Stand der Band verkauft hat, zieht einen mit seiner Ausstrahlung sofort in den Bann. Er ist nicht nur ein wirklich guter Sänger, auch seine Ansagen wirken sehr sympathisch. So stellt er beispielsweise fest, dass er zwar nicht wisse, was das Ticket heute gekostet habe, bei dem Line-up sei es aber sowieso jeden Cent wert. Zudem wird der neue Tonträger angekündigt – «Awakening», das erste Studio-Album der Band seit langen 23 Jahren! Das Releasedatum 23. August lässt er gleich vom Publikum skandieren. Gar keine so schlechte Idee, ich konnte es mir dadurch jedenfalls merken…

Musikalisch ist das zwar schon etwas anderes als Iron Reagan zuvor. Sacred Reich stehen eher für klassischen Thrash, auch dank Phils Stimme erinnert mich das teilweise an alte Metallica. Was die beiden Bands aber gemeinsam haben, sind die politischen Botschaften und sozialkritischen Texte. So wurde letztes Jahr auch eine Split-7-Inch veröffentlicht, welche nun zu meiner Enttäuschung hier am Merch-Stand aber nicht erhältlich ist, weder bei Iron Reagan noch bei Sacred Reich.

Dafür schreibe ich mir das neue Album gross auf meine Einkaufsliste. Bereits 3 Songs davon sind heute Live zu hören und diese überzeugen mich alle. Auch wenn sowohl auf der Bühne als auch davor nun weniger Bewegung herrscht als bei den beiden Bands zuvor, ist der Auftritt mehr als nur überzeugend. Hier ist definitiv ebenfalls viel Spielfreude vorhanden, ob Phil vorne auf der Bühne, Wiley Arnett und Joey Radziwil an den Gitarren, oder der ehemalige Machine Head-Drummer Dave McClain an der Schiessbude – alle vier Musiker sind während der Show mehr als nur einmal am Grinsen. Nach 45 Minuten wird die Band mit viel Applaus verabschiedet und die Menschentraube am Merch-Stand ist – wie auch schon bei Iron Reagan zuvor – ein deutliches Indiz dafür, dass hier ein paar neue Fans gewonnen werden konnten.

Setliste Sacred Reich

  1. The American Way
  2. Death Squad
  3. Awakening
  4. Love…Hate
  5. Divide & Conquer
  6. Who’s To Blame
  7. Independent
  8. Manifest Reality
  9. Surf Nicaragua

Death Angel

Keine Zeit um lange durchzuatmen, nun folgt mit Death Angel ein weiteres Highlight. Die 1982 in San Francisco gegründete Gruppe ist eine meiner liebsten Thrash Bands und sowohl Live als auch release-technisch eine absolute Bank. Und wie gewohnt geht es hier ab der ersten Sekunde mit Vollgas ab. Sänger Mark Osegueda zeigt gleich zu Beginn einen Spagat-Sprung, der wohl nicht nur so manch anderer 50-jähriger definitiv nicht mehr hinbekommen würde. Und nicht nur er gibt Vollgas, Drummer Will Carroll drescht so auf sein Schlagzeug ein, dass sich Ende des ersten Songs die eine Snare verabschiedet. Zum Glück ist das schnell repariert und es kann weitergehen.

Neben dem sehr aktiven Frontmann Mark zieht auch Gitarrengott Rob Cavestany viel Aufmerksamkeit auf sich. Sein furioses Spiel in Verbindung mit seiner Mimik ist immer wieder herrlich. Bassist Damien Sisson wirbelt sein Instrument durch die Gegend und bringt sich selbst dadurch auch etwas in den Mittelpunkt. Die Songauswahl beinhaltet 6 Lieder von 6 verschiedenen Alben, darunter den Titeltrack von der neuen Scheibe «Humanicide». Leider hat es heute dafür nichts von meinem Lieblingsalbum «Act III» auf die Setlist geschafft.

Nach rund 40 Minuten ist die Show plötzlich zu Ende. Mark hält sich heute generell mit Ansagen eher zurück, bis auf eine längere Dankensrede in der Mitte des Gigs. Und auch das Ende kommt so fast etwas überraschend, ich hätte mit noch mindestens einem Song mehr gerechnet. Ansonsten war der Auftritt aber gut, wenn auch nicht überragend. Ich habe Death Angel schon besser gesehen, aber bei einer so starken Live-Band heisst das noch lange nicht, dass der Auftritt schlecht gewesen wäre…

Setliste Death Angel

  1. Thrown To The Wolves
  2. Claws In So Deep
  3. Voracious Souls
  4. The Moth
  5. The Dream Calls For Blood
  6. Humanicide

Testament

Nun folgt mit Testament der Headliner des Abends, sofern man bei so einem hochklassige Line-up überhaupt von einem einzelnen Headliner sprechen will oder kann. Wie bereits erwähnt habe ich Testament vor vier Tagen am Party.San Open Air zum letzten Mal Live gesehen (siehe Review). Da hatten sie etwas Pech, da sie erstens am einzigen verregneten Tag ranmussten und zweitens direkt nach Deicide, auf welche der Grossteil des Publikums mehr gewartet hatte. So war Testament nicht die grösste Crowd des Abends gegönnt, obwohl sie auch da den Headliner-Status hatten. Heute jedoch ist die Halle mittlerweile sehr gut gefüllt, ich würde mal schätzen, dass nicht viel fehlt für den Ausverkauft-Status im Z7. Und die Leute reagieren auch richtig frenetisch auf die Thrash-Veteranen Testament aus Oakland, so ist praktisch ab Beginn der Show ein grösserer Pit am Toben. Ab dem vierten Song kriegen dann auch die Security-Mitarbeiter etwas zu tun, immer mehr Crowdsurfer werden über die Köpfe der Menge getragen.

Frontmann Chuck Billy scheint heute sehr gut gelaunt zu sein, seine Ansagen sind ausführlicher als noch am Party.San. So erklärt er beispielsweise, dass er persönlich Open Airs zwar mag, diese Hallenshows wie heute aber noch ein Stückchen lieber hat. Und das glaubt man ihm definitiv. Ebenso gibt er eine Anekdote von letzter Nacht zum Besten: scheinbar hatte der aktivste Crowdsurfer in Saarbrücken relativ kurze und weite Shorts an, was zu mehreren ungewollt tiefen Einblicken gesorgt hat von der Bühne. Dementsprechend froh ist Chuck, dass die Crowdsurfer heute bessere Hosen tragen. Neben dem Dank an alle Bands des heutigen Abends erwähnt er auch noch speziell, wie schön er es findet, mit Death Angel heute ein paar Freunde aus der Heimat zu treffen.

Die Setliste von Testament ist identisch mit der vom Party.San Open Air, auch die Spielzeit ist mit etwas mehr als 75 Minuten ungefähr gleich lang. Für mich natürlich etwas Schade, es werden aber nicht extrem viele Leute beide Shows gesehen haben, von dem her absolut verständlich. Vor allem weil die Zusammenstellung der Setlist auch wirklich stark ist, so werden einige Alben und praktisch jede Phase in der langen Bandgeschichte abgedeckt. Die Truppe ist zudem bestens gelaunt, nicht nur Chuck hat heute regelmässig ein Lächeln im Gesicht.  Und so erhält dieser Super-Abend einen perfekten Abschluss in Form eines Testament-Auftritts, den ich definitiv noch etwas stärker als die ebenfalls schon gute Party.San-Show einstufe.

Setliste Testament

  1. Brotherhood Of The Snake
  2. The Pale King
  3. More Than Meets The Eye
  4. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  5. Eyes Of Wrath
  6. Legions of the Dead
  7. Low
  8. The Preacher
  9. Into the Pit
  10. Electric Crown
  11. Over The Wall
  12. Disciples of the Watch
  13. Practice What You Preach
  14. The New Order
  15. The Formation of Damnation

Das Fanzit – Testament & Co.

Der heutige Abend hat gute Chancen bei meinem Jahresrückblick in die Liste der besten 1- Tages-Events zu kommen. Fünf wirklich starke Live-Bands, die alle mehr als nur abgeliefert haben. Zudem hat das Publikum im vollen Z7 für eine Top-Stimmung gesorgt. So war das den halben Ferientag wegen dem frühen Beginn und die Müdigkeit am nächsten Morgen definitiv Wert!


Wie fandet ihr das Konzert?

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