Gurd - Z7 Pratteln 2020 (Flyer)
Sa, 27. Juni 2020

GurD, Lotrify, tHola

Z7 (Pratteln, CH)
05.07.2020
Gurd - Z7 Pratteln 2020 (Flyer)

Hoffnung für den diesjährigen Konzertsommer 

Lange war es still um den in Pratteln angesiedelten Metal-Tempel, der uns stets unvergessliche Konzerterinnerungen beschert. Die aktuellen Ereignisse verunmöglichten bedauerlicherweise den regulären Betrieb. Doch dann wurde ein Hoffnungsschimmer in Form der «The Summer Of 2020»-Eventreihe ins Leben gerufen. Endlich wieder Live-Musik in der (un-)heiligen Lärm-Fabrik! An einem heissen Samstagabend übernahmen GurD, Lotrify und tHola die Rollen der Krachmacher. Mehr dazu gibt’s in den nachfolgenden Zeilen. 

Freundlicher Hinweis vorweg: Wer von der ganzen COVID-19-Pandemie die Schnauze voll hat, darf gerne direkt zu den Abschnitten mit der Leistungsbeurteilung der einzelnen Bands springen. Im Vorwort muss ich allerdings der Vollständigkeit halber nochmals gewisse Dinge ansprechen.

Mein erster Besuch in einer «meiner» grösseren Zweitwohnungen seit der Krise, die nach einer mexikanischen Biermarke benannt ist. Selbstverständlich muss ich mir einige Aspekte äusserst genau zu Gemüte führen. Wie die diversen anderen Locations agiert das Z7 ebenfalls mit einem Schutzkonzept, welches bereits an der Eingangspforte beginnt. Sämtliche Besucher werden gebeten, ein Formular mit ihren Eckdaten auszufüllen. Die cleveren Exemplare unsere Spezies haben das Dokument bereits im Vorfeld von der Homepage des Veranstalters heruntergeladen, ergänzt und erscheinen somit bestens vorbereitet am Ort des Geschehens. Sämtliches Personal trägt Schutzmasken. Insbesondere vor den Toiletten wird die Masse mittels aufgeklebter Pfeile am Boden wunschgemäss durch die Gegend gelenkt. Bei den Bars im Innern geben aufgestellte Gitter klar vor, wo man anzustehen hat. Des Weiteren sind die Mädels hinter den Tresen durch Plexiglasscheiben geschützt. Im Eingangssektor und auf den Toiletten sind Desinfektionsspender auffindbar. Abstand halten dürfte heute zudem gut möglich sein. Maximal erlaubt wären 300 Besucher und offenbar hat davon gerade einmal die Hälfte den Weg in die Nordwestschweiz gefunden. Zu Erinnerung: In normalen Zeiten würden hier eigentlich rund 1’500 Nasen hineinpassen.

Besonderes Interesse hege ich selbstverständlich an meinem geliebten Pfosten. Kenner wissen, dass ich in der Regel von hier aus die Aktivitäten auf der Bühne bevorzugt beobachte. Der «alte Junge» hat sich gut gehalten. Stabil wie eh und je. Ein paar zusätzliche Plakate schmücken neu sein Antlitz. Aufgrund der herumstehenden Gitter wird’s jedoch nix mit dem gemütlichen Anlehen und Verweilen. Glücklicherweise ist aufgrund des überschaubaren Menschenaufmarsches der Aufenthalt in der «Front-Row»-Zone eine durchaus passable Alternative. Das Offenlassen der riesigen Eingangstore wird absolut begrüsst, denn dadurch wird die langsam aufkommende Saunaatmosphäre immerhin ein bisschen gebremst.

«The Summer Of 2020» wurde vor einer Woche mit dem Gig von Koenix und Co. lanciert. Das Konzept klingt zweifelsohne spannend: Es wird jeweils lediglich der Headliner angekündigt. Anschliessend können sich interessierte Gruppen als Support-Acts bei der Z7-Crew bewerben. Für das heutige Paket hat sich deshalb folgende Konstellation ergeben: Die groovigen GurD übernehmen das Kommando mit dem Haupt-Slot, während Lotrify und tHola für die Aufwärmrunden verantwortlich sind. Speziell für die kleineren Kapellen unseres Landes ist das eine fantastische Gelegenheit, um einmal auf diesen legendären Brettern spielen zu können. Diese Chance sollte man freilich nutzen!

tHola

Der musikalische Reigen startet um 19.30 Uhr. Das Wolfsrudel tHola hat dem wunderschönen Wallis vorrübergehend den Rücken zugekehrt, um im Kanton Baselland auf Beutezug zu gehen. Vor zwei Jahren bin ich den Herrschaften schon einmal begegnet – und zwar am Metal Scar-Festival in Sachseln. Damals hatte noch Fredy Salzmann den Job am Mikrofon inne. Inzwischen hat das Quintett aber ein neues Alphatier in seinen Reihen: Thomi Rauch. Ein Wechsel, der effektiv alles andere als Nachteile mit sich bringt, denn dieser Mann verfügt über ein eindrückliches Stimmorgan! Unterstützung erfährt er durch eine souveräne Instrumentalfraktion.

Die Combo ballert uns ein überzeugendes Gemisch aus melodiösem Thrash Metal gepaart mit Elementen aus der Power Metal-Ecke um die Lauscher. Gelegentlich fliessen auch progressive Passagen in die einzelnen Songs ein. Bald schon können herumfliegende Mähnen in der Halle beobachtet werden. Die Mucke ist schlichtweg «hüere güet» und wird von den nach Live-Darbietungen dürstenden Fans wohlwollend aufgesogen. Dieser «Metal Circus» hat es faustdick hinter den Ohren!

Den Namen tHola sollte man unbedingt auf dem Zettel haben. Hoffentlich gibt’s ein baldiges Wiedersehen. Diesbezüglich wäre allenfalls der Samstag, 12. Dezember 2020 in der Met-Bar ein Thema. Dann werden sich die Walliser nämlich gemeinsam mit Evolve und Appearance Of Nothing die Spielfläche teilen. Lustige Feststellung zum Schluss: Falls es mit dieser Karriere nix werden sollte, könnte Gitarrist Rodo Studer sonst immer noch locker als Doppelgänger von Dave Grohl (Foo Fighters) oder Mikael Åkerfeldt (Opeth) seine Brötchen verdienen.

Setlist – tHola

  1. X-Treme
  2. XVII
  3. Imprisonment Of Your Mind
  4. Heroes
  5. Seven Ga7es
  6. Vertical Sky
  7. Bloody Game

Lotrify

Danach darf die Melodic Metal-Wundertüte namens Lotrify ran an den Speck! Sie verwöhnen die inzwischen etwas gewachsene Meute vor der Bühne mit einem astreinen Auftritt, der ordentlich reinknallt. Fronter Sacha Wacker bezeichnet das Programm passenderweise als «Nacken-Workout». Ist mir weitaus sympathischer als beispielsweise metallisches Yoga. Als «Booking-Mensch» kann man sich nach der Verpflichtung der «Lotrifösen» wirklich zurücklehnen. Ein saustarker Abriss ist da einfach jedes Mal zu 100% Prozent garantiert! Die rundum zufriedenen Gesichter der Fans sprechen Bände. Stellt sich lediglich die Frage, wann die Jungs den nächsten Schritt realisieren können? Potenzial für «grössere Taten» wäre schliesslich diskussionslos vorhanden (wobei man hier selbstverständlich keinesfalls ausklammern sollte, dass die Gruppe schon einmal auf dem legendären Wacken Open Air auftreten durfte).

Der Debütsilberling «Resilience» (2018) dominiert die Setlist. Trotzdem bleibt auch Platz für das stets beliebte Scooter-Cover von «Maria (I Like It Loud)». Die Masse feiert den Fünfer regelrecht ab. Mister Wacker wagt sich sogar für ein paar Tracks zum Volk herab und versucht dabei nach bestem und Gewissen trotzdem etwas Abstand zu halten. Neue Publikumsaktivitäten werden von ihm ebenfalls ins Leben gerufen. Das sind unter anderem ein «Slow-Motion-Circle Pit» und eine «Wall Of Kuscheln». Oder anders gesagt: Abgeschwächte Varianten der sonst üblichen Geschichten. Ein kurzes Gastspiel von Irony Of Fate-Frontröhre Cveti Stojmenova bei einer Nummer darf zurecht als gelungene Überraschung bezeichnet werden. Diese 60 Minuten lassen kaum Wünsche offen. Ich bin jederzeit gerne wieder am Start!

Setlist – Lotrify

  1. Resurrection
  2. Floating Fall
  3. Something To Nothing
  4. Collateral Damage
  5. Prophecy
  6. The Fence
  7. Split The Pit
  8. Maria (I Like It Loud) (Scooter-Cover)
  9. One Kind
  10. Ill-Minded
  11. Xenophobic

GurD

Um 21.45 Uhr ist dann der Headliner gefordert. Nach zwei hervorragenden Gigs würde manch einer sicherlich unter Druck geraten – ausser man heisst GurD. Bereits mit dem ersten Track «Get Up» zeigen die vier Herren allen Anwesenden direkt einmal in überragender Manier, wo der Hammer hängt. Alter Verwalter, das groovt von A bis Z und lässt niemanden stillstehen! Gut, einige Besucher haben inzwischen bestimmt den einen oder anderen Liter Hopfentee intus und agieren deshalb einen Hauch feierwütiger. Aber mit dieser Bemerkung möchte ich den Sound des Vierers keinesfalls unter Wert verkaufen. Freunde von Pantera, Prong oder Machine Head kommen nun eindeutig auf ihre Kosten. Thrash-Abschnitte sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Ein äussert intensiver Abschluss-Verlauf des heutigen Konzertabends.

Mastermind V.O. Pulver hat alles bestens im Griff und trägt andauernd ein spitzbübisches Grinsen im Gesicht. Ausserdem demonstriert er uns die diversen Tragarten seines Caps. Die einzelnen Positionen der Kopfbedeckung haben allerdings keine Auswirkung auf die Leistung. Diese bleibt – gottlob – konstant stark! Gelegentlich sind «Fuck Corona»-Rufe zu hören – aber die Leute haben ja recht damit. Dank elf Studioalben und der aktuellen EP «Propaganda Baby» ist definitiv mehr als genug Material für ein abendfüllendes Programm vorhanden. Gegen Ende darf die Gattin des Fronters bei einem Song mitwirken. Ein KISS-Cover kommt auch zum Zug. Besten Dank für den Ohrwurm namens «War Machine» (welchen ich seither nicht mehr los werde). Nach 75 Minuten beenden GurD ihre Machtdemonstration und entlassen uns in die Nacht.

Setlist – GurD

  1. Get Up
  2. A New War
  3. Learn
  4. Just Give It Up
  5. I.O.U. Nothing
  6. Rule The Pit
  7. What Do You Live For
  8. Seven Starz
  9. Fake
  10. Your Drug Of Choice
  11. Go For It
  12. Masterplan
  13. Hagridden
  14. The Grand Deception
  15. Bang!
  16. Never Fail
  17. Terminate
  18. Skin Up
  19. Down The Drain*
  20. H.H.H.*
  21. War Machine (KISS-Cover)*
  22. United Forces*

*Zugabe

Das Fanzit

Für viele Metalheads war dies heute Abend das persönliche Z7-Comeback – und sie wurden allesamt nicht enttäuscht. Es gab drei fabelhafte Performances zu bestaunen und mit den wegen COVID-19 getroffenen Massnahmen konnte man sich problemlos arrangieren. Ich habe den spärlichen Publikumsaufmarsch und die Bewegungsfreiheit ehrlich gesagt ziemlich genossen. Aber logischerweise würden die Band schon eine anständige Kulisse verdienen. Trotzdem hatten alle Beteiligten sichtlich Spass und haben es in vollen Zügen genossen.

Ein grosses Dankeschön geht in Richtung der gesamten Konzertfabrik-Crew. Aktuell verdient man sich mit der Durchführung solcher Events freilich kein goldenes Näschen. Trotzdem lassen uns diese Personen nicht im Stich und hauchen der helvetischen Metal-Szene abermals ein bisschen Leben ein. Dadurch besteht wirklich Hoffnung für einen Sommer mit Live-Musik. In den kommenden Wochen können in dieser Halle übrigens unter anderem Destruction, The Order oder Jack Slamer bestaunt werden. Vorbeischauen wird wärmstens empfohlen.


Wie fandet ihr das Konzert?

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