Metalheadz Open Air 2026 – Riot V, Year of the Goat u.v.m.
Oberndorf am Lech (Bayern, DE)
Der Hattrick
Aller guten Dinge sind drei. Und das Metalheadz Open Air gehört definitiv in die Kategorie der guten Dinge. So auch die Ausgabe 2026.
Eigentlich war es unvermeidbar, dass ich (bereits im letzten Herbst) das Metalheadz Open Air 2026 ins Auge gefasst habe. Zu gut waren die Erfahrungen bei meinen beiden bisherigen Besuchen. Nun ist es so weit; ich bin wieder hier in Oberndorf am Lech – zum dritten Mal in Folge.
Metalheadz Open Air 2026 – Tag 0 (Donnerstag, 14. Mai)
Das Festivalgelände liegt bei meinem Eintreffen vor mir, als ob seit letztem Jahr keine Sekunde vergangen wäre. Alles ist so, wie ich es in Erinnerung habe. Trotzdem hat sich etwas geändert: Eine wohlige Verbundenheit schwingt mit, als ich den Eingang passiere. Die Begrüssung ist herzlich wie beim ersten Mal, die Gesichter mittlerweile jedoch vertraut. Gleich darauf wiederholt sich das auf dem Campground. Ein schönes Gefühl. Bis zur Öffnung des Infields dauert es noch einige Stunden, die wir nutzen, um Geschichten auszutauschen, uns die Bäuche mit einer Mischung aus importiertem Käse und lokalen Wurstspezialitäten vollzuschlagen und die im durchzogenen Wetter eingestreuten Sonnenstrahlen zu bejubeln. So vergehen die Stunden wie im Flug und ehe wir uns versehen, wird es bereits Zeit, dass wir die Warm-up-Party unsicher machen.
Der Weg über den Campingbereich dauert nur zwei Minuten. Trotzdem erfüllt er sämtliche Erwartungen an das Metalheadz Open Air 2026: Metal, Kutten und die grösste Ansammlung an Kennzeichen mit der Zahlenkombination 666 diesseits der Donau. Im Zelt angekommen begrüsst uns ein Manowar-Set, das DJ Matscho zu Ehren des verstorbenen Ross the Boss auflegt. Stilecht mit CDs übrigens – Heavy Metal loud as it can be! Damit wären wir gerüstet für die morgigen Konzerte und können den Abend zufrieden beschliessen.
Metalheadz Open Air 2026 – Tag 1 (Freitag, 15. Mai)
Nach einer ruhigen Nacht kaum die Augen geöffnet, bemerke ich, dass das Wetter besser ist als am Vortag. Der Regen scheint heute Pause einzulegen. Das kommt mir gerade gelegen, denn ich habe mich bereit erklärt, spontan jemanden aus dem Helferteam bei der Einrichtung der Shot-Bar zu vertreten. So trage ich Kisten voller Getränkeflaschen durch den Backstagebereich und geniesse die Sonne, während rundherum das Metalheadz Open Air 2026 langsam zum Leben erwacht.
Claw
Pünktlich zur ersten Band werde ich abgelöst, sodass ich mich nun vollkommen der Musik widmen kann. Das Trio auf der Bühne trägt den Namen Claw, mitgebracht hat es rohen Heavy Metal aus dem Untergrund. Wo die Reise hingeht, wird spätestens beim zweiten Stück klar, als der zugleich als Sänger agierende Schlagzeuger mit einem Augenzwinkern darauf hinweist, dass sie den folgenden Song gleich zu Beginn spielen, weil es ihr kompliziertester sei – er habe nämlich ganze vier Riffs. Die drei Herren aus Kulmbach haben sowieso viel Spass bei der Sache. Vor technischen Problemen sind sie aber leider nicht gefeit. Plötzlich funktioniert der Bass nicht mehr so, wie er sollte. Eine kurze Überprüfung durch seinen Besitzer führt zur Diagnose leerer Batterien. «Der will sich nur davor drücken, das Cover zu spielen», witzelt der Frontmann hinter ihm. Doch es hilft nichts, die Setlist ist unnachgiebig: «Hail And Kill» von Manowar kommt zum Zug. Das ist cool gespielt, die eigenen Songs, allen voran «Electric Vampire» und «Spectral Horseman» hinterlassen aber den nachhaltigeren Eindruck. Sie stammen allesamt von der 2022 veröffentlichten EP, deren Labelbesitzer ebenfalls anwesend sind und sich um den Merchverkauf kümmern. Die Band bedankt sich ausgiebig bei ihnen, ebenso wie bei Booker, Crew, Küchenteam sowie überhaupt den Bavarian Metalheadz als Veranstalter des Festivals. Die Freundlichkeit steht ein wenig im Gegensatz zur ungeschliffenen Musik, rückt Claw jedoch in ein sehr sympathisches Licht. In diese Kerbe schlägt auch die ans Publikum gerichtete Frage nach der Zeit mangels Blicks auf die Stagetime. Die Antwort lässt noch zwei Songs zu und als diese vorbei sind, kann ich kurz und knapp zusammenfassen: gelungener Einstieg in den Tag.
Paxtilence
Als nächstes reisen wir im Programm nach Süden, nach Nürnberg um genau zu sein. Von dort kommen die vier Herren her, die unter dem Namen Paxtilence die Aufgabe übernehmen, die Reihe der musikalischen Darbietungen fortzusetzen. Die Band muss richtig elektrisiert sein ob ihres Auftritts, fängt sich nämlich ihr Gitarrist und Sänger beim Soundcheck einen Stromschlag vom Mikro ein. Zum Glück ist ihm abgesehen vom Schreck nichts geschehen und mit dem wird ein Thrash-Metaller wie er bestimmt auch fertig. Uns steht «das längste Paxtilence-Set seit 2017» bevor. Mit viel mehr Geplauder hält sich das Quartett nicht auf, sondern fräst sich durch sein Set, als ob es einen Gitarrentempowettbewerb gäbe. «The Blood», «Cult Of The Damned», «Acid Veins», «Hunting Season» – es folgt ein Song auf den nächsten, ohne mit der Wimper zu zucken. Die beiden letztgenannten stechen dabei als Höhepunkte dieser 55 Minuten heraus, denn sie lassen vielmehr den Nacken anstatt der Wimper zucken. Wobei, 55 Minuten dauert das längste Paxtilence-Set seit 2017 dann nicht ganz. Zumindest nicht, was die eigenen Kompositionen angeht. Fünf Minuten vor Schluss lässt uns die Band wissen, dass sie nun alles gespielt hätten, was sie in dieser Besetzung spielen können, und deshalb noch ein Cover anhängen: «Sign Of Evil», das sich nahtlos ins restliche Material einfügt und damit den coolen, kurzweiligen Gig abrundet. Was Claw angefangen hatten, haben Paxtilence weitergeführt. So darf es weitergehen.
Strategy
Exakt genau so geht es nach der wie immer angenehm kurzen Umbaupause von zwanzig Minuten schliesslich nicht weiter. Strategy bewegen sich musikalisch nämlich in einer ganz anderen Richtung. Statt rasender Riffs und donnernder Drums heisst die Devise Classic Rock mit Gefühl. Mit ihrem letztjährigen Debütalbum «Love Tactics» im Gepäck setzt die seit 2019 aktive Gruppe auf gute Laune unter dem neonfarbenen Leuchtschriftzug, der als Backdrop dient. Verspiegelte Gitarre und ab Band eingespielte Keyboardspuren inklusive. An einem anderen Festival würden die Backingtracks vermutlich weniger auffallen, doch hier am Metalheadz Open Air stellen sie halt die Ausnahme dar.
Aus der insgesamt also eher auf Hochglanz getrimmten Attitüde des Quartetts scheren nur die Ansagen von Frontmann Weazzel aus. Der führt uns mit seinem Wiener Dialekt leicht schnippisch durchs Set und sorgt so für Lockerheit, schafft es mit seiner Stimme aber leider nicht ganz, sämtliche Songs vollkommen zu tragen. Seine Einsätze am Bass sowie das instrumentale Spiel seiner Bandkollegen, die übrigens aus München und Umgebung stammen, schmeicheln dafür den Ohren. Zudem sind alle vier mit sichtlichem Spass bei der Sache, was über die hie und da fehlende Eindringlichkeit des Songmaterials hinwegsehen lässt. Alles in allem bescheren uns Strategy folglich eine angenehme Dreiviertelstunde, die noch etwas mehr Kraft vertragen hätte.
Majak
Nach diesem Wechsel in sehr melodische Gefilde geht es für die nun kommende Stunde wieder zurück in düstere Klanggebiete, denn Majak spielen … Ja, was spielen die eigentlich? Es beginnt mit einem Heavy-Metal-Riff und geht dann über in Psychedelic Rock, beides begleitet von gekrächztem Gesang wie im Black Metal, bevor die Gitarren plötzlich Westernanleihen durchscheinen lassen, nur um danach den Black Metal in wilden Tremoli komplett hervorbrechen zu lassen und sich kurz darauf in ein Gitarrensolo zu ergiessen. Klingt wild? Ist es tatsächlich, doch der Vierer aus Neumünster schafft es irgendwie trotzdem, dass ihm die wild wuchernde Mischung nicht aus den Händen gleitet. Das Stichwort lautet Coolness: Von dieser bringen Majak eine ganze Wagenladung mit, alle Bandmitglieder stehen mit einer Lässigkeit da oben, die dem Auftritt wunderbar steht. Auch die Kürze der Ansagen geht damit Hand in Hand. Trotzdem dürfte das Songmaterial noch eine Spur homogener daherkommen, um den allerletzten Rest an bedingungsloser Begeisterung aus mir herauszukitzeln. Umgekehrt sorgen die vielen verschiedenen Einflüsse für Abwechslung und lassen die sechzig Minuten wie im Flug vergehen. Als der Schlussapplaus erklingt, haben sich Majak mit diesem Auftritt unerwartet weit vorne auf meine Liste der grossen positiven Überraschungen gesetzt. So kanns gerne weitergehen.
Firmament
Bei der nächsten Band sind wir aber weit von einer Überraschung entfernt. Dass Firmament etwas auf dem Kasten haben, weiss ich nämlich vom letzten Zusammentreffen am Starlett Stock Festival 2024 (hier könnt ihr alles darüber nachlesen). Für leichte Verwirrung sorgt Ansager Matscho, als er verkündet, dass die Band das letzte Mal vor zwei Jahren am Metalheadz Open Air gespielt habe. Komisch, daran würde ich mich doch erinnern. Da in unserer Gruppe sämtliche Festivalshirts der letzten fünf Jahre vertreten sind, ist es uns ein leichtes herauszufinden, dass es seit Firmaments letztem Auftritt hier in Tat und Wahrheit drei Jahre her ist.
Als das Quintett seinen Heavy Metal auspackt und loslegt, merke ich dann schnell, dass es um einiges schwungvoller agiert, als ich in Erinnerung hatte. So gesehen gibt es also doch eine Überraschung – natürlich wie zuvor eine positive. Die Leipziger geben richtig Gas und obwohl die ganze Band souverän agiert, ist es vor allem Sänger Marco, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mann, schafft der es heute vielleicht, eine ausdrucksvolle Darbietung hinzulegen. Solche Leistungen sind der Grund, weshalb Livekonzerte eine ganz eigene Gattung der Musik sind. Die Soli der Gitarristen verdienen natürlich ebenfalls eine lohnende Erwähnung. Der Sound von Firmament lebt schliesslich zu einem gewichtigen Anteil von ihnen. Das hat sich auf dem neuen Album «For Centuries Alive», das im letzten Herbst erschienen ist, nicht geändert. «A Legend Of The Fall» etabliert sich gar gleich als Highlight. Sogar Marco scheint sich darauf zu freuen, sagt er das Stück doch einfach mal einen Song zu früh an. Eine Stunde dauert der Spass an, bis sich die fünf Herren unter wohlverdientem Applaus verabschieden können.
Delirium Tremens
Bevor nun Delirium Tremens eine saftige Ladung Thrash Metal auspacken, bleibt mir noch kurz Zeit, um meinen knurrenden Magen mit Futter zu versorgen. Davon gibt es reichlich, und zwar was die Auswahl wie auch die Portionengrösse angeht. Die Qualität entspricht haargenau dem hohen Niveau der letzten beiden Jahre, die fairen Preise dafür sind ebenfalls gleichgeblieben. Und dank des Bonmarkensystems geht die Abrechnung so schnell, wie das Steak mit Kartoffelsalat auf der Theke steht. Da passt sogar noch eine Getränkebestellung in die zwanzig Minuten Umbaupause. Gut gestärkt kann es nun weitergehen.
Waren die bisherigen Bands eher in der jüngeren Ecke einzuordnen, trifft auf Delirium Tremens die Bezeichnung «alte Hasen» zu. Die Bamberger sind seit dreissig Jahren im Geschäft und hatten somit ausreichend Zeit, um Nägel für die Armbänder ihres Sängers zu sammeln. Die wird er aber nach einigen Songs bald wieder los. Durchaus verständlich, ganz so praktisch sind die Dinger als Armschmuck ja nun wirklich nicht. Das Corpsepaint bleibt aber dran, die kühlen Temperaturen sorgen dafür, dass es nicht zerfliesst. Etwas mehr fliessen dürfte dafür der Auftritt an sich: Um die Ansagen herum kommt es immer wieder zu Pausen, die jeweils die Energie aus der Darbietung rausnehmen. Songs wie «War Machine» und «Beer Patrol» schrauben sie danach wieder hoch, dennoch sackt der Spannungsbogen über die gesamte Auftrittsdauer hinweg immer mal wieder ab. Man könnte nun vermuten, dass dieser Umstand darauf zurückzuführen ist, dass heute ein Mitglied fehlt. Das liegt anscheinend mit Durchfall flach. Delirium Tremens wirken dadurch allerdings nicht verunsichert oder eingeschränkt, sondern feuern ihre Stücke unbeirrt in die frische Frühlingsluft und hinterlassen insgesamt einen soliden Eindruck.
Geburtstag von Animal
Der nächste Punkt im Programm des Metalheadz Open Air 2026 steht auf keiner Running Order. Vielmehr haben die Bavarian Metalheadz für ihren ersten Vorsteher und Bookingverantwortlichen Animal eine Überraschung in petto. Heute ist nämlich dessen Geburtstag. Zu diesem Anlass kriegt er von seinen Mitmetalheadz ein Ozzy-Osbourne-Plakat mit Unterschriften der ganzen Festivalcrew überreicht. Während die gute Seele des Festivals Steffi die kurze Laudatio übernimmt, feuert Tina (die stellvertretende Ansagerin vom letzten Jahr) die Menge dazu an, den Namen des Geburtstagskindes zu skandieren sowie anschliessend brav ein Geburtstagsständchen zu singen. Da meine Stimme vom Bejubeln der Bands bereits aufgewärmt ist, kann ich, wenn schon nicht mit Engelsgesang, so zumindest doch mit Lautstärke meinen Beitrag an die musikalische Gratulation leisten.
Vengeance
Das Thema Geburtstag ist bei der nächsten Gruppe ebenso Thema, doch der Reihe nach. Die Bühne gehört nun den Niederländern von Vengeance oder, wie sie von einem Festivalgast neben mir genannt werden, den «alten Säcken». Bei denen war früher mal ein gewisser Arjen Anthony Lucassen als Gitarrist im Einsatz, bevor er Ayreon aus der Taufe hob. Klassischer Heavy Metal mit einem Fuss im Hardrock und hohem Gute-Laune-Faktor haben sie uns mitgebracht und ja, mit Gründungsjahr 1983 sind das abgesehen von Gitarrist Bram Engelen keine jugendlichen Hüpfer mehr. Müssen sie auch nicht sein, solange die Musik stimmt. Sänger Leon Goewie bringt uns zudem mit seiner hibbeligen Art zum Lachen, während er sich gleichzeitig mit deutschen Ansagen sowie ganz viel Charme beliebt macht. Das Quintett kann darüber hinaus auf richtig gut zusammengestellte Lichteffekte zählen. Die Technikcrew versteht ihr Handwerk definitiv. Womit wir wieder beim oben erwähnten Geburtstag wären. Den feiert neben Animal genauso der Mischer von Vengeance, Marcel, wie uns Leon wissen lässt, und natürlich kriegt er ebenfalls ein Ständchen vom Publikum des Metalheadz Open Air 2026 dargeboten.
Kaum verklungen geht es weiter mit Musik. Ob «Take It Or Leave It» oder «She’s The Woman»: Vengeance haben diverse eingängige Hits im Köcher. Vor allem die älteren Kompositionen stossen auf Anklang. So auch der letzte Song, «Rock ‘n’ Roll Shower», bei dem der Sänger einen vollen Bierhumpen über seinen Kopf hebt. Was zuerst aussieht, als ob er dessen Inhalt schwungvoll in die Menge befördern möchte, gipfelt darin, dass er sich das Ding mit einer schnellen Bewegung aus dem Handgelenk umgekehrt auf den eigenen Kopf stellt. Da er kein Zirkusartist, sondern Sänger einer Metalband ist, bleibt bei der ganzen Aktion nur etwa das halbe Gefäss gefüllt. Der Rest der bayrischen Nationalflüssigkeit sucht sich in Haaren und Kleidung von Leon ein neues Zuhause. An und für sich schon eine lustige Angelegenheit, setzt dieser dem Ganzen die Krone auf, als er nach einem kurzen Abstecher hinter die Bühne mit einem blau-weissen Frotteetuch auf dem Kopf den Song fertig singt. Schade, dass gerade keiner unserer Metalinside-Fotografen anwesend ist, das wäre mal ein Bild geworden. Ein solches – mit dem Publikum im Hintergrund – schiesst im Anschluss die Band, bevor sie die Bühne freigibt für den Schlusspunkt des heutigen Festivaltages.
Riot V
Wie jede Band hier am Metalheadz Open Air werden auch Riot V vorab von Matscho angesagt. Anders als bei den anderen Bands, verwendet er hier mehrmals das Wort «Legende». Durchaus angebracht, wenn man bedenkt, dass die New Yorker seit 51 Jahren in den Weiten des Heavy und Speed Metals aktiv sind, dreizehn davon mit dem Namenszusatz V hinter Riot. Über ihre Musik hinaus ist vor allem das Cover-Artwork zum zweiten Album «Narita» legendär, taucht es doch immer mal wieder auf Listen mit den hässlichsten Artworks aller Zeiten auf (ich habs euch hier rausgesucht, damit ihr es nicht selber googeln müsst …). Darüber ist das Quintett aber längst hinweg: Die neueren Bilder auf den Tonträgern, der letzte stammt aus dem Jahr 2024, zeigen das Robbenmenschmaskottchen in ganz anderem Licht. Vielmehr als irgendwelche grafischen Auswüchse beschäftigt die Band aktuell sowieso ein Sängerwechsel. Vor zwei Wochen stieg (nun Ex-) Sänger Todd Michael Hall nach dreizehn Jahren gemeinsamen Musizierens aus, weil er eine Pause benötigte. Ein Glück für die verbliebenen Mitglieder, dass der Italiener Valentino Francavilla einspringen konnte und seine Aufgabe mit Bravour meistert, wie wir gerade live erleben können. An den Drums sitzt mit Jesse Tudda auch eine Aushilfe, der konnte in den letzten beiden Jahren aber bereits als Vertretung Erfahrungen mit der Truppe sammeln.
Als bisher einzige Band am heutigen Festivaltag haben Riot V jedoch mit einer viel zu knalligen Bassdrum zu kämpfen. Sie ist derart präsent, dass es auf den Bühnenmonitoren zu Feedback kommt. Bassist Don Van Stavern weist irgendwann in einer seiner Ansagen sehr höflich darauf hin, woraufhin die entsprechenden Klangeinstellungen umgehend angepasst werden. Danach steht dem Genuss von Krachern wie «Flight Of The Warrior» oder «Fight Or Fall» nichts mehr im Wege. Und natürlich «Thundersteel», dem Kronjuwel im Schaffen von Riot V. Jetzt gehts einfach nur ab. Wobei, wenn ichs mir recht überlege, geht es eigentlich schon die ganze Zeit voll ab im zahlreich erschienen Publikum. Ob da Dons Tequila, den er sich selbst grosszügig genehmigt und vor «Swords And Tequila» ebenso grosszügig ausschenkt, nachgeholfen hat? Nein, derart kraftstrotzende Songs haben keinerlei Alkohol nötig, um zu zünden – die pure Energie des Metal reicht vollkommen aus.
Bis schliesslich der letzte Ton verklungen ist, das letzte der vielen geworfenen Plektren einen neuen Besitzer gefunden hat und das Bühnenfoto im Kasten ist. Riot V haben abgeräumt, Erwartungen erfüllt und den ersten Tag des Metalheadz Open Air 2026 würdig beendet. Es bleibt ein ganz kurzer Abstecher ins Zelt, wo die Aftershowparty losgeht, bevor es für mich zurück in Richtung Camp geht, um für die morgigen Abenteuer ausgeruht zu sein. Gute Nacht.
Metalheadz Open Air 2026 – Tag 2 (Samstag, 16. Mai)
Am Samstagmorgen weckt mich das Licht des neuen Tages. Ein Blick aufs Thermometer zeigt knapp 6 °C an. Ich beschliesse deshalb, noch einen Moment gut eingepackt liegenzubleiben und den gestrigen Tag Revue passieren zu lassen. Riot V haben die Erwartungen erfüllt und waren das musikalische Highlight des Tages, ganz klar. Eine besondere Erwähnung haben aber ebenso Majak und Firmament verdient, die sich (beide auf ihre eigene Art und Weise) als überaus spannende Überraschung entpuppt haben. Mit diesen Gedanken wage ich mich nun hinaus in den Wind. Heute zeigt sich das Wetter von seiner weniger freundlichen Seite und treibt uns unter den Pavillon. Wie erwartet haben wir hier im Camp ein derart ausgiebiges Buffet, dass das Weisswurstfrühstück vorne im Infield für unsere Truppe erneut unter den Tisch fällt. Die musikalische Untermalung durch die Coverband Lazy Daisy kriegen wir ein wenig mit, da der Bühnensound auf dem Campground ganz gut hörbar ist. Für eine differenzierte Abhandlung reicht es aber nicht aus, deshalb lasse ich es sein.
Als ich mich schliesslich auf den Weg vor die Bühne mache, fällt mir auf, dass mehr Fahrzeuge mit Schweizer Kennzeichen herumstehen als in den vergangenen beiden Jahren. Offensichtlich scheint die Bekanntheit des Festivals hierzulande zuzunehmen (Anm. d. Red.: Metalinside bzw. deine Berichte lassen grüssen). Drinnen angekommen fällt mein Blick auf das Plakat, das die nächstjährige Ausgabe vom 7. bis 8. Mai ankündet. Da steht bereits eine vielversprechende erste Tranche des Line-ups: Writhen Hilt, Stranger (mit Songs von Chroming Rose), Armory (die dieses Jahr abgesagt haben), Axetasy, Phantom Corporation, Templar, Karloff, MP und Distant Thunder. Doch das liegt noch in weiter Ferne, jetzt wende ich mich zuerst dem zu, was vor heute angesagt ist. Im Gegensatz zu gestern, wo ich immerhin eine Band bereits einmal live gesehen habe, stehen heute ausschliesslich Premieren für mich an. Deshalb heisst es nun: Entdeckermodus ein.
Motörcult
Vor der ersten Band des Tages mit dem schönen Namen Motörcult bleibt mir noch kurz Zeit, um am kleinen Flohmarkt vorbeizuschlendern, den es wie jedes Jahr am Samstagmorgen gibt. Ich picke ihn dieses Jahr heraus als Beispiel für die Bodenständigkeit und das Herzblut, die das Flair des Metalheadz Open Air ausmachen. Unkompliziert, unprätentiös, unterstützenswert. Passt genauso zu Motörcult, die sich mit viel Anleihen bei Lemmy mit punkiger Energie auf ihren Speed Metal stürzen und einfach eine gute Zeit haben. Die Bandgründung vor zwölf Jahren fand hier am Festival im Backstage-Bereich statt, zum letzten Mal am Metalheadz Open Air aufgetreten sind die vier Jungs aus Memmingen 2016. Da wird es wieder mal Zeit. Zumal seit etwas mehr als eineinhalb Jahren ein neues Album ihre Diskografie bereichert. Daraus kriegen wir diverse Songs zu hören. Die Spannweite der Themen reicht dabei vom düsteren Tod («Before Entering Your Grave») über philosophische Lebensweisheiten («To Be Or Not To Be») bis zu romantischem Herzschmerz («Penetrating Vomit Queen» …). Musikalisch rumpelt es, durchaus zum gespielten Sound passend, an verschiedenen Ecken und Enden. Mit der Zeit fehlt dann ein wenig die Abwechslung, so dass die eingeplante Dreiviertelstunde total ausreicht, um sich vollumfänglich mit dem Schaffen von Motörcult auseinanderzusetzen. Für einen kurzen Farbtupfer sorgt dafür ein Roadie, dessen Aufgabe darin besteht, während eines einzigen Takts dem Schlagzeuger einen Gartenaschenbecher als Cowbell hinzuhalten. Eine gute Crew ist halt einfach Gold wert, umso mehr wenn sie derart hingebungsvoll ist.
Elle Tea / Raways
Damit wären wir bereits wieder mitten im Tag. Als nächstes sind die ersten Gäste des diesjährigen Metalheadz Open Air aus Italien, genauer gesagt Florenz, an der Reihe. Die spezielle Situation der Musiker rechtfertigt, dass ich hier etwas weiter aushole: Elle Tea ist ein Soloprojekt, das vor ungefähr zehn Jahren von Leonardo Trevisan (LT, Elle Tea, …) ins Leben gerufen wurde und sich einer leicht progressiv angehauchten Variante des Heavy Metal in Hardrocknähe verschrieben hat. Vor drei Jahren gründete er gemeinsam mit vier Freunden zusätzlich die Band Raways, die einen ähnlichen, leicht gradlinigeren Stil pflegt. Diese vier unterstützen ihn nun unter einem Elle-Tea-Backdrop bei der Umsetzung seines Solomaterials, während sie alle zusammen im selben Zuge Raways-Material im Set haben. Ein Konzert, zwei Bands also.
Der Fünfer hat aber gerade richtiges Wetterpech, denn genau jetzt zieht eine Schlechtwetterfront über unsere Köpfe hinweg. Eilig schiebt die Technikcrew die Monitorboxen nach hinten unter das schützende Bühnendach. Gegen den kühlen Wind, können aber auch die Helfer nichts ausrichten. Da hilft kein Jammern, die Musiker müssen die Zähne zusammenbeissen und ihre Instrumente trotz klammer Finger so gut bedienen, wie es unter diesen Umständen halt geht. Eventuelle spieltechnische Einschränkungen kann ich dennoch keine ausmachen, das klingt alles sauber. Besonders Mirko De Angelis lässt sich gar nichts anmerken und lacht immer wieder, was das Zeug hält, während er seinen Bass durch die Lieder navigiert. Die Wurzeln in den Siebzigerjahren drücken dabei nicht bloss kompositorisch durch, sondern werden von Leonardo bei «Into The Fall» explizit angesagt zusammen mit dem Hinweis, dass der Song perfekt dafür geeignet sei, das Gras hervorzuholen. Das lass ich lieber bleiben, ich will die Musik mit klaren Sinnen geniessen. Besonders die Raways-Sektion im Set überzeugt mich, allen voran «Santiago».
Als Leonardo schliesslich «Fate Is At My Side» erst einmal schlotternd als «Brrrrrr» ansagt, macht sich die Kälte doch noch bemerkbar. Ansonsten ist es eher der immer wieder aufkommende Regen, der die Leute in den Schutz der Sonnenschirme, der Shotbar oder des Zelteingangs treibt und dafür sorgt, dass Elle Tea einen beachtlichen Teil ihres Sets vor einer grösstenteils leeren Fläche spielen müssen. Doch als sich die Band verabschiedet, füllt sich die Fläche mit einem begeisterten Publikum und die Leute strömen zum Merchstand, um sich ein Exemplar der limitierten Schallplatten zu sichern. So kommt das Quintett zu einem verdienten versöhnlichen Abschied.
Tribute to Ozzy – Allstar Band
Mittlerweile zeigt sich auch das Wetter von seiner helleren Seite; der Regen hat aufgehört. So gleitet mein Blick von Nässe ungetrübt über den Bereich vor der Bühne. Es ist voll geworden hier, sehr voll. Etwa so voll wie letztes Jahr bei Tankard. Anscheinend will jeder und jede sehen, was sich hinter dem Eintrag «Tribute to Ozzy – Allstar Band» auf der Running Order verbirgt. Matscho lüftet in seiner Ansage das Rätsel. In den kommenden zweieinhalb Stunden werden fast dreissig Musikerinnen und Musiker in wechselnder Besetzung die grössten Hits, an denen Ozzy mitgewirkt hatte, als Tribut an den Prince of Darkness zum Besten geben. Sie hätten vor zehn Jahren am damaligen Metalheadz Open Air etwas ähnliches für Lemmy gemacht und als Ozzy letztes Jahr gestorben sei, war die Whatsapp-Gruppe immer noch da. Von da an war es nur ein kleiner Schritt bis zur Idee einer weiteren Ehrung.
Nun werden wir Zeuge des Ergebnisses. Während Carl Orffs «O Fortuna» aus den Boxen schallt, marschiert das erste Grüppchen unter dem extra für die Show angefertigten und später als Spendenaktion für eine Auktion vorgesehenen Backdrop auf die Bühne. Sängerin Hannah ist derart motiviert, dass sie bereits einige Takte zu früh mit «I Don’t Know» loslegen will, doch die Band weist sie gerade noch rechtzeitig darauf hin. Sobald der Song fertig ist, wird die Besetzung kräftig durchgemischt und weiter gehts. So läuft das mit je nach Lied vier bis sieben Leuten auf der Bühne immer weiter unter leichtem Auf und Ab der Qualität. Ein grosses Highlight ist das gefühlvolle Duett bei «Close My Eyes Forever» inklusive angemessener Vertretung von Lita Ford. Irgendwie schrumpft die Bühne auf das familiäre Mass einer Jamsession und wird dabei gleichzeitig riesengross wie für ein Millionenpublikum im Stadium. Bei «Hellraiser» kommt sogar Lemmy nochmals zu Ehren, André von Inferno übernimmt dessen Part und hat sich sogar passend gekleidet. Das Schlusslicht bilden die Technikprobleme, die nach ungefähr eineinhalb Stunden mehrere Gitarristen, aber vor allem Lenny von Strategy, plagen sowie der Moment, als plötzlich das Publikum mehr als die Hälfte von «War Pigs» singen muss, weil der entsprechende Sänger den Text vergessen hat (oder ist das etwa eine Hommage an den Moment, als Ozzy 1983 auf der «Speak Of The Devil»-Tour dasselbe passiert ist?).
Zudem zieht sich das Konzert durch die ständigen Wechsel, die immer wieder Zeit in Anspruch nehmen, in die Länge. Vielleicht wäre es geschickter gewesen, jeweils drei bis vier Stücke in der gleichen Besetzung zu spielen und erst dann zu wechseln. Das hätte den Ablauf einigermassen gestrafft. Dafür sind alle Beteiligten mit vollem Einsatz und vor allem grosser Begeisterung bei der Sache. Musikalisch kann das schon nicht mit dem Back to the Beginning in Birmingham mithalten, aber was das Herzblut angeht, übertrifft es besagte Veranstaltung bestimmt. Das zeigt sich nochmals zum Schluss, als alle, die involviert waren, nach über zwanzig Songs auf die Bühne stürmen und dort gemeinsam unter intensivem Einsatz von zwei Seifenblasenkanonen «Crazy Train» abfeiern. Die Abschlussworte übernimmt Flo, Gitarrist von Inferno und Mitglied der Metalheadz: «Wir sehen uns wieder, wenn das nächste Mal jemand stirbt, so traurig das ist. Aber wir feiern nicht den Tod, sondern die Musik, die lebt ewig.» Recht hat er.
Vigilhunter
Im ganzen Überschwang der Ozzy-Tribute-Show ging der Blick auf die Uhr ein wenig vergessen, sodass der Start für Vigilhunter mit einer knappen halben Stunde Verspätung ansteht. Eigentlich sollte jetzt Matscho erscheinen, um die Band anzusagen, doch der ist unauffindbar. Nach einigen Minuten Wartezeit entscheidet sich die Crew, grünes Licht für den Showbeginn zu geben, und so müssen wir uns halt ausnahmsweise selbst zusammenreimen, wer da vor uns auf der Bühne steht. Sänger Alexx Panza hilft uns: Wir haben es erneut mit einer italienischen Band zu tun, dieses Mal aus Turin. Ursprünglich wurden Vigilhunter vor ungefähr fünfzehn Jahren als reine Studioband gegründet. Weil immer wieder der Ruf nach Konzerten erklang, entschloss man sich irgendwann doch dazu, welche zu spielen. Da sind wir natürlich froh, denn sonst wären uns die coolen, leicht progressiven Heavy-Metal-Songs vom letztjährigen Debütalbum heute ja vorenthalten geblieben. Die bilden den Kern der heutigen Show, bei der es sich um den ersten Gig in Deutschland und den zweiten überhaupt für die Band handelt.
Vigilhunter haben extra dafür Dani Meseguer, Alexx’ Bandkollege bei Hitten, als Live-Gitarristen aufgeboten, da Alexx nach eigenen Angaben nicht Gitarre spielen und gleichzeitig richtig gut singen kann. Jetzt stehen sie zu fünft auf der Bühne und rocken sich unerschrocken durch ihr Set. Zweites Konzert überhaupt? Niemand käme auf diese Idee, wüssten wir es nicht aus erster Hand. Die Jungs machen einen komplett eingespielten Eindruck, zeigen sich aktiv und sprühen vor Energie. Vermutlich hilft hier die Erfahrung, welche sie in ihren anderen Bands sammeln konnten. Insbesondere «The Downfall» kommt richtig gut rüber. Zu allem kommt jetzt noch die Sonne raus, und zwar dergestalt, dass es für die Italiener blendtechnisch «almost too much» ist, wobei sie schon über jede erdenkliche Wärme froh zu sein scheinen. Gut, ich hätte ebenfalls kalt im ärmellosen Shirt (es ist bereits mit Pullover kalt genug). Da sich die verfügbare Musik auf ein einziges vierzigminütiges Album beschränkt, greifen Vigilhunter zu einem gelungenen Cover von Savatages «Strange Wings», das sie Criss Oliva widmen. Zusammen mit den ausgiebigen Ansagen füllen sie so ihr Set auf die geplanten fünfzig Minuten auf und verdienen sich ihren Schlussapplaus ohne Abstriche. Bevor es nun weitergeht, hole ich mir erst einmal wärmere Kleidung, es wird langsam wirklich empfindlich kalt.
Angel of Damnation
Die Sonne scheint immer noch, als Angel of Damnation zur Tat schreiten. Doom Metal bei strahlendem Tageslicht? Das wird in der ersten Ansage sogleich zum Thema: «Wir spielen immer im Dunkeln, selbst wenn wir proben», teilt uns Sänger Doomcult Messiah mit. «Wenn wir denn mal proben.» Er selbst ist ja sowieso immer mit Sonnenbrille unterwegs, das fiel mir bereits vor zwei Jahren beim Auftritt von Sacred Steel (dort unter dem weniger doomigen Namen Gerrit P. Mutz) auf. Da dürfte die Beleuchtung eigentlich kein Problem darstellen. Und in über zwanzig Jahren Bandgeschichte werden darüber hinaus mit Sicherheit genügend Proben stattgefunden haben, dass sich niemand schämen muss oder ausgebuht werden wird. Das Quartett lässt sich denn auch nicht beirren und zieht sein Ding gnadenlos durch. Ob «Eternal Life In Hell», «Dragged To The Torture Wheel» oder «Warning From The Sky», die Songs sind düster, schwer, ein bisschen zäh und manchmal etwas monoton. «Blasphemisch, bayerisch, gut», wie die Band es selbst benennt. Das ist natürlich ein Stück weit dem Genre geschuldet, trotzdem brauchen Angel of Damnation ein wenig Anlauf, um einen Spannungsbogen aufzubauen. Bei Doom Metal brauche ich einfach immer circa zwanzig Minuten, bis ich so richtig drin bin, vor allem nach einem Auftritt einer beschwingten Band wie Vigilhunter. Gerrit macht dies mit seinen Ansagen wett, in denen er ganz un-düster herumwitzelt und lockere Sprüche reisst, und so kommt das Konzert von Angel of Damnation doch noch zu einem guten Abschluss.
Gravestone
Eine Umbaupause später erklingt zum zweiten Mal am Metalheadz Open Air 2026 «O Fortuna». Diese Mal als Intro für die Veteranen von Gravestone. Seit über vierzig Jahren spielen die fünf Herren aus Neu-Ulm gemeinsam Heavy Metal, zuletzt gestern in Memmingen zusammen mit Tyrant, die den Stammgästen hier noch in Erinnerung von der letztjährigen Festivalausgabe sind. Genau wie diese setzen sie auf die Klassiker von damals. «Creating A Monster» ist beispielsweise aus dem Jahr 1986 und funktioniert trotzdem nach wie vor. Nur das U.D.O.-Cover «In The Darkness» hat Gitarrist Matthias aus Köln mitgebracht. Er war ja bei besagter Band eine Zeit lang am sechssaitigen Arbeitsgerät tätig. Der Song fügt sich nahtlos ein ins bandeigene Material, das mit «Suicide» wieder die Führung übernimmt und vom glasklaren Sound profitiert. Die Abmischung war am heutigen Tag sowieso bei sämtlichen Bands über alle Zweifel erhaben, an dieser Stelle ein grosses Lob an die Soundcrew. Eine coole Lichtshow erleuchtet derweil die Nacht und rückt die Band buchstäblich ins beste Licht, sei es beim Gitarrensolo oder der ausgedehnten Bandvorstellung. Das alles läuft in gemächlichem Tempo ab. Hektik kommt hier keine auf, umgekehrt fehlt es dadurch ein wenig an Eindringlichkeit. Oder anders gesagt: keine Extravaganz, sondern einfach grundsolide. Gravestone steigern sich, als wir zum Schluss des siebzigminütigen Sets kommen. Zuerst mit «I Love The Night», danach mit «Rock ‘n’ Roll Is Easy», Mitsingspielchen von angenehmer Dauer inbegriffen. Easy Auftritt bis mitten in die Nacht, passt doch gleich wunderbar als Fazit zum Auftritt.
Year of the Goat
Es ist 23:07 Uhr als «The Power Of Eve» den ersten Einblick in die Progressive-Rock-Welt von Year of the Goat bietet. Somit biegen wir langsam, aber sicher auf die Zielgerade des Metalheadz Open Air 2026 ein. Dazu wirds auf der Bühne nochmals richtig voll. Die Band ist zu siebt aus Schweden angereist und dafür den ganzen gestrigen Tag sowie die Hälfte des heutigen gefahren. Von allen Bands hatte sie mit Abstand die weiteste Anreise. Alles nur Trivia, sagt ihr? Tja, liegt vielleicht daran, dass Year of the Goat gerade zu «Trivia Goddess» übergehen. Das Artwork zum gleichnamigen Album sticht übrigens ins Auge. Das scheint ein Headlinerding zu sein dieses Jahr. Dieses Mal im positiven Sinn, denn die Illustration ist einfach nur fantastisch. Nach diesem Doppelpack begrüsst uns Keyboarder Mikael Mihailo Popovic auf Deutsch und fragt, ob «Eisheilige» das richtige Wort für die aktuelle Wetterlage sei. Wenn sogar die Schweden aus dem hohen Norden sagen, dass es kalt ist, dann will das was heissen. Mit Atemwölkchen vor dem Mund zieht das Septett seinen Auftritt tapfer weiter durch.
Es fällt mir unter diesen Bedingungen nicht einfach, mich richtig auf die ausufernden Songstrukturen einzulassen. Musikalisch spannend wäre das Ganze schon. Year of the Goat heben sich beispielsweise durch die Anzahl an Gesangslinien von der Masse ab. Neben Sänger Thomas Lucem Ferre Sabbathi Eriksson (ja, den Namen habe ich im Internet nachgeschlagen) steuert Elin Gårdfalk Vocals bei. Der bereits erwähnte Mikael übernimmt neben seinen Keyboardeinsätzen eine weitere Stimme – und spielt zwischendurch zusätzlich Shaker. Plötzlich kommt Marco von Firmament auf die Bühne. Mikael begrüsst ihn mit einem charmanten «Hallo schöner Junge, wie gehts?», dann rocken der Firmament-Sänger und die Geissen-Band gemeinsam los. Marco ist derart leidenschaftlich bei der Sache, dass sein Gastauftritt gleich zum Höhepunkt des ganzen Konzerts avanciert. Was der zu dieser späten Stunde abliefert, schlägt sogar seinen Einsatz mit Firmament. Kaum vorbei und verabschiedet, steht er schon wieder im Publikum in der zweiten Reihe und feiert das Geschehen auf der Bühne als Fan ab.
«Kiss Of A Serpent», das die Band allen Frauen widmet, ist der zweite Punkt, der sich trotz allen progressiven Anspruchs im Gehörgang festsetzen kann. Auf der anderen Seite zünden die balladesken Momente im Set weniger. Da hilft es leider nicht, dass es von Minute zu Minute kälter wird. Mittlerweile fühlt sich die Nacht derart frostig an, dass vermutlich sogar ein Immortal-Song Wärme spenden würde. Die Bandmitglieder hauchen sich bereits gegenseitig die Hände an, um sich wenigstens ein bisschen aufzuwärmen, während das Grüppchen an ausharrendem Publikum beständig kleiner und kleiner wird. Ich bin froh, kann ich mir im Zelt einfach rasch eine dampfend heisse Portion Käsespätzle holen, die mich bis zum Schluss der Zugabe durchhalten lässt. Mit Verstummen derselben beginnt schliesslich der unvermeidliche Ausklang des Tages.
Feuerwerk und Aftershowparty
Ein letztes Mal tritt Matscho auf die Bühne. Er kann uns stolz mitteilen, dass die Spendensammlung zugunsten des neu geplanten Jugendtreffs Eggelstetten und Oberndorf 2150 Euro eingebracht hat und der Verein diesen Betrag auf 2750 Euro aufrunden werde. Dann folgt der verdiente, wichtige Dank an alle, die das Metalheadz Open Air 2026 zu einem weiteren unvergesslichen Anlass gemacht haben, bevor er dem Feuerwerk den Platz überlässt. Der Tradition entsprechend untermalt von Manowars «Heart Of Steel» sorgt die Pyrotechnik für leuchtende Augen in dieser Mainacht. Als die letzte Petarde verglüht, der letzte Akkord verklingt, bleibt nur noch der Weg an die Aftershowparty im Zelt, um das Ende hinauszuzögern. Irgendwann fordert die Müdigkeit schliesslich ihren Tribut und ich verabschiede mich, bereits ein bisschen wehmütig. In der Ferne höre ich noch «S.M.F.» von Twisted Sister, als ich ins Camp meinem Bett entgegenlaufe. Ja, ihr seid wahrlich alle auf die beste Art und Weise ein wenig durchgeknallt, liebe Bavarian Metalheadz – herzlichen Dank für diese verrückten drei Tage. Kurz bevor ich einschlafe, werfe ich noch einen letzten Blick auf den Thermometer im Camper und traue meinen Augen kaum: Die rote Quecksilbermarkierung steht bei 1 °C. Dann umfängt mich die Dunkelheit der Träume.
Metalheadz Open Air 2026 – Tag danach (Sonntag, 17. Mai)
Der nächste Tag bringt die bittere Gewissheit: Das Metalheadz Open Air 2026 ist Geschichte. Ich verabschiede meine Freunde, die sich auf den Heimweg in die Nachbargemeinde machen. Da ich sowieso noch eine Weile warten muss, bis ich von ganz hinten auf dem Campground rausfahren kann, beschliesse ich, meine Hilfe bei den Aufräumarbeiten anzubieten. Die wird dankend angenommen, sodass ich schon bald eifrig Abdeckungsblachen abmontiere, Klapptische verstaue und Abschrankungen umhertrage. Und auch dieses Jahr gibts wie bereits 2025 daraus abgeleitet einen Tipp für alle, die bis hierhin mitgelesen haben: Wenn ihr euch gezwungen seht, eure letzte Mahlzeit unvermeidlich wieder von euch zu geben, dann sind Randbereiche des Geländes grundsätzlich eine gute Wahl. Schaut doch aber, dass ihr Abstand zur Festivalinfrastruktur (z. B. Absperrgitter oder deren Sockel) haltet – die Abbaucrew wird dankbar sein.
Das Fanzit – Metalheadz Open Air 2026
Das dritte Mal in Folge Metalheadz Open Air, das dritte Mal in Folge eine grossartige Zeit – es war mir einmal mehr eine Freude, bei den Bavarian Metalheadz zu Gast zu sein. Hier ist einfach für alles gesorgt, was das Herz (of Steel) eines Metalheads begehrt.

