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Metallica - Interview mit Lars und Rob - 2013 Berlin
Fr, 13. September 2013

Metallica – Interview mit Lars und Rod

Heavy Metal, Thrash Metal
19.09.2013
Metallica - Interview mit Lars und Rob - 2013 Berlin

You nailed it!

Anlässlich der Europa-Premiere von Metallica’s Through The Never 3D-Kinofilms in Berlin (12.9.2013), konnten wir (pam) an einem Roundtable-Interview teilnehmen. Von Metallica waren Lars und Rob dabei.

Nebst mir gab es noch andere fünf Interviewer – in erster Linie Filmkritiker. Ich war mehr oder weniger der einzige reine Metalhead/-Schreiber in der Runde. Fotos waren von Seiten Promoagentur während dem Roundtable nicht erlaubt. Einen kleinen Hüftschuss haben wir jedoch am Ende dieses Interviews.

Wir starten mit Rob, da Lars noch nicht zurück vom Mittag ist bzw. kurz eingeschlafen ist – wie er später offen gesteht. Rob begrüsst jeden von uns per Handschlag und macht, wie nicht anders erwartet, einen sehr sympathischen, wenn auch müden Eindruck. Er bedankt sich zwei Mal für den Metalinside-Button. Kleines Geschenk von mir an einen der grössten Bass-Spieler des Planeten.

Metalinside/Roundtable: Es sieht aus, als müsstest du jetzt die ganze Arbeit alleine machen…

Rob: Yeah, it’s been difficult. Wir hatten nur 3 Stunden geschlafen, als wir gestern direkt von Toronto ankamen.

MI/RT: Glückwunsch zum Film.

Rob: Danke.

MI/RT: Uns gefielen unter anderem die flüssigen Übergänge. Normalerweise, sind die Schnitte bei Konzertfilmen immer sehr schnell und abrupt.

Rob: Yeah.

MI/RT: Was war vom filmischen und musikalischen am wichtigsten für euch für diesen Film?

Rob: Filmtechnisch war uns sehr wichtig, dass wir einen klassischen Film-Regisseur hatten, anstelle eines typischen Konzert-Video-Regisseurs. Lars, der ein grosser Filmfan ist, fand es sehr wichtig, dass wir jemanden einbringen, der einen anderen Blickwinkel für Kinofilme hat, als wir uns gewöhnt waren. Die einfache Wahl wäre gewesen, wenn wir jemanden genommen hätten, der schon Live-Erfahrungen mit Metallica gehabt hat. Und Nimrod war verrückt genug, die Herausforderung anzunehmen, was viele Film-Regisseure nicht machen würden, da die Bühne schon steht, der Soundtrack dazu auch schon mehr oder weniger.

Er hatte eine verrückte Vision. Er war furchtlos und er glaubte, dass seine Geschichte mit dem Thema des Konzertfilms koexistieren kann. Er war unser Mann. Und war es einfach? Nein, überhaupt nicht. Er ist ein verrückter Ungare. Während dem Projekt sind wir uns alle oft gegen den Kopf gestossen.

Filme drehen im Allgemeinen ist eine sehr angespannte Angelegenheit. Es ist anders als ein Album aufzunehmen. Sehr viele Emotionen, wir sind alle kreative Leute. Ich erinnere mich, an die Momenten die ich mit Nimrod hatte. Ich war sehr leidenschaftlich über gewisse Sachen. Ich wollte den Autounfall. Das war meine Idee. Ursprünglich sollte er mit einem Velo unterwegs sein, was aus meiner Sicht nicht zu seinem Alter und Aufgabe als Roadie passte. Nimrod war aber flexibel genug, solche Inputs aufzunehmen.

MI/RT: Wie fiel die Wahl auf Dane DeHaan (Roadie und Hauptfigur nebst Metallica)?

Rob: Die Wahl lief ziemlich automatisch ab. Lars war sehr begeistert, einen Schauspieler wie ihn mit im Boot zu haben. Er war begeistert von seiner Leistung in früheren Filmen. Wir brauchten jemanden, der ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht hatte, da ja keine Dialoge stattfanden. Dane war perfekt. Es war auch ein Glücksfall, dass er die meiste Zeit verfügbar war. Sowohl für die Produzenten, Nimrod und auch Lars war er die erste und auch einzige Wahl. Und er war Metallica-Fan genug, um das auf sich zu nehmen. Und wir hatten Glück, dass es zwischen Nimrod und DeHaan gut harmonierte.

MI/RT: Wie viele eigene Ideen von der Band wurden realisiert? Du hast ja schon erwähnt, dass du ein paar Ideen hattest.

Rob: Das war auch ein Teil vom Prozess. Es ist typisch für Metallica, dass wir beim kreativen Prozess immer beteiligt sind. Alles andere ist für uns unvorstellbar. Regisseure haben jedoch oft eine klare Vision und halten strikte daran fest. Das kann manchmal zu Spannungen führen. Es war aber auch für uns einige Learnings – vor allem beim Schnitt. Da gab es noch einige Änderungen und dies war ein sehr langer Prozess.

Für eine solche Produktion ist es aber grundsätzlich wichtig ein gutes Team zu haben. Das bestmögliche Team zu haben. Und wir hatten Glück, eine grossartiges Film- und Produktions-Team zu haben. Aber auch unsere Roadcrew, unser Lichtleute, Bühnenverantwortliche … jeder ist Teil dieser Maschine, die so was produzieren kann. Eine Person alleine kann das nicht handeln. Wir brauchen jeden, um unsere Zylinder zu befeuern. Das ist etwas vom genialen bei Metallica dabei zu sein. Jeder ist mit so viel Leidenschaft dabei.

MI/RT: Die Bühne ist gewaltig. Wie lange wurde daran gearbeitet?

Rob: Die Bühne wurde…

(Lars kommt rein und entschuldigt sich für die Verspätung).

Rob: Yeah … (lacht). Die Frage war, wie lange es dauerte die Bühne aufzubauen.

(Lars setzt sich neben mich und liest fiktiv von meinem in der Tastatur aufgesteckten iPad)

Lars: What can we expect … (alle Lachen)

MI (pam): OK, kannst du somit die Fragen ablesen?

Lars (fasziniert vom iPad): Wo, wie ausgefallen das Teil ist.

(Ich übergebe ihm auch einen Metalinside Button und auch er bedankt sich für das Mini-Geschenk ganz artig – na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, dass wir einen der beiden ja mal mit einem Metalinside-Button sehen. Gebt mir Bescheid, wenn das der Fall ist. Während Lars und ich noch ein bisschen im bilateralen Austausch sind, beantwortet Rob die Frage).

Rob: Die Bühne selbst war ein „Biest“. Wir hatten viel mit unserer Crew ausprobiert, damit das unglaubliche Ding einwandfrei funktionierte. Es war ein langer Weg, diese so hinzukriegen und wir hatten auch ein paar Testdrehs auf dieser, um rauszufinden, wo was sein sollte, wenn wir mit dem richtigen Dreh starten.

Es braucht definitiv ein bisschen Zeit. Die Bühne war speziell für den Film kreiert worden. Die Leute fragen, ob wir eines Tages damit touren. Ich hoffe es. Aber zuerst soll mal der Film rauskommen, um uns ein bisschen Luft zu verschaffen. Wir werden sehen, was mit der Bühne noch passieren wird. Aber es ist auch eine sehr gefährliche Bühne. Pyros kommen überall raus, Dinge kreuzen die Bühne und fallen von oben auf dich runter. Es war eine Herausforderung aber wir lieben Herausforderungen. Es war auf jeden Fall unheimlich spannend.

Lars: Oh, du brauchst mich gar nicht (wohl überrascht, dass nicht nur er ewig antworten kann).

MI/pam: Ich habe eine Frage für dich (mit etwas Mitleid in der Stimme).

Lars: Oh, du hast eine für mich (lacht).

Rob: Ich habe vorher Frisbee gespielt und so läuft mein Blut grad sehr gut (Lars und vor allem Rob haben zwischen den Interview-Terminen immer wieder in einem grossen Vorraum des Ritz-Carlton Frisbee gespielt – als Rockstar darf man das, auch wenn keine Vasen oder ähnliches in Flugweite waren. Gemäss ihrem Assistenten machen sie das immer und der Frisbee sei schon weitgereist – für diese Auskunft gibt’s einen Bumper-Sticker für seinen Frisbee).

Lars: Ich bin eingeschlafen. Es tut mir leid. Meine Assistentin hat mich nicht geweckt.

Rob: Sie hat sich wohl nicht getraut. 

MI/RT: War es schwer für euch auf die Musik zu konzentrieren, während auf der Bühne so viel passierte?

Lars: (Überlegt kurz) Wir haben offensichtlich schon ein bisschen Erfahrung damit. Wir haben verschiedene Arten davon früher schon gemacht. Das meiste was auf der Bühne passierte hatten wir früher schon gemacht. Auch die Kameras. Heutzutage fühlst du dich sowieso immer gefilmt. Diese 3D-Kameras sind zwar ziemlich gross, aber wir fühlten uns trotzdem sehr wohl dabei bzw. sicher nicht unwohl. Der Unterschied vor 20 Jahren ist, dass … ähm, das einzige was wir tun können, ist unser Bestes geben. Für eine gewisse Zeit in den 80ern und 90ern waren wir in der Band uns gegenüber sehr streng. Heute unterstützen wir uns gegenseitig. Wir ermutigen uns gegenseitig, anstelle aneinander dauernd vorzuwerfen, was der andere gemacht oder nicht gemacht hat, du hast diesen Song „fucked-up“. Es ist jetzt allgemein eine viel angenehmere Gruppe. Wir gehen einfach auf die Bühne und geben unser Bestes. Das ist gut genug.

Weil uns die Bühne noch nicht so vertraut war. Wegen all diesem Zeugs (auf der Bühne) sind unsere Auftritte auch ein bisschen roher, kantiger. Wenn du 200 Shows auf der gleichen Bühne spielst, hast du irgendwann den Autopilot aktiviert. Uns wurde in der Vergangenheit gesagt, als wir auf der 360 Grad Bühne gespielt haben, kamen Leute auf uns zu, die davon sieben Shows gesehen haben und fragten: „Warum steht er am Anfang des 11. Songs immer am gleichen Ort?“ Du wirst richtiggehend (an diese Stelle auf der Bühne) angezogen, wenn du es immer und immer wieder tust. Du fühlst dich mit der Zeit einfach zu Hause auf der Bühne. Der Film wurde jedoch gedreht, bevor es soweit kam. Es war ja keine Tour, sondern ein Filmdreh. Das war anders, als wir es früher gemacht haben.

MI/RT: Wie lange dauerten die Filmaufnahmen?

Lars: Der Konzertteil … ähm, benötigte glaub zehn Tage. Zwei komplette Shows in Edmonton, zwei komplette Shows in Vancouver. Dann ungefähr vier Tage einzelne Songs/Szenen, der elektrische Stuhl, Kamerafahrten und verschiedene Sachen ausprobieren – und das Publikum war immer teil davon. Dieses war auch instruiert für die Extras. Es war kein klassisches Konzertpublikum.

MI/RT: In „Some Kind Of Monster“ sah man eine andere, sehr persönliche Seite der Band. Würdet ihr diesen Film heute immer noch drehen?

Rob: Das war mehr ein Dokumentarfilm. Ich weiss nicht, ob wir würden. Ich weiss nicht wie Lars darüber denkt. Das war damals meine erste Erfahrung mit der Band.

MI/pam: Dein Auftritt war ziemlich eindrücklich, als du „Battery“ gespielt hast.

Rob: Oh, thanks. Aber jetzt zehn Jahr später sind wir wieder da. Das ist witzig, vor zehn Jahren wir hier für Some Kind Of Monster und jetzt sind wir da am gleichen Ort, um Through The Never zu zelebrieren.

Lars: Ich glaub, es ist jetzt eine andere Geschichte. Es gab eine technische Entwicklung, welche auf ihre Art die Some Kind Of Monster Doku weiterführen. Die Kameras in unserem Headquarter (HQ) sind immer am Laufen. Wir dokumentieren alles für Webseiten, DVDs Extras, Making-ofs. Alles wird aufgenommen, sobald wir das HQ betreten, egal wohin du gehst. Wenn wir live spielen, nehmen uns 15‘000 iPhones auf. Alles wird immer aufgenommen. Metallica war immer sehr offen für völlige Transparenz und kompletten Zugang zu uns. Die Technology gibt Zugang zu jeder Show die wir spielen als Download auf unserer Webseite. Du hast den Zugang zur Band. Ich weiss nicht, was wir noch zusätzlich geben könnten.

Was Some Kind Of Monster einzigartig machte, war nicht der Zugang zur Band, sondern was zu dieser Zeit mit der Band los war. Du kannst jederzeit einen Film über eine Rock n Roll Band machen. Some Kind Of Monster war jedoch nicht ein Film über eine Rock n Roll Band, sondern über Beziehungen zwischen Leuten die in dieser verrückten Situationen waren.

Die Tür zu Metallica war für die Fans immer offen und sie waren immer Teil von dem was grad lief. Es gab nie eine Led Zeppelin ähnliche „larger than life“ Mythologie bei Metallica, wo man keine Fotos von der Band in dem Album-Booklet zeigt und solches zeugt. Unsere Einstellung war immer, da sind wir und „join us for the ride“.

Jetzt kannst du mir deine Frage stellen (Lars tippt auf meinen Arm).

MI/pam: Thank you. Ich hatte zweimal ziemlich heftig Hühnerhaut, als ich den Film sah.

Lars: OK

MI/pam: Voller Erwartung während der Anfangsszene auf dem Parkplatz als „Whiplash“ aus den Kinoboxen dröhnte. Und am Ende mit „Orion“. Ich hatte meiner Frau schon oft gesagt, dass sie an meiner Beerdigung in der Kirche Orion vom Band spielen soll. Dies ist das Ende. So war für mich das Ende im Film mit Orion perfekt. Ich würde somit gerne über das Ende vom Film sprechen.

Ist es das, um was im Film geht, als der Roadie am Ende zurück im Stadion ist. Egal welche Schwierigkeiten du im Leben hast, am Ende bis nur du und deine Götter obwohl du dachtest, dass du sie verloren (verpasst) hast und sie dich allein liessen? Und da sind sie am Schluss und spielen nur für dich?

Lars: Happy Ending.

Rob: Yeah, du hast dies auf eine sehr kreative Art ausgedrückt. Es hört sich an, dass du während dem Film einen sehr speziellen (kreativen) Moment hattest. Das gefällt mir.

Lars: Können wir dies als Review verwenden? Ich liebe es. Das ist grossartig. Das ist sehr poetisch.

MI/pam: Eines meiner Lieblingsbücher ist „Der Alchemist“ und ich habe von Nimrod gelesen, dass die Geschichte von diesem Buch beeinflusst wurde.

Rob: Ich habe das Buch auch gelesen.

MI/pam: Wie interpretiert ihr das Ende, ohne zu Fragen was in der Tasche ist…

Lars: Ich finde … ähm, ja, du hast es genau auf den Punkt gebracht. Ich weiss nichts Zusätzliches zu sagen. Es ist eine Geschichte einer Reise, nicht aufzugeben, treu zu bleiben, es ist eine Eroberungsgeschichte. Es ist die Geschichte, was einem passiert, wenn die Welt plötzlich auf dem Kopf steht … ähm, du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. Jeder Zuschauer kann für sich etwas aus dem Film (der Geschichte) rausnehmen, was für sein Leben, unsere eigene Reise Sinn macht. In einer gewissen Weise handelt der Film über Hoffnung.

Ich wurde die letzten drei Wochen so viel über diesen Film interviewt und hatte unzählige verschiedene Interpretationen über den Film gehört, deine ist jedoch sehr einzigartig, poetisch. Ich würde dies nie hinterfragen. Wenn Nimrod hier setzen würde, der diese grossartige Geschichte geschrieben hat, hätte er wohl noch eine andere Antwort. Alles war wir (Metallica) machen, ist immer mehrdeutig, kann unterschiedlich interpretiert werden. Ich möchte, dass jeder das für sich rausnimmt, was für ihn stimmt, was er will.

Ich werde oft gefragt, warum Metallica so erfolgreich ist. Diese Frage zu beantworten, macht mir Angst. Aber vielleicht ist es das (Erfolgsgeheimnis), dass jeder eine eigene Version von Metallica hat (sich machen kann). Das funktioniert. Aber höre nicht auf mich, ich bin der Letzte, der sagen kann, was funktioniert. Ich denke, das ist die Moral des Films, dass sich jeder etwas anderes rausnehmen kann. Das ist die vielleicht auch die Moral von Metallica.

Wir haben grad die Lösung gefunden. Es wird nachher keine weiteren Interviews geben. Ihr ward soeben Teil des letzten Interviews. Wir haben es endlich rausgefunden.

Rob: Yeah, that’s it.

(Die Agenturlady unterbricht hier und beendet das Interview nach der vorgegebenen Zeit).

MI/RT: Nur noch ein letzte Frage. Wann geht’s wieder ins Studio für ein neues Album?

Lars: Bald. Wir werden die nächsten sechs Wochen in der ganzen Welt für diesen Film unterwegs sein. Anschliessend werden wir uns Gedanken über das neue Album machen. Nächstes Jahr wird sich nur um die neue Scheibe drehen.

Rob: Wir können es kaum erwarten.

MI/pam: Wir auch. Danke fürs Interview und viel Erfolg mit Film.

Beide: Thanks.

Lars: Und danke, dass ich eine Viertelstunde länger schlafen durfte. Die nächsten werden Euch dankbar sein. Seht wie frisch ich jetzt aussehe (eher ironisch gemeint).

19.09.2013
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