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Metallica - Through The Never (Filmplakat)
Do, 3. Oktober 2013

Metallica – Through The Never 3D

Thrash Metal
27.09.2013
Metallica - Through The Never (Filmplakat)

Ein Thrash-Metal-Film!

Gar nicht so einfach eine Film-Review zu schreiben. Einerseits will man ja möglichst viel Spannendes und Insiderwissen erzählen, andererseits sollte man ja auch nicht alles verraten. Das Gute vorweg, die paar 08:15 Journis, die mit mir den Film «Through The Never» von Metallica schauen, sind enttäuscht. „Ich höre jetzt nur noch klassische Musik“ meinte einer der Film, aber-sicher-nicht-Metal-Schreiber bzw. -Kritiker. Und den meisten war es schlicht zu laut. Es ist der (Konzert-)Film einer Thrash-Metal-Band mit Thrash-Metal-Musik und somit nichts für die Nothing-Else-Matter-, Promi-Flash- und Disney-Film-Fraktion.

Metallica bleibt also trotz der notorischen 90er Jahre und kürzlichem Lulu-Tiefpunkt den Thrash-Metal-Wurzeln in „Through The Never 3D“ treu. Die Songauswahl könnte kaum besser sein. OK, ich könnte immer ein bisschen mehr Kill ‚Em All und Master-Zeugs ertragen, aber das wäre jetzt ein Klagen auf hohem Niveau. Und endlich wieder mal ein Metallica-Konzert ohne „Sad But True“, tut zumindest mir alles andere als weh.

Aber nun der Reihe nach: Europa-Premiere

Wir befinden uns in Berlin zur Europa-Premiere von Metallicas nach „Some Kind Of Monster“ zweiten Kino-Film. Ein paar Deutsche C-Promis – u.a. ein sich wichtig haltender Martin Kesici – und vor allem viele Metallica-Fans laufen auf dem schwarzen (!) Teppich – und noch mehr stehen links und rechts davon. Zu aller Letzt und nebst den Fans wirklich und einzig relevante erscheinen Lars und Rob – mehr oder weniger direkt vom Toronto Film-Festival, wo die Nordamerika-Premiere stattfand.

So viel zum Brimborium vor der Premiere, nun aber definitiv zum Film. Als Filmliebhaber hat Lars schon früher erwähnt, dass er gerne wieder einen Metallica-Kinofilm machen möchte. Mit Some Kind Of Monster hatten sie das Dokumentationsformat bereits ausgelotet und wie uns Lars im Interview verrät, macht eine solche Doku heute fast nicht mehr Sinn, dass sie ja eh pausenlos gefilmt werden.

Ein Film wie ihn die Welt noch nie gesehen hat – The Full Arsenal

Ihre langjährigen Manager bei Q-Prime – Peter Mensch und Cliff Burnstein – präsentierten schliesslich der Band ein Filmkonzept, „wie es die Welt vorher noch nie gesehen hat.“ Sie hatten den Anspruch die grösste Show Metallicas mit der aufwändigsten Live-Bühne aller Zeiten auf Film zu bannen. Und das heisst, dass man das volle Arsenal, was in früheren Tourneen eingesetzt wurde, alles in eine Bühne verpackte. Einfach noch ein bisschen grösser und ausgefeilter. So gibt es zum Beispiel ein Wiedersehen mit einer imponierenden 11 Meter grossen Doris (Justitia), den noch nicht so alten Särgen der Death Magnetic-Tour, ein paar ganz Glückliche durften wieder in den Snakepit. Obwohl es Bilder davon gibt, sah ich im Film die überdimensionale WC-Schüssel – Metal Up Your Ass, dem ursprünglichen Cover und Name von Kill ‚Em All – nie. Die wurde wohl dem Schnitt zum Opfer. Da gibt es sicher ein Wiedersehen auf DVD/Blue-Ray. Zusammenfassend meint James, dass dies „das Schweizer Sackmesser unter den Bühnen“ sei. Unterhalb, auf und über der Bühne geht immer was ab und das ist alles kompakt verpackt in der Grösse eines Eishockey-Feldes, der grössten und komplexesten Hallenbühne, die je gebaut wurde. Für Kirk definitiv die „coolste Bühne, auf der wir je aufgetreten sind.“

Und 3D soll es sein, „um die aktuellste Filmtechnik zu nutzen“, begründet Lars diesen Entscheid. „Wir wollten jedoch keine altmodischen 3D-Gimmicks wie Gitarrenhälse, die ins Publikum ragen oder Drumsticks, die durch die Luft fliegen. Es ging uns darum, dem Geschehen auf der Bühne eine Tiefe zu verleihen. Der Film ist weitgehend aus der Perspektive der Band gedreht. Das Publikum steht quasi auf der Bühne, nicht davor. 3D macht eine realistische Erfahrung.“

Zu Letzterem gebe ich Lars nur teilweise Recht. Die meiste Zeit schauen wir während den Konzertszenen schon der Band zu und nicht umgekehrt. Es gibt jedoch Momente, wo man ganz nah dem Geschehen ist, wenn z.B. James beim Schlagzeug steht und der Betrachter abwechselnd die Optik von Lars und ihm einnimmt. Es wurde mit 24 Kameras gleichzeitig gedreht und so entgeht einem kaum etwas und dies verleiht dem ganzen schon eine ganz neue Perspektive, wie man es an einem Konzert oder Standard-Konzertfilm nie hätte. Und 3D wurde in der Tat nicht auf die Spitze getrieben. Die Band spielt für das Publikum vor Ort und nicht für die Kameras. Das finde ich ziemlich gut so. James streckt uns also im Kino nicht seine Hand entgegen oder Robs fliegende Zöpfe knallen uns auch nicht um die Köpfe. Definitiv wurden bei der Produktion mit 32 Mio. USD keine Kosten gespart.

Von vorn nach hinten

Speziell war nicht nur das wie, sondern auch der Zeitpunkt wo gedreht wurde. „Wir arbeiteten von vorne nach hinten“, sagt James. „Normalerweise gehst du mit einer Show auf Tour, du wirst immer besser und am Schluss filmst du das Ganze.“ Lars erzählt uns am Roundtable-Interview (siehe Interview hier), dass so gar nie eine Routine aufkommen konnte und vieles spontan passierte. Da man schlicht nur fünf Konzerte (alle in Mexico City) mit der neuen Bühne spielte und so relativ wenig Live-Erfahrungen sammeln konnte.

Da sind wir also gespannt, was auf uns zukommt. Bevor ich jedoch diese Bühne sehe, kriege ich schon in den ersten Sekunden des Films deftig Hühnerhaut und es läuft mir eiskalt den Rücken runter. „Whiplash“ hämmert aus den Kinoboxen und ein Metalhead wie er im Buche steht, fährt auf einen riesigen Parkplatz, wie man solche nur in Nordamerika kennt. Er ist der erste auf Platz und zelebriert dies entsprechend, in dem er auf sein Auto steigt und die scheinbar (noch) nicht anwesende Welt davon teilhaben lässt.

Als damals bei Some Kind Of Monster „Master Of Puppets“ aus den Kino-Boxen riffte, wusste ich, das will ich wieder erleben. Die Surround Power übertrifft rein soundmässig jedes Konzert. Und so ist mir gleich in den ersten Sekunden des Films klar, ich weiss warum ich hier bin. Es geht um Metal. Um verdammt geilen Metal, der beste Metal der je geschrieben wurde. Alleine die ersten paar Minuten des Films sind das Eintrittsgeld wert.

Wir begeben uns mit der – nebst den Metallica-Jungs – Hauptfigur Roadie „Trip“ (Dane DeHaan) in die Katakomben der riesigen Konzerthalle einer fiktiven Metropole (gedreht wurde – zumindest die Live-Shows – zwei Tage in Edmonton und drei Tage in Vancouver). Wir sehen James wie er mit einem seiner Hot-Rods mit Knall und Feuer aus den Auspuff spuckend in die Tiefgarage fährt. Kirk läuft Trip über den Weg und begrüsst ihn beim Vorbeigehen. Dann auch Lars, der scheint jedoch Trip nicht sofort zu kennen. Und schliesslich eine der geilsten Szenen vom Film: Rob spielt sich in einem kleinen Raum, bestehend aus einer 360-Grad-Boxenwand, ein und bringt das Kino mit seinem Tieftöner zum Beben. Geil. Und wer da keinen erhöhten Herzschlag kriegt, hat entweder keinen und oder einen verdammt hartnäckigen Schrittmacher.

Nachdem Trip sein Paket abgeliefert hat, scheint alles seinen normalen Lauf zu nehmen und wir erleben den Beginn eines der bedeutendsten Konzerte, die je gespielt wurden. Klar, wir sind im Kino und schauen uns einen Film an. D.h. das Konzert wurde an mehreren Tagen durchgespielt und gedreht. Später dann auch einzelne Schlüsselszenen wiederholt. Dennoch verliert der Film nie seinen typischen Live-Charakter, wenn auch das eine oder andere auf der Hightech-Bühne (gewollt) schief geht… Cool ist auch, dass die Songs bis auf wenige, nicht wirklich störende Ausnahmen, immer komplett durchgespielt werden, ohne dass diese von der Parallelgeschichte unterbrochen werden. Es gibt also Song, Story, Song, Song, Story etc.

Die einzigartige Hightech-Bühne

Der Bühnenboden besteht aus riesigen Screens und mit dem Eröffnungssong „Creeping Death“ läuft das Kill ‚Em All-Blut auf diesen über die Bühne. Wir sind mittendrin und extrem nah bei den vier Horsemen, während diese die Live-Massen begeistern. Auch Trip steht auf der Tribüne und erlebt das Konzert zumindest während Creeping Death live. Bis nach Creeping die Glocken für ihn läuten. Während Metallica „For Whom The Bell Tolls“ spielt, erhält Trip einen neuen Auftrag und muss das Konzert schweren Herzens verlassen.

Die Songauswahl und Reihenfolge derer wurde bewusst so gewählt, dass diese immer mit der aktuellen Situation, in der sich Trip grad befindet, korrespondieren. Das Konzert ist somit gleichzeitig der Soundtrack zur parallel laufenden Chaos-Geschichte.

Mit „Fuel“ fährt er mit seinem Truck los und wird dann in einen Autounfall verwickelt. Während der elektrische Stuhl, mit echten Elektro-Blitzen (Lichtbögen von vier Tesla-Spulen) flankiert, zu „Ride The Lightning“ von dem Hallendach runtergelassen wird und James singt „I don‘t want to die …“ wissen wir noch nicht, ob Trip den heftigen Crash überlebt hat.

Er tut es, auch wenn er wohl anfangs wie in „One“ gesungen, sich in seinem schmerzenden Körper gefangen fühlt. Nun, er wird bald wieder rennen. Rennen müssen, denn jetzt kommt die Parallelhandlung des Films so richtig ins Rollen. Trip findet sich urplötzlich mitten in einer von Strassenschlachten dominierten Metropole wieder und erlebt so seine eigene Apokalypse. Unterstrichen wir dies mit dem apokalyptischen Reiter, der als Henker in dieser von Gewalt beherrschten Welt fungiert. Schon bald ist auch Trip in seinem Visier und so wird er vom einfachen Roadie zum Gejagten.

Back to the roots – the garage days

Beim finalen Kampf gegen den Reiter nimmt Trip indirekt Einfluss auf das Konzert, welches entsprechend in Mitleidenschaft gezogen wird. All die Gimmicks, Lichtshow etc. fallen aus. Metallica sind jedoch spontan genug – welches in der Wirklichkeit in dieser Art wohl nur die die Ärzte wären – und lassen sich ein paar Amps auf die Bühne stellen. James sagt zum Publikum – welches wohl kaum weiss, ob es sich hier um Show oder Wirklichkeit handelt – dass sie trotz dem Ausfall der meisten Systeme, weiter spielen wollen. Er fühle sich wie damals in den Early Days in der Garage. Und so spielen sie mit „Hit The Lights“ einer der ersten Metallica Songs überhaupt unter dem Schein des letzten noch funktionierenden Scheinwerfers.

Die Ironie der Geschichte liegt also darin, dass sie ursprünglich auf einer der grössten und ausgefeiltesten Bühnen ever spielten und sich jetzt in der Garage-Atmosphäre wiederfinden.

Das absolute Highlight am Ende des Films

Noch intimer wird es ganz zum Ende des Films. Der Moment wo ich zum zweiten Mal deftig Hühnerhaut bekomme. Sie spielen den Song – ganz ohne Publikum bzw. fast ohne – der auch bei ihrem ersten Home-Video ebenfalls zum Titelabspann lief und auch bei meiner Beerdigung laufen soll. Meine Frau weiss seit Jahren, dass wenn bei meinem Leben der Abspann läuft, dann auch dieser Song in der Kirche ab Band in seiner vollen Länge gespielt werden soll. Und so habe ich eine ganz eigene Version, wie ich den Schluss und somit die Botschaft des Films interpretiere. Als ich dies Lars und Rob während dem Interview erzähle, sind beide richtig berührt und betonen, dass ich es genau auf den Punkt bringe. Sie hätten bisher schon zig Interpretationen gehört, meine wäre jedoch die poetischste und diese machte selbst einen Lars Ulrich beinahe sprachlos.

Obwohl ich denen nur erzählte, was ich fühlte und mich 100% mit dem Schluss des Films identifizieren konnte, erlebte ich so einen der Momente im Leben, die gefühlsmässig nicht deftiger hätte sein können. Nicht dass ich die Band treffe, welche mehr als die Hälfte meines Lebens stark prägte, sondern dass mich deren Film anfühlt, als wäre er mir auf den Leib geschrieben. Ich glaub, dass konnten die beiden auch fühlen und so war es ein ganz spezieller Moment.

Also, ja nicht zu früh aufstehen, denn das absolute Highlight kommt ganz zum Schluss. Und obwohl es sich deftig nach Cliff anhört, sei es gemäss Rob live gespielt. Mehr will ich jetzt definitiv nicht mehr verraten. Aber es würde mich interessieren, wie ihr den Schluss erlebt und was der bei euch auslöst.

Das Fanzit Metallica – Through The Never 3D

Metallica – Through The Never 3D ist Pflicht für Metallica-Fans Sparte Thrash-Metal. Er ist somit auch absolut empfehlenswert für alle anderen Metalheads. Der Kino-Eintritt garantiert einer der unüblichsten Konzertfilme, Metallica fast wie zu ihren besten Zeiten auf einer Bühne, die so noch nie existierte, eine Vielzahl der besten Songs die je geschrieben wurden in Dolby Surround und jede Menge Hollywood-Action. Ein Film in dieser Art kann – rein schon nur aus Budgetgründen – nur die grösste Metal-Band aller Zeiten liefern. Also, ein paar Biere kaufen und mit den Fellow-Metalheads ins Kino. Bang that head that doesn’t bang!

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Setliste Metallica – Through The Never 3D

  1. Whiplash (nicht live)
  2. Creeping Death
  3. For Whom The Bell Tolls
  4. Fuel
  5. Ride The Lightning
  6. One
  7. The Memory Remains
  8. Wherever I May Roam (nur Intro)
  9. Cyanide
  10. … And Justice For All
  11. Master Of Puppets
  12. Battery
  13. Nothing Else Matters
  14. Enter Sandman
  15. Hit The Lights
  16. Orion

Video Trailer Metallica – Through The Never 3D


Film/Video/Buch/Game Review Bewertung

Autor Bewertung: 10/10



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27.09.2013
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